Normalerweise meide ich diese Orte. Sie sind in der Regel uncharmant und nicht kauflustfördernd. Manchmal sind sie praktisch. Womit ich alle drei Probleme des heutigen Kaufhauses eigentlich schon auf den Punkt gebracht habe. Denn all dies ist Online-Shopping auch - und damit willkommen im 21. Jahrhundert.
Ich persönlich halte ja die Probleme von Karstadt hausgemacht. Als Karstadt nämlich noch Hertie hieß und ein großes Haus am Münchner Hauptbahnhof hatte, hatten sie eine ausgezeichnete Feinkostabteilung für die allein es sich gelohnt hat. Das ganze mit guter Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, was wichtig ist, wenn du Lebensmittel in der Innenstadt einkaufst. Der Karstadt in der Fußgängerzone hat auch eine relativ gute Lebensmittelabteilung, aber mit einer schlechten Verkehrsanbindung... Als Karstadt noch Hertie hieß, hatten sie ebenfalls eine ausgezeichnete Geschirrabteilung. Heute geht man zu Kustermann, trotz der schlechteren Verkehrsanbindung. Sie hatten auch eine gute Bettabteilung, heute sind sie in dieser Hinsicht keine Alternative mehr zu Betten Rid.
Was zuerst im Eimer war - Image oder Name? Aber sythematisch in München die jahrzehnte lange Institution, und es war eine, "Hertie am Bahnhof" zu zerstören und am Ende zu sagen: Mei, ist halt jetzt eine x-beliebige Karstadt-Filiale. Wer das zu verantworten zu hat, gehört getreten. In den Allerwertesten. Das ganze zu einer Zeit, in der das Münchner Bahnhofsviertel aufgewertet werden soll - noble Hotels, ein neuer Bahnhof. Entweder schon da oder schon beschlossen.
Stattdessen hat man in den letzten Jahren gleich mehrmals den Oberpollinger umgebaut. Um ihn aufzuwerten, hat man gesagt. Großartig. Jetzt hab ich unten eine Ladenpassage, die nur, und zwar ausschließlich, Münchens saudiarabischen Gäste in den Sommermonaten interessiert. Der normale Mensch möchte an den edel-protz-Marken-Shops nicht vorbei MÜSSEN, wenn er in andere Abteilungen will. Aber er muss - ergo, er geht nicht rein.
Vor ein paar Tagen war ich wieder drin. Als einzige Kundin in einer, zugeben, sensationell guten Kosmetikabteilung. Mit einer sehr guten Beratung. Aber die Verkäuferinnen sind ja von den einzelnen Kosmetikmarken geschult und bezahlt. Dann irrte ich durch die Gänge. Weil es ist ja nichts wirklich ausgeschrieben, wo was zu finden ist. Völlig allein. In mehrerern Stockwerken keine andere Kundin - geschweige denn eine Verkäuferin zu sehen. Bis ich in der Wäsche-Abteilung auf eine gestoßen bin. Die fand aber einen Kollegenplausch sehr viel angenehmer als eine Kundenberatung. Tortz oder weil ich sie mit einer Frage unterbrochen habe. Kurze Antwort - "wenn es nicht dahängt, ist es auch nicht da - ob es vielleicht auf Lager ist, weiß ich nicht" und weiter im Gespräch. Hm, wenn ich da an die Verkäuferin eines Konkurrenzunternehmens denke, die letztens eine ganze Abteilung für mich durchgeforstet hat, weil ich schier vor der Masse geflüchtet wäre... Ohne Erfolg zwar, aber das ganze ist gespeichert und gemerkt für weitere Einkäufe.
Gespeichert und gemerkt ist auch meine Karstadt-Erfahrung vom Winter: "Ein solchen Mantel, wie sie suchen, könnte in diesem oder jenem Shop hängen." - Nicht zentral? Nein danke.
Als ich gezahlt habe, lag übrigens ein Unterschriftenzettel "Retten Sie uns und unsere Arbeitsplätze" neben der Kasse. Ich habe nicht unterschrieben.
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