Urlaubstrend 2009

Zuerst verspürte ich nur Interesse. Reiseberichte würde man sich wünschen und meine Reiseführer ausleihen, Fotos wollte man sehen, Hotelprospekte sollte ich mitbringen und nach Campingplätzen Ausschau halten. Anscheinend ein außergewöhnliches Reiseziel, das ich gewählt hatte.

Und plötzlich bin ich mitten im Trend: M. kommt gerade von der Ostsee zurück, E. ebenfalls. A. urlaubt statt auf Sardinien dieses Jahr im Schwarzwald. Berchtesgaden höre ich von anderer Seite und Altmühltal und auch schon München. W. bricht gerade auf ins Elbtal und im Café am Nachbartisch erzählt eine Frau von ihrer Bauhaus-Tour, die sie plant. Sie war schon immer am liebsten einfach in den Bergen, gesteht meine Kosmetikerin. Und meine Friseurin hat beschlossen, Bayern zu entdecken. Damit ist sie auch nicht allein, von C. kommen fast wöchentlich Karten von bayerischen Entdeckungsfahrten.

Urlaub in Deutschland ist angesagt. Auch unter denen, die sich auch jetzt eine Fernreise leisten könnten. Aber irgendwie will man grad nicht um die Welt fliegen. Stattdessen werden Kind und Kegel und Luftmatraze ins Auto gepackt, die Räder hinten, oben, sonstwo angeschnallt und es geht los. Und nicht mal mehr zwingend übern Brenner. Slow down heißt ganz offensichtlich die Devise. Und der Erholungswert beim downslowen ist enorm.

Ein knallrotes...

...Gummiboot. Ja, das könnte man derzeit auch brauchen. Und damit sind wir auch schon sehr nahe dran. Über das Must-Have des Sommers wollte ich nachdenken. Und darüber, dass man ja jetzt auch schon wieder überall Herbst und Winter Klamotten in den Geschäften hängen hat.

Was ich lächerlich finde, auch wenn es in diesem Jahr fast logisch ist, denn wem ist schon nach Sommerkleidchen-Power-Shopping? Vorallem da große Teile der Sommergaderobe immer noch in durchsichtigen Reinigungssäckchen verpackt quasi jungfräulich seit vergangenen September im Schrank hängen. Was deshalb noch lange nicht heißt, dass ich im Juli anfange, Winterklamotten zu kaufen. Lieber beschwere ich mich im Oktober, dass nichts mehr da ist, was mir gefällt und dass jetzt schon wieder Frühjahrsware ausliegt. Aber jetzt kaufen? Nein. Und da bin ich auch konsequent. Ich kaufe, wenn ich brauche.

Dass ich das aber so sehr brauchen würde, davon hatte ich beim Kauf keine Ahnung. Ich wollte nur vernünftig sein. Und eine Regenjacke haben. Sie wissen schon, so eine, wie man sie als Kind hatte. Die man zusammenknödeln kann und in die Tasche stecken. Die einem selbst im Hochsommer bei 30 Grad von Mutter beim Ausflug in den Rucksack gestopft wurde. War das peinlich, ich war immer die einzige, die immer so ein Teil dabei hatte.

Aber im fortgeschrittenen Alter schlägt die Sozialisation voll durch. Ich ging also eine Regenjacke kaufen. Eine knallrote. Und ich sag Ihnen, liebe Modezeitschriftenmacher: Das ist das Must-Have dieses Sommers. Vergessen Sie Blümchenkleider etc. Und wenn wir gerade dabei sind: Vergessen Sie vor allem das Come back der Espandrillos - Gummistiefel sind angesagt. Stehen inzwischen ganz oben auf meiner Shoppingliste.

Meeresfrische

Meer_Blog

Meer2_Blog

Sommerfrische II

Die Farben des Landes sind grün und gelb. Sattes Korn leuchtet auf den Feldern, am Wegesrand Mohn und Margariten und Kornblumen - die Farben des Sommers. Dahinter die Heuballen. Und du bist eingetaucht in ein impressionistisches Gemälde. Die Straße wird zur Allee...

Allee_Blog

...über Kopfsteinpflaster geht es weiter. Nein, du möchtest jetzt nicht in einer Kutsche sitzen, das Fahrrad ist unbequem genug. Am Ende: ein Gutshaus. Enten watscheln über die Wiese zum nahegelegenen Bach, ein Schaf blökt.Sonst Ruhe und ein leises Rauschen der Bäume, die von vergangenen Zeiten erzählen.

Herrenhaus_Blog

Sommerfrische auf dem Land

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Die Katze räkelt sich auf dem Hof. Reiher und Kraniche fliegen über das Feld. Schwalben nisten an den Scheunen. Und in der Abenddämmerung kommen die Störche in ihr Nest.

Störche_Blog

Das Schloss!

Das Schloss musste besichtigt werden. Sagte Tucholsky.

Rheinsberg_Blog

Und man muss ihm recht geben. Und auf Claire und Wölfchens Spuren wandeln. Durch den Schlosspark. Bis der Regen kam...

Rheinsberg_Regen Zuflucht im Tempel. Claire hätte dies wahrscheinlich romantisch gefunden. Ich fand es etwas kühl. Aber wenn es schon regnet, kann man auch noch das Tucholsky Museum im Schloss anschauen (hätte ich wahrscheinlich auch bei Sonne). Klein und fein und zu empfehlen. Und dann stellt man fest, dass der Herr Tucholsky denselben Werbebrief von der "Zeit" bekommen hat wie man selbst. Allerdings war er da schon ein paar Jahre tot...

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Aber von Journalisten hat er ja eh nichts gehalten - was er wohl über Blogger denken würde?

"Zeitungsdeutsch: Erst denken sie nicht, und dann drücken sie's schlecht aus"
Peter Panter, 1928

Reiselektüre

Was nimmst du zu lesen mit?, fragt M. - Fontane. Der Stechlin. - Ja.

Ein schlechter Trip

Man sollte seiner Buchhändlerin und seinen Lesern vertrauen... Aber ich wollte es ja wissen. Nein, "Der Teufel von Mailand" ist sicherlich nicht das stärkste Buch von Martin Suter. Zuerst dachte ich, vielleicht bin ich ja voreingenommen. Aber der Einstieg zieht sich einfach mal über ein Drittel des Buches hin. Dann geht's gewohnt straff und zackig über die nächsten 200 Seiten. Aber irgendwie, hm. Für meine Begriffe hat er sich ein bisschen verhoben mit dem Versuch, aus der Perspektive einer Frau heraus zu schreiben, das ist leider nicht glaubwürdig. Spaß macht es dennoch - weil sprachlich ist es mal wieder grandios.

Was macht denn...

Hirsch

...der Hirsch in der Stadt?

Selbstreflexion gefordert

Wenn du eine Mail mit den Worten "danke, war hilfreich" schreibst und der so bedankte sofort Ironie hinter deinen Worten vermutet, solltest du dringend überdenken, was für ein Bild von dir die Mitmenschen haben. Und vielleicht daran arbeiten...

Ein perfektes Buch

Normalerweise ist man ja genervt, wenn man zwei Stunden im Wartezimmer eines Arztes sitzt. Man bohrt in der Nase, schaut auf die Uhr, schaut die Mitwartenden an, blättert in Zeitschriften, schaut auf die Uhr, wippt mit dem Fuß, schreibt eine SMS, dass es nun doch nochmal später würde, schaut auf die Uhr... Wenn man aber davor in der Buchhandlung war und einen Glücksgriff getätigt hat, können zwei Stunden überraschend kurzweilig werden...

Nach zwei Stunden ist man nämlich schon mitten drin in Martin Suters "Ein perfekter Freund".  Und kann es kaum erwarten, danach weiterzulesen. Spätestens am Abend auf dem Sofa - und ich verspreche, die Unterbrechung fällt schwer. Und Sie werden es auslesen wollen. Gleich. So ging es mir jedenfalls.

Im Blauen Land

Gerade stöckelt eine Paris-Hilton-für-Arme den Marktplatz hinunter. Im Superstrechmini mit Clutch auf dem Weg zur Eisdiele am frühen Sonntag abend. Denn wo soll man sich sonst zeigen, wenn man geschätzte 16 ist und auf dem Land wohnt. Das Bubi, das besitzergreifend ihre Hand hält, will ja seinen Fang auch präsentieren. Wobei es gerade wenig Publikum gibt, die das heißeste Teeniepaar von Murnau zu würdigen wissen. Ein paar Radler sind noch da und einige ältere Touristen. Die meisten Jugendlichen sitzen nach einem Tag im Strandbad wahrscheinlich mit Mama und Papa gerade am Abendbrottisch. Du selbst sitzt derweil in der putzigen Altstadt von Murnau und isst Eis.

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Eines der besten ever. Da können die ganzen Münchner Chichi Eisdielen einpacken. Auf deiner Schulter macht sich eine kleine Sonnenrötung bemerkbar. Die Stelle hast du beim Eincremen wohl übersehen.

Mal wieder ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch. Völlig entspannt um den Staffelsee geradelt, den Bauern beim Heu einholen zugesehen und gerade noch die letzten Iris beim Blühen erwischt. Und immer wieder gesagt: Mei, schee is fei scho.

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Ein Buch ist ein Buch ist...

Wenn dir die Buchhändlerin das Buch, das du eigentlich gerade in der Hand hast, aus selbiger nimmt mit den Worten "das müssen Sie nicht lesen", kann das fürsorglich sein. Es kann aber auch ausgesprochen dumm sein. Denn zum einen ist die Rechnung, falls es denn eine war, mir statt des Taschenbuchs ein Hardcover zu empfehlen nicht aufgegangen. Zum anderen halte ich mich für eine souveräne Leserin, die doch relativ zielsicher nach dem Buch gegriffen hat. Das immerhin ja auch im Regal der Buchhandlung stand. Und ich lass mich nicht gerne bevormunden. Und es gibt ja auch noch andere Buchläden in dieser Stadt. Auch in unserem Viertel.

Auch wenn einem die Geschäftspolitik dieses Hauses gerade übel aufstößt. Wieder einmal wird unter dem Vorwand der Wirtschaftskrise und eine verquerten Geschäftsauffassung der vergangenen Jahre nun etwas auf den Rücken der Mitarbeiter ausgetragen. Hugendubel hat nach dem Coffee Shop Ketten Prinzip agiert. Wenn irgendwo ein Buchladen war, kamen auch sie und haben sich in Konkurrenz dazu gesetzt. Wohl wissend, dass auf Dauer wohl kein Platz für alle sein würde. Beispiel in der kleinen Stadt: Neben dem großen Platzhirsch und den beiden letzen verbliebenen kleinen Buchläden (die anderen hatte der große Platzhirsch schon vor Jahren verdrängt) machte sich Hugendubel breit. Das ist mehr Buch als gelesen wird. Und von Beginn an stellte sich die Frage, wer wohl den längeren Atem haben wird. Und zu diesem Zeitpunkt war von Wirtschaftskrise noch keine Rede. In der Münchner Innenstadt haben sie eine quasi Monopolstellung, wobei die schönste Filale auch die leerste ist...

Statt mehr soll nun weniger Service das Geschäft retten - und dabei war ich schon seit Jahren mit Selbstsuchen bei Amazon schneller als die Mitarbeiterinnen an den Computern im Laden. Eine Selbstbedienungskasse sei wohl auch im Gespräch wird mir beim Abkassieren erzählt. Dann aber wieder mal lieber die kleine eigentümergeführte Buchhandlung, die auf Service setzt. Und wenn mir die Mitarbeiterin von nicht zu vielen Büchern abrät, machen sie mit mir auch ein gutes Geschäft...

Das Buch, welches angeblich so schlecht sein soll, ist "Der Teufel von Mailand". Bis jetzt war ich von Martin Suter sehr begeistert - besonders begeistert und gerade fertig gelesen "Small World".

Sonntag abend

Während dir von vorne noch die Abendsonne ins Gesicht scheint und du hinter der Sonnenbrille blinzelst, ist es hinter dir schon tief schwarz. Der Regen kommt überraschend. Und heftig. Manchmal sollte man derartige Symbole nicht ignorieren...

Aktuelle Männerhaarmode

Ja, lauter Hippies da. Der Bankangestellte sieht aus wie so ein langhaariger kiffender Gitarrespieler, vor dem uns unsere Väter früher gewarnt haben. Net wirklich vertrauenswürdig, aber das macht nichts, weil Bankern vertraut man ja seit ein paar Monaten eh nimmer. Wenn dir jemand sagen würde, dass Woodstock vor der Tür steht, würdest du ihm das auch glauben. Aber es ist die Zeit der Hochzeiter. Also ein Spektakel steht allemal vor der Tür und freie Liebe soll bei beiden Ereignissen ganz angesagt sein, hat man dir erzählt. Kann auch nur ein Gerücht sein. Nur die Wahl der Drogen ist unterschiedlich. In Niederbayern sind es legale.

Oh, Metaller Zozen zum Anzug. Auch schön. Kurz bist du versucht, den an sich gut gekleideten Herrn, der die Altstadt hinabeilt aufzuhalten und ihm die Ratschläge zu erteilen, die du schon vor zwanzig Jahren im Freundeskreis erteilt hast: lange Männerhaare gehören gepflegt! Spitzenschneiden. Kuren. Ja, genau dassselbe Theater, das Frauen mit ihren Haaren veranstalten. Der Spezl von damals, der dich mal um Rat fragte, hat selbigen übrigens befolgt. Ob der, also der von heute, eigentlich seine Tochter auch vor solchen Typen warnt?

Am schönsten ist aber die dritte Kategorie, weit verbreitet unter Geschäftsleuten. Da trägt man Vokuhila. Zwangsweise, durch die verlängerte Stirn. Fehlt nur noch die Harley.

Also so wirklich schön anzuschauen, sind's grad nicht die Männer in der kleinen Stadt. Was dann in nicht einmal vier Wochen, wenn sie dann alle Strumpfhosen tragen, auch nicht besser sein wird. Aber Frauen stehn ja drauf, auf diese Typen vor denen uns unsere Väter immer gewarnt haben. Auch wenn sie nur alle vier Jahre vier Wochen lang so aussehen. Ende Juli haben die Frisöre dann Hochkonjunktur und aus den Hippies und Metallers und Bikertypen und so weiter werden wieder seriöse Geschäfsleute, brave Familienväter Mamis Idealschwiegersöhne. Die, die dann noch so rumlaufen sind die echten...

Ein Theaterabend, der knallt

Eros stellt man sich gemeinhin anders vor. Anders als das Plakat des Volkstheaters, anders als den Plot der Geschichte. Eine, der momentan so unvermeidlichen Roman-Adaptionen. Merke: Erotonomie ist nur ein schöneres Wort für Stalking. Es ist die Geschichte einer Obsession und rauschhaft ist das Stück auch inszeniert. Christine Eder peitscht die die Figuren nur so durch die Geschichte der Bundesrepublik, ein Menschenleben vergeht wie im Flug - unbeteiligt betrachtet vom Erzähler Alexander von Brücken, der die Geschichte nur wahrgenommen hat als Versatzstück seiner Liebe zu Sofie. Die Schauspieler wirbeln über die Bühne, schlüpfen in die unterschiedlichen Rollen. Cut. Szenenwechsel. Geschichtszahlen, Begebenheiten werden teilweise nur eingeworfen - doch das funktioniert, das Bild dazu erscheint ja vor dem inneren Auge. Vom Tempo mag dem ein oder anderen schwindlig werden, doch der geradezu lähmenden unerfüllten Liebe wird ein Stakkato der Ereignisse entgegengesetzt. Die Zeit verrast, solange er liebt. Die Zeit hört auf, als die Aussichtslosigkeit endgültig wird. Der Zuschauer bleibt seltsam unbeteiligt, es wird erst gar nicht der Versuch unternommen, ihm eine Identifikation aufzudrängen - episches Theater im besten Sinn. Ein Theaterabend, der Spaß macht. Der für Gesprächsstoff sorgt. Und nachdem Sie ganz sicherlich ein Glas Rotwein trinken wollen und eine Zigarette dazu rauchen...

Eros - nach dem Roman von Helmut Krausser. Eine Koproduktion des Münchner Volkstheaters mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Wieder auf der kleinen Bühne am 22. und 23. Juni.

Pfingsten


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Pfingstsonntag: Spaghetti-Eis in der Türkenstraße


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Pfingstmontag: Apfelstrudel in Innsbruck

Neulich im Kaufhaus.

Normalerweise meide ich diese Orte. Sie sind in der Regel uncharmant und nicht kauflustfördernd. Manchmal sind sie praktisch. Womit ich alle drei Probleme des heutigen Kaufhauses eigentlich schon auf den Punkt gebracht habe. Denn all dies ist Online-Shopping auch - und damit willkommen im 21. Jahrhundert.

Ich persönlich halte ja die Probleme von Karstadt hausgemacht. Als Karstadt nämlich noch Hertie hieß und ein großes Haus am Münchner Hauptbahnhof hatte, hatten sie eine ausgezeichnete Feinkostabteilung für die allein es sich gelohnt hat. Das ganze mit guter Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, was wichtig ist, wenn du Lebensmittel in der Innenstadt einkaufst. Der Karstadt in der Fußgängerzone hat auch eine relativ gute Lebensmittelabteilung, aber mit einer schlechten Verkehrsanbindung... Als Karstadt noch Hertie hieß, hatten sie ebenfalls eine ausgezeichnete Geschirrabteilung. Heute geht man zu Kustermann, trotz der schlechteren Verkehrsanbindung. Sie hatten auch eine gute Bettabteilung, heute sind sie in dieser Hinsicht keine Alternative mehr zu Betten Rid.

Was zuerst im Eimer war - Image oder Name? Aber sythematisch in München die jahrzehnte lange Institution, und es war eine, "Hertie am Bahnhof" zu zerstören und am Ende zu sagen: Mei, ist halt jetzt eine x-beliebige Karstadt-Filiale. Wer das zu verantworten zu hat, gehört getreten. In den Allerwertesten. Das ganze zu einer Zeit, in der das Münchner Bahnhofsviertel aufgewertet werden soll - noble Hotels, ein neuer Bahnhof. Entweder schon da oder schon beschlossen.

Stattdessen hat man in den letzten Jahren gleich mehrmals den Oberpollinger umgebaut. Um ihn aufzuwerten, hat man gesagt. Großartig. Jetzt hab ich unten eine Ladenpassage, die nur, und zwar ausschließlich, Münchens saudiarabischen Gäste in den Sommermonaten interessiert. Der normale Mensch möchte an den edel-protz-Marken-Shops nicht vorbei MÜSSEN, wenn er in andere Abteilungen will. Aber er muss - ergo, er geht nicht rein.

Vor ein paar Tagen war ich wieder drin. Als einzige Kundin in einer, zugeben, sensationell guten Kosmetikabteilung. Mit einer sehr guten Beratung. Aber die Verkäuferinnen sind ja von den einzelnen Kosmetikmarken geschult und bezahlt. Dann irrte ich durch die Gänge. Weil es ist ja nichts wirklich ausgeschrieben, wo was zu finden ist. Völlig allein. In mehrerern Stockwerken keine andere Kundin - geschweige denn eine Verkäuferin zu sehen. Bis ich in der Wäsche-Abteilung auf eine gestoßen bin. Die fand aber einen Kollegenplausch sehr viel angenehmer als eine Kundenberatung. Tortz oder weil ich sie  mit einer Frage unterbrochen habe. Kurze Antwort - "wenn es nicht dahängt, ist es auch nicht da - ob es vielleicht auf Lager ist, weiß ich nicht" und weiter im Gespräch. Hm, wenn ich da an die Verkäuferin eines Konkurrenzunternehmens denke, die letztens eine ganze Abteilung für mich durchgeforstet hat, weil ich schier vor der Masse geflüchtet wäre... Ohne Erfolg zwar, aber das ganze ist gespeichert und gemerkt für weitere Einkäufe.

Gespeichert und gemerkt ist auch meine Karstadt-Erfahrung vom Winter: "Ein solchen Mantel, wie sie suchen, könnte in diesem oder jenem Shop hängen." - Nicht zentral? Nein danke.

Als ich gezahlt habe, lag übrigens ein Unterschriftenzettel "Retten Sie uns und unsere Arbeitsplätze" neben der Kasse. Ich habe nicht unterschrieben.

Eine anständige Portion bitte

Bücherhäppchen finde ich fad. Ich mag immer gleich die richtige Portion an Lesestoff. Ein Buch muss ein "ich will jetzt weiterlesen" auslösen, sonst ist es das falsche Buch am falschen Ort. Für das "ich will jetzt aber nur ein bisschen lesen"-Gefühl, zum Beispiel vor dem Einschlafen, gibt es Essays, Kurzgeschichten, Erzählungen. Und davon gibt es ja großartige. Ein Buch dagegen, an dem man abends immer nur ein kleines Kapitelchen liest, langweilt. Vor allem, weil man das Gefühl hat nie nie nie mit diesem Buch fertig zu werden und deshalb auch nie nie nie mit einem anderen Buch anzufangen (ich bin keine Doppelleserin, jedenfalls nicht bei Belletristik). Ein "ich werde nie damit fertig"-Buch war jetzt für mich "Der schwarze Obelisk" von Remarque. Jetzt hatte ich mich nie besonders mit Remarque beschäftigt, ja, bis ich im Zuge meines letzten Urlaubs "Die Nacht von Lissabon" gelesen habe. - Was für ein Buch! Großartig. Berührend. Ich wollte weiterlesen. Und irgendwie hatte mich der schwarze Obelisk vom Thema her angesprochen: eine Zwischenkriegsgeschichte, zur Zeit der großen Inflation. Aber Zugang fand ich keinen, ob es an dem Protagonisten lag, der keine Identifikationsmöglichkeit bot? Vor drei Tagen bin ich dann in der Buchhandlung über Martin Suter gefallen, den wollte ich ja auch weiterlesen... Und vor allem wieder richtig lesen. Remarque wanderte vom Nachttisch ins Bücherregal.

Sommertag

Es muss dieser dritte verfrühte Sommertag in Folge sein, der die Menschen so charming macht. Und auch die, die darüber stöhnen. Denn sie seufzen mit einem Lächeln auf den Lippen, das sagt - viellleicht, nach Feierabend, ist es immer noch schön und dann gehe auch ich ins Freibad, in den Biergarten, Eis essen oder was man halt so macht an so einem schönen Sommertag. Die sonst immer so g'scherte Wurstverkäuferin ist sicherlich schon in Gedanken im Biergarten und deswegen heut sogar freundlich. Die Bäckereiverkäuferin in ihrem warmen Laden freut sich auf eine Dusche und sieht aus, als würde man sie abends bei einem Spritz im Straßencafé treffen. Die Bedienung im Café hat ein "das steht aber nicht auf der Karte" tatsächlich aus ihrem Wortschatz gestrichen und bringt eine kleine Portion und die nicht mal zum üblichen halbe Menge dreiviertel Preis Verhältnis, sondern dreht das Verhältnis um. Die Frau in der Behörde, die unter dem Tisch die Schuhe ausgezogen hat, zeigt sich kooperativ und die auf dem Amt lacht über ihre eigenen Amtsfehler. Die Kosmetikverkäuferin ist bei der Aussicht auf Urlaub und Meer so begeistert, dass sie gleich tief in ihre Pröbchenkiste greift, um ihre Kundin für selbigen auszustatten. Es ist ein charmanter Tag heute - nutzen Sie die Zeit vor dem Gewitter. Wer weiß, was das für Laune bringt....