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November 2005

Vor die Langeweile hat der liebe Gott die Hausarbeit gestellt...

...oder auch: wenn nichts läuft, gibt's immer noch eine Beschäftigungstherapie

Es gibt ja so Tage, gestern war einer, die sind irgendwie zum Knicken: Jeder Satz, den man schreibt, schaut einen an als wolle er sagen: das ist jetzt aber nicht dein ernst. Jedes Thema, das man anrecherchiert fragt dich, ob du hier einen Preis für Langeweile gewinnen möchtest. Zu allem Überfluss verschwindet auch noch ein Ordner mit mühsam zusammengetragenen Bookmarks im Nirvana der Festplatte. - Es ist Zeit Nirvana zu hören.

Und weil es dann gar so schön ist, sagt die Verabredung für den Abend zwecks akuter Unlust und innerhalb von fünf Minuten die für den nächsten Abend wegen Überarbeitung ab. Super Tag. Männer würden sich jetzt wahrscheinlich mit einem Bier vor den Computer setzen (und auch die verschwundenen Bookmarks wiederfinden) - für Frauen hat der liebe Gott für solche Fälle die Hausarbeit geschaffen.

Und das heißt in der Vorweihnachtszeit: Plätzchen backen. Eigentlich backe ich ja nur selbst, weil ich Weihnachten ohne selbstgebackene Platzerl einfach deprimierend finde. Und weil mich niemand anderer damit versorgt, muss ich selbst ran. Außerdem hat backen etwas ungemein meditatives - Musik an, laut bitte (die Nachbarn sollen ja auch was davon haben) und ja keine Weihnachtsklänge. Jetzt ist die Küche verwüstet, die Sätze werden wieder gerade und I can proudly present my christmas cookies....


Eine Dosis Weihnachtsstimmung...

...wär jetzt irgendwie ganz nett. Denn die hat sich am Wochenende nicht wirklich eingestellt. Und das, obwohl ich mein bestes getan habe: In meiner Küche steht ein Weihnachtsstern, ich hab den ersten Glühwein getrunken, war auf dem Weihnachtsmarkt und zum ersten Adventstee eingeladen. Auch das Drumrum würde sogar passen, was in erster Linie das leicht winterliche Wetter meint. Denn das ist auch schon alles - ansonsten verweigert sich München der Weihnachtsstimmung. Samstag in Schwabing: So schnell war ich noch nie in Berlin - gefühlsmäßig. Winterliche Tristess statt Weihnachtszauber an allen Orten. Keine Dekoration, kein Schmuck - weder in den Geschäften noch auf den Straßen. Wer soll da in Kaufrausch verfallen? Erinnere ich mich an meine Kindheit, glitzerte und funkelte es im Advent in der Stadt. Oder täuscht mich da die Erinnerung?


Advent, Advent...

Nachdem ich mich dieser Tage schon bei Dr.Sno* als Mainstream geoutet habe - kann ich gleich eine andere so gar nicht intellektuelle Vorliebe zugeben: Ich mag die Vorweihnachtszeit. Sie versüßt den von mir so gehassten Winter  - und das nicht (nur) in Form von Lebkuchen. Ich mag den Geruch von Plätzchen, Maroni, Glühwein, Mandarinen, Tannenzweigen... Den Geschmack von Plätzchen, Maroni, Glühwein (guten aber bitte!), Mandarinen... Ich mag's, wenn die Stadt lichtergeschmückt ist, auch wenn es kitschig ist. Und ja: in meiner Wohnung gibt es Weihnachtsdeko - so ein bisschen jedenfalls, was eine Wohnung, die normalerweise gegen jeden Deko-Schnick-Schnack gefeit ist, zulässt. Und ja, ich liebe Plätzchen backen.

Also läuten wir doch allgemein die Weihnachtsstimmung ein, immerhin ist der erste Advent. Dieses Wochenende eröffnen auch wieder die Weihnachtsmärkte. Ich bin letztlich immer hin- und hergerissen, ob ich Weihnachtsmärkte eigentlich mag.

  • Ich mag den Weihnachtsmarkt auf der Praterinsel, weil er so lauschig ist. Draußen jedenfalls.
  • Ich mag den Markt am Sendlinger Tor, weil er die Verschnaufspause im Vorweihnachtstrubel in der Stadt ist.
  • Ich freu mich auf den Mittelaltermarkt - schon allein weil es was neues ist.
  • Ich mag eigentlich auch einen Winterspaziergang im Englischen Garten und einen Bummel durch den Markt am Chinesischen Turm, auch wenn er mir inzwischen zu groß und überlaufen ist.
  • Ich glaub ich mag Tollwood endgültig nicht mehr. Mal schauen.

Dieses Wochenende ist ideal - es ist kalt, es liegt Schnee. Es ist also so eine richtige Weihnachtsmarkt-Stimmung. Außerdem hat einen noch nicht vier Wochen lang der Glühwein den Magen verpappt - man kann damit anfangen. Zum Beispiel am Samstag - in Memoriam an den unvergesslichen Helmut Fischer - mit einem Bummel über die Münchner Freiheit. Und um 21 Uhr gibt es dann die schwere Entscheidung, ob ich mir im Kunstzelt die Souvenirs noch anhöre oder heimwärts gehe - zur Monaco Franze Nacht vor den Fernseher (Ja, der Franze ist wieder da! Dank für die Info an Muenchenblogger, die das Fernsehprogramm vor mir studiert haben...): Sechs Folgen mit dem ewigen Stenz und seinem Spatzl aus der Feder von Helmut Dietl und Patrick Süßkind. Genial und immer wieder gut und mit dem heutigen Mainstream nicht zu vergleichen... Und wie kam ich eigentlich dazu, mich selbst als Mainstream zu outen?????????????


Literarischer Charme oder Schmarrn?

Ja, ich habe es verstanden liebe Leser - mit Literaturtipps bin ich hier fehl am Platz: "Jetzt hast du die Leute aber zugemüllt mit Büchertipps - passt doch eigentlich gar nicht in dein Konzept" (O-Ton am Küchentisch). Und die Flut an Kommentaren hat mich dann auch überzeugt. Schuster bleib bei deinen Leisten bzw. Blog bleib bei deinem Thema...

Es gibt ja auch Blogs, die sich mit Büchern beschäftigen... Liisa zum Beispiel - und sie sucht den schönsten Buchladen Deutschlands. Finde ich interessant und habe mir mal so meine Gedanken gemacht, welche Buchgeschäfte in München besonders schön sind. Dabei habe ich festgestellt, dass ich MEINEN Buchladen gar nicht habe. Ich stöbere auch mal bei den großen durch das Sortiment. Häufig bin ich aber im CoLibris in der Leonrodstraße, wobei das Sortiment wunderbar ist, aber der Laden nicht so richtig schön. Schön ist es bei Literatur Moths in der Rumfordstraße und in der Verlagsbuchhandlung Liebeskind in der Klenzestraße. Aber der perfekte Laden existiert bis jetzt nur in meinem Kopf...


LesezeitII

Ich liebe Bücher. Und finde es wunderbar durch Neuerscheinungen zu stöbern. Bücher sind entweder Klassiker oder sollen ganz frisch sein - quasi unverbraucht und ungelesen. Und dann bin ich Teil einer unbekannten Menge, die sich über ein neues teils langersehntes Buch freut und gemeinsam liest. Ich habe wenig Verständnis für Menschen, die aus Geiz sagen, sie kaufen kein Hard-Cover. Weil es aber Menschen gibt, die wegen Geldmangels auf Taschenbücher zurückgreifen - und weil einem auch trotz aller Liebe zu Neuerscheinungen immer wieder wunderbare Bücher durchrutschen (hat man es nach einem Jahr noch nicht gelesen - kann man tatsächlich warten. Ja, dann auch ich) - jetzt als Taschenbuch erschienen sind:

Alles ist erleuchtet
von  Jonathan  Safran Foer

Das grandiose Erstlingswerk des literarischen Shoutingstars. Eine Art Road-Book über die Suche nach der Vergangenheit und Gegenwart in der Ukraine.

Der Klang der Zeit
von Richard Powers

Wie klingt Zeit? Marian Anderson war eine der eindruckvollsten Sängerinnen ihrer Zeit. In den 30er-Jahren wurde die amerikanische Künstlerin in vielen europäischen Konzertsälen gefeiert, Dirigenten und Komponisten wie Sibelius oder Toscanini priesen ihre Stimme als Jahrhundertbegabung. In ihrer Heimat jedoch war die Bewunderung nicht so einhellig, denn Marian Anderson war schwarz. Ein großer Familienromans über die Geschichte der Musik, der
amerikanischen Gesellschaft und der Schwarzen – und die Geschichte der Zeit


Die Frau des Zeitreisenden
von Audrey Niffenegger

Die wunderbare Liebesgeschichte zwischen Clare und Henry. Sie trifft ihn, den sie schon immer gekannt hat mit 20. Da lernt er sie aber erst kennen. Denn Henry leidet am sogenannten „Chrono-Syndrom“, das ihn immer wieder durch die Zeit schickt. Und als wenn Liebe an sich nicht schon kompliziert genug wäre, treffen sich zwei, die nichts anderes wollen als ihre Gegenwart ständig in Vergangenheit und Zukunft.

Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone
von Mark Haddon

Supergute Tage sind es für Christopher Boone, wenn er fünf rote Autos sieht. Superschöne Lesestunden sind es, wenn man in seine sonderbare Welt eintaucht. Sie nimmt einen gefangen. Und einmal begonnen, kann man dieses grandiose Buch nicht mehr aus der Hand legen. Christopher ist 15 und Autist: komplizierte Gefühle sind für ihn verwirrend, Mathe und Physik dagegen strukturieren seine Welt. Doch plötzlich bricht das Leben der Erwachsenen mit seiner ganzen Unlogik über ihn herein.


Es ist Lesezeit

Leise rieselt der Schnee und rascheln die Buchseiten. Es ist Zeit zu lesen. Und deswegen hier drei Buchtipps (Neuerscheinungen dieses Herbstes):

Extrem laut und unglaublich nah
von Jonathan Safran Foer

Oskar Schell ist „Erfinder, Goldschmied, Amateur-Entomologe, Frankophiler, Veganer, Origamist, Computer-Spezialist, Sammler“ – und Oskar ist auch ein neunjähriges Kind, ein trauriges Kind. Denn er hat bei den Terroranschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 seinen Vater verloren. Gefunden hat er allerdings im Nachlass einen Schlüssel. Also macht er sich auf die Suche nach der Tür, zu der dieser Schlüssel passen könnte...

Vincent
von Joey Goebel

Foster Lipowitz hat alles erreicht. Sein Unterhaltungsimperium hat das Land mit zynischen Soaps, seichten Songs und filmischen Unwerken überzogen. Jetzt will er wahre Kunst schaffen und gründet mit der Schule „New Renaissance“ quasi eine Künstler-Zuchtanstalt. In die wird auch Vincent, Einzelgänger und Wunderkind mit gequälter Seele aufgenommen. Und da Kunst hier nur durch Leiden entsteht, wird Vincent seines Lebens nicht mehr froh. Dafür sorgt Harlan. Dies ist ihrer beider Geschichte...

Saturday
von Ian McEwan

Das Leben des erfolgreiche Neurochirurgen Henry Perowne ist nahezu perfekt. Er ist Ende vierzig, schon lange verheiratet und noch immer in seine Frau verliebt, hat einen angesehenen Beruf und zwei wohlgeratene talentierte Kinder. So beginnt auch Samstag, der 15. Februar 2003 wie jeder Samstag. Er wird Squash spielen mit seinem Kollegen. Dann will er Fisch kaufen und kochen. Mit seinem Mercedes S500 versucht Henry auf dem Weg zum Squash Hunderttausende von Demonstranten gegen den Irakkrieg weiträumig zu umfahren. In Gedanken versunken, rammt er den Seitenspiegel des roten BMWs eines Kleinganoven. Drei Typen steigen aus…


Wintertauglich?

Es soll ja Leute geben, die sich über Schnee und Winter freuen. Ich gehöre nicht dazu. Klar, ein Winterspaziergang ist wahnsinnig romantisch. Und alles was dazu gehört: heißer Tee vor prasselnden Kaminfeuer (man wird ja noch träumen dürfen), Kerzenschein, auf dem Sofa liegen und lesen und vor dem Fenster die herrliche verschneite Landschaft. Aber: In der Stadt hat der Winter nichts verloren. Die Straßen sind ungeräumter als in jedem Kuhkaff, die Leute fahren wie die letzten Deppen, was nicht nur am Heckantrieb vieler Autos hier in München liegt. Dass man auch mal einen Gehsteig von Eis befreien könnte, auf die Idee ist seit Jahren keiner mehr gekommen. Draußen ist es kalt - drinnen viel zu überheizt, damit die Verkäuferinnen auch ja im T-Shirt dastehen können. Beim Ausgehen weiß man nicht wohin mit seinen Kleiderbergen - Mantel, Schal, Pullover und danach fehlen einem garantiert die neuen Handschuhe. Die Mitmenschen mutieren entweder zum Couchpotatoe oder sind jedes Wochenende auf der Piste und zwar auf der mit Schnee. Und wenn man sie doch trifft, versprühen sie statt Charme Erkältungsviren. Auf gut deutsch, ich bin nicht wintertauglich. Obwohl ich die letzten Tage mein bestes getan habe - hier die Checkliste:

  • Winterreifen aufgezogen (ok - aufziehen lassen)
  • Kühlwasser geprüft
  • Wasser für die Scheibenwischanlage auch
  • den Türgummi eingeschmiert
  • zur Abwechslung mal praktische Schuhe gekauft
  • Schuhschrank umgeräumt
  • Schuhe imprägniert - ich hasse nasse Füße!
  • Kleiderschrank umgeräumt
  • nach einer Winterjacke gesucht - noch nicht gefunden
  • die zweite Bettdecke rausgeräumt
  • die schwarzen Lederhandschuhe endgültig als verschollen gemeldet

Was heißt nochmal Pasta?

Aus der Speise karte des neuen Baaders (ehemaliger Isargrill):

      
                         

Pasta

 

Nudeln……natürlich „al dente“

Sorry, aber wenn ich sowohl eine Übersetzung für Pasta brauche wie auch den Hinweis, dass sie nicht verkocht sein werden - ist doch ein Armutszeugnis für eine Speisekarte.


Es ist fünf vor Schnee

Ade goldener Herbst. Novembergrau ist eingezogen. Am Marienplatz wurde heute der Weihnachtsbaum aufgestellt, was uns unweigerlich daran erinnert, dass in zehn Tagen der erste Advent ist. Es gibt wieder Mandarinen, Maroni, Gänseleberpastete (kauft die noch jemand?), Lebkuchen sind schon fast wieder ausverkauft. Die Zeitungen sind voll von Werbung, die Geschäfte werden es im Laufe der nächsten Wochen. Im Lauf dieser Woche werden die Menschen hektisch werden - die Termine zum Reifenwechseln ausgebucht und Winterstiefel schlagartig ausverkauft. Ins Kino kommen die großen Weihnachts-Familien-Filme und die kleinen Erzählfilme bekommen hoffentlich trotzdem eine Chance. Die Buchhandlungen sind voll neuer Bücher - und es ist die Zeit, sich aufs Sofa zu setzen und zu lesen. Es ist auch die Zeit, nachmittags ins Trachtenvogl zu gehen und sich dort mit heißer Schokolade aufzuwärmen - bei 30 Sorten können ein paar kalte Tage kommen. Oder in Brown's Tea Bar zum High Tea.


München Bilder

München hat viele Gesichter. Es ist eine Frage des Blickwinkels, was man in München sieht. Einen ganz eigenen Blickwinkel hat der Fotograf Michael Nischke eingenommen - und hat München aufgenommen. Herausgekommen sind faszinierende Bilder.  Zwei Jahre lang war Nischke mit einer alten russischen Panoramakamera unterwegs, vor allem am frühen Morgen, wenn die Stadt noch unberührt scheint. Diese Momente zusammen mit einem Faible für die kalte Jahreszeit lassen die Bilder ganz still werden und doch beweglich und lebendig, was an seiner speziellen Technik liegt: Das Objektiv bewegt sich nämlich bei der Belichtung.

Anschauen kann man die Bilder in seiner Galerie in der Baaderstraße 52 - und da findet auch am Samstag von 10 bis 22 Uhr die Präsentation seines München-Bildbands statt. Um 19 Uhr liest Hans Pleschinski "München Ostbahnhof". Anschauen lohnt sich! Danach sich im Gärtnerplatzviertel  eine nette Bar suchen - kein schlechter Plan für Samstag abend. 

Mehr über Michael Nischke stand übrigens auch in der Welt am Sonntag.


9. November

Ein denkwürdiges Datum. An keinem anderen Tag hat sich die Geschichte - mehrmals - verändert: 1918 Novemberrevolution - 1923 Hitler-Putsch - 1938 Reichskristallnacht - 1989 Fall der Mauer. Ein Schicksalstag. Und heute? Ein Tag des Erinnerns. Ein Tag des Besinnens: Gegen das Vergessen. Gegen Hass und  Gewalt.


Kein Grund zu meckern

Wenn München so furchtbar ist - warum sind wollen dann so viele Menschen hier leben? Nach der jetzt.de Meckerliste ist es Zeit für eine Gegenaktion. Mal wieder. München ist schön, weil...

  • ..man hier immer noch in der Sonne draußen sitzen kann, während schon 20 Kilometer weiter nördlich die Menschen unter grauer Suppe leiden (ok, nicht heute  - aber  die ganze letzte Woche)
  • ...es wunderbar ist bei Dämmerung über den fast leeren Viktualienmarkt zu bummeln und vielleicht noch ein paar Nettigkeiten für's Wochenende einzukaufen
  • ...sogar die Schrannenhalle ihren Reiz hat (tagsüber)
  • ...man immer wieder auf neue Geschäfte stößt - wie zum Beispiel das Prinzess in der Sendlinger Straße: ein sehr süßes Schokoladengeschäft mit Pralinen aus Waakirchen und wunderbaren Baumkuchenspitzen
  • ...einem auf Anhieb x-wieviele Lokale einfallen, in die man zu den unterschiedlichsten Anlässen gehen kann
  • ...es immer wieder Bars und Kneipen gibt, die neu zu entdecken sind
  • ...man auch einen Samstagabend getrost daheim verbringen kann - kommen ja nicht fünf tote Abende danach...
  • Fortsetzung folgt...

Nachtrag: Über das Prinzess gibt es auch eine Diskussion bei munich friends.