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Oktober 2005

Dieses Wochenende...

...ist die letzte Gelegenheit, sich in der Hypo-Kunsthalle die Helmut Newton Ausstellung Sex and Landscapes anzuschauen. Aber wahrscheinlich ist es auch die letzte Gelegenheit, bei strahlenem Sonnenschein einen Herbstspaziergang zu machen. Wenn das Attribut golden auf einen Oktober zugetroffen hat, dann wohl auf diesen! Und das erstaunliche: Ab Dienstag soll es ja tatsächlich laut Wetterbericht novemberlich grau werden. Also noch mal raus! Doch spätestens am Sonntag kann man  den Museumsbesuch und den Herbstspaziergang verbinden, denn da wird es ja schon wieder früh dunkel werden...


Mein Name ist Bond, James Bond...

Zum Bilderrätsel gibt es von mir keine Lösung, ich lass das einfach mal so stehen... Es hat mich aber zu der Frage geführt: Wie wichtig sind uns eigentlich Namen? Da reagieren wir sehr empfindlich darauf, wenn uns jemand falsch schreibt oder anspricht. Weil eben dieser Name ein Teil von uns ist. Gleichzeitig ändern wir ihn auch einfach so - zum Beispiel wenn wir heiraten. Obwohl das ja eigentlich so auch nicht stimmt - einfach so geschieht das bei den wenigsten Frauen. Da wird hin und her überlegt, ob man seinen Namen und damit seine Identität einfach aufgeben kann. Nur weil man heiratet. Aber macht der Name tatsächlich die Identität aus? Bin ich ein anderer Mensch, weil ich einen anderen Namen angenommen habe? Oder werde ich vielmehr durch das Zusammenleben ein anderer Mensch? Denn das entscheidende ist zu sagen: Ich bin das jetzt. Und das schöne daran - es ist eine freie Entscheidung. Zum einen für den Menschen, zum anderen für einen neuen Namen, denn ich muss ja nicht.

Schlimm sind allerdings Namen, die man nicht mag, bei denen man das Gefühl hat, sie passen nicht. Auch wenn man sich anders nennt, es wird immer Dokumente geben, in denen der "richtige" Name drinsteht, der doch der falsche ist. Also ist der Name eben doch Teil unserer Identität und ein Pseudonym das Verschleiern, das Annehmen einer anderern Persönlichkeit, die aber vielleicht auch ein Teil von uns ist.

Ich jedenfalls, ich bin Helga, Helga Birnstiel.


Dieses Wochenende...

...werde ich mal tief in mich gehen und mich fragen, wie manche Leute auf die Idee kommen können, dass ich das Bayerische an sich als negativ empfinde - wie bei minga.de  ... Vielleicht lese ich dazu mal wieder eines meiner Lieblingsbücher – nämlich Lion Feuchtwanger „Erfolg“. Ein grandioser Zeitroman über Politik und Kultur aus der Zeit der Inflation. Ein München- und Bayernportrait vom kleinen Handwerker bis hin zum Gschwollschädelpolitiker, das heute so treffend ist wie damals. Nicht nur eine Topographie des Bayerischen, sondern auch der Beweis, dass keiner sagen konnte, er hätte nichts gewusst. Absolut empfehlenswert!

Vielleicht höre ich mir auch die Aufnahme „Erfolg“ an – von der großartigen musikalischen Lesung aus den Kammerspielen aus dem Jahr 2000. Jörg Hube liest und die Biermösl Blosn spielt dazu auf. Bayerisch böse würden jetzt vielleicht manche Leute sagen. Recht haben sie, man kann aber auch sagen: den Leit aufs Maul schaun und nicht nach demselben reden... Vorteil natürlich: Es ist die Kurzfassung des 800 Seiten Romans und man hat danach noch Zeit, auf die Auer Dult zu gehen – dem Schauplatz der Schlussszene von „Erfolg“. Und dann muss man das Buch eben doch ganz lesen...

Mehr Bayern-Typographie und Bösartigkeit gäbe es am Wochenende mit Günter Grünwald im Lustspielhaus (leider ausverkauft). Aber man kann sich ja vormerken, dass Sigi Zimmerschied im November nach München kommt (zuerst Lach und Schieß, dann Lustspielhaus) und zwar mit seinem Programm „Scheißhaussepp“. Weit fahren muss derjenige, der die Blosn noch live in diesem Jahr hören und sehen will, aber am 3.11. spielt im Schlachthof immerhin „Monaco Bagage“.

Wem’s aber mehr nach Pseudo-Bayerntümelei ist, der kann ja ins Hofbräuhaus gehen und sich dort die Orginalversion von „Solang der alte Peter“ anhören – mir ist die der Biermösl Blosn lieber...


Minga mog di

Das ist klasse – Anfang des Jahres startet München eine Gastfreundlichkeitskampagne unter dem Motto „München mag dich“. Allein das Wort „Gastfreundlichkeitskampgange“ ist schon schön. Die Bedeutung des Wortes Gastfreundlichkeit steht allerdings dann diametral zum Wesen des Bayern. Und deshalb braucht’s auch für eine Selbstverständlichkeit hier eine Kampagne. Der Bayer an sich mag nämlich niemanden, der auch nur aus dem Nachbardorf kommt. Es ist ein tiefes Misstrauen gegenüber alles Fremden, das den Bayern auszeichnet.

Ist Ihnen zum Beispiel schon einmal aufgefallen, dass das Bayerisch in München anscheinend ein Synonym für Unfreundlichkeit darstellt? Keine Frage, ein hingehauenes „was wuist?“ im Wirtshaus gehört hier einfach zum guten Ton. Ich spreche dagegen von der alltäglichen Unfreundlichkeit. Und die speziell in Geschäften, an deren Eingangstür das Wapperl (deutsch: der Aufkleber): „wir redn boarisch“ klebt.

Stellt sich also die Frage, was uns dieser Aufkleber sagen soll. Allein der Hinweis, dass in diesem Geschäft im Dialekt gesprochen wird ist ja nichtig – das merkt der Kunde schon früh genug. Heißt es also: „Wir sind der Hochsprache nicht mächtig“? Oder ist es das Pedant zu dem Aufkleber mit dem Zamperl drauf „Wir müssen draußen bleiben“. Oder ist es ein nur ein Warnhinweis? Nämlich auf extreme Unfreundlichkeit. Die in jenen Geschäften auffällig häufig vertreten ist. Es ist auf jeden Fall Ausdruck einer „Mir san mir“-Mentalität. Und ob da eine Gastfreundlichkeitskampagnge hilft?

Dabei wäre das Bayerische an sich ja eine sehr freundliche Sprache. Man grüßt Gott, wenn man sich begegnet. „Pfiad di“ heißt nichts anderes als „behüt dich Gott“ und „Servus“ meint „ich bin für dich da“. Und vielleicht könnte man auch sagen „Minga mog di“ – aber das käme ja fast einer Liebeserklärung gleich...


Apropos old-fashioned...

...Dieses Wochenende ist ja nicht nur, Sie wissen’s ja inzwischen (und wenn nicht, siehe letzter Eintrag), dieses Wochenende, nämlich am Sonntag, findet noch ein anderes Ereignis statt: Kirchweih. Was, zwar losgelöst vom eigentlichen Sinn des Festes, für mich jedes Jahr bedeutend ist: ein saftiger Gänsebraten am besten mit glasierten Maronen, Blaukraut und Serviettenknödel. Ein Gedicht! Womit wir ja doch wieder bei der Kunst wären...


Kunst mir mal ein Event machen?

Diesen Samstag gibt’s in München mal wieder ein richtiges Kultur-Event: Die lange Nacht der Museen. Tausende von Besucher, die Jahr und Tag nicht ins Museum gehen, werden sich in den Musen-Tempeln dieser Stadt gegenseitig auf die Füße treten. Vor lauter Köpfen kein Bild gesehen haben, aber glücklich auf einem Event gewesen sein. Ich finde diese langen Nächte absurd. Ob die lange Nacht der Museen, der Musik oder der Wissenschaft. Das Angebot an so einem  Abend ist gigantisch – und letztlich für den einzelnen doch nichts halbes und nichts ganzes. Man rennt allem hinterher, um dann wieder vor wegen Überfüllung verschlossenen Türen zu stehen. Und macht sich wieder auf den Weg.

Im positiven Sinne ist so eine lange Nacht vielleicht eine gute PR für die Museen. Sie lockt Menschen an, die normalerweise eine Schwellenangst vor Museen haben – und vielleicht bekommen sie ja dadurch Lust, das zu sehen, was sie an diesem Abend doch nicht sehen vor lauter Menschen. Vielleicht aber auch nicht, denn ohne Kunst-Hopping mit Häppchen finden viele das ganze nach wie vor langweilig.

Vielleicht bin aber auch ich langweilig und old-fashioned. Ich gehe in ein Konzert, in ein Theaterstück, in eine Ausstellung – und gut ist es. Danach je nach Tageszeit auf einen Kaffee oder ein Glas Wein und dann lasse ich das ganze auf mich wirken. Und das kann ich immer machen, dafür brauche ich keine lange Nacht...

Nicht, falsch verstehen: Ich habe nichts gegen Kunst-Events an sich, Stellt sich nur die Frage: Warum muss alles an einem Abend stattfinden – statt es über das Jahr hinweg zu verteilen? Die Kombination von Theater, Musik, Literatur und bildender Kunst – wunderbar. Warum nicht öfter? Es gibt nicht nur eine sogenannte lange Nacht, das Jahr hat immerhin 365 Tage...


Schluss mit Possibilitydating

Ja, es ist wahr. Unsere Generation der 30somethings ist mit einem wundervollen Gefühl großgeworden – dir stehen alle Möglichkeiten offen. Leider haben wir im Laufe der Jahre festgestellt, dass das ganze ein Trugschluss ist. Und gerade in einer Zeit, in der wir alle von dem Schreckgespenst Arbeitslosigkeit bedroht sind – hat uns das Leben quasi eins ausgewischt und uns aber ganz fix an die äußerste Grenze unserer Möglichkeiten gebracht. So, und just in dieser Zeit entwickelt sich ein neuer Trend bei eben jener Generation, die sich gerade ein bisschen vom Leben beschissen fühlt. Richtig angesagt, und ehrlich gesagt ziemlich beschissen für die Umwelt jener Menschen, ist, was man Possibilitydating nennen könnte. Was nichts anderes heißt als: ich halte mir eben jede Möglichkeit offen.

Verabredungen mit jenen Menschen funktionieren nur mindestens eine Woche im Vorfeld geplant. Denn freie Abende kämpfen gegen Abgabetermine, Fortbildungen, Training im Fitnessstudio, Beziehungspflege und vieles mehr. Aber ein Abend ist da noch frei – frei für andere Menschen. Also plant man lange voraus, um in letzter Minute festzustellen, dass das ganze nun doch nicht klappt. Weil ein Termin, eine Verpflichtung zur Beziehungspflege oder schlicht das Sofa dazwischengekommen ist.

Gerade letzteres ist der große Feind der Verabredung unter Freunden oder Bekannten – man hat zwar ein Date, aber das ist ja de facto nichts anderes als die Möglichkeit sich zu treffen. Man kann’s ja auch absagen... Und sich wieder verabreden – so in drei Wochen. Und das eigentlich problematische an der Sache ist: Weil jeder davon ausgeht, dass alle immer etwas vorhaben, sitzt letztlich jeder allein zu Hause. Anstatt am Nachmittag zu fragen: Heute Zeit und Lust? Denn dann kann man es in der Regel auch einschätzen.

In der Regel. Denn es gibt noch eine zweite Variante des Possibilitydatings. Hierbei wird die Entscheidungsunmöglichkeit zugegeben – und dann wird telefoniert und tausendmal gesimst und hin und her. Bis der andere auch keine Lust mehr hat. Was dabei als einziges hilft: Selbst Entscheidungen zu treffen – und dem anderen nur noch die Possibility zu lassen: mitzumachen – oder es sein zu lassen.


Zeit zum Genießen

Ein wunderbares Herbstwochenende steht vor der Tür. Momentan ist der Oktober das, was man golden nennt – und mein absoluter Lieblingsmonat. Kalt und neblig am Morgen bis mittags die Sonne durchbricht und die Stadt in ein ganz eigenes Licht taucht. Die Nachmittage so warm, dass man wunderbar draußen sitzen kann. Und die Abende beginnen zu einer Zeit, zu der es in Ordnung ist, wenn es dunkel wird, weil man dann getrost ins Kino, ins Konzert, Theater oder wo auch immer hin gehen kann. Oktober ist die Zeit, in der es tausende von Neuerscheinungen in den Buchläden gibt. Die Theater wieder Aufführungen geben. Es Spaß macht auszugehen, weil man noch nicht die dicken Jacken und Stiefel abends braucht, die einen drinnen immer zu viel werden und die das Bar-Hopping am Abend lästig werden lassen. Oktober ist die Zeit, in denen man abends die alten und neuen Läden mal wieder ausprobiert ehe man im Laufe des Winters sich häufig in seine Stammplätze hinter dem imaginären Kamin zurückzieht. Es beginnt die Zeit für Jazz und guten Rotwein. Des Brunchen und danach ins Museum Gehens. Die Auswahl an schönen Dingen, die man machen kann, ist selten so gut wie im Oktober. Und deswegen werde ich heute erst einmal ausgehen – mal wieder ins Vogler, ein bisschen Jazz hören. Setze mich morgen ins Ruffini in die Sonne und lese weiter in dem neuen Buch von Jonathan Safran Foer „Extrem laut und unglaublich nah“. Auch Kino wäre mal wieder angesagt – es laufen schließlich so viele gigantische Filme. Und am Sonntag ein richtig schöner Herbstspaziergang durch den Englischen Garten. Schönes Wochenende!


Kassiert doch die Raser endlich ab!

München braucht also Geld – wer nicht?, aber das nur am Rande – so stand’s heute in den Zeitungen. Und deswegen sollen die Preise für Theater, Konzerte, Stadtbibliotheken, aber auch Kindergärten steigen. Hm. Mein Vorschlag, um Geld in die Stadtkasse zu bringen, ist ganz einfach: Umsäumt den Mittleren Ring mit Blitzern. – Ich höre schon den Aufschrei der Autofahrer. Aber es ist mein voller Ernst: Mit Tempo 80 wird man als Verkehrshindernis angesehen, weil jeder so tut als wäre er auf der Autobahn. Der Verkehr wird von Jahr zu Jahr mehr, lauter und ich kann es beurteilen, denn der Mittlere Ring ist nicht allzu weit von meiner Wohnung entfernt und als wir eingezogen sind vor ein paar Jahren, hat man von den Autos nichts gehört. Dafür hört man jetzt umso mehr. Und deswegen bekomme ich langsam aber sicher eine echte Autolärm-Paranoia. Die Leute rasen durch die Stadt. Und ich frage mich, weshalb die Stadt diese Einnahme-Quelle nicht nutzt? Ist doch viel besser als die Gebühren für die Kindergärten zu erhöhen. Und vielleicht hätte es ja auch einen anderen Vorteil: Weniger Geschwindigkeit – weniger Lärm – mehr Lebensqualität.