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Januar 2006

Die guten Vorsätze...

...sind jetzt auch schon wieder einen Monat alt. Und was ist aus ihnen geworden? Die meisten haben ja keine längere Lebenserwartung als eine Eintagsfliege gehabt, sind am ersten mit dem Silvestermüll quasi in der Tonne verschwunden. Manche sind auch noch nicht über das Planungsstadium hinausgewachsen, stehen in der Wohnung wie übriggebliebene Sektflaschen. Das sind dann diejenigen, die - damit einem auch wirklich die gute Laune vergeht - vorwurfsvoll als Post-It an Kühlschränken hängen so wie unvorteilhafte Fotos. Merke: die meisten von uns haben es wieder mal nicht geschafft, pünktlich zum ersten Januar ein neuer Mensch zu werden. Aber wie soll man auch an dem Tag des Jahres, den man doch häufig wie unter einer Dunstglocke des zuwenig Schlafens in Kombination mit zuviel Alkohol und Qualm verbringt, klar denken können, um sein Leben zu ändern? Nur blöd, dass es dann wahrscheinlich nie passiert. Denn aus irgendeinem Grund, scheinen wir äußere Anlässe zu brauchen. Statt heute zu sagen: Weil ich es so will.


Der 8-Punkte-Plan zur Stimmungsaufhellung

So, jetzt haben wir also diese Woche hinter uns gebracht, irgendwie war's ja nichts gescheites - egal, ob jetzt Montag oder Dienstag der angeblich fürchterlichste Tag des Jahres war. Übrigens nach empirischer Studie von S. soll es doch der Montag gewesen sein. Nach meiner Beobachtung durchzog die Woche vor allem ein allgemeines Bäh-Gefühl. Man könnte es auch typische Januar-Stimmung nennen. Aber es sind ja nur noch ein paar Tage - vielleicht wird's im Februar besser...

Obwohl oder gerade eben: Nach dieser Woche ist es Zeit für "Ich-tu-mir-jetzt-was-Gutes". Ich fand ja letztes Wochenende Frühstücken und danach in eine Ausstellung zu gehen, ein gelungenes Beispiel für einen perfekten Sonntag. Wer es mir nachmachen will: Das Frühstück im Eisbach ist wirklich phantastisch. Andere Vorschläge:

  • Mal wieder nett essen gehen. Nicht irgendeine Nahrungsaufnahme, sondern mit der Dame oder dem Herrn seines Herzens mal wieder ein echtes Date ausmachen. Ein bisschen Romantik soll Wunder wirken an kalten Wintertagen...
  • Tulpen kaufen - und sich den Frühling einfach ins Haus holen.
  • Sich die Kälteverspannung rausmassieren lassen.
  • Champagner trinken, Kerzen anzünden Vivaldi hören und in der Badewanne den kalten Tagen was gutes abgewinnen.
  • Urlaubspläne schmieden und in Gedanken schon mal wegfahren.
  • Eine (zwei, drei) Modezeitschrift kaufen und bei einem Glas Prosecco (zwei, drei) die neue Frühjahrsmode vorsichten.
  • Und was natürlich immer geht: Schuhe kaufen.

 


Bad day

Es ist kalt, saukalt um genau zu sein. Es ist dunkel, immer noch. Und überhaupt war Januar schon immer der furchtbarste Monat des Jahres - und obwohl sowieso außer Frage steht, dass ich in diesbezüglich schon immer recht hatte, wurde das im übrigen auch schon bewiesen. Von einem Leher der Cardiff University. Der gute Mann, Dr. Cliff Arnalls, errechnete im letzten Winter eine Formel, unter Berücksichtigung von elementaren Faktoren wie dem Wetter (Januar - grauenhaft), der finanziellen Situation (einen Monat nach Weihachten + der im Januar fälligen Versicherungen - grauenhaft), der verblassenden Weihnachtserinnerungen (kann sich auch positiv auswirken) und der allgemeine Motivation (wenn schon das Aufstehen bei Kälte und Dunkelheit schwer fällt - grauenhaft, was sonst) - raus kam: 1/8W+(D-d) 3/8xTQMxNA.

W steht für das Wetter. D   bezeichnet die aufgelaufenen Schulden, d das Gehalt und T die Zeit nach Weihnachten. Q ist die Periode, in der man versäumt hat, eine schlechte Gewohnheit aufzugeben, M steht für den allgemeinen Motivationsgrad, und NA bezeichnet die Notwendigkeit, endlich Initiative   zu ergreifen, um die allgemein miese Situation zu verändern.

Mit dem Ergebnis, rein mathematisch natürlich: der 24. Januar ist der mieseste Tag des Jahres. Also exakt - laut BBC  Im letzten Jahr kam dann noch dazu, dass der 24. ein Montag war - was ja überhaupt nochmal depressionssteigernd wirkt. Also kann's ja heuer nur noch besser werden. Und außerdem einen Tag später ist der Spuk ja auch vorbei: da ist wieder mehr Geld auf dem Konto (von Zauberhand? Und ist der 24. Januar ein üblicher Tag für Gehaltserhöhungen?), das nächste Weihnachten einen Tag näher, die schlechten Gewohnheiten hat man auf Grund des desaströsen 24. doch endlich aufgegeben - oder ist zumindest hochmotiviert, es zu tun. Und damit ist die Situation am 25. zwar keinen deut besser als am Tag davor, aber wir haben etwas erkannt: Wir müssen nur noch die Initiative ergreifen. Und überhaupt hilft gegen Bad day Blues auch immer noch Schuhe kaufen...

Ach ja, kleiner Nachtrag: Die Muenchenblogger, munich friends und auch die Tagesschau haben schon für den heutigen Montag schwarz gesehen. Ich möchte irgendwie wetten, dass der Ursprungsfehler in einer dpa-Meldung liegt. Weil laut Dr. Arnalls und BBC (bezogen auf 2005): He found 24 January was especially dangerous, coming a whole month after Christmas festivities. The fact that the most depressing day fell on a Monday was not planned but a coincidence.


Von Eltern und anderen Menschen

Die Zeitempfindung von Eltern ist ja eine ganz eigene. So haben die eigenen Eltern fast grundsätzlich einen Sprung im Zeit-Raum-Kontinuum - oder wie sonst ließe es sich erklären, dass sie ihr Leben lang kleine Kinder haben, denen sie zu dieser Jahreszeit am liebsten persönlich das Mützchen aufsetzen würden. Kinder werden erwachsen, machen ihre eigenen Fehler, bekommen graue Haare - und bleiben trotzdem auf ewig tolpatschige kleine Wesen, die gerade laufen lernen - jedenfalls aus Sicht der Vorgeneration.

Auch wenn diese inzwischen nicht mehr so kleinen Wesen selbst ebensolche haben. Und schon wieder offenbart sich ein Sprung im Zeitgefüge - nun zwischen Eltern und Nicht-Eltern. Was man jetzt noch mit einem milden Lächeln registrieren könnte, ist vermutlich der Ursprung des über Jahre hinweg wachsenden Lochs des elterlichen Zeitempfindens.

Und es beginnt banal mit einer Einladung zum Brunch. Am Sonntag um halb elf. Also zu einer Zeit, zu der man sich gemütlich nochmal auf die andere Seite dreht. Vielleicht mal durch die Vorhänge blinzelt. Vielleicht auch langsam die erste Tasse sonntäglichen Milchkaffees schlürft. Um diese Zeit verbreiten Eltern bereits hektische Betriebsamkeit. Wobei der Zeitplan eindeutig Wonneproppen bestimmt ist, das seinen Lunch nämlich um halb zwölf zu sich nimmt.

Liebe Eltern, wir treffen euch gerne nachmittags zum Kaffee trinken statt abends in der Kneipe. Wir gehen mit auf den Spielplatz statt zum Shoppen. Haben erkannt, dass gegen euren Nachwuchs Einstein eine glatte Null war. Diskuttieren mit euch über erste Worte statt neueste Romane. Wir Nicht-Eltern sind flexibel, auch wenn ihr es nicht merkt. Aber um halb elf am Sonntag brunchen? Stopp! Hier tut sich ein Zeitloch auf, vor dem wir euch bewahren müssen...

Nennt es doch einfach frühstücken...


Ein leiser Abschied

Wir waren mal Blutsbrüder. Freundschaft über alle Zeiten haben wir uns geschworen. Und was ist davon übriggeblieben? Heute stehen wir uns gegenüber – haben uns nichts mehr zu sagen. Du hast dich verändert. Ich auch. Und irgendwie haben wir den Gleichschritt dabei verloren. Du bist einen anderen Weg gegangen, mit anderen Menschen. Wechselnde Partner haben unserer Freundschaft nichts getan – die gingen ja auch wieder. Jetzt haben wir jemanden, der bleibt. Vielleicht für immer. Aber unsere Freundschaft sollte auch für immer bleiben. Du hast jetzt Familie. Aber wir waren auch mal so etwas wie Familie füreinander, steht das wirklich auf so unterschiedlichen Ebenen?

Wer du bist – was du machst – wie du lebst. Du bist nicht mehr der, den ich kenne. Du ziehst dich zurück. Ich kann dich nicht mehr kennen. Weiß nicht, wer der Mensch ist, der mir gegenübersteht – und stelle mir die Frage, ob ich es wissen möchte. Wir sprechen unterschiedliche Sprachen. Über was haben wir denn früher nächtelang gesprochen?

Du erinnerst mich an meine verlorenen Träume. Ich ertrage es nicht mehr, dich zu sehen.


Heute abend im Schmock

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Wer in den letzten Wochen im Schmock in der Augustenstraße war, dem sind die Plakate zweifelsohne aufgefallen. Ja, sie knallen richtig ins Auge. Und dann ins Gehirn. Denn provozierend spielen sie mit der Nazi-Propaganda zu Beginn des Dritten Reiches. Doch darf man mit dieser spielen? Gerade in einem israelischen Restaurant?  Ich finde ja - und gerade da. Doch die Meinungen sind verschieden und könnten unterschiedlicher nicht sein - von zynisch, witzig bis hin zu beleidigend. Heute abend ab 19.30 Uhr wird darüber öffentlich diskutiert. Also sind die Plakate an sich ein Schmock oder derjenige, der sie nicht versteht? Wird sicher spannend.

Update - naja, so spannend war's dann auch wieder nicht. Diejenigen, die die Plakate entsetzlich fanden, waren eher die Übermoralisten. Die Frage nach Normalität im Miteinander, um Ausgrenzung oder Einheit schaffen, kann sicher noch vertieft werden. Leider ging es aber weitgehend um Werbung und einen sich selbst beweihräuchernden Werbechef, der sich im Laufe der Diskussion immer mehr disqualifiziert hat (er hätte nach seinem Eingangsstatement einfach den Mund halten sollen - aber dabei tun sich Menschen, die sich ach so gerne reden hören halt schwer): Denn ein interessanter Aspekt des Ganzen ist, dass die Werber, die die Plakate entworfen haben, aus Furcht, andere Kunden zu verschrecken, das ganze privat und nicht als Agentur gemacht haben... Entweder man macht es - und steht dann dazu. Oder man lässt es eben bleiben.


Man kann mich abergläubisch nennen...

...aber so ganz traue ich einem Freitag den 13. nicht über den Weg. Obwohl es eigentlich eher der nahende Vollmond ist, der mich unruhig und auch manchmal etwas giftig werden lässt. Und deswegen ist es wahrscheinlich ein guter Plan, dieses Wochenende etwas planlos auf mich zukommen zu lassen.


Vom Komödchen zur großen Tragödie

Die intellektuellen Germanistik-Studentinnen unter den jetzt.de-Leserinnen finden es, kann man den Kommentaren entnehmen, ganz unter ihrer Würde - aber ich finde ihn richtig gut. Für alle, die es noch nicht gelesen haben: Der ultimative Theaterguide - genannt "Grundkurs Dramatisches Gestalten".

Ein paar Fragen bleiben allerdings noch offen:

  • Warum ist es ok, den Altersdurchschnitt im Theater 44 zu senken, nicht aber in der Komödie im Bayerischen Hof? Abgesehen davon, dass er auch im Residenztheater durch die jetzt-Leser gesenkt wird...
  • Also wieviele Perlenketten-über-dem Kaschmirrolli-tragende Münchner Schicki-Klonblondinen, die regelmäßig im Bayerischen Hof Champagner trinken, gibt es unter den jetzt-Leserinnen? Und wie viele Jung-Existentialisten? Oder in der Redaktion...
  • Darf man an den Kammerspielen erst dann Kritik üben, wenn man die 30 überschritten hat? - Offensichtlich, denn dann hat man auch das Hauptseminar hinter sich.
  • Was hat die Autorin geritten, Dieter Dorn mit Wolfgang Rademann zu vergleichen?
  • Wie gehen die Begriffe Theater - Uni-Cafetaria - hohes Niveau zusammen?
  • Und warum gilt der Barmann als Referenzquelle für das Volkstheater?

Die drei Könige sind da

Jetzt ziehen sie wieder durch die Straßen. Nur zu uns sind sie seit Jahren nicht gekommen. Dass ich das irgendwie schade finde, ist mal wieder ein Beweis für meine urkatholische Herkunft.


Dieses Wochenende...

...ist die letzte Chance für die Franz Marc Ausstellung im Lenbachhaus. Allerdings wird sich dadurch die Wartezeit von einer Stunde wahrscheinlich noch steigern. Für alle, die schon bei der Aussicht auf kalte Füße ebensolche bekommen: Die Dauerausstellung im Lenbachhaus gibt's auch nach dem 8. Januar noch und auch das kleine aber feine Franz Marc Museum in Kochel ist einen Ausflug wert.

Und noch eine Ausstellung hat am 8. Januar ihren letzten Tag: die französischen Meisterwerke des 17. und 18. Jahrhunderts  im  Haus der Kunst. 


Iphi - mir graut vor dir!

Das hätte wahrscheinlich der gute Goethe nach der Aufführung in den Kammerspielen gesagt. Mein ehemaliger Deutschlehrer ebenso. Und ich, die sich auf eine Dekonstruktion der unerträglich Humanen eigentlich gefreut hatte, muss es auch sagen.

Vielleicht kann man das Stück dahingehend entlarven, dass die Humanität eine verteufelte ist. Vielleicht kann man die dem Drama immanente Geschlechterambivalenz ad absurdum führen (Iphigenie wird immerhin von einem Mann gespielt). Vielleicht wollte das Regisseur Laurent Chétouane auch - nur, es ist ihm nicht gelungen. Es bleiben nur drei Stunden fade Rezitation des Textes mit betont falschen Betonungen. In dieser Inszenierung verharren die Figuren in Bewegungslosigkeit, werden übertönt von dem immerwährenden Lärm der mechanischen Windräder - bleiben farblos, sprachlos, agitationslos und sowohl fern der Goetheschen Fassung wie auch dem hier und heute.

Ist Iphigenie mehr als eine wie hier der Lächerlichkeit preisgegebene Figur, die mit verzerrter Clownsfratze und im Kleinmädchenkleidchen mit hängenden Schultern auf der Bühne steht? Eigentlich ist sie eine Frau, die überzeugt, beeinflusst und mit Worten die Barbarei überwindet.  Eigentlich eine starke Frau, auch wenn sie Goethe so gerne über das Frauenschicksal winseln lässt. - Doch, das Stück gibt schon was her auch für eine moderne Inszenierung. Vertane Chance. Schade.


Himmel Landshut...

...oder ich bin jetzt offiziell und ganz und gar Münchnerin

Meine Geburtsstadt Landshut hat ja zur Zeit auch lustige Ideen. Weniger Landshut an sich, das nach wie vor im Dornröschenschlaf vor sich hin dämmert, als vielmehr der neue Stadt-Chef Hans Rampf. Von Josef Daimer hat er nämlich nicht nur eine wohlrestaurierte Stadt übernommen sondern auch jede Menge Schulden, die sich durch unter anderem durch Fehlkalkulationen in Prestigeprojekten wie den Hofbergtunnel, Bernlochnerkomplex etc. herausgebildet haben.

Und jetzt geht es ans Geld eintreiben. Als Geschäftsmann weiß Rampf wie das geht: Ausgaben senken, Einnahmen erhöhen. Was für jeden Privathaushalt gilt, sollte ja auch für einen Stadthaushalt funktionieren. Die Art und Weise allerdings ist schon eher merkwürdig. Eine Einnahmequelle sieht man zum Beispiel darin, eine zentrale Stelle zum Flaschen und Altpapier abladen, mit der Video-Kamera zu überwachen. Ziel des ganzen: Wer mit einem Nicht-Landshuter-Autokennzeichen vorfährt, bekommt erst mal einen Strafzettel zugestellt. Unüberpüft, ob derjenige nicht eventuell einen Wohnsitz in dieser schönen Stadt hat.

Aber der Kampf gegen die Stadtvermüllung durch Auswärtige geht noch weiter. So hat Landshut jetzt eine Zweitwohnsitzsteuer eingeführt. Pi mal Daumen zehn Prozent der Miete, die man zahlt, sollen als Steuer an die Stadt abgeführt werden. Weil man ja die städtische Infrastruktur nütze, so die Begründung. Wer keine Miete zahlt, weil zum Beispiel nach wie vor im Elternhaus zweitwohnsitzlich gemeldet, soll mit zehn Prozent einer vergleichbaren Miete zur Kasse gebeten werden. Hallo?

Hauptsache Geld kommt in die Stadtkassen. Dass diejenigen, die sich immerhin noch so häufig in Landshut aufhalten, dass sie persönlich einen Zweitwohnsitz für gerechtfertigt halten, in diesem Zusammenhang vor allem Geld in die Stadt tragen, indem sie dort einkaufen gehen, ausgehen, essen gehen, Besucher mitbringen – das spielt keine Rolle. Sie sollen in Zukunft zahlen. Aber Mitbestimmen dürfen sie nach wie vor nicht - bei Kommunalwahlen zum Beispiel.

Nicht bedacht hat die Stadt allerdings, dass jedoch viele der etwa 5000 Betroffenen mehr oder weniger aus Jux und Dollerei – man könnte es auch Sentimentalität nennen – in Landshut zweitwohnsitzlich gemeldet sind. Oder inzwischen eben nicht mehr. Denn freundlicherweise hat die Stadt bei ihrer Erhebung gleich eine Abmeldebescheinigung beigelegt... Und den habe nicht nur ich  ausgefüllt...