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Na servus.

Ja, es gibt sie auch in Heinertown die Locations, die so in sind, dass ein mutmaßlich >100.000 Euro Wagen direkt davor auf dem Gehsteig parkt und im Garten viel Bussi-Bussi und Rolex und alternativ nur die unvermeindlichen Schrittzähler-Uhren und natürlich blondiert, aber keiner Sonnenbrille im Haar, weil das gibt es ja nur in München. Und dann stehst du da und stellst fest, dass der hervorragende Italiener, der im übrigen auch Münchner Preisniveau hat, aber das ist ja erstaunlicherweise in Heinerland nicht überraschend, ein echter In-Schuppen ist. Im Gegensatz zu anderen Frauen bestelle ich keinen Spritzz, weil das mache ich eigentlich nur noch in Bozen und dann heißt es Veneziano - oder man trifft mich auf dem Fuß, dass ich mich in Italien fühle - gedanklich. Passiert alle paar Jahre. In meiner Stammwirtschaft in Neuhausen gab es einen hervorragenden Spritzz, sehr italienisch. Aber meine Neuhausen Zeit ist fünf Jahre vorbei und seit vier Jahren gibt es auch den alten Löwengarten nicht mehr. Dort ohne Bussi-Bussi.

Da mit Bussi-Bussi und Kötern, die in Handtaschen spazieren getragen werden. Und dann kommt so ein Köter mit zugehörigen Herrchen, das eindeutig zuviel Zeit auf dem Golfplatz verbringt, an. Und das Herrchen so: "Servuuus".

Servuuus. Hey, ich ich bin so cool. Ich war schon in Lech oder Kitzbühel. Oder am Tegernsee. Und deswegen bin ich jetzt multilingual und da, wo die coolen Leut sind, da sagt man so. Ich kann's nur nicht aussprechen, weil ich bin halt a hessischer Heiner - aber ich tu mal so. Na servus.


Neues von der Else Kling

oder auch: des is doch mir alles wurscht (also den anderen)

Und weil mir nicht alles wurscht ist, mutiere ich regelmäßig zur Else Kling. Ohne Kittelschürze versteht sich.

Da man sich aber auf ein Spezialthema spezialisieren muss, ist mein Spezialthema im Haus der Müll. Ich sehe zwar durchaus noch andere Potentiale, aber solange dieses Thema nicht durch ist, setze ich meinen Focus, weil ich will ja nicht hauptberuflich unbezahlte Hausmeisterin werden, so fühle ich mich ja eh manchmal schon. Ich sag's Ihnen: das Thema Müll in einem Mehrfamilienhaus... Da kommt man an Punkte, bei denen man sich fragt... Aber die Hausverwaltung sagt, das sei überall so. Da frag ich mich auch...

Wertstoffhof? - Ach, da muss ich ja erst hinfahren. Das entsorge ich doch lieber im Restmüll. Oder ich stell es im öffentlichen Bereich ab, wo es dann so richtig versifft, aber sich keiner traut, wegzutun, weil es könnte ja Privateigentum sein.

Container? - Da muss ich ja erst 50 Meter über die Straße gehen. Dabei könnte man da ja auch seinen Wertstoffmüll abladen, jedenfalls sieht es so aus dort.

Und wenn dann alles da ist, wo es sein sollte, sagt die Müllabfuhr: nein, also die Tonnen bringen wir nicht auf die Straße - weil da stehen ja Räder im Durchgang. Die nirgendwo anders stehen können, weil die Stadt München ja eine Verordnung hat, wieviele Radstellplätze zur Verfügung zu stellen sind. Und eine weitere Verordnung hat, dass man die nicht einfach im Hof abstellen kann, weil da eine Spielfläche ausgewiesen ist. Aber der Durchgang zwischen Rädern und Wand zu schmal ist - und als Spielfläche würde das auch nicht durchgehen. Also sagt die Müllabfuhr: wir leeren die Tonnen nicht. Es sei denn, ihr stellt sie raus. Und der Hausmeister sagt: also wenn ich sie rausstellen soll, will ich das dreifache meines Monatsgehalts - weil wir sind ja in München. Und für Müll bin ich nicht zuständig.

Und dann diskutierst du noch mit jemanden, ob man nicht das ganze runterleveln könnte: wir zahlen das doppelte  und die Tonnen fahren wir selbst rein. Und derjenige, der diesbezüglich erfahrener und desillusionierter ist als du, sagt nur: der Depp bist du.

Und er hatte Recht. Weil der Hausmeister sagt: ich rechne das zwar ab, aber machen tu ich es nicht. Der Rest der Hauses sagt: des ist doch mir wurscht. Und die einzige, die die Mülltonnen wieder reinbringt, nachdem sie die halbe Woche abgewartet hat, ob es jemand macht, bin ich.

Und dazwischen gehen die Mitbewohner halt vors Haus, um ihren Müll zu entsorgen. Oder schmeißen die Tüten dahin, wo die Müllltonne stehen sollte. Weil irgendjemand kümmert sich schon. Werd ich auch wieder Mieter, weil dann ist mir alle egal? Wobei mir das auch als Mieter nicht war. Ich hab immer den Standpunkt gehabt: wir leben hier zusammen. Das ist unser Haus. Lasst uns gemeinsam schauen, dass es so läuft, dass es für uns alle gut ist.

Aber das ist ja allen völlig wurscht. Den einen, weil es ihnen wirklich wurscht ist. Den anderen, und das finde ich völlig absurd, weil sie sagen, ich bin ja hier nur Mieter. Ja und? Ist eine Hausgemeinschaft, die nur aus Mietern besteht, mehr wert als eine die sowohl als auch? - Fakt ist: wir leben hier zusammen. Und wir wollen gut zusammen leben. Davon gehe ich jedenfalls aus. Aber ich hab immer mehr das Gefühl, das mein nur ich.


Ein eigenes Bad ist keine Luxussanierung

Arme Mieter gegen böse Vermieter. Super Geschichte, läuft in München. Drohende Luxussanierung. Noch bessere Geschichte. Aber erzählen wir die Geschichte doch mal anders.

Es gibt ein völlig marodes Haus, von denen es übrigens in München noch viele gibt, bei dem die notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen seit Jahrzehnten unterblieben. Ich mein: Gemeinschaftsklo, kein eigenes Bad. Das ist seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr Standard. Aber machen wir uns nichts vor, davon gibt es noch diverse Häuser in München. Und seit etwa 20 bis 30 Jahren sterben eben jene Vermieter, die sich nie drum gekümmert haben, weg. Die haben sich aber weder um ihre Häuser groß gekümmert, noch um die Erbfolge. Das waren oft einfache Leut, die unten ihre Werkstatt drin hatten oder ihren Laden, die das so schon von der Generation davor übernommen hatten. Ein Mietshaus in München zu haben, war lange Zeit nichts besonderes. Das hat dem Bäcker gehört, der seinen Laden da hatte. Dem Schreiner mit seiner Werkstatt. Und einen Generationswechsel ging das gut.

Und jetzt, vielmehr seit Jahrzehnten, haben wir den zweiten. Und es gehört viel dazu, das dann erhalten und auf neuesten Stand - am besten noch sozialverträglich - bringen zu wollen. Da hast in der Regel noch eine Erbschaftsgemeinschaft, in der es reicht, wenn auch nur einer ausscheert und sich auszahlen lassen möchte - dann ist es eh vorbei. Aber gehen wir mal vom Idealfall aus: die Erben wollen erhalten. Sogar nach der Erbschaftssteuer - die sie im übrigen nur bezahlen können, wenn sie selbst vermögend sind oder darauf setzen, dass das Ganze ein Ding ist für ihre Kinder oder Enkelgeneration. Und dann kommt das Gutachten, die Sanierungskosten betreffend. - Da sagt fast jeder: Nein. Plus der Ärger mit den Mietern und den Medien? Nein. Nein. Nein.

Das ist hart für die Mieter. Heute noch viel mehr als vor 20 Jahren. Aber sind wir doch mal ehrlich: Können wir alle nachvollziehen, oder? Mir hat mehr als ein Nochnicht-aber-Nachfolge-Eigentümer gesagt: Ich werde mir das nicht zahlen können. Andere leben mit einem Berg Schulden obwohl sie eigentlich vermögend wären. Es gehört viel dazu, das dann durchzuziehen. Es gehört auch ein Generationendenken dazu, strategisches Denken, ein guter Berater in steuerlichen Fragen. Ich verstehe jeden, der davor kapituliert.

Und jetzt - sehr unpopulär: ich halte tatsächlich die Umwandlung für die beste aller Lösungen. Nach weiträumigen Erhaltungssatzungsgebieten augeschlossen. Aber ist es soviel besser einen Miethai auf die Mieter loszulassen? - Achtung: wir haben hier eine zum Teil rückblickende Darstellung

Das Problem sind ja die Geier, die bei allen jetzt möglichenVarianten lauern.

Bei einer Umwandlung mit Vorkaufsrecht haben die, die wohnen eine Möglichkeit, dort wohnen zu bleiben. Ansonsten kommt ein Investor, investiert, setzt die Mieten hoch und schaut nach zehn Jahren, ob all die Mieterhöhungen was gebracht haben und sich das Investment lohnt. Wenn nicht, stoßen wir es ab. Nach zehn Jahren kein Problem. Dann fällt ja auch die Spekulationssteuer weg. Und dann kann immer noch umgewandelt werden - nur die ursprünglichen Mieter und potentiellen Käufer werden sich das nicht mehr leisten können.

Das Geierproblem lauert aber zugegebenermaßen auch bei einer Umwandlung. Die, die sowohl Mieter wie auch Einzelkäufer übers Ohr hauen. Weil, liebe ungläubigen Leser, gearscht sind tatsächlich beide. Und deswegen haben auch (in diesem Fall zu Recht) zu wenig Mieter vom Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. Eigentlich geht es darum, diese Geier einzudämmen. Das sind die, die in dem Umwandlungsprozess fünf mal völlig legal ihre Form und ihren Namen ändern bis sie für nichts mehr haftbar gemacht werden können. Aber das machen sie auch, wenn sie das ganze Objekt behalten und dann nach zehn Jahren steueroptimiert es weiterverscherbeln. Dann haben weder Mieter noch potentielle, da will ich wohnen Neu-Eigentümer eine Chance.

Das Problem liegt in der Struktur. Der Eigennutzer einer Wohnung ist nicht - und darf es nicht sein - das Problem. Eigentlich sind Eigenutzer gut: sie sagen nicht "leck mich irgendwo, interessiert mich nicht". Und eigentlich ist so ein Einzelvermieter, mit dem man reden kann, wahrscheinlich auch nicht das verkehrteste. Gut, der beste aller Vermieter ist sicherlich der gute alte Eigentümer, dem ein ganzes Haus gehört. Aber die wie gesagt, sterben weg. Und wenn sie nicht verantwortungsvoll zur rechten Zeit mit ihrem Eigentum umgegangen sind (was nicht immer im Sinn des aktuellen Mieters gewesen wäre und wäre, sondern zukunftsplanerisch) und steueroptimiert für die Erbengeneration, dann bleibt nur der Verkauf. Das Thema ist in München noch lange nicht durch.


Dahoam

Jetzt arbeiten sie sich alle wieder mal am Begriff Heimat ab. Heimatgefühle sind Intellektuelle ein rotes oder eher schwarzes Tuch, rechtes Teufelszeug und entsprechend hat man als  Linksintellektuelle keine Heimatgefühle, weil selbst wenn man sie hätte, dann würden sie nicht dem Selbstverständnis entsprechen. Und ich finde es sehr bitter, dass der Begriff Heimat politisch aufgeladen wird. Und wie immer hilft einem das Bairische weiter, denn da sagst einfach: dahoam.

Dahoam kann vieles sein: die eigenen vier Wände – ja, und darum gibt es auch ein Mittelstandseigenevierwändeförderprogramm der Bayerischen Staatspartei, weil die eigenen vier Wände Heimat sind. Sie bedeuten Beständigkeit, den Wunsch da zu bleiben – auch wenn man woanders hingeht, wiederzukommen.

Dahoam ist auch da, wo man sich kennt, wo jemand sagt: Griaß di, wie geht’s dir? Und sich im Zweifelsfall auch dafür interessiert, wenn man sagt: nicht so gut. Aber das einfach vor die Tür treten und jemanden zu kennen. Einen Nachbarn. In der Bäckerei drauf angesprochen werden, wenn man mal was ganz anderes nimmt. An Schmaatz halten, wie man auf gut Bairisch sagt. Das muss man sich erarbeiten. Egal wo.

Dahoam ist Sprache – das wird jeder bestätigen, der mit daheim telefoniert und plötzlich wieder im Heimatdialekt spricht.

Dahoam ist da, wo man sich über Dinge, über Mitmenschen, über Lokalpolitik aufregt, weil es einem nicht egal ist.

Dahoam kann ganz klein sein: ein Dorf, ein Viertel. Es kann auch groß sein. Bei mir ist es beides. In einer Kurzbio von mir steht: an der Isar dahoam. Ja. An der Isar gibt es die alte Heimat, die es immer geben wird, wenngleich immer weniger, aber sie wird immer Heimat sein. Dann gibt es München. Heimat. Und die große Liebe Isaraufwärts. Und wenn ich irgendwann doch da hinziehe und mir jemand sagt, du zuazogne aus Minga, was wuist du da – dann kann ich antworten: an der Isar war ich schon immer dahoam.

Die Isar ist Heimat.

Der Himmel, der hier so blau ist, wie er nur hier ist.

Der Moment, wenn der Föhn macht, dass der Flughafen an den Bergen ist und du ab dem Zeitpunkt den Bergen entgegen fährst.

Das blaue Land, weil du in diesem Moment immer wieder weißt, dass jedes Marc und Münter Bild nur ein Versuch ist.

Heimat ist was schwieriges, weil unfassbares. Es ist ein Gefühl. Man kann woanders hingehen und sich dort daheim fühlen, bis auf die Momente, in denen man, siehe oben, mit der alten Heimat spricht. Heimat gibt es nicht, wenn man sich nicht drauf einlässt. Man muss ankommen, um da bleiben zu können. Egal wo.


Rant eines Radlers gegen Radler

In meinem Großstadtumfeld, gar nicht so sehr in meinem ganz persönlichen viel mehr in meinem beobachteten, ist ja der Autofahrer der Teufel schlechthin. In der Höllenhierarchie der SUV-Fahrer quasi der Oberteufel. Mit zunehmener Aggressionstendenz. Jetzt beweg ich mich normalerweise mit dem Rad durch die Stadt - alternativ als Fußgänger oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln und aufs Auto steig ich nur um, wenn es wirklich sein muss - weil ehrlich gesagt, stresst mich das am meisten. Das liegt aber nur ganz bedingt an den anderen Autofahrern. Das liegt an den Radlern und Fußgängern. Letztere, die ohne von ihrem Smartphone aufzuschauen, die Straße überqueren, über rote Ampeln gehen (mach ich als Fußgänger auch - wenn ich mich vergewissert habe, dass KEIN Auto in der Nähe ist). Radfahrer, die alle Verkehrsregeln ignorieren. Die, wenn ich den Blinker zum einparken setze, zwischen mir und der Parklücke durchfahren. Das schlimmste war letztens eine Radlerin (mit Kind!), die sich zwischen mir und parkenden Autos vorbeigeschoben hat, als ich einem anderen Auto die Möglichkeit gab, aus einer Einfahrt rauszufahren.

Manchmal ist es ganz heilsam Auto zu fahren, um auch wieder einen anderen Blick auf das Verkehrsgeschehen zu bekommen. Ich habe als Radfahrer nicht Vorfahrt - vor allem nicht, wenn ich auf der falschen Straßenseite fahre. Weil mich ein Autofahrer einfach vielleicht nicht sieht. Ich hab auch als Radfahrer nicht Vorfahrt auf dem Bürgersteig. Da fahr ich hinter den Fußgängern her und wenn sie zu langsam gehen, dann steige ich ab. Und wenn mich jemand vorbeilässt, sage ich "danke". Das ist unabhängig von Verkehrserziehung Erziehung. Was jetzt kein Freibrief für Fußgänger ist, sich auf dem Radweg zu bewegen und sich nicht wegbewegen zu lassen.

 Ich persönlich glaube ja, dass die Aufhebung von Radwegen. Die Aufhebung von Einbahnstraßenregelungen für Radler. Genau das Gegenteil bewirkt hat, was es sollte. Was sollte es denn bewirken? Wenn jeder seinen Weg hat, sorgt das für Sicherheit. Ich fahr als Radler lieber auf einem Radweg. Und wenn ich früher im Uni-Viertel gegen die Einbahnstraße gefahren bin, hab ich total aufgepasst - weil ich war ja nicht im Recht - und hab einem Autofahrer noch ein "Sorry" entgegengeworfen. Da hat auch keiner aggressiv auf mich reagiert. Eine Zone für alle Verkehrsteilnehmer funktioniert nicht. Es fühlt sich damit nämlich jeder im Recht. Und Rücksichtnahme gibt es nicht mehr.

Auch kürzlich in der Barerstraße: zwei Radlerinnen im Schritttempo nebeneinander - zur Hauptverkehrszeit. Dass es da Trambahnen, Autos, andere Radfahrer gibt. Egal. Kein Hirn für a Fünferl. Aber wehe, ein Auto hätte sie geschnitten beim Überholen. Ui, böser Autofahrer. Ich war mit meiner Rennrad-Gazelle hinter ihnen und musste sie leider fürcherlich auf bairisch beschimpfen.

Und um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: das mir gehört die Straße-Prinzip kommt ja gar nicht von den teuren Autos. Ganz böse sind die 3er BMWs mit Fahrern aus der zweiten Einwandergeneration (ist das politisch korrekt ausgedrückt?), Fahrer mit auswärtigen Kennzeichen aus dem nährern Umland oder Kleinwagenfahrer, die überfordert sind. In ebendieser absteigenden Reihenfolge hatte ich die letzten Jahre als Radler meine Probleme. Und dann erst kam die PS-Protzkarre. Aber vielleicht bin ich auch voreingenommen, denn in meinem städtischen Umfeld fahren die meisten PS-Protzkarrenbesitzer auch in der Regel Rad. Und zwischen beiden Vekehrsmitteln zu wechseln, ist bekanntlich hilfreich für das gegenseitige Verständnis...


Schwabinger Neuherbstgeschichten

Mit mehr oder weniger großen Getöns haben sich über den Sommer hier einige Veränderungen angedeutet oder auch schon vollzogen. Das größte Getöns hat das ehemalige Café Schwabing, das dann ja Brasserie hieß, gemacht. Die Brasserie war ja nix, was mich sehr gereizt hätte, wobei das Café Schwabing am Ende seinen Zenit auch mehr als überschritten hatte. Also ein neuer Versuch. Der Neuhauser will jetzt da einziehen. Er nennt sich hoffentlich dann wenigstens Schwabinger. Ich weiß, dass der Neuhauser in Neuhausen ganz beliebt ist - insbesondere wegen seiner Pizzen. Aber gute Pizzen bekommt man ja in Schwabing durchaus. Mal schauen, was er draus macht.

Apropos Pizzen: ohne großes Gedöns zugemacht hat anscheinend das Golden Twenties. Oder macht das nach der Hausrenovierung doch wieder auf? Das war mal richtig was. Aber vielleicht ist die Zeit vorbei?

Am Elisabethmarkt hat Susa endgültig zugemacht - nein, lag natürlich nicht am Stand oder der gewachsenen Konkurrenz drumrum. Und das Milchhäusl war lange geschlossen - und was der neue besser macht als der alte kann ich noch nicht sagen, weil bis jetzt immer alle Plätze belegt waren. Also irgendwas muss es sein.

Dafür hat gegenüber vom Elisabethmarkt eine Filiale von Dinatale aufgemacht (ja, schon vor einer Weile). Und das ist doch wirklich ein Gewinn.

An der Bauer Ecke Nordend und schräg gegenüber gibt es auch was neues. Aber die Elektrisierung lässt noch auf sich warten, wie auch das Bedauern über einen Verlust.

Und wenn ich jetzt meine Runde wieder am Kurfürstenplatz beende - da hat ja gegenüber des Café Schwabings auch der SFC zugemacht. Überraschend geräuscharm. Und ich geb zu, die erste Reaktion meinerseits war: egal. Coffeeshops braucht doch eh keiner. Als ich aber jetzt gesehen habe, was da reinkommt, will ich sofort einen Coffeeshop wiederhaben. Ein Rewe to go. Was in München tatsächlich keiner braucht. Einmal die Schwabing zugepflastert mit Rewe. Nicht dass einer davon wirklich gut wäre - ich staune ja immer, wenn ich woanders in einen richtig gut sortierten Rewe komme. Aber ein to go? In München? Mit den Münchner Ladenschlussgesetzen? Aus Düsseldorf kenn ich das als: Fertigessen und Trinken - besonders nach Geschäftsschluss und am Sonntag, aber nicht die typischen Supermarktprodukte. Also den Bedarf seh ich an dieser Ecke nicht. Und es wieder ein gesichtsloses Irgendwas.

Auf der anderen Seite: den Kurfürstenplatz bekommt man eh nicht schön. Das wird auch der Neuhauser Schwabinger meines Erachtens noch merken. Da was hinzusetzen, was weder abgehoben noch Boazn ist, Herausforderung. Viel Erfolg.


Jenseits des Datschi-Äquators

In Heinerland gibt es keinen Zwetschgendatschi. Dafür gibt es aber auch so gut wie keine Wespen. Stellt sich die Frage, ob für die gemeine Hauswespe ein Leben ohne Datschi zwar möglich aber sinnlos ist. Die meisten Altbayern könnten das nachvollziehen. Ähnlich wie ein Leben ohne Berge zwar möglich aber sinnlos ist. Ein Leben ohne den weißblauen Himmel, der nirgends so schön weiß und blau ist wie in Bayern. Ein Leben ohne Brezn, die es eben auch nur in Bayern gibt - alles andere sind Versuche einer Brezn, aber sie bleiben im Versuchszustand.

Jetzt gehör ich aber nicht zu denen, die jede labberde oder steinharte Brezn als Himmel der Bayern lobt - weil auch in München bleiben die oft im Versuchszustand. Wie auch der Datschi, der oft so datscht, dass man ihn auch nicht mehr essen will. Jetzt darf sich zwar jeder Hefeteig mit ein paar Zwetschgen drauf Zwetschgendatschi nennen, aber richtig gut sind die wenigsten. Sind wir mal ehrlich. Nur die gemeine Münchner Hauswespe, die mag sie alle.

Weil ich aber die Hoffnung selten aufgebe, probiere ich natürlich jeden Datschi, der nur halbwegs danach aussieht, schmecken zu können. Und bin dann oft enttäuscht. Wie ich auch enttäuscht bin, die Datschi-Zone verlassen zu haben (also temporär). Wobei auf der anderen Seite hab ich schon eine sehr feine Kuchenquelle aufgetan - und der Zwetschgenkuchen vor zwei Tagen hat ganz viele der Münchner Datschis um längen geschlagen. Fand ich - die Wespe, die sich neugierig näherte, dran schnupperte und wieder abzog, die sah das wohl anders.


Hört mir mal wieder auf mit dem Gentrifizierungmist

Ach, mal wieder ein Lärmtag gegen Gentrifizierung. Erfunden von den Gentrifiezierern. Weil der ganzen Blosn von jungen Hipstern geht es ja nicht darum, dass tatsächlich die alten Münchner Verhältnisse bewahrt bleiben - da wären sie ja ebenso unerwünscht wie die neuzugezogenen Geldigen. Es geht um ihren persönlichen Wohnraum. Und ob für ihren persönlichen Wohnraum eine Oma weggezogen ist, ist ihnen total egal. Der Unterschied zu den sogenannten Gentrifiezieren - die sanieren. Und das ist nicht per se schlecht. Und damit kommen wir, überraschend schnell, auf den Punkt: bestehende Substanz muss erhalten werden und dafür braucht es Geld. Und deshalb ist es auch nicht per se schlecht, wenn irgendwas umgewandelt wird, weil die, die sich darauf einlassen, sich in der Regel auf das Gesamtpaket einlassen. Die wollen das so. Auf die könnt ihr Hipster sauer sein, weil sie euch den billigen Wohnraum wegnehmen - aber die Oma, die schon immer da gewohnt hat, wird weiter da wohnen, weil die hat im Gegensatz zu Euch Bestandsschutz. Mein persönliches Schnappatmungserlebnis hab ich ja immer dann (schon immer - immer noch) bei Neubauwohnungen in Baulücken, wo ich mir immer die Frage stelle: wer soll das bezahlen? wer ist die Zielgruppe? fühlen die sich ein in ein Viertel? Aber denen seid ihr ja egal. Und mein Eindruck, und das nervt mich, Euch geht es auch nicht um die. Euch geht es um Euch und um nichts anderes. Mir geht es darum, dass aus jetzt meiner Wohnung niemand aus seiner Wohnung rausgetrieben wurde. Dass um mich herum, die kleinen Läden und Werkstätten überleben - auch indem ich dort einkaufe. Ich will, dass die alten Nachbarn im Haus oder gegenüber nicht aus ihrem gewohnten Wohnraum vertrieben werden. - Und wenn sie mal wegsterben, brauch ich ehrlich gesagt, auch keinen lärmenden Hipster, sondern jemanden, der hier leben will, sich in eine Gemeinschaft einfügen will - weil Veränderung gibt es. Die eigentliche Frage ist: wie.


Du Frau B.

Ich persönlich find's ja a Kreiz mit dem du und mit dem Sie. Wie oft hat schon jemand zu mir gesagt: du ruf den Michi an/meine Schwester/mein Spezl - der die das kann dir helfen. Dann meldet man sich bei der- oder denjenigen - und steht vor der Entscheidung, ob man jetzt du sagt - weil die Ebene von der man kommt eine du-Ebene ist oder Sie. Bis jetzt war jede meine Entscheidungen die falsche. Da wünsche ich mir dann das englische, wo es egal ist - oder das echt bairische, wo es auch egal ist, weil da bist halt per du. Aber wir sind halt in so einem Zwischending.

Also so grad in unserem Alter. Bin ich jetzt per du mit jemanden, der mir von jemanden vorgestellt wird, der mit demjenigen per du ist? Spontan sag ich: ja. Und wenn mich dann jemand auf einer privaten Veranstaltung siezt, bin ich zuerst irritiert und will mich dann ob meines Alters weinend in eine Ecke verziehen. Mach ich nicht, ich hol mir eher ein Glas Wein und duze aus Protest. Beruflich ist das noch was anderes - aber das hab ich auch erst gelernt und die Umsetzung ist nach wie vor schwierig: wenn mein Mann/eine Freundin mich jemanden vorstellt, mit dem er oder sie per du ist - was bin dann ich mit dieser Person? Bleib ich beim Sie signalisiere ich Distanz, duze ich bin ich vielleicht ich weiß nicht was.

Ich bin auch im Wohnumfeld eher bei einem automatischen du als beim Sie. Und es irritiert mich sehr, wenn mich Menschen, die ungefähr mein Alter haben, Siezen. Aber wahrscheinlich macht man das auch in ungefähr meinem Alter so. Weil auf der anderen Seite schätze ich es auch, in einem Geschäft oder Lokal gesiezt zu werden. Oder geduzt, weil das dann den Stammgast/kunden Charakter ausmacht. Ich bin auch so alt, dass es mich nervt, wenn ich im Radio geduzt werde oder in einer Zeitschrift. Und jung genug (gefühlt jedenfalls), dass ich selbst duze.

Schwierig. Lösungsvorschläge erwünscht. Wie habt Ihr denn das so?


An Schmaaz halten

Ich hab mich heute durch München geplaudert. Oder gschmaazt auf gut bairisch. Dabei war ich nicht einmal auf dem Markt, wo an Schmaaz halten zum guten Ton gehört, sonst ist man irgendwie fehl am Platz. Ich hab auch sonst nichts besonders gemacht. Aber mit dem Nachbarn geredet, mit der griechischen Wirtin von nebenan, mit einer alten Dame in der Schlange vor mir, mit einer anderen im Supermarkt, ausgiebigst mit der Verkäuferin in der Parfümerie (die glaub ich grad eine neue Stammkundin gewonnen hat), mit der Friseurin bei der Terminvereinbarung, die mir dann gleich noch ein Produkt empfohlen hat (bekommen Sie in jedem Drogeriemarkt), in der Wäscherei, mit jemanden auf der Straße und am Ende sagte auch die Supermarktkassiererin: Man kann ja miteinander reden.

Mein München hat sich heute mal wieder von so einer entspannten, lässigen Seite gezeigt, als wollte es mir sagen - Willkommen daheim.

Der Münchner ist nämlich lange nicht so maulfaul, wie man gemeinhin vermutet - wobei diese Vermutung wahrscheinlich von Menschen geäußert wird, die außer den überlaufenen Innenstadtgaststätten nichts von München kennen. Wobei das durchaus von Stadtteil zu Stadtteil variiert, denn der Schwabinger ist, wie schon festgestellt, bedeutend offener gegenüber anderen Menschen als beispielsweise der Neuhauser, also der gebürtige.

Und so ähnlich verhält es sich auch in Heinerland. Ein Heiner erkennt den anderen möglicherweise an der Nasenspitze und vielleicht ist er diesem gegenüber offener. Aber so einer Fremden gegenüber... Setz dich mal in München mit den einleitenden Worten "darf ich?" neben eine ältere Dame in der Tram - das machst du nicht, wenn du kein Gespräch führen willst. Gestern kam nicht mal ein: Bitte oder selbstverständlich. Fliehe mal in München bei einem Platzregen von draußen in ein Café - da hast du mit mindestens einem der anderen Gäste mindestens drei Worte gewechselt und mit der Bedienung. - Nada. Nicht mal bei der Fußplege ließ sich die Fußpflegerin ein Gespräch aus der Nase ziehen (ich gehe seit 2001 zur Fußpflege - das war sehr ungewohnt), dafür haben sie und die Chefin mit einer Stammkundin gescherzt als meine Nägel trockneten... Und kleine Läden im Viertel, die ja die Basis für den täglichen Ratsch sind, die gibt's halt nicht.

Und da ich mich, so denke ich, auch nicht anders verhalte als dort und vor allem auch dort nicht anders verhalte als bei meinen Gastaufenthalten in Düsseldorf die letzten beiden Jahre, sag ich mal - an mir liegt's nicht. Oder von der anderen Seite aus betrachtet: doch?


Wir helfen Geld sparen

Eine Absonderlichkeit, jedenfalls für eine Münchnerin, in Heinerland ist die feste Entschlossenheit der Einheimischen, einen am Geld ausgeben zu hindern. Sowohl im Verkauf wie auch im Restaurantservice.

Ich wollte gerne Sommerbetten. Ja, da haben wir ein wunderbares Angebot. - Nein, das überzeugt mich leider nicht. Haben Sie auch noch was zum regulären Preis? - ABER DAS IST NICHT REDUZIERT. Ja, ich weiß, aber haben Sie was und können Sie mir das zeigen? ABER DAS IST NICHT REDUZIERT. Ja, ich möchte es aber sehen. Und ich würde zwei Decken davon nehmen (weil das überzeugt mich). - Ja, da haben wir jetzt aber nur eine davon da. Sie können ja, wenn Sie unbedingt wollen, für Ihren Mann die reguläre Decke nehmen, und für sich die reduzierte... Äh?

Ich wollte auch Bettwäsche kaufen. In einem anderen Haus. - Ja, da haben wir ein wunderbares Angebot.  - Nein, das überzeugt mich leider nicht. Haben Sie auch noch was zum regulären Preis? - ABER DAS IST NICHT REDUZIERT. Ja, ich weiß, aber haben Sie was und können Sie mir das zeigen? ABER DAS IST NICHT REDUZIERT. Ja, ich möchte es aber sehen. Also wenn es unbedingt sein muss, zeig ich Ihnen das Kissen. Den Bettbezug müsste ich ja wieder zusammenlegen, das können Sie sich ja vorstellen. Wer Bassetti-Bettwäsche hat, weiß, mit vorstellen ist da wenig.

Im Restaurant oder im Café oder auch im Wirtshaus (oder wie immer das hier heißt): egal welche Preisklasse. Man sitzt und wartet, bestellen zu dürfen. Man sitzt und wartet, etwas zu bekommen. - Weiteres zu bestellen? Anscheinend unüblich. Allerdings wird einem auch keine Rechnung aufgedrängt. Man sitzt. Vor einem leeren Glas - und im Zweifelsfall auch vor einem leeren Teller.  Und sitzt. Und wenn man zahlen will, will man bitte auch keine Rechnung. Weil auch das ist hier unüblich. Und nicht zu verwirklichen. - Weil Geld spart man nur, wenn man es nicht ausgibt. Hier jedenfalls.


Was ist eigentlich mit der heutigen Jugend los? Folge achthunderttausend.

Nein, konkret heißt die Frage: mit den Eltern. Und zwar den Eltern meiner Generation. Auch Folge achthunderttausend. In diesem Fall geht es um Taschengeld und Taschengeld verdienen. Denn wenn ich mich recht erinnere, hatten wir alle recht schnell Interesse daran, unser Taschengeld aufzustocken. Die einen haben Zeitungen ausgetragen oder Rasen gemäht. Es gab diejenigen, die ziemlich jeden Job angenommen haben - so hat zum Beispiel das sich damals als erste Hotel am Platz fühlende Haus Schülerinnen als Zimmermädchen beschäftigt. Bar auf die Hand natürlich. Dazu war ich mir ehrlich gesagt dann doch zu fein, so knapp wurde ich nicht gehalten. Und ich hatte großes Glück: mein Schülerinnen-Nebenjob war über Jahre hinweg in einer Poster-Galerie, in der sich der Besitzer alter Schule gerne mit jungen Mädchen umgab, denen er etwas über Kunst und Rahmen und Bildkomposition erzählen konnte. Es war toll - cool - und ich wurde auch noch bezahlt dafür. So ähnlich sah ich auch übrigens meine ersten Wochenenddienste in der Zeitung - auch wenn ich bei der Jahresversammlung des Kaninchenzücher... Stopp, da war ich ja nie. Aber es gibt entsprechende Vereine...

Ich schweife ab. Der Punkt ist: zusätzliches Taschengeld war für uns interessant. Scheint es heute nicht mehr zu sein. Die Frage, die sich damit aufwirft: Wurden wir jetzt kürzer von unseren Eltern gehalten - getreu dem Motto: wenn du mehr willst, dann arbeite dafür? Das wäre der pädagogische Ansatz. Bzw. hatten unsere Eltern weniger Geld zur Verfügung, weil sie ja in der Hochzinsphase ihr Haus abzahlen mussten?

Und wie ist es dann heute? In meiner Altbayernblase, in der ich nunmal lebe, haben Kinder Reitstunden aber keinen Taschengeldjob. Hat sich jetzt meine Blase total verändert? - Also sprich: sind das gar nicht die Kinder, mit deren Eltern ich als Jugendliche befreundet war? Fanden diejenigen, die wie ich als Jugendliche ihr Taschengeld aufgebessert haben, das als Stigmata und möchten heute diese "Schmach" ihren eigenen Kindern ersparen? Weil jetzt sind sie ja eine soziale Stufe hochgestiegen und können es sich leisten? Oder den armen Kindern, die ja eh so viel leisten müssen, kann man sowas nicht auch noch zumuten?

Ich glaub ja nicht, dass wir konsumorientierter waren - aber ich meine im Vergleich, dass wir nicht jedes Kleidungsstück, das wir haben wollten, nicht jeden Kinobesuch, nicht jedes Buch, jede Platte (damals...) bekommen haben - wir brauchten Taschengeld. Und ab dem Zeitpunkt, an dem wir abends ausgegangen sind, noch viel mehr. Musst ja erst mal zahlen können. Und wenn unserer Generation damit vermittelt wurde, dass Geld nicht selbstverständlich da ist, wieso vermittelt unsere Generation genau das Gegenteil an ihre Kinder? Für mich läuft da was verkehrt. Im Kleinen wie im Großen.

Im Großen: was werden diese Kinder von der Welt erwarten? Dass sich jeder nach ihnen richtet? Ja. Die Tendenz gibt es ja jetzt schon. Die Diskrepanz zwischen Generation Praktikum und Generation Work-Life-Balance zugunsten Life.

Im Kleinen, sprich privaten Bereich: was wird aus Kindern, die es gewohnt sind, dass nicht sie helfen müssen, sondern eine Haushaltshilfe, die Dinge erledigt - ich rede von allen Dingen, also nicht von Unterstützung, sondern von komplett. Die nicht irgendwann mal zum Unkrautjäten abkommandiert werden oder Laub kehren oder Keller putzen - die gefühlte Strafarbeitsliste war zu unserer Jugend lang. Und weil man es ja eh gewohnt war, hätte man auch für einen Zehner die Stunde im Nachbarsgarten Unkraut gejähtet. Aber da find mal heute einen Jugendlichen, der so sein Taschengeld aufbessern will. Weil er muss es ja noch nicht mal daheim machen...


Metropole München?

Die Süddeutsche brachte ja eine Geschichte mit dem Tenor: Mehr Mut zur Großstadt. Urbanität. Wachstum ist toll.  - Ich muss sagen, ich habe gestaunt. Immerhin ist es diesselbe Süddeutsche, die jedesmal aufheult, wenn ein Viertel gentrifiziert wird, die Mieten steigen, die quasi Alteingesessenen vertrieben werden (das sind dann in der Regel die SZ-Redakteure, die vor fünf Jahren irgendwo hingeszogen sind), eine Boazn zumacht etcpp. Ja Himmelhergottnocheinmal, was glaubt ihr eigentlich, was Großstadt heißt? Vorallem in München, wo der Platz nachweislich begrenzt ist? Und wenn die Gartenviertel zugebaut werden, wer schreit denn als erster? Und jeder bis jetzt noch grüne Innenhof in der Stadt, soll der zu Bauland ausgewiesen werden? Wird ja eh alles zubetoniert...

Das Bekenntnis zur Großstadt heißt, liebe Süddeutsche: steigende Mieten, vorallem in den attraktiven Vierteln. Es heißt unattraktive Hochhausviertel in der Peripherie. Es heißt noch mehr Stau, noch mehr Verkehrskollaps auf allen Ebenen. Es heißt soziale Spannungen. Den Versuch, ein Stück München zu bewahren, ist nicht der verkehrteste.

Und ich red jetzt nicht vom 80er Jahre München vom Pumuckl, Monaco Franze, der Hausmeisterin oder Zur Freiheit. Das beschwört ihr ganz gern - aber die Zeiten sind lang vorbei. Und ich red auch nicht von Erhaltungssatzungsgebieten, weil die dienen vor allem dazu, den kleinen Eigentümern Steine in den Weg zu werfen, weil an die großen kommt man ja eh nicht ran (die Zusammenlegung zweier Wohnung muss unterbunden werden, weil zu goß. Hauptsache, der Bezirksausschuss hat was zu tun und übersieht dabei geflissentlich die Entmietung eines oder mehrer Häuser). Es kann sein, dass es ohne die Erhaltungssatzung noch ganz anders aussähe - aber eine Forderung zu Bekenntnis zur Metropole ohne gegen die Mimimi-Einstellung, München darf sein Gesicht nicht verlieren, bedeutet: Erhaltungssatzung über Bord.

München verändert sich. In den letzten Jahren schneller als in den Jahrzehnten davor. Die Stadtpolitik hinkt sowas von hintennach - keine Frage. Was mich aber wundert, dass so manche Dinge überhaupt nicht hinterfragt werden...

Wir haben hier in München den ein oder anderen Großkonzern. Das wird nach Bedarf hochgejubelt oder beseufzt. Weil so Konzernheadheadquarters haben ja die klassiche Gutverdienerklientel, die dann auch Gutverdienerwohnraum für sich beanspruchen. Ich sag nur: Gentrifizierung...

Aber den Konzernen wollen wir ja nichts böses. Und einem ganz besonders nicht: den Bayerischen Motorenwerken. Nicht falsch verstehen, die Autos sind toll. Hier gibt es gerade einen doppelten intensiven Flirt mit zwei Modellen. Aber auf was ich rauswill: nördlich des Frankfurter Rings ist eine Stadt in der Stadt. Und das wird nie hinterfragt. Weder von der Stadt noch von den Medien. Diese BMW-Stadt wächst und wächst - und keiner sagt mal, könnte man davon nicht irgendwas an einen anderen Standort verlegen? Dingolfing ist auch nicht weit... Das ist so viel mehr als ein Headquarter von einem Dax-Konzern. Und wer nicht weiß, wovon ich rede, dem empfehle ich mal eine Fahrt (oberirdisch, gerne mit einem BMW) durch den Münchner Norden.

Und danach reden wir nochmal über Wohnraum, über Aufstockung von Bestandsbauten, über Verdichtung, über Großstädtifizierung... 


Back to the roots

Ach Himmel Landshut, ach Tausend Landshut. Unser Verhältnis wird immer einmalig bleiben. Das hat das Heimatstadtgefühl so an sich. Es wird immer da sein, dein Unverständnis, dass man aus dir weggegangen ist - und dann ausgerechnet noch Isaraufwärts. Nach Minga. "Wie kann man da nur lebn?" Regensburg ist noch ok, vielleicht gibt es da so eine gewisse mittelalterliche Verbundenheit. Berlin, ja, das ist cool. Aber Minga?

Ich komm ja immer noch oft zu dir zurück. Aber ich hab das Gefühl, immer unsichtbarer zu werden. Immer weniger Menschen zu kennen. Und einige, die ich mal kannte, schauen durch mich hindurch. Jetzt glaub ich allerdings, dass ich mich gar nicht so verändert habe, aber entweder sie rechnen nicht mit mir und nehmen mich daher nicht wahr, oder sie haben meine Existenz ausgelöscht. Manche sicherlich auch bewusst, wie ich auch die Existenz mancher Menschen ausgelöscht habe. Und ich erkenne sie dennoch - und wahrscheinlich zuckt mein Augenlied.

Nein, das stimmt nicht. An manche Menschen erinnert man sich nicht mehr. Wieder an andere erinnert man sich sehr wohl und sehr gut, aber man will sich vielleicht nicht erinnern. Vielleicht weil es peinlich ist. Vielleicht weil es in einem anderen Leben war.  - Oder man will einfach so tun, als würde man sich nicht erinnern, vielleicht um Fragen aus dem Weg zu gehen, vielleicht um grad nicht zu sagen, wie es einem geht. Vielleicht um Peinlichkeiten aus dem Weg zu gehen.

Aber sind wir mal ehrlich. Alles davon fragwürdig. Gegen erstes kann man nichts machen und die Frage "warum" darf gerne in der persönlichen Psychotherapie beantwortet werden. Tatsache ist, wahrscheinlich deshalb, weil der andere so belanglos für das eigene Leben war, dass man sich nicht mehr erinnert. Das ist natürlich bitter für denjenigen, der sich umgekehrt sehr wohl erinnert.

Und es ist immer die Frage, welche Konstellationen aufeinander treffen, wenn zwei Menschen, die sich mal gekannt haben, sich gegenüber stehen und sich nicht kennen. Und ja, ich hab es selbst so oft gemacht, dass ich die zuckende Augenbraue von jemanden ignoriert habe, und weitergegangen bin. Und jeder einzelne Moment davon tat und tut mir leid.

Und es muss ja auch nicht immer das große "Hallooo" sein, manchmal langt ein Lächeln, ein Nicken im Vorübergehen. Manchmal sind es ein paar belanglose Worte. Selten ist es die Wiederbelebung einer vergangen Freundschaft.

Was sich alles nicht nur auf die kleine Stadt und die alte Heimat bezieht.... Aber es ist verstärkt das Zusammentreffen mit lang vergangener Vergangenheit. Und von mir aus ein großes '"Hallooo", weil Vergangenheit, du gehörst zu mir. Fast alles davon. Außer die Teile, die ich bestreite, dass es sie gegeben habe. Und die Teile, die ich vergessen habe. Oder vergessen möchte.


Zum Tage

Ich freue mich für die Ehe für alle. Auch wenn ich persönlich mir immer dachte, es ist egal, wie man es nennt, das entscheidende ist die rechtliche Gleichstellung. Jetzt ist es aber so, dass ich meine Haltung zu diesem Thema immer als stockkonservativ betrachtet habe: die Ehe ist für mich ein Bekenntnis zu einem Menschen. Ich gehe Pflichten ein und bekomme Rechte dafür. Die Ehe bedeutet, nicht bei jeder Schwierigkeit, die auftritt - und sind wir mal ehrlich im Laufe gemeinsamer Jahrzehnte ist nicht immer alles Sonnenschein - das Handtuch zu werfen. Nein, man rauft sich wieder zusammen. Man steht zueinander. Natürlich ist die Basis Liebe, Vertrauen, partnerschaftliches Denken. Und natürlich kann diese Basis zerstört werden, aber vielleicht nicht so einfach wie ohne Trauschein. Wie man vielleicht merkt: ich bin ein großer Fan der Ehe.

Was mir allerdings aufgestoßen ist die letzten Tage: die Brutalität mit der Menschen angegangen werden, die eine andere Meinung haben. Weil ich bin auch ein großer Fan der Demokratie und das heißt, man darf auch eine andere Meinung haben. Auch wenn sie plötzlich unpopulär zu sein scheint.Und eine ausgewogene gesellschaftspolitische Berichterstattung haben ja die meisten Medien die letzten Tage auf die Schnelle nicht mehr hinbekommen. Bei den Anti-Ehe-für-alle-Geschichten wurden entweder Kirchenrecht mit Staatsrecht vermischt oder Ehe mit Familie verwechselt.

Lassen Sie mich das mal so formulieren: die Ehe (siehe oben: konservativer Ansatz) ist die Keimzelle der Familie. Also eine Ehe ist für mich persönlich Familie - egal ob mit Kindern oder ohne. Wie will ich denn als Außenstehender beurteilen, ob gewollt oder ungewollt kinderlos? Und wenn jetzt der Ansatz kommt: Familie ist alles mit Kindern, egal ob verheiratet oder nicht. Dann stelle ich mal die Gegenfrage: wieso heiratet ihr nicht einfach? Es tut nicht weh. Die Frage, wer zukünftig diskriminiert wird, ist eine, die sich stellen wird. Die Kluft wird sein: Kinderlose Ehepaare, von denen es zukünftig mehr geben wird, gegen unverheiratete Paare mit Kindern? Und wer Kinder hat, ist ja eh im Recht... Ausgetragen wird dieser Kampf auf dem Rücken der ungewollt kinderlosen Ehepaare, weil die haben grad die schwächste Lobby, obwohl sie nicht so wenige sind.

Dass es objektiv absurd ist, Kirchenrecht mit Staatsrecht zu vermischen, ja, ist aber bei der CSU auch legitim. Aber auch nur in Bayern.

Ehe für alle. Steuersplitting für alle. Witwenrente für alle. Aber auch Stabilität für alle - wie gesagt, rein konservativ argumentiert.


Himmel Landshut - Tausend Landshut

In der kleinen Stadt wird ja jetzt wieder das große Fest gefeiert. Da steht die Stadt vier Wochenenden Kopf und man kann es schon als Ausnahmezustand bezeichnen. Und während früher es doch ein Fest für einen Teil der Stadtbevölkerung war - die sich dann auch gern als die Auserwählten betrachtet haben und gerne auch in den Jahren dazwischen eher unter sich blieben - ist es in den letzten beiden Jahrzehnten immer mehr ein Fest der ganzen Stadt geworden. Das finde ich schön, weil sich damit doch ein großer Teil der Stadt damit identifiziert und weil man gemeinsam feiert. Die einen kostümiert, die anderen so. Und weil nicht kostümiert (und mit mittelalterlichen Fantasiekostümen wird man der Stadt verwiesen - wir sind ja schließlich nicht auf dem Oktoberfest), gibt es auch für Nicht-Hochzeiter inzwischen Hochzeits-Shirts für's Identity-Feeling. Auch mit Glitzer - Hach - hätte ich das doch früher entdeckt, das wäre doch was für die Patenprinzessinnen...

Dass es jetzt ein Ganz-Stadt-über-die-ganze-Zeit-hin-Fest ist, macht das Ganze natürlich schon sehr speziell. Was jetzt wiederum nicht jeder gut findet, weil manche Menschen haben ja auch ein Ruhebedürfnis oder auch ein ganz normales Leben in der Zeit. Und anders als der Wiesn kann man dem nicht so entkommen, wenn man das denn wollte. Was anscheinend manchen Angst macht - die Laho und das Drumrum. So hat mich neulich allen Ernstes eine Neu-Helmenstädterin gefragt, ob sie sich da am Abend überhaupt aus dem Haus wagen könnte. Weil das wäre ja alles so brutal und sie könnte zusammengeschlagen oder überfallen werden. Da war ich dann doch ein bisserl sprachlos und hab ihr versichert, dass sie sich das schon mal anschauen kann und keine größeren Befürchtungen haben müsste. Dass die Leut je später der Abend auch mal unangenehm besoffen sind - auf der Wiesn bleib ich ja auch nicht bis zum bitteren Ende. Einen Satz später hat sie mir dann erzählt, dass die Menschen in der kleinen Stadt ihr so reserviert entgegen treten würden. Naja, mit einer solchen Eingangsfrage macht man sich auch keine Freunde dort. Denn wie gesagt, die Landshuter lieben ihre Hochzeit.

Ja, natürlich artet das alles auch gern mal aus, wahrscheinlich jedes Mal mehr, weil alles inzwischen mehr ausartet (so kommt es mir zumindest vor). Allerdings gab es auch schon früher Gerüchte von außerpartnerschaftlichen Bekanntschaften und von einem Anstieg der Geburtenrate im Frühjahr drauf. Wobei, das sind sicherlich nur Gerüchte. Verleumderisch geradezu.

Also Landshut feiere die Hochzeit mit Gästen und Zaungästen. Von mir kommt ein großes HALLOOO!


Extra Bavariam

In Heinerland trägt keine Frau ihre Sonnenbrille im Haar. Schon gar nicht abends. Aber das tut außerhalb von München wahrscheinlich keine Frau nirgends. Und wahrscheinlich ist es das Signal überall als Münchner Tussi identifiziert werden zu können. Und ebenso wahrscheinlich hat der Mann das gar nicht gemeint, als er sagte: du fällst hier auf. Aber das sagte er kürzlich schon mal in einem ganz anderen Kontext - und ebenso wahrscheinlich ist es die Story of my life, dass ich grundsätzlich irgendwo nicht hinpasse, auch wenn ich mich gar nicht von etwas distanzieren möchte. Weil meine bewusst Anti-Phase hatte ich zwischen 17 und 19 und das ist schon eine Weile her. Und davor und danach versuche ich mich auch gerne anzupassen, wobei das ja nicht zu funktionieren scheint. Gruppenzugehörigkeit, egal zu welcher Gruppe, kann ich nicht stringent durchziehen und am Ende vermittle ich mal wieder den Eindruck der arronganten Einzelgängerin.

Arroganz ist grundsätzlich gefährlich. In dem Fall ganz besonders. Eine Schwabinger Schmeißfliege, die sich über die Heiners lustig macht, sind wir mal ehrlich, geht gar nicht. Drum sag ich an dieser Stelle auch nur, dass ich die Stadt gewöhnungsbedürftig finde. Aber das gilt für viele Städte und Landstriche, denn: Extra Bavariam nulla vita, et si vita, non est ita. Und Bayern ist nicht so groß wie es die Landesgrenzen scheinen lassen - in diesem Bayern laut Landesgrenzen gibt es ja auch noch Franken und Schwaben.

Was ich auch noch gewöhnungsbedürftig finde, ist die Tatsache, dass sich die Bewohner einer Stadt mit einem Begriff oder Namen identifizieren, der ursprünglich einfach nur negativ besetzt war - Tagelöhner, grobe Kerle - und was das über die Bewohner einer Stadtt aussagt, das muss ich noch ergründen.