Glotzen oder nicht – das ist hier die Frage
Von der Getreidehalle zur Großstadtlocation

Das Glück eines Samstag vormittags

Es ist ein Glück, das man erst im Laufe der Jahre kennen lernt. Es beginnt meistens so in den 30ern und ist dann so überwältigender, weil es so neu ist – wie auch jede neue Liebe überwältigend ist. Hat man doch über Jahre hinweg den Samstag Vormittag in Dunkelheit verbracht – fast immer schlafend nämlich – erwacht nun der Tag tatsächlich zum Leben.

Und speziell der Samstag Vormittag hat in München so seine ureigenste Atmosphäre. Jenseits der Innenstadt, wohin am Samstag die Touristen und die Bewohner des Umlands strömen, die der Münchner an sich schon meistens nicht leiden kann, gehört München an diesem Tag den Münchnern. Und sie nehmen ihre Stadt auch in Besitz – kosten sie aus. Das Leben pulsiert, eine Geschäftigkeit liegt in der Luft – ganz ohne stressigen Beigeschmack. Ein Moment, in dem der Alltag zu den schönen Dingen des Lebens gehört.

Die Lebenslust findet man nicht im Kaufhaus oder im Supermarkt. Wer den Zauber des Samstags erfahren will, bummelt über den Markt, stöbert in Buchläden, entdeckt kleine Geschäfte. Kauft da ein bisschen Wein, dort etwas Käse, noch frisches Obst und vielleicht noch irgendwo sinnlose Kleinigkeiten. Schöne Dinge eben. Drinkt da einen Espresso, bummelt weiter, lässt sich treiben, setzt sich auf einen Prosecco an die Straße, liest vielleicht ein bisschen Zeitung, schaut den Leuten zu und denkt sich: Der liebe Gott ist tatsächlich ein guter Mann – schließlich hat er den Samstag vormittag in München geschaffen.

Man kann den Samstag verschlafen. Man kann ihn mit Stress und Hausputz verschwenden. Oder man kann seinen Alltag auf Urlaub schicken und in den Tag eintauchen. Leben. Und ehrlich: Jede Woche einen Tag Urlaub – welche Stadt schenkt einem das schon?

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