O’zapft is
Ein Prosit der Gemütlichkeit?

Katerstimmung nach der Wahl

Katerstimmung zur Wiesn-Zeit ist ja in München an und für sich nichts ungewöhnliches. Heute aber haben sie aber vor allem diejenigen, die am Sonntag abend nicht feiern waren, sondern sich den Wahlabend in voller Länge vor dem Fernsehgerät gegeben haben. Dabei haben dort nach den ersten Hochrechnungen auch alle gefeiert. Nur Sieger – wie schön, wenn sich alle Parteien einmal so einig sind.

Frau Merkel war die Siegerin, weil sie geschafft hat, was Stoiber vor drei Jahren nicht geschafft hat: sie liegt 0,9 Prozentpunkte vor der SPD. Herr Stoiber war der Sieger, weil er das beste Unionsergebnis eingefahren hat. Herr Westerwelle, weil die FDP beinahe über zehn Prozent gekommen wäre. Die Grünen, weil sie besser abgeschnitten haben als erwartet. Und Herr Schröder, weil er lange nicht die prognostizierte Klatsche bekommen hat.

Nach aller Euphorie am Wahlabend stellt sich nun aber die Frage, wer aus diesem Prolog zu dem nun beginnenden Berliner Theater nun tatsächlich als Sieger hervorgeht. Denn eigentlich haben sie alle verloren: Und allen voran die Union, denn das Ergebnis ist eine persönliche Niederlage für Angela Merkel, die wahrscheinlich jetzt hinter jedem Vorhang schon Brutus vermutet. Auch Edmund Stoiber ist weit entfernt die drittstärkste Kraft im Bundestag zu sein – dabei war seine „ich halte mir jede Option offen“-Haltung sicher auch nicht hilfreich. Der größte Wahlgewinner, die FDP, wird wahrscheinlich nichts davon haben.

Und die bisherigen Regierungsparteien? Die Grünen haben immerhin ein stabiles Ergebnis und damit das Ok ihrer Wähler, dass sie soviel nicht falsch gemacht haben in den letzten Jahren. Und Gerhard Schröder hat zwar nicht gewonnen, doch sein persönlicher Sieg ist die Niederlage der anderen – und das erklärt auch seinen völlig durchgeknallten Auftritt in der Berliner Runde am Wahlabend. Das war sein Triumph über Angi und Ede. Was aus den einzelnen Personen in diesem Theater werden wird, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Unter dem Titel: Quo vadis Deutschland?

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