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August 2005

Juli 2005

Die Buga – ein Schildbürgerstreich

Und, waren Sie schon auf der Bundesgartenschau? Auch noch nicht? – Jede Wette, auch Sie gehören zu den Menschen, die zu Beginn des Jahres sich auf die Gartenschau in Riem gefreut haben – und als es dann los ging, man die ersten Bilder sah, darüber gelesen hat, haben auch Sie das Gefühl bekommen, dass ihre Erwartungen nicht erfüllt werden würden.

Erwartet haben die Menschen wohl so etwas wie die IGA – das ist schon Ewigkeiten her und dennoch kann sich jeder, der dort war noch daran erinnern. Und schwärmt davon – kann also so schlecht nicht gewesen sein. Anders ausgedrückt: Der Westpark war damals eine echte Schau. Zum schauen, zum flanieren, für jung und für alt.

Die Buga sollte etwas anderes sein. Größer, klarer – großstädtischer. Eine Landschaftsausstellung keine Blumenoase. Nur: Landschaft hat man in München vor der Nase. Bei Föhn sind die Alpen mitten neben der Frauenkirche und auch sonst fährt man keine Stunde, um in herrlicher Landschaft zu sein. Außerdem heißt es nicht Bula – sondern Buga. Ausgeschrieben: Gartenschau.

Aber auch Gärten gibt’s in München zuhauf. Den Englischen Garten, den Botanischen Garten, das ehemalige Gartenschaugelände jetzt Westpark genannt, Vorgärten, Biergärten, den Nymphenburger Schlossgarten, den Hofgarten – alles Plätze zum flanieren, sitzen, genießen. Und fast alle umsonst. Weshalb also die Buga besuchen? Es ist teuer, Sitzgelegenheiten gibt’s auch keine und Schatten spendende Bäume. Eine fade Angelegenheit.

Und jetzt das: Das Ganze entwickelt sich zum Defizitgeschäft. Und wer zahlt die Rechnung? Der Münchner Bürger. So steht’s in der Presse. Ein Münchner Schildbürgerstreich. Wir machen was, das keinen interessiert oder jedenfalls zu wenige. Und weil ihr Bürger das, was wir machen, nicht toll findet, müsst ihr dafür zahlen. Wie bitte? Also zahlen lieber Bürger tust du auf jeden Fall: Entweder weil du hinwillst oder weil du nicht hinwillst.

Feine Rechnung. Das ist wie bei den Managern, die dafür, dass sie Mist gebaut haben auch noch viel Geld in Form von Abfindungen bekommen statt dass sie für ihre Fehler gerade stehen. Und der Fehler in diesem Fall war: an der Zielgruppe vorbei geplant. Gartenschauen interessieren vor allem ältere Menschen. Für die sind aber 12 Euro nur Eintritt pro Nase schon richtig viel Geld. Und dafür wollen sie keine intellektuell-architektonischen Spielereien (Perspektivenwechsel!) sondern „was schönes“ sehen. Merke: Arte hat auch weniger Zuschauerzahlen als RTL und der Brandner Kasper ist im Volkstheater immer ausverkauft, während beim „Fegefeuer in Ingolstadt“ die Zuschauer wegbleiben. Die Buga ist ein Massenspektakel – und so muss sie auch inszeniert sein. Noch bleibt Zeit, die Menschen zu begeistern.

Jetzt bleibt die Frage: Hingehen – dann hält sich das Defizit vielleicht in Grenzen, aber die Stadt kann sich mal wieder auf die Schulter klopfen und so tun, als hätten sie das gut gemacht. Oder wegbleiben - weil wir eh dafür zahlen und wir nur so den Verantwortlichen zeigen können, dass sie gegen unsere Interessen geplant haben. Die Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen. Ich werde darüber mal ausgiebig nachdenken - auf der Wiese im Englischen Garten liegend, im Biergarten sitzend...