Rant eines Radlers gegen Radler

In meinem Großstadtumfeld, gar nicht so sehr in meinem ganz persönlichen viel mehr in meinem beobachteten, ist ja der Autofahrer der Teufel schlechthin. In der Höllenhierarchie der SUV-Fahrer quasi der Oberteufel. Mit zunehmener Aggressionstendenz. Jetzt beweg ich mich normalerweise mit dem Rad durch die Stadt - alternativ als Fußgänger oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln und aufs Auto steig ich nur um, wenn es wirklich sein muss - weil ehrlich gesagt, stresst mich das am meisten. Das liegt aber nur ganz bedingt an den anderen Autofahrern. Das liegt an den Radlern und Fußgängern. Letztere, die ohne von ihrem Smartphone aufzuschauen, die Straße überqueren, über rote Ampeln gehen (mach ich als Fußgänger auch - wenn ich mich vergewissert habe, dass KEIN Auto in der Nähe ist). Radfahrer, die alle Verkehrsregeln ignorieren. Die, wenn ich den Blinker zum einparken setze, zwischen mir und der Parklücke durchfahren. Das schlimmste war letztens eine Radlerin (mit Kind!), die sich zwischen mir und parkenden Autos vorbeigeschoben hat, als ich einem anderen Auto die Möglichkeit gab, aus einer Einfahrt rauszufahren.

Manchmal ist es ganz heilsam Auto zu fahren, um auch wieder einen anderen Blick auf das Verkehrsgeschehen zu bekommen. Ich habe als Radfahrer nicht Vorfahrt - vor allem nicht, wenn ich auf der falschen Straßenseite fahre. Weil mich ein Autofahrer einfach vielleicht nicht sieht. Ich hab auch als Radfahrer nicht Vorfahrt auf dem Bürgersteig. Da fahr ich hinter den Fußgängern her und wenn sie zu langsam gehen, dann steige ich ab. Und wenn mich jemand vorbeilässt, sage ich "danke". Das ist unabhängig von Verkehrserziehung Erziehung. Was jetzt kein Freibrief für Fußgänger ist, sich auf dem Radweg zu bewegen und sich nicht wegbewegen zu lassen.

 Ich persönlich glaube ja, dass die Aufhebung von Radwegen. Die Aufhebung von Einbahnstraßenregelungen für Radler. Genau das Gegenteil bewirkt hat, was es sollte. Was sollte es denn bewirken? Wenn jeder seinen Weg hat, sorgt das für Sicherheit. Ich fahr als Radler lieber auf einem Radweg. Und wenn ich früher im Uni-Viertel gegen die Einbahnstraße gefahren bin, hab ich total aufgepasst - weil ich war ja nicht im Recht - und hab einem Autofahrer noch ein "Sorry" entgegengeworfen. Da hat auch keiner aggressiv auf mich reagiert. Eine Zone für alle Verkehrsteilnehmer funktioniert nicht. Es fühlt sich damit nämlich jeder im Recht. Und Rücksichtnahme gibt es nicht mehr.

Auch kürzlich in der Barerstraße: zwei Radlerinnen im Schritttempo nebeneinander - zur Hauptverkehrszeit. Dass es da Trambahnen, Autos, andere Radfahrer gibt. Egal. Kein Hirn für a Fünferl. Aber wehe, ein Auto hätte sie geschnitten beim Überholen. Ui, böser Autofahrer. Ich war mit meiner Rennrad-Gazelle hinter ihnen und musste sie leider fürcherlich auf bairisch beschimpfen.

Und um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: das mir gehört die Straße-Prinzip kommt ja gar nicht von den teuren Autos. Ganz böse sind die 3er BMWs mit Fahrern aus der zweiten Einwandergeneration (ist das politisch korrekt ausgedrückt?), Fahrer mit auswärtigen Kennzeichen aus dem nährern Umland oder Kleinwagenfahrer, die überfordert sind. In ebendieser absteigenden Reihenfolge hatte ich die letzten Jahre als Radler meine Probleme. Und dann erst kam die PS-Protzkarre. Aber vielleicht bin ich auch voreingenommen, denn in meinem städtischen Umfeld fahren die meisten PS-Protzkarrenbesitzer auch in der Regel Rad. Und zwischen beiden Vekehrsmitteln zu wechseln, ist bekanntlich hilfreich für das gegenseitige Verständnis...


Schwabinger Neuherbstgeschichten

Mit mehr oder weniger großen Getöns haben sich über den Sommer hier einige Veränderungen angedeutet oder auch schon vollzogen. Das größte Getöns hat das ehemalige Café Schwabing, das dann ja Brasserie hieß, gemacht. Die Brasserie war ja nix, was mich sehr gereizt hätte, wobei das Café Schwabing am Ende seinen Zenit auch mehr als überschritten hatte. Also ein neuer Versuch. Der Neuhauser will jetzt da einziehen. Er nennt sich hoffentlich dann wenigstens Schwabinger. Ich weiß, dass der Neuhauser in Neuhausen ganz beliebt ist - insbesondere wegen seiner Pizzen. Aber gute Pizzen bekommt man ja in Schwabing durchaus. Mal schauen, was er draus macht.

Apropos Pizzen: ohne großes Gedöns zugemacht hat anscheinend das Golden Twenties. Oder macht das nach der Hausrenovierung doch wieder auf? Das war mal richtig was. Aber vielleicht ist die Zeit vorbei?

Am Elisabethmarkt hat Susa endgültig zugemacht - nein, lag natürlich nicht am Stand oder der gewachsenen Konkurrenz drumrum. Und das Milchhäusl war lange geschlossen - und was der neue besser macht als der alte kann ich noch nicht sagen, weil bis jetzt immer alle Plätze belegt waren. Also irgendwas muss es sein.

Dafür hat gegenüber vom Elisabethmarkt eine Filiale von Dinatale aufgemacht (ja, schon vor einer Weile). Und das ist doch wirklich ein Gewinn.

An der Bauer Ecke Nordend und schräg gegenüber gibt es auch was neues. Aber die Elektrisierung lässt noch auf sich warten, wie auch das Bedauern über einen Verlust.

Und wenn ich jetzt meine Runde wieder am Kurfürstenplatz beende - da hat ja gegenüber des Café Schwabings auch der SFC zugemacht. Überraschend geräuscharm. Und ich geb zu, die erste Reaktion meinerseits war: egal. Coffeeshops braucht doch eh keiner. Als ich aber jetzt gesehen habe, was da reinkommt, will ich sofort einen Coffeeshop wiederhaben. Ein Rewe to go. Was in München tatsächlich keiner braucht. Einmal die Schwabing zugepflastert mit Rewe. Nicht dass einer davon wirklich gut wäre - ich staune ja immer, wenn ich woanders in einen richtig gut sortierten Rewe komme. Aber ein to go? In München? Mit den Münchner Ladenschlussgesetzen? Aus Düsseldorf kenn ich das als: Fertigessen und Trinken - besonders nach Geschäftsschluss und am Sonntag, aber nicht die typischen Supermarktprodukte. Also den Bedarf seh ich an dieser Ecke nicht. Und es wieder ein gesichtsloses Irgendwas.

Auf der anderen Seite: den Kurfürstenplatz bekommt man eh nicht schön. Das wird auch der Neuhauser Schwabinger meines Erachtens noch merken. Da was hinzusetzen, was weder abgehoben noch Boazn ist, Herausforderung. Viel Erfolg.


Jenseits des Datschi-Äquators

In Heinerland gibt es keinen Zwetschgendatschi. Dafür gibt es aber auch so gut wie keine Wespen. Stellt sich die Frage, ob für die gemeine Hauswespe ein Leben ohne Datschi zwar möglich aber sinnlos ist. Die meisten Altbayern könnten das nachvollziehen. Ähnlich wie ein Leben ohne Berge zwar möglich aber sinnlos ist. Ein Leben ohne den weißblauen Himmel, der nirgends so schön weiß und blau ist wie in Bayern. Ein Leben ohne Brezn, die es eben auch nur in Bayern gibt - alles andere sind Versuche einer Brezn, aber sie bleiben im Versuchszustand.

Jetzt gehör ich aber nicht zu denen, die jede labberde oder steinharte Brezn als Himmel der Bayern lobt - weil auch in München bleiben die oft im Versuchszustand. Wie auch der Datschi, der oft so datscht, dass man ihn auch nicht mehr essen will. Jetzt darf sich zwar jeder Hefeteig mit ein paar Zwetschgen drauf Zwetschgendatschi nennen, aber richtig gut sind die wenigsten. Sind wir mal ehrlich. Nur die gemeine Münchner Hauswespe, die mag sie alle.

Weil ich aber die Hoffnung selten aufgebe, probiere ich natürlich jeden Datschi, der nur halbwegs danach aussieht, schmecken zu können. Und bin dann oft enttäuscht. Wie ich auch enttäuscht bin, die Datschi-Zone verlassen zu haben (also temporär). Wobei auf der anderen Seite hab ich schon eine sehr feine Kuchenquelle aufgetan - und der Zwetschgenkuchen vor zwei Tagen hat ganz viele der Münchner Datschis um längen geschlagen. Fand ich - die Wespe, die sich neugierig näherte, dran schnupperte und wieder abzog, die sah das wohl anders.


Hört mir mal wieder auf mit dem Gentrifizierungmist

Ach, mal wieder ein Lärmtag gegen Gentrifizierung. Erfunden von den Gentrifiezierern. Weil der ganzen Blosn von jungen Hipstern geht es ja nicht darum, dass tatsächlich die alten Münchner Verhältnisse bewahrt bleiben - da wären sie ja ebenso unerwünscht wie die neuzugezogenen Geldigen. Es geht um ihren persönlichen Wohnraum. Und ob für ihren persönlichen Wohnraum eine Oma weggezogen ist, ist ihnen total egal. Der Unterschied zu den sogenannten Gentrifiezieren - die sanieren. Und das ist nicht per se schlecht. Und damit kommen wir, überraschend schnell, auf den Punkt: bestehende Substanz muss erhalten werden und dafür braucht es Geld. Und deshalb ist es auch nicht per se schlecht, wenn irgendwas umgewandelt wird, weil die, die sich darauf einlassen, sich in der Regel auf das Gesamtpaket einlassen. Die wollen das so. Auf die könnt ihr Hipster sauer sein, weil sie euch den billigen Wohnraum wegnehmen - aber die Oma, die schon immer da gewohnt hat, wird weiter da wohnen, weil die hat im Gegensatz zu Euch Bestandsschutz. Mein persönliches Schnappatmungserlebnis hab ich ja immer dann (schon immer - immer noch) bei Neubauwohnungen in Baulücken, wo ich mir immer die Frage stelle: wer soll das bezahlen? wer ist die Zielgruppe? fühlen die sich ein in ein Viertel? Aber denen seid ihr ja egal. Und mein Eindruck, und das nervt mich, Euch geht es auch nicht um die. Euch geht es um Euch und um nichts anderes. Mir geht es darum, dass aus jetzt meiner Wohnung niemand aus seiner Wohnung rausgetrieben wurde. Dass um mich herum, die kleinen Läden und Werkstätten überleben - auch indem ich dort einkaufe. Ich will, dass die alten Nachbarn im Haus oder gegenüber nicht aus ihrem gewohnten Wohnraum vertrieben werden. - Und wenn sie mal wegsterben, brauch ich ehrlich gesagt, auch keinen lärmenden Hipster, sondern jemanden, der hier leben will, sich in eine Gemeinschaft einfügen will - weil Veränderung gibt es. Die eigentliche Frage ist: wie.


Du Frau B.

Ich persönlich find's ja a Kreiz mit dem du und mit dem Sie. Wie oft hat schon jemand zu mir gesagt: du ruf den Michi an/meine Schwester/mein Spezl - der die das kann dir helfen. Dann meldet man sich bei der- oder denjenigen - und steht vor der Entscheidung, ob man jetzt du sagt - weil die Ebene von der man kommt eine du-Ebene ist oder Sie. Bis jetzt war jede meine Entscheidungen die falsche. Da wünsche ich mir dann das englische, wo es egal ist - oder das echt bairische, wo es auch egal ist, weil da bist halt per du. Aber wir sind halt in so einem Zwischending.

Also so grad in unserem Alter. Bin ich jetzt per du mit jemanden, der mir von jemanden vorgestellt wird, der mit demjenigen per du ist? Spontan sag ich: ja. Und wenn mich dann jemand auf einer privaten Veranstaltung siezt, bin ich zuerst irritiert und will mich dann ob meines Alters weinend in eine Ecke verziehen. Mach ich nicht, ich hol mir eher ein Glas Wein und duze aus Protest. Beruflich ist das noch was anderes - aber das hab ich auch erst gelernt und die Umsetzung ist nach wie vor schwierig: wenn mein Mann/eine Freundin mich jemanden vorstellt, mit dem er oder sie per du ist - was bin dann ich mit dieser Person? Bleib ich beim Sie signalisiere ich Distanz, duze ich bin ich vielleicht ich weiß nicht was.

Ich bin auch im Wohnumfeld eher bei einem automatischen du als beim Sie. Und es irritiert mich sehr, wenn mich Menschen, die ungefähr mein Alter haben, Siezen. Aber wahrscheinlich macht man das auch in ungefähr meinem Alter so. Weil auf der anderen Seite schätze ich es auch, in einem Geschäft oder Lokal gesiezt zu werden. Oder geduzt, weil das dann den Stammgast/kunden Charakter ausmacht. Ich bin auch so alt, dass es mich nervt, wenn ich im Radio geduzt werde oder in einer Zeitschrift. Und jung genug (gefühlt jedenfalls), dass ich selbst duze.

Schwierig. Lösungsvorschläge erwünscht. Wie habt Ihr denn das so?


An Schmaaz halten

Ich hab mich heute durch München geplaudert. Oder gschmaazt auf gut bairisch. Dabei war ich nicht einmal auf dem Markt, wo an Schmaaz halten zum guten Ton gehört, sonst ist man irgendwie fehl am Platz. Ich hab auch sonst nichts besonders gemacht. Aber mit dem Nachbarn geredet, mit der griechischen Wirtin von nebenan, mit einer alten Dame in der Schlange vor mir, mit einer anderen im Supermarkt, ausgiebigst mit der Verkäuferin in der Parfümerie (die glaub ich grad eine neue Stammkundin gewonnen hat), mit der Friseurin bei der Terminvereinbarung, die mir dann gleich noch ein Produkt empfohlen hat (bekommen Sie in jedem Drogeriemarkt), in der Wäscherei, mit jemanden auf der Straße und am Ende sagte auch die Supermarktkassiererin: Man kann ja miteinander reden.

Mein München hat sich heute mal wieder von so einer entspannten, lässigen Seite gezeigt, als wollte es mir sagen - Willkommen daheim.

Der Münchner ist nämlich lange nicht so maulfaul, wie man gemeinhin vermutet - wobei diese Vermutung wahrscheinlich von Menschen geäußert wird, die außer den überlaufenen Innenstadtgaststätten nichts von München kennen. Wobei das durchaus von Stadtteil zu Stadtteil variiert, denn der Schwabinger ist, wie schon festgestellt, bedeutend offener gegenüber anderen Menschen als beispielsweise der Neuhauser, also der gebürtige.

Und so ähnlich verhält es sich auch in Heinerland. Ein Heiner erkennt den anderen möglicherweise an der Nasenspitze und vielleicht ist er diesem gegenüber offener. Aber so einer Fremden gegenüber... Setz dich mal in München mit den einleitenden Worten "darf ich?" neben eine ältere Dame in der Tram - das machst du nicht, wenn du kein Gespräch führen willst. Gestern kam nicht mal ein: Bitte oder selbstverständlich. Fliehe mal in München bei einem Platzregen von draußen in ein Café - da hast du mit mindestens einem der anderen Gäste mindestens drei Worte gewechselt und mit der Bedienung. - Nada. Nicht mal bei der Fußplege ließ sich die Fußpflegerin ein Gespräch aus der Nase ziehen (ich gehe seit 2001 zur Fußpflege - das war sehr ungewohnt), dafür haben sie und die Chefin mit einer Stammkundin gescherzt als meine Nägel trockneten... Und kleine Läden im Viertel, die ja die Basis für den täglichen Ratsch sind, die gibt's halt nicht.

Und da ich mich, so denke ich, auch nicht anders verhalte als dort und vor allem auch dort nicht anders verhalte als bei meinen Gastaufenthalten in Düsseldorf die letzten beiden Jahre, sag ich mal - an mir liegt's nicht. Oder von der anderen Seite aus betrachtet: doch?


Wir helfen Geld sparen

Eine Absonderlichkeit, jedenfalls für eine Münchnerin, in Heinerland ist die feste Entschlossenheit der Einheimischen, einen am Geld ausgeben zu hindern. Sowohl im Verkauf wie auch im Restaurantservice.

Ich wollte gerne Sommerbetten. Ja, da haben wir ein wunderbares Angebot. - Nein, das überzeugt mich leider nicht. Haben Sie auch noch was zum regulären Preis? - ABER DAS IST NICHT REDUZIERT. Ja, ich weiß, aber haben Sie was und können Sie mir das zeigen? ABER DAS IST NICHT REDUZIERT. Ja, ich möchte es aber sehen. Und ich würde zwei Decken davon nehmen (weil das überzeugt mich). - Ja, da haben wir jetzt aber nur eine davon da. Sie können ja, wenn Sie unbedingt wollen, für Ihren Mann die reguläre Decke nehmen, und für sich die reduzierte... Äh?

Ich wollte auch Bettwäsche kaufen. In einem anderen Haus. - Ja, da haben wir ein wunderbares Angebot.  - Nein, das überzeugt mich leider nicht. Haben Sie auch noch was zum regulären Preis? - ABER DAS IST NICHT REDUZIERT. Ja, ich weiß, aber haben Sie was und können Sie mir das zeigen? ABER DAS IST NICHT REDUZIERT. Ja, ich möchte es aber sehen. Also wenn es unbedingt sein muss, zeig ich Ihnen das Kissen. Den Bettbezug müsste ich ja wieder zusammenlegen, das können Sie sich ja vorstellen. Wer Bassetti-Bettwäsche hat, weiß, mit vorstellen ist da wenig.

Im Restaurant oder im Café oder auch im Wirtshaus (oder wie immer das hier heißt): egal welche Preisklasse. Man sitzt und wartet, bestellen zu dürfen. Man sitzt und wartet, etwas zu bekommen. - Weiteres zu bestellen? Anscheinend unüblich. Allerdings wird einem auch keine Rechnung aufgedrängt. Man sitzt. Vor einem leeren Glas - und im Zweifelsfall auch vor einem leeren Teller.  Und sitzt. Und wenn man zahlen will, will man bitte auch keine Rechnung. Weil auch das ist hier unüblich. Und nicht zu verwirklichen. - Weil Geld spart man nur, wenn man es nicht ausgibt. Hier jedenfalls.


Was ist eigentlich mit der heutigen Jugend los? Folge achthunderttausend.

Nein, konkret heißt die Frage: mit den Eltern. Und zwar den Eltern meiner Generation. Auch Folge achthunderttausend. In diesem Fall geht es um Taschengeld und Taschengeld verdienen. Denn wenn ich mich recht erinnere, hatten wir alle recht schnell Interesse daran, unser Taschengeld aufzustocken. Die einen haben Zeitungen ausgetragen oder Rasen gemäht. Es gab diejenigen, die ziemlich jeden Job angenommen haben - so hat zum Beispiel das sich damals als erste Hotel am Platz fühlende Haus Schülerinnen als Zimmermädchen beschäftigt. Bar auf die Hand natürlich. Dazu war ich mir ehrlich gesagt dann doch zu fein, so knapp wurde ich nicht gehalten. Und ich hatte großes Glück: mein Schülerinnen-Nebenjob war über Jahre hinweg in einer Poster-Galerie, in der sich der Besitzer alter Schule gerne mit jungen Mädchen umgab, denen er etwas über Kunst und Rahmen und Bildkomposition erzählen konnte. Es war toll - cool - und ich wurde auch noch bezahlt dafür. So ähnlich sah ich auch übrigens meine ersten Wochenenddienste in der Zeitung - auch wenn ich bei der Jahresversammlung des Kaninchenzücher... Stopp, da war ich ja nie. Aber es gibt entsprechende Vereine...

Ich schweife ab. Der Punkt ist: zusätzliches Taschengeld war für uns interessant. Scheint es heute nicht mehr zu sein. Die Frage, die sich damit aufwirft: Wurden wir jetzt kürzer von unseren Eltern gehalten - getreu dem Motto: wenn du mehr willst, dann arbeite dafür? Das wäre der pädagogische Ansatz. Bzw. hatten unsere Eltern weniger Geld zur Verfügung, weil sie ja in der Hochzinsphase ihr Haus abzahlen mussten?

Und wie ist es dann heute? In meiner Altbayernblase, in der ich nunmal lebe, haben Kinder Reitstunden aber keinen Taschengeldjob. Hat sich jetzt meine Blase total verändert? - Also sprich: sind das gar nicht die Kinder, mit deren Eltern ich als Jugendliche befreundet war? Fanden diejenigen, die wie ich als Jugendliche ihr Taschengeld aufgebessert haben, das als Stigmata und möchten heute diese "Schmach" ihren eigenen Kindern ersparen? Weil jetzt sind sie ja eine soziale Stufe hochgestiegen und können es sich leisten? Oder den armen Kindern, die ja eh so viel leisten müssen, kann man sowas nicht auch noch zumuten?

Ich glaub ja nicht, dass wir konsumorientierter waren - aber ich meine im Vergleich, dass wir nicht jedes Kleidungsstück, das wir haben wollten, nicht jeden Kinobesuch, nicht jedes Buch, jede Platte (damals...) bekommen haben - wir brauchten Taschengeld. Und ab dem Zeitpunkt, an dem wir abends ausgegangen sind, noch viel mehr. Musst ja erst mal zahlen können. Und wenn unserer Generation damit vermittelt wurde, dass Geld nicht selbstverständlich da ist, wieso vermittelt unsere Generation genau das Gegenteil an ihre Kinder? Für mich läuft da was verkehrt. Im Kleinen wie im Großen.

Im Großen: was werden diese Kinder von der Welt erwarten? Dass sich jeder nach ihnen richtet? Ja. Die Tendenz gibt es ja jetzt schon. Die Diskrepanz zwischen Generation Praktikum und Generation Work-Life-Balance zugunsten Life.

Im Kleinen, sprich privaten Bereich: was wird aus Kindern, die es gewohnt sind, dass nicht sie helfen müssen, sondern eine Haushaltshilfe, die Dinge erledigt - ich rede von allen Dingen, also nicht von Unterstützung, sondern von komplett. Die nicht irgendwann mal zum Unkrautjäten abkommandiert werden oder Laub kehren oder Keller putzen - die gefühlte Strafarbeitsliste war zu unserer Jugend lang. Und weil man es ja eh gewohnt war, hätte man auch für einen Zehner die Stunde im Nachbarsgarten Unkraut gejähtet. Aber da find mal heute einen Jugendlichen, der so sein Taschengeld aufbessern will. Weil er muss es ja noch nicht mal daheim machen...


Metropole München?

Die Süddeutsche brachte ja eine Geschichte mit dem Tenor: Mehr Mut zur Großstadt. Urbanität. Wachstum ist toll.  - Ich muss sagen, ich habe gestaunt. Immerhin ist es diesselbe Süddeutsche, die jedesmal aufheult, wenn ein Viertel gentrifiziert wird, die Mieten steigen, die quasi Alteingesessenen vertrieben werden (das sind dann in der Regel die SZ-Redakteure, die vor fünf Jahren irgendwo hingeszogen sind), eine Boazn zumacht etcpp. Ja Himmelhergottnocheinmal, was glaubt ihr eigentlich, was Großstadt heißt? Vorallem in München, wo der Platz nachweislich begrenzt ist? Und wenn die Gartenviertel zugebaut werden, wer schreit denn als erster? Und jeder bis jetzt noch grüne Innenhof in der Stadt, soll der zu Bauland ausgewiesen werden? Wird ja eh alles zubetoniert...

Das Bekenntnis zur Großstadt heißt, liebe Süddeutsche: steigende Mieten, vorallem in den attraktiven Vierteln. Es heißt unattraktive Hochhausviertel in der Peripherie. Es heißt noch mehr Stau, noch mehr Verkehrskollaps auf allen Ebenen. Es heißt soziale Spannungen. Den Versuch, ein Stück München zu bewahren, ist nicht der verkehrteste.

Und ich red jetzt nicht vom 80er Jahre München vom Pumuckl, Monaco Franze, der Hausmeisterin oder Zur Freiheit. Das beschwört ihr ganz gern - aber die Zeiten sind lang vorbei. Und ich red auch nicht von Erhaltungssatzungsgebieten, weil die dienen vor allem dazu, den kleinen Eigentümern Steine in den Weg zu werfen, weil an die großen kommt man ja eh nicht ran (die Zusammenlegung zweier Wohnung muss unterbunden werden, weil zu goß. Hauptsache, der Bezirksausschuss hat was zu tun und übersieht dabei geflissentlich die Entmietung eines oder mehrer Häuser). Es kann sein, dass es ohne die Erhaltungssatzung noch ganz anders aussähe - aber eine Forderung zu Bekenntnis zur Metropole ohne gegen die Mimimi-Einstellung, München darf sein Gesicht nicht verlieren, bedeutet: Erhaltungssatzung über Bord.

München verändert sich. In den letzten Jahren schneller als in den Jahrzehnten davor. Die Stadtpolitik hinkt sowas von hintennach - keine Frage. Was mich aber wundert, dass so manche Dinge überhaupt nicht hinterfragt werden...

Wir haben hier in München den ein oder anderen Großkonzern. Das wird nach Bedarf hochgejubelt oder beseufzt. Weil so Konzernheadheadquarters haben ja die klassiche Gutverdienerklientel, die dann auch Gutverdienerwohnraum für sich beanspruchen. Ich sag nur: Gentrifizierung...

Aber den Konzernen wollen wir ja nichts böses. Und einem ganz besonders nicht: den Bayerischen Motorenwerken. Nicht falsch verstehen, die Autos sind toll. Hier gibt es gerade einen doppelten intensiven Flirt mit zwei Modellen. Aber auf was ich rauswill: nördlich des Frankfurter Rings ist eine Stadt in der Stadt. Und das wird nie hinterfragt. Weder von der Stadt noch von den Medien. Diese BMW-Stadt wächst und wächst - und keiner sagt mal, könnte man davon nicht irgendwas an einen anderen Standort verlegen? Dingolfing ist auch nicht weit... Das ist so viel mehr als ein Headquarter von einem Dax-Konzern. Und wer nicht weiß, wovon ich rede, dem empfehle ich mal eine Fahrt (oberirdisch, gerne mit einem BMW) durch den Münchner Norden.

Und danach reden wir nochmal über Wohnraum, über Aufstockung von Bestandsbauten, über Verdichtung, über Großstädtifizierung... 


Back to the roots

Ach Himmel Landshut, ach Tausend Landshut. Unser Verhältnis wird immer einmalig bleiben. Das hat das Heimatstadtgefühl so an sich. Es wird immer da sein, dein Unverständnis, dass man aus dir weggegangen ist - und dann ausgerechnet noch Isaraufwärts. Nach Minga. "Wie kann man da nur lebn?" Regensburg ist noch ok, vielleicht gibt es da so eine gewisse mittelalterliche Verbundenheit. Berlin, ja, das ist cool. Aber Minga?

Ich komm ja immer noch oft zu dir zurück. Aber ich hab das Gefühl, immer unsichtbarer zu werden. Immer weniger Menschen zu kennen. Und einige, die ich mal kannte, schauen durch mich hindurch. Jetzt glaub ich allerdings, dass ich mich gar nicht so verändert habe, aber entweder sie rechnen nicht mit mir und nehmen mich daher nicht wahr, oder sie haben meine Existenz ausgelöscht. Manche sicherlich auch bewusst, wie ich auch die Existenz mancher Menschen ausgelöscht habe. Und ich erkenne sie dennoch - und wahrscheinlich zuckt mein Augenlied.

Nein, das stimmt nicht. An manche Menschen erinnert man sich nicht mehr. Wieder an andere erinnert man sich sehr wohl und sehr gut, aber man will sich vielleicht nicht erinnern. Vielleicht weil es peinlich ist. Vielleicht weil es in einem anderen Leben war.  - Oder man will einfach so tun, als würde man sich nicht erinnern, vielleicht um Fragen aus dem Weg zu gehen, vielleicht um grad nicht zu sagen, wie es einem geht. Vielleicht um Peinlichkeiten aus dem Weg zu gehen.

Aber sind wir mal ehrlich. Alles davon fragwürdig. Gegen erstes kann man nichts machen und die Frage "warum" darf gerne in der persönlichen Psychotherapie beantwortet werden. Tatsache ist, wahrscheinlich deshalb, weil der andere so belanglos für das eigene Leben war, dass man sich nicht mehr erinnert. Das ist natürlich bitter für denjenigen, der sich umgekehrt sehr wohl erinnert.

Und es ist immer die Frage, welche Konstellationen aufeinander treffen, wenn zwei Menschen, die sich mal gekannt haben, sich gegenüber stehen und sich nicht kennen. Und ja, ich hab es selbst so oft gemacht, dass ich die zuckende Augenbraue von jemanden ignoriert habe, und weitergegangen bin. Und jeder einzelne Moment davon tat und tut mir leid.

Und es muss ja auch nicht immer das große "Hallooo" sein, manchmal langt ein Lächeln, ein Nicken im Vorübergehen. Manchmal sind es ein paar belanglose Worte. Selten ist es die Wiederbelebung einer vergangen Freundschaft.

Was sich alles nicht nur auf die kleine Stadt und die alte Heimat bezieht.... Aber es ist verstärkt das Zusammentreffen mit lang vergangener Vergangenheit. Und von mir aus ein großes '"Hallooo", weil Vergangenheit, du gehörst zu mir. Fast alles davon. Außer die Teile, die ich bestreite, dass es sie gegeben habe. Und die Teile, die ich vergessen habe. Oder vergessen möchte.


Zum Tage

Ich freue mich für die Ehe für alle. Auch wenn ich persönlich mir immer dachte, es ist egal, wie man es nennt, das entscheidende ist die rechtliche Gleichstellung. Jetzt ist es aber so, dass ich meine Haltung zu diesem Thema immer als stockkonservativ betrachtet habe: die Ehe ist für mich ein Bekenntnis zu einem Menschen. Ich gehe Pflichten ein und bekomme Rechte dafür. Die Ehe bedeutet, nicht bei jeder Schwierigkeit, die auftritt - und sind wir mal ehrlich im Laufe gemeinsamer Jahrzehnte ist nicht immer alles Sonnenschein - das Handtuch zu werfen. Nein, man rauft sich wieder zusammen. Man steht zueinander. Natürlich ist die Basis Liebe, Vertrauen, partnerschaftliches Denken. Und natürlich kann diese Basis zerstört werden, aber vielleicht nicht so einfach wie ohne Trauschein. Wie man vielleicht merkt: ich bin ein großer Fan der Ehe.

Was mir allerdings aufgestoßen ist die letzten Tage: die Brutalität mit der Menschen angegangen werden, die eine andere Meinung haben. Weil ich bin auch ein großer Fan der Demokratie und das heißt, man darf auch eine andere Meinung haben. Auch wenn sie plötzlich unpopulär zu sein scheint.Und eine ausgewogene gesellschaftspolitische Berichterstattung haben ja die meisten Medien die letzten Tage auf die Schnelle nicht mehr hinbekommen. Bei den Anti-Ehe-für-alle-Geschichten wurden entweder Kirchenrecht mit Staatsrecht vermischt oder Ehe mit Familie verwechselt.

Lassen Sie mich das mal so formulieren: die Ehe (siehe oben: konservativer Ansatz) ist die Keimzelle der Familie. Also eine Ehe ist für mich persönlich Familie - egal ob mit Kindern oder ohne. Wie will ich denn als Außenstehender beurteilen, ob gewollt oder ungewollt kinderlos? Und wenn jetzt der Ansatz kommt: Familie ist alles mit Kindern, egal ob verheiratet oder nicht. Dann stelle ich mal die Gegenfrage: wieso heiratet ihr nicht einfach? Es tut nicht weh. Die Frage, wer zukünftig diskriminiert wird, ist eine, die sich stellen wird. Die Kluft wird sein: Kinderlose Ehepaare, von denen es zukünftig mehr geben wird, gegen unverheiratete Paare mit Kindern? Und wer Kinder hat, ist ja eh im Recht... Ausgetragen wird dieser Kampf auf dem Rücken der ungewollt kinderlosen Ehepaare, weil die haben grad die schwächste Lobby, obwohl sie nicht so wenige sind.

Dass es objektiv absurd ist, Kirchenrecht mit Staatsrecht zu vermischen, ja, ist aber bei der CSU auch legitim. Aber auch nur in Bayern.

Ehe für alle. Steuersplitting für alle. Witwenrente für alle. Aber auch Stabilität für alle - wie gesagt, rein konservativ argumentiert.


Himmel Landshut - Tausend Landshut

In der kleinen Stadt wird ja jetzt wieder das große Fest gefeiert. Da steht die Stadt vier Wochenenden Kopf und man kann es schon als Ausnahmezustand bezeichnen. Und während früher es doch ein Fest für einen Teil der Stadtbevölkerung war - die sich dann auch gern als die Auserwählten betrachtet haben und gerne auch in den Jahren dazwischen eher unter sich blieben - ist es in den letzten beiden Jahrzehnten immer mehr ein Fest der ganzen Stadt geworden. Das finde ich schön, weil sich damit doch ein großer Teil der Stadt damit identifiziert und weil man gemeinsam feiert. Die einen kostümiert, die anderen so. Und weil nicht kostümiert (und mit mittelalterlichen Fantasiekostümen wird man der Stadt verwiesen - wir sind ja schließlich nicht auf dem Oktoberfest), gibt es auch für Nicht-Hochzeiter inzwischen Hochzeits-Shirts für's Identity-Feeling. Auch mit Glitzer - Hach - hätte ich das doch früher entdeckt, das wäre doch was für die Patenprinzessinnen...

Dass es jetzt ein Ganz-Stadt-über-die-ganze-Zeit-hin-Fest ist, macht das Ganze natürlich schon sehr speziell. Was jetzt wiederum nicht jeder gut findet, weil manche Menschen haben ja auch ein Ruhebedürfnis oder auch ein ganz normales Leben in der Zeit. Und anders als der Wiesn kann man dem nicht so entkommen, wenn man das denn wollte. Was anscheinend manchen Angst macht - die Laho und das Drumrum. So hat mich neulich allen Ernstes eine Neu-Helmenstädterin gefragt, ob sie sich da am Abend überhaupt aus dem Haus wagen könnte. Weil das wäre ja alles so brutal und sie könnte zusammengeschlagen oder überfallen werden. Da war ich dann doch ein bisserl sprachlos und hab ihr versichert, dass sie sich das schon mal anschauen kann und keine größeren Befürchtungen haben müsste. Dass die Leut je später der Abend auch mal unangenehm besoffen sind - auf der Wiesn bleib ich ja auch nicht bis zum bitteren Ende. Einen Satz später hat sie mir dann erzählt, dass die Menschen in der kleinen Stadt ihr so reserviert entgegen treten würden. Naja, mit einer solchen Eingangsfrage macht man sich auch keine Freunde dort. Denn wie gesagt, die Landshuter lieben ihre Hochzeit.

Ja, natürlich artet das alles auch gern mal aus, wahrscheinlich jedes Mal mehr, weil alles inzwischen mehr ausartet (so kommt es mir zumindest vor). Allerdings gab es auch schon früher Gerüchte von außerpartnerschaftlichen Bekanntschaften und von einem Anstieg der Geburtenrate im Frühjahr drauf. Wobei, das sind sicherlich nur Gerüchte. Verleumderisch geradezu.

Also Landshut feiere die Hochzeit mit Gästen und Zaungästen. Von mir kommt ein großes HALLOOO!


Extra Bavariam

In Heinerland trägt keine Frau ihre Sonnenbrille im Haar. Schon gar nicht abends. Aber das tut außerhalb von München wahrscheinlich keine Frau nirgends. Und wahrscheinlich ist es das Signal überall als Münchner Tussi identifiziert werden zu können. Und ebenso wahrscheinlich hat der Mann das gar nicht gemeint, als er sagte: du fällst hier auf. Aber das sagte er kürzlich schon mal in einem ganz anderen Kontext - und ebenso wahrscheinlich ist es die Story of my life, dass ich grundsätzlich irgendwo nicht hinpasse, auch wenn ich mich gar nicht von etwas distanzieren möchte. Weil meine bewusst Anti-Phase hatte ich zwischen 17 und 19 und das ist schon eine Weile her. Und davor und danach versuche ich mich auch gerne anzupassen, wobei das ja nicht zu funktionieren scheint. Gruppenzugehörigkeit, egal zu welcher Gruppe, kann ich nicht stringent durchziehen und am Ende vermittle ich mal wieder den Eindruck der arronganten Einzelgängerin.

Arroganz ist grundsätzlich gefährlich. In dem Fall ganz besonders. Eine Schwabinger Schmeißfliege, die sich über die Heiners lustig macht, sind wir mal ehrlich, geht gar nicht. Drum sag ich an dieser Stelle auch nur, dass ich die Stadt gewöhnungsbedürftig finde. Aber das gilt für viele Städte und Landstriche, denn: Extra Bavariam nulla vita, et si vita, non est ita. Und Bayern ist nicht so groß wie es die Landesgrenzen scheinen lassen - in diesem Bayern laut Landesgrenzen gibt es ja auch noch Franken und Schwaben.

Was ich auch noch gewöhnungsbedürftig finde, ist die Tatsache, dass sich die Bewohner einer Stadt mit einem Begriff oder Namen identifizieren, der ursprünglich einfach nur negativ besetzt war - Tagelöhner, grobe Kerle - und was das über die Bewohner einer Stadtt aussagt, das muss ich noch ergründen.


Schwabing is a G'fühl, gell

Sie saß da und fand es einfach toll in Schwabing zu sein, unter all diesen Leuten, die es auch toll fanden in Schwabing zu sein. Weil aus Schwabing war kaum einer. Und deswegen schien es auch so als ob ein "Monaco Franze Reloaded" gegeben würde - weil das ja immerhin ein Bild ist, das die meisten mit Schwabing verbinden. Ist halt schon ein bisserl her. Aber ein bisserl was geht immer.

Und so saß sie dann da und fand ihre Begleitung in seinem schlecht sitzenden Trachtenblazer auch ganz besonders charmant, weil er tatsächlich gefragt hatte, ob er ihr auch noch was bringen könnte, als er sich ein Getränk holte. Das war dann das erste Mal als ich mich mit Bosheit nicht ganz beherrschen konnte, als ich antwortete, das sei schon nett von ihrem Begleiter - aber irgendwie auch selbstverständlich, jedenfalls bei den Menschen, die ich kenne. Großer Kulleraugenblick. Und auch die zweite Begleitung des schlecht sitzenden Trachtenjackets aus Starnberg hatte keine Ahnung, was ich meinen könnte. Aber hey, wir sind in Schwabing, wir müssen wenigstens so tun, als wären wir wichtig und schön und unter Drogen...

War vielleicht früher mal so und halte ich auch da für ein Gerücht. Aber wir sind in Schwabing und deshalb werfen wir alles, was wir aus dem Monaco Franze und der Spider Murphy Gang wissen zusammen und dann wissen wir auch, wie wir uns zu geben haben, dass wir als echte Schwabinger durchgehen.

Ja.

Blöd nur Mädel, wenn du dir dann erklären lassen musst, wie du aus Schwabing mit der S-Bahn zum Stadtrand kommst, weil du eben nicht nur nicht aus Schwabing kommst, sondern auch nicht die Kohle hast, die du so gern hättest, um dir ein Taxi dahin zu nehmen. Und mein Ausschnitt war nicht so tief und meine Haut ist nicht so böse sonnenbank verbrannt, meine Fingernägel waren nicht so frisch gemacht, mein Kleid war nicht so eng, weil ich hab ne Jeans angehabt - aber im Gegensatz zu dir und deinen Freundinnen, die Schwabingerinnen gespielt haben - ich bin zu Fuß heimgegangen. Bussi!


Hundsdrecksblues reloaded

Der Söllner Hans ist scho lang nimmer in Schwabing spazieren gegangen. Aber ich bin mir sicher, auch wenn er heute nicht mehr in die Hundehaufen reinsteigen würde, er würde sich ebenso aufregen wie ich. Kreizkruzifix, Ihr depperten Hundebesitzer, wer hat Euch eigentlich ins Hirn geschissen? Da sammelt ihr die Kacke von Euren Kötern zwar brav auf - um dann die roten Sackerl in die Gegend zu schmeißen. Geht's eigentlich noch? Glaubt Ihr, das macht irgendwas besser? Die Stadtreinigung machts dann schon weg. Irgendwann mal.

Ich mein, ich geb ja zu, es ist nicht hilfreich, dass die Stadt München vor einigen Jahren beschlossen hat, alle Mülleimer abzubauen. Was dazu führt, dass halt die Leut ALLES irgendwohin werfen. Weil's wurscht is. Schmeißen die Leut ihren Dreck auch vor die eigene Haustür oder gehen sie dafür eine Straße weiter? Und schmeißt den Dreck doch bitte auch mal ein paar Stadträten oder Stadtteilpolitikern vor die Tür - vielleicht stellt auch jemand den Antrag, mal wieder einen Mülleimer aufzubauen.

Ernsthaft: beides geht nicht. Der Verzicht auf Mülleimer geht nicht - liebe Stadt München, Du findest doch Wien so toll. Lass Dir sagen, da gibt es an jeder Ecke einen Mülleimer. Mit Aschenbecher. Da ist es aufgeräumt - da schmeißt auch keiner seine Kippen auf die Straße.

Das ist aber keine Entschuldigung für Menschen, die ihr Zeug einfach wegwerfen. Das ist ein Verhalten, das ich nicht verstehe. Und am schlimmsten sind die roten Hundekackebeutel. Da bin ich kurz davor, wenn mal wieder fünf unten am Grünstreifen rumliegen, die einzusammeln, auf dem Balkon zu deponieren - und der oder die nächste, die ich dabei beobachte, dass sie die Scheiße ihres Köters verpackt entsorgen, bekommt genau so einen ans Hirn.


Die Schwierigkeiten eines Dates...

...nach einer langen Beziehung

Ich bin ja eine treue Seele. Ich hänge an Menschen, an Wohnorten, an abgetragenen Kleidungsstücken - und an meinen Autos. Mit Mitte 40 habe ich es doch schon auf drei davon gebracht, obwohl ich seit ich 21 bin immer eines besessen habe. Eigentlich ab 18, denn das erste Auto bekam ich, nachdem mein Vater sich ein neues kaufte nach drei Jahren Sharing mit seiner Fahranfängertochter. Das damals neue fährt meine Mutter heute noch. Die Treue zu Autos liegt also definitiv in der Familie.

Und nach dem alten Golf gab es einen neuen Golf und das Ende des neuen Golfs, der dann auch nicht mehr neu war, lag in einer Blogpause, was schade ist, denn die Geschichte wäre es auch wert gewesen, erzählt zu werden.

Weil Frau B. aber wie gesagt den Entwicklungen immer einen Quantensprung hinterherläuft, gab es danach auch tatsächlich einen solchen - der dazu führt, dass mir immer noch ein Verliebtheitsseufzer entfährt, wenn ich in das Auto einsteige. Es ist die große Liebe - ebenso groß wie zu meinem ersten eigenen neuen 2001.  Sie würden mich verstehen, wenn Sie ihn fahren würden. So formschön, so geschmeidig, so viel Power unterm Arsch, aber gleichzeitig so sanft. Ich sag es Ihnen: ein Frauenauto. Der Vorgänger und der Nachfolger waren und sind ein Männerauto. Extrem aggressiv, kantig, technikfixiert. Anders der meine... Mein Audi. Also eigentlich eine große Liebe für lange Zeit. Aber. Es ist ein Diesel.

Und jetzt kommt der Punkt, an dem meine Treue brüchig wird. Diese, siehe oben, ist ja nahezu grenzenlos - solange mein Vertrauen nicht missbraucht wird. Nur leider habe das Gefühl, mein Vetrauen wurde vom VW/Audi Konzern brutal missbraucht. Keine Aufklärung im Dieselskandal. Wie ist das jetzt mit Fahrverboten? Was ist mit dem Wertverlust meines Autos? Nur zum Verständnis: ich dachte, ich handle umweltbewusst, als ich mir das Auto gekauft habe. Jetzt bin ich a Drecksau. Und jetzt fahr ich ein Auto, das noch keine fünf Jahre alt ist und wesentlich weniger wert ist als ich dachte. Und genau das ist leider dem Audi/VW-Konzern scheißegal.

Und jetzt ist meine Überlegung: fahren bis zum geht-nicht-mehr oder erliege ich den Flirtversuchen anderer Konzerne? Ich sag es mal so: ich hab da etwas sehr sehr schöne gesehen. Ich werde zwar vielleicht etwas unglaubwürdig in meinem Wettern gegen SUVs, aber das ist das fast noch keiner. Ich glaub ich muss mal ein Date ausmachen...


Keine Friedenspfeife mit rosa Wölkchen

Da ging er jetzt vor mir. Breit wie ein Schrank, der Körper in seinen Augen garantiert ein Schmuckstück, das entsprechend mit Tatoos verziert war und alles in allem eine Erscheinung, die ein "hey, Alter" erwarten ließe, wenn er den Mund aufmacht. Und er machte den Mund auf und rauskam ein zuckersüßer Erdbeerschaumbadaroma-Kaugummi-Drogeriemarktduftkerzen Etwas, das mich einnebelte. Bei E-Zigaretten entdecken auch die härtesten Kerle ihre Kleinmädchenhafte Seite. Und die zartesten Frauen den Darth Vader in sich. 

Und das soll jetzt besser sein? Damit werden Nichtraucher weniger belästigt? Für meinen Geschmack sind die penetranten Düfte eine echte Zumutung. Und dass es Lokale gibt, die das zulassen ist doch verwunderlich. Das Zeug gibts ja auch duftfrei, aber Aromarauch im Speiselokal ist keinen Millimeter besser als Zigarettenrauch. Vor allem, da die E-Smoker eben nicht mal eine rauchen und dann ist es wieder eine Weile gut, nein da wird ja dauergenuckelt. Aromaschnuller für Erwachsene, das wär es. Ich bin überzeugt, da gibts einen Markt dafür...