Über den Schreck des Telefonläutens

Es gibt diese Momente, da braucht man einfach nur Ansprache. Die Gewissheit, nicht allein zu sein, obwohl man ja in diesem Moment allein ist. Ist man dann auch noch allein in der Wohnung und kann also nicht eine Türe öffnen und sich neben jemanden setzen, der gerade liest/fernsieht/arbeitet - erwartungsvoll schweigend bis derjenige die Tätigkeit unterbricht oder auch gleich drauflosredend, bleibt einem nichts anderes übrig, zum Telefonhörer zu greifen. Klingende Telefone am Abend sind aber Seltenheit geworden. Ob dies am fortgeschrittenen Alter liegt oder die Konzentration am Emails als Mitteilungsmittel? Es könnte auch am Alter liegen, denn denke ich zurück an meine Kindheit war der Zeitslot, in dem es schicklich war zu telefonieren äußerst begrenzt: zwischen Abendbrot und Tagesschau. Danach auch nicht mehr, denn danach war es zu spät. Heute in Zeiten von Anrufbeantworten piept einen des Abends dann auch nur etwas entgegen. Und ich möchte wetten, dass die Hälfte der Menschen, bei denen der Antwortbeantworter an den Anruf geht, sehr wohl daheim sind, aber keine Luft haben den Anruf selbst zu beantworten... Wer dann tatsächlich an den Apparat geht, tut dies aus einem Reflex heraus, erschrocken ob des Klingelns - und eigentlich auch nicht bereit zu sprechen. Sei es weil sie lesen/arbeiten/am Computer sitzen oder Germanys next Topdings schauen, was natürlich spannender ist als mit alten Freunden zu telefonieren, die man schon so lange nicht mehr gehört hat, dass sie gar nicht wissen, dass da eine Leidenschaft für ein klumpiges Fernsehformat vorhanden ist. Nein, Ansprache findet am am Abend am Telefon nicht so leicht. Sprechen Sie mit sich selbst oder rufen Sie Ihre Mutter an. Mütter freuen sich meistens - es könnte allerdings sein, dass sie gerade fernsehen und...

Wenn du zum Schreibtisch gehst...

...vergiss die Peitsche nicht

Urlaub? Nein, ich bin nicht im Urlaub. Mein Urlaub findet am Schreibtisch statt und äußerst sich gerade in der verfüherischen Kombination von Abgabetermin gemixt mit einer Prise Schreibblockade. Und dann hockt man vor dem Bildschirm wie das Karnickel vor der Schlange. Weil man kann ja auch nicht einfach sagen - lass es gut sein, morgen ist auch noch ein Tag. So diese Selbstbetrafungstendenzen hab ich auch schon bei anderen Menschen festgestellt - gerne hört man, speziell bei Freiberuflern, ach, ich muss dir absagen, ich muss noch arbeiten. Und wenn du am nächsten Tag fragst, nix war's. Also weiterquälen. Also sprich: man bestraft nicht nur sich, sondern auch gleich die Umwelt, weil die soll ja auch was davon haben. Das mach ich jetzt auch. Aber was soll's - Sie sind eh alle im Urlaub...

Wanted: Sommerwein 2008

Ros

Das ist doch mal wieder ein Thema für mich: Rosé-Weine will Nikos Weinwelten für die neue Weinralley getestet wissen. Genauer: deutsche, österreichische oder südtiroler. Eh meine favorisierten Weinländer. Nur, Rosé-Weine gibt's da gar nicht so viele - Frankreich sei da einfach unschlagbar, meinte die Weinhändlerin meines Vertrauens. Sie hätte nur französische Rosés. Basta. Jetzt kann für mich zwar auch ein Franzose der Sommerwein 2008 werden, aber das geht ja jetzt am Thema vorbei.

Merken Sie was? Ich hab noch keinen Sommerwein 2008. Jetzt könnte ich natürlich auf den Sommerwein 2007 verweisen - aber nachdem ich den Rotling im vergangenen Sommer trotz seiner rosé Farbe so vehement als Nicht-Rosé beschrieben habe, werde ich irgendwann unglaubwürdig.

Rotling

Ich könnte auch auf einen lange von mir sehr geliebten Österreicher verweisen: Nämlich auf den Rosé von Graf Hardegg, ein Cuvee aus Zweigelt-Merlot-Cabernet aus dem Weinviertel. Ein großartiger saftig-fruchtiger Sommerwein mit einem Hauch von Johannisbeeren. Allerdings stellt sich die Beschaffung als schwierig heraus.

Ebenfalls schwierig in der Beschaffung ist der Wein, der nach einer Probeflasche sofort zu einem augenblicklichen Favoriten wurde: Der Rosé von Judith Beck. Als Testflasche in der Lieblingsweinhandlung in der kleinen Stadt beim letzten Besuch mitgenommen. Und schon beinahe nicht, denn er wird aus Blaufränkischen gekeltert, was nicht meine Lieblingstraube ist. Spielerisch leicht kitzelt er den Gaumen und verspricht sofort Sommer. Doch vorsicht: Er ist beileibe kein Leichtgewächs sondern hat satte 13%. Klar, das Burgenland mit seinen Sonnenstunden trägt da Rechnung - ich finde das für einen Sommerrosé ganz schön heftig. Dennoch denke ich, bei meinem nächsten Besuch in der kleinen Stadt werde ich davon etwas mitnehmen.

Ein letztes Mal

Über zehn Jahre. Ja, das muss erst einmal jemand nachmachen. Und glücklich. Meistens jedenfalls. In dieser Zeit so manche Längen durchlebt aber Experimente in der Regel gescheut. Vielleicht war das das Geheimnis dieser harmonischen Beziehung. Auch nur einmal fremdgegangen. Und das mit Ankündigung. So wie dieser Abschied jetzt mit Ankündigung stattfand. Und es ging nicht von mir aus. Ein letztes Mal - alles hat ein Ende. Aber ich hasse Veränderungen. Ein letztes Mal schnitt sie mir heute die Haare. Aus vorbei, die Vertraute meiner Haare, meiner Vorlieben und meiner Zicken verlässt München. Die Vorstellung, in geraumer Zeit einen neuen Frisör suchen zu müssen - das macht mich jetzt schon ganz nervös.

Die Einschläge kommen näher

Er hat eindeutig eine masochistische Ader. Schlag mich. Kratz mich. Steht auf seinem blauen Lack. Anders ist das nicht zu erklären. Dabei gehört er beileibe nicht zu den Neidobjekten in dieser Straße. Sie wissen schon, so einer, dem mit Absicht das Rücklicht zerstört wird. Nein, er ist eher unauffällig. So unauffällig, dass es offensichtlich gar nicht auffällt, wenn das Rücklicht zerstört wird. Und er provoziert auch keine "Du Gehsteig Parker Drecksau"-Reaktionen, weil er nahezu immer korrekt geparkt am Straßenrand steht. Aber da er so unauffällig ist, fällt es den ökologisch korrekten Menschen mit ihren teuren großen Autos beim Kuchenholen in dem ökologischen In-Café im Viertel auch gar nicht auf, wenn sie daneben auf dem Gehsteig stehen, dass ihre Fahrertür einen unschönen Kratzer in meiner Seitentür hinterlässt. Dass er auf dem Garagenvorplatz in der kleinen Stadt als störendes Element wahrgenommen wird, ist dann schon fast eine persönliche Geschichte. Garagentor meets Motorhaube steht nun in Form eines Kratzers da. Gut, dass ein alter Mann weniger Kraft hat als ein Heranwachsender, sonst wäre da mehr als ein Kratzer. Heranwachsende haben nämlich ziemliche Power. Besonders wenn sie in Vorstadtstraßen ohne Verkehr unterwegs sind. Blöd nur, wenn dann plötzlich ein Besucherauto im Weg steht... Mountainbike meets Kofferraum steht jetzt hintendran. Schön allerdings, wenn der begleitende Vater dann tatsächlich in allen umliegenden Häusern läutet, wem denn das Auto gehört. Normalerweise bleibt das eine anonyme Delle. Jetzt ist es eine personalisierte Delle, die sogar entfernt werden kann. Und auf die Zukunft gesehen, könnte jemand heranwachsen, der nicht automatisch sagt, ist mir doch egal, wenn er später beim Ausparken, Einparken, Aussteigen oder sonst irgendwie ein fremdes Auto tangiert.

Der Sommer kann kommen

Am schönsten ist es ja, sich rauszusetzen und die getane Arbeit zu genießen. Aber man kann nicht immer alles haben - auf den Punkt zu warten bis die Spätnachmittage lau sind und man zufällig an einem Sonnennachmittag Zeit hatte und Muße - da kann man alt und grau werden. Und vom Küchentisch aus, ist der Anblick eines aufgeräumten und neubegrünten Balkon auch etwas schönes. Vor allem, wenn man dies durch die Fenster wieder sieht. Frau B. stellt jetzt die Saisonzeit um. Alles was Winter ist, muss jetzt weg. Die Jacken und warmen Klamotten sind in die Reinigung, der Schrankinhalt ist auf warme Temperaturen eingestellt. Auch wenn das alles noch nicht so stabil ist - macht nichts, essen wir den Spargel heute abend eben im Wohnzimmer.

Es werde Licht

An einem Tag wie diesen, der einem Frühling verheißt. An einem Tag wie diesen ist es egal, dass der Wecker schon um viertel nach fünf geläutet hat, denn die Sonne gibt Energie. Und es macht nichts, dass man müde werden wird, sobald die Sonne untergegangen ist. Denn so schnell geht sie nicht mehr unter. Irgendwann vollzog sich der Übergang von der Nachteule zum Morgenmenschen. Schleichend. Im Laufe der Jahre. Und es hängt viel mit Licht zusammen. Sobald es hell wird um mich herum wache ich auf. Was auch bedeutet, dass es im Winter Tage gibt, die ich verschlafen könnte. Da versuche ich mir mit dem Lichtwecker-Trick zu helfen. Diese Lichtprogrammierung führt natürlich dazu, dass ich nicht ohne Verdunkelung schlafen kann. Das ganz normale Stadtlicht in Form einer Straßenlaterne bringt mich um den Schlaf. Und am morgen reicht die Sonneneinstrahlung aus, die irgendwann beim Aufgehen von der Ostseite durch das Küchenfenster kriecht, sich den Flur entlang schlängelt und durch die Glastür ins Schlafzimmer schleicht...

Dreck, der sich über Scheiben legt

Klar, dass es regnet, wenn man sich entschlossen hat, die Fenster zu putzen. Nicht dass der Wetterbericht das verschwiegen hätte, aber auf eine stabile Wetterlage kann man ja irgendwie schon seit Monaten nicht mehr hoffen. Und derweil schiebt sich der Frühjahrsputz und schiebt sich - und letztlich konnte man schon fast nicht mehr beurteilen, ob das Wetter jetzt schön oder schon trüb war. Weil aber Frauen und Höhenangst und Altbaufenster eine ganz schlechte Kombi sind, habe ich mich nach langem hin und her dazu entschlossen, dies machen zu lassen. Wobei völlig klar war, dass dies ganz legal von statten gehen müsste, denn beim Fenster putzen geschehen ja bekanntlich die meisten Unfälle. Die erste und wichtigste Erkenntnis dabei: Fenster putzen ist keine Frauenarbeit. Es gibt keine Frau, die dies gewerblich betreibt. Es sind immer Männer. Damit ist übrigens das beste Argument für jede Diskussion im Privathaushalt ausgehebelt - liebe Leserin, das ist einfach nicht ihr Job. Abgeben. Die zweite Erkenntnis ist viel bitterer - von diesen Stundensätzen können Geisteswissenschaftler nur träumen. Hätten wir etwas gescheites gelernt - zum Beispiel Fenster putzen. Aber auf jeden Fall sind die Fenster blank, ich habe meine Ruhe. Und... Ich bin zufrieden mit der Welt, die ich jetzt mal wieder klar sehe.

Frühlingsabend

Der Flieder beginnt wieder zu blühen - dieser leicht süßliche Geruch durchzog vor zwei Abenden die Dämmerung. Woran es liegt, dass Flieder in der Dämmerung immer am intensivsten riecht? Vielleicht weil der Geruch zu dieser Tageszeit am besten passt - zum Abschied des Tages. Es war das letzte, was ich für die nächsten Stunden gerochen habe - zumindest die Nase, der Körper registriert den Frühling und reagiert mit Heuschnupfen. Warum hat das dann aber nichts von einem lauen Frühlinsabend? Das ist ja Betrug. Nicht mal die grüne Isar ist zur Zeit grün sondern eine dreckige braune Brühe. Ich wünsch dir schlechtes Wetter, sagte eine Freundin noch zum Abschied. Jetzt bin ich wieder weit genug von Garten und der dazugehörenden Arbeit entfernt, jetzt dürfte das Wetter auch wieder frühlingshaft werden. Damit ich wenigsten weiss, warum die Nase zu ist...

Mehr vom Tag

Was mich ja immer wieder fasziniert in der kleinen Stadt sind die kurzen Wege. Und nun meine ich nicht die Wege innerhalb der Innenstadt, bei denen man in einem Rundgang alles erledigen kann. Denn die Runde vom Bäcker über den Metzger und den Käseladen bis hin zum Tandler kann ich auch in meinem Viertel haben - obwohl ich dazu in München eher das Rad nehme. In der kleinen Stadt fahr ich mit dem Rad in die Stadt und dann geh ich die Runde, um mit dem Rad wieder nach Hause zu fahren. Nein, ich meine jetzt die kurzen Wege, um eine ganze Liste von Dingen zu erledigen, für die es ganz sicher das Auto braucht - und die ich in München sicher nicht in einem Aufwasch und ganz sicher nicht an einem Nachmittag machen würde: Mal kurz zum Autohändler für ein Ersatzteil (sprich: Antenne) - und weil man grad da ist, noch ein paar andere Dinge fragen. Zum Elektrofachmarkt, um etwas zu besorgen, das schon lange besorgt werden wollte, aber nach einem schwachen Versuch und der Feststellung, dass auch die simpelste Frage keine Antwort bekommt, aufgegeben wurde. Auf dem Weg beim Getränkemarkt vorbei und auch beim Supermarkt. Und weil man eh noch Zeit hatte und grad mit dem Auto unterwegs war, ist das doch die Gelegenheit auf einen Espresso und einen Schwatz beim Weinhändler deines Vertrauens vorbeizufahren  -  weil sich eine Kiste Wein doch schlecht mit dem Rad transportieren lässt. Und kein hektisches Schauen auf die Uhr - kein Mist, jetzt steh ich mal von Schwabing nach Neuhausen  oder noch schlimmer. Ja, das Timemanagement ist besser in der kleinen Stadt. Die Tage sind tatsächlich länger. Ob das die Menschen wissen, die hier wohnen?

Berlin, Berlin...

...da sind wir gefahren hin. Ok, das Spiel heute ist nicht in der Allianzarena - aber durchaus ein Anlass, für eine kleine vor dem Spiel Bildgeschichte.
Wir hoffen ja schließlich dass heute alle fit sind...
Fitnessraum
Die richtigen Schuhe dabei haben...
Schuhe
... und genügend Bälle.
Blle
Kahn den Kasten sauber hält, Toni tont und Fraaank gut drauf ist...
Trikots
...so dass das Maskottchen was zu lachen hat
Maskottchen

.

Munich rules

1:0 für München - gepfiffen hat das Match die New York Times. Jetzt sitzen sie wahrscheinlich wieder in ihren Szenebars in Berlin und drinken ihr Szenebier Augustiner - und schimpfen über die Bayern. Und träumen derweil vom Wellness-Urlaub. Liebe Berliner Studentin, wir haben auch billig eingekauft, nebenbei gearbeitet - und natürlich gab es die im Chichi-Club abhängenden von Eltern gesponserten Studenten - wir haben im Sommer auf der Wiese und im Biergarten abgehangen. Und ganz ehrlich: mir ist nichts abgegangen. Wir haben uns auch nicht arm gefühlt. Wir sind nicht davon ausgegangen, dass man als Student hat. Im Gegenteil: keines zu haben gehörte dazu. Und dabei war in München an und für sich arm auch vor ein paar Jahren nicht sexy...

Made my day

Man könnte es schier ein Wunder nennen. Oder auch eine Häufung von Zufällen - die darin mündet, zwei Hosen gekauft zu haben. Eine davon eine Jeans. Und das ist dann das Wunder.

Ich glaube wir sind uns einig, dass Jeans kaufen so wohl das schlimmste Einkaufserlebnis überhaupt ist. Und ich kläre an dieser Stelle auch gerne darüber auf, weshalb Frauen immer Schuhe kaufen. Schuhe sind hübsch. Und wenn sie nicht richtig passen, sind sie immer noch hübsch und sind im Zweifelsfall Sitzschuhe und werden dann bei Gelegenheiten wie Ausgehen in männlicher Begleitung ausgeführt. Das entscheidende beim Schuhe kaufen - man kann sie immer und zu jeder Gelegenheit kaufen. Es ist nicht entscheidend, ob man die richtige Kleidung trägt. Ob man sich pässlich oder unpässlich fühlt. Ob man Nahrung zu sich genommen hat, die im Magen nun eine Kleidergröße mehr suggeriert. Ob die Haare schön sind. Es ist egal, Schuhe gehen immer. Nur man kann nicht von Schuhen allein leben.

Aber dann Hosen! Zu eng, zu weit, zu kurz, zu lang - zu ach geh. Irgendwann vereinfacht man die Sache, manche Marken werden zwecks Depressionsgefahr erst gar nicht mehr probiert. Vielleicht hat man so ein zwei Läden - ist da was dabei, ja. Ansonsten wann anders. Wobei sich ja auch die Mode ändert. Vorzugsweise dann, wenn man sich an einen Schnitt gewöhnt hat...

Mit einer Jeans ist es dasselbe. Nur noch schlimmer. Jeans passen nie. Wie Frauen noch immer Jeans tragen, wundert mich immer wieder aufs neue. Aber häufig passen sie auch nicht. Meine Damen, das sieht man. Und jetzt stellen Sie sich mal folgendes vor: Sie gehen in einen Laden. Sagen, was Sie wollen (Ausschlussverfahren). Nennen Ihre Größe. Probieren. Passt.

Ein Geschäft. Eine Jeans. - Also das darf sich getrost Wunder nennen. Und noch dazu ein Hersteller mit Schmeichelgrößen, so dass Sie plötzlich eine Jeans Ihr Eigen nennen in der Größe, die Sie mit süßen 19 getragen haben...

Urlaubsplanung

War eigentlich jemand aus der geneigten Leserschaft schon mal in Irland - und hat eventuell ein wunderbares Cottage im Südwesten entdeckt? Oder so... Dann würde ich mich über einen Tipp sehr freuen!

Vorgeschmack auf die Freinacht

Hast du das Auto gewaschen?, fragt der Begleiter. Allein auf Grund der Frage sollte er den Besuch bei einem Augenarzt in Betracht ziehen. Also gewaschen sah der Wagen auf keinen Fall aus. Ich dachte halt, erklärt der Begleiter, du hättest die Antenne für die Waschanlage abgeschraubt. Die Antenne, setze ich an, blicke - ist nicht da, wo sie hingehört. Nämlich aufs Dach. Nur da ist keine Antenne. Ich bitte Sie, wer klaut denn eine läppische Golfantenne? Dass die alte Vespa vor der Haustür als Ersatzteillager betrachtet wird, kann ich ja noch verstehen - wenn auch nicht akzeptieren. Aber eine Golfantenne, die man für 15 Euro kaufen kann? Unverschämt, motze ich weiter. Das wäre ja genauso als würde ich mir jetzt als Ersatz die Antenne von dem hier klauen - Blick auf den Golf, zwei Autos weiter. Nur, von dem hätte ich sie gar nicht nehmen können, abgesehen davon, dass mir so ein Verhalten fern liegt - der hatte nämlich auch keine mehr. Und der nächste nicht. Und der übernächste nicht... Und siehe an, alle VWs mit abschraubbarer Antenne, die hier über Nacht standen, vermissten sie. Fanden dies irgendwelche Kids wahnsinnig witzig? Vorgezogene Freinacht nach dem Motto lieber eine Autoantenne klauen als einen Maibaum? - Vielleicht will ja jemand einen Autoantennen-Maibaum installieren? Oder ist es gar ein politischer Akt - nach dem Motto, freies Tibet - weg mit den Antennen?

Achtung: Jetzt komm i

Nicht dass ich als Radler Autofahrern gegenüber besonders wohlgesonnen wäre - was aber nicht verwundert, weil wie soll man jemanden gegenüber besonders wohlgesonnen sein, der dir im günstigsten Fall einfach mal die Vorfahrt nimmt oder dich im weniger günstigen beim Rechtsabbiegen schlicht ignoriert. Also hab ich in den letzten Tagen mich durchaus des bayerischen Wortschatzes bedient, um radlerunfreundlichen Autofahrern einige Worte mit auf den Weg zu geben. Heute war ich nun mit dem Auto unterwegs. Und stellte zum einen fest, dass es anscheinend keine Rolle spielt ob Rad oder Auto - die elementaren Vorfahrtsregeln sind schlicht nicht bekannt. Auch etwa mir nicht? - Denn plötzlich wurde ich so wüst beschimpft wie noch nie in meinem Leben. Hatte ich anscheinend beim rückwärts aus der Ausfahrt fahren eine Radlerin übersehen. Ich glaub mein Schreck war größer. Und als ich dann so überlegte, wie das denn passieren konnte... und mir keinen Reim drauf machen konnte, fiel mir dann plötzlich auf, dass die Gute aus der falschen Richtung gekommen war. Die rechte Straßenseite hatte ich im Blick. Also so dreist, jemanden ob meiner Verkehrsverstöße zu beschimpfen, nein, so dreist war ich definitiv noch nie.

Lebe wild und gefährlich

Es gibt Menschen, die leben gefährlich. Das sind Menschen, die mit dem Rennrad über Alpenpässe fahren. Oder freeclimben. Oder raften.

Und es gibt Menschen, die leben gefährlich, nur weil sie leben. Man muss nämlich nicht den Watzmann besteigen, manchmal reicht auch ein Baum, von dem man runterfallen kann. Es reicht auch eine Straße, auf der man mit dem Rad stürzen kann. Oder ein Baumarkt, in dem etwas aus dem Regal fällt und einem auf den Kopf.

Diese Nervenkitzel sind der Adrenalinschub meiner Familie. Und es ist gar nicht lustig, wenn dich ein Freund aus der kleinen Stadt anruft und dir erzählt, dass er deinen Vater auf dem Rad gesehen hat: "Ich wollte am liebsten den Lokalsender anrufen und eine Warnung durchgeben lassen." Ja. Glaub ich. Ich will's aber gar nicht wissen. Ich weiss es, dass er noch auf's Rad steigt, obwohl er das nach einem schweren Sturz vor einigen Jahren angeblich nicht mehr macht. Ich bin schließlich auch selbst schon mit dem Auto an ihm vorbeigefahren und hätte am liebsten die Straße gesperrt. Als ich ihn mit vorwursvollen Blick an sicherer Stelle erwartet hatte - ich kann ihn ja nicht anhupen, da fällt er mir ja vor Schreck runter, schaute er nur wie ein kleines Kind: "des sagen wir der Mama aber nicht". Tun wir nicht, die zuckt eh bei jedem Telefonklingeln zusammen.

Auf Bäume klettert er immerhin nicht mehr, nachdem ein Sturz ihn beinahe in den Rollstuhl gebracht hätte. Welch ein Trost. Auf einer ungesicherten Leiter hab ich ihn auch danach trotzdem gesehen. Und dann, wenn er seinen Schutzengel tatsächlich nicht selbst herausfordert, weder auf Leitern noch aufs Rad steigt, sondern nur mit dem Stock in der Hand durch den Baumarkt geht, dann fällt ihm so ein Metallding auf den Kopf. Und dann läutet mal wieder das Telefon...

Kulturelle Unterschiede und ihre Auswirkungen

In anderen Ländern ist es ja auch kein Problem, sagen die einen. Und die anderen, nämlich die Raucher, können da nicht wirklich viel drauf erwidern. Warum der Nichtraucherschutz in Italien im Gegensatz zu München kein Problem ist, wurde mir an diesem Wochenende mal wieder klar.

Helga_rom_brcke

Lassen wir das vielzititierte "es ist dort wärmer" mal außen vor - am Abend war's in Rom nämlich vieles, nur nicht warm. Was aber die Italiener nicht hindert, draußen Party zu feiern. Und zwar die ganze Nacht. Diese Aussage ist gesichert, weil ich in der Nähe des Campo di Fiori genächtigt habe. Und das ist der Gärtnerplatz von Rom. Außerdem kann man von dort aus nach Travestere und zurück spazieren und wieder hin... Bewegung ist nämlich wichtig im italienischen Nachtleben - im Gegensatz zum deutschen - und dann wird einem auch nicht so schnell kalt. Das haben auch in München manche schon erkannt, zum Leidwesen der Anwohner im Gärtnerplatzviertel - und nicht umsonst bekommt man da inzwischen an jeder Ecke ein "Geh-Bier".

Jetzt ist es zwar so, dass man im fortgeschrittenen Alter etwas gehfauler wird und die Abende auch nicht mehr ganz so lang werden. Was sich in München dann darin äußert, dass man sich mit B. in Kneipe X. trifft - und sich nicht mehr von seinem Platz wegbewegt bis es Zeit zum Heimgehen ist. Spätenstens wenn B. noch den letzten Platz in der hintersten Ecke ausgesucht hat, stellt man sich die Frage, weshalb man sich nicht gleich daheim getroffen hat. Spätestens seit man nicht mehr rauchen darf.

Ein durchschnittlicher Abend erwachsener Menschen in Rom zeichnet sich durch zumindest zwei Platzwechsel aus: Man trifft sich an einer markanten Stelle - geht ein bisschen herum - schließlich  gilt es  zu zeigen, wie schön man ist.  Dann nimmt man irgendwo den Aperitiv ein, bitte draußen, sonst sieht man ja nichts und wird nicht gesehen. Danach ein kleiner Spaziergang zum Ristorante. Hier kann man sich auch reinsetzen, schließlich geht es jetzt ja ums Essen. Das auch mit dem Espresso beendet ist. Danach ein kleiner Spaziergang. Und dann ein Digestiv in einer Bar. Bitte draußen... Und damit einem da nicht kalt wird, stehen natürlich überall Heizpilze.

Die Probleme des Rauchens oder Nichtrauchens stellen sich dabei nicht. Und die Frage nach einer etwaigen Lärmbelästigung ist eh nicht existent. Und wenn jetzt dagegen der Bayer mit einem "do bin i, do bleib i" die Abendgestaltung angeht, was er de facto tut, ist es auch kein Wunder, dass es hier Schwierigkeiten mit der Umsetzung des Rauchverbots gibt.

Impressionen vom Wochenende

Während hier noch was von Schloss Dachau stand, war ich ja eigentlich schon wo anders. Ein paar Kilometer weiter südlich... Eine Pilgerreise quasi - naja fast.
Petersdom

Colosseum

Piazza_navona

Landpartie

Wochenende - da kann man sich doch nochmal an das vergangene erinnern. Da, als es so frühlingshaft war... Eigentlich wollte ich die Magnolien in voller Blüte sehen - aber der Schlossgarten in Dachau präsentierte sich am Sonntag eher vorfrühlingshaft. Obwohl die ersten Knopsen schon da sind...

Knospen2

Gut, vielleicht waren die Magnolien ja eh nur ein Vorwand dafür...

Kuchentheke
Leerer_teller

Weiter ging es nach Maria Brunn, das mal ein Bad war und das man heute kaum mehr findet. Eine Quelle soll es gegeben haben und eine findige Bäuerin, die sich als Heilerin betätigt hat. Da reiste sogar die Österreichische Kaiserin an. Heut gibt's ein Kircherl, ein Wirtshaus mit Biergarten und selbstgebrautes Bier. Aus besagter Quelle. Und da zählt dann nur der Glaube...

Maria_brunn