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Februar 2006

Ihr müsst uns jetzt unbedingt mal besuchen kommen...

Auch wenn die Demoskopen schon wieder von einem Trend zurück in die Stadt sprechen, in meinem Bekanntenkreis ist diese Mode noch nicht angekommen. Im Gegenteil: alles strebt nach dem Häuschen im Grünen. Ich definiere „grün“ ja gern als „wie weit ist es bis zum Englischen Garten“ – aber damit stehe ich bald allein auf weiter Flur. Denn weil die grünen Stadtteile in München auch die teuersten sind, darf’s dann auch gern etwas weiter draußen sein.

So, dann sitzen sie dann in ihrem Häuschen im Grünen. Statt in einem der vielen öffentlichen Wohnzimmer. Allein. Ihr müsst uns jetzt unbedingt mal besuchen kommen! Sagen sie dann. Punkt. Nach einem Jahr heißt es dann – nie kommt uns jemand besuchen. Halt! Nein, es ist nicht so, dass euch keiner mehr lieb hat – ihr habt nur nie jemanden eingeladen.

Wir Münchner sind in dieser Hinsicht vielleicht etwas ego- oder stadt-zentrisch. Meistens haben wir alles, was wir zum Leben brauchen vor der Haustür (irgendeinen Grund muss es ja geben, dass wir hier diese immensen Mieten zahlen): unser Lieblingscafé, die Bar, in der wir abends unseren Wein trinken, im Sommer den Biergarten und am Sonntag den Englischen Garten. Und deswegen gibt es mal grundsätzlich keinen Grund nach Denning, Trudering, Altenmarkt, Germering etc. etc. zu fahren. Es sei denn, wir werden von netten Menschen dorthin eingeladen. Von selbst steh ich dort nicht vor der Tür – mach ich aber auch nicht in Schwabing.

Eine Einladung ist schlicht eine konkrete Aufforderung: Was (Kaffee trinken, Brunch, Abendessen), wann – na ja und das wo ist in dem Fall klar. Einladungen machen mehr oder weniger Stress (Wohnung aufräumen, Getränke besorgen – für Fortgeschrittene Kuchen backen etc.). Und darum laden manche Menschen so ungern ein. Aber wer nicht einlädt, bleibt allein. Oder muss sich halt doch wieder auf den Weg in die Innenstadt machen...


Erwachsen oder alt?

In der Fremdbetrachtung: Du bist erwachsen, wenn dich Jugendliche auf der Straße siezen. Was ist, wenn sie dich plötzlich wie eine Autoritätsperson behandeln? - Die Jugend von heute ist gar nicht so schlecht. Bald wird mir einer von ihnen in der U-Bahn einen Sitzplatz anbieten...


Klarstellung

Liebe Makler und Verkäufer, sparen Sie mir und Ihnen in Zukunft Zeit und Nerven. Eine Vier-Zimmer-Wohnung definiert sich folgendermaßen: VIER Zimmer + Küche + Bad. Eine Küche ist kein viertes Zimmer und Wohnküche heißt nicht Wohnzimmer und Küche als ein Raum - für mich jedenfalls nicht. Ein Keller ist ein Keller und kein Schlafzimmer. Und nein, ein Raum von fünf Quadratmetern ist auch kein Zimmer, das nennt man Abstellkammer (was ich im übrigen eine tolle Sache finde). Ein Balkon ist weder eine Loggia noch ein Wintergarten und schon gar nicht eine Tür mit Geländer davor.

Renoviert heißt nicht Kosten von 200000 Euro. Ein Lift hat nicht mitten durch meine Küche zu gehen. Und ich kaufe keine Wohnung mit einer ungenehmigten Dachterasse. Auch zahle ich nicht für einen Stellplatz, den ich in fünf Jahren bekommen könnte - eventuell.

Was die Lage betrifft - zehn Minuten zur U-Bahn heißt nicht, zehn Minuten mit dem Auto. Und eigentlich messe ich Entfernungen eh in Radminuten...

Ok, Lautstärke ist subjektiv. Bei geschlossenen Fenstern hat jede Wohnung leise zu sein - das müssen Sie nicht betonen. Bei offenen Fenstern hat sich der Lärm auch in erträglichem Maß zu halten. Und weshalb glauben Sie, dass ich einen Balkon möchte? Eine Autobahn macht Lärm. Sechsspurige Ausfallstraßen ebenfalls. Und eine Trambahn durchs Haus auch. Wenn die Bewohner eines Lehrlingswohnheims schon bei minus 10 Grad den Hof beschallen, will ich das gar nicht erst im Sommer hören.

Ich gehe gerne zum Essen - aber die Küchen von vier französischen Lokalen unter meinem Schlafzimmer sind vier zu viel. Wie auch die Küche von einem China-Imbiss, der Hinterausgang einer stadtbekannten Abschleppbar, ein Pizza-Service, ein Irish-Pub - nein, die Wohnung über einem Puff wurde mir noch nicht angeboten...

Noch Fragen, weshalb sich die Wohnungssuche in München schwierig gestaltet?


Kleiner Luxus

Eine dieser weißen Papiertaschen mit dem dezenten Schriftzug darauf nach Hause tragen - auch wenn nur eine Packung frisch gemahlener Kaffee und eine Tafel Schokolade darin ist.


Münchner Makler

Da ja nicht nur die Vögelchen auf Wohnungssuche sind, sondern auch ich und mein Küchentisch ein nettes Plätzchen für uns suchen, habe ich es auch immer wieder mit Maklern zu tun. Gestern kam mal wieder so ein entzückendes Angebot: Reihenmittelhaus, AdW - familiengerecht und grün und seit über einem Jahr auf dem Markt. Warum wohl??

Aber um dieses absurde Angebot geht's eigentlich gar nicht (dies ist eine andere Geschichte und soll... - kennt das noch jemand??), das eigentlich absurde an diesem geht-gar-nicht-Angebot war: Es lag ein Zettel bei, auf dem mich (also diejenige, die eine Wohnung SUCHT), das Maklerbüro darüber aufklärt, was andere Menschen so suchen - und was sie bereit sind dafür auszugeben: Also für den Unternehmensberater sind 1,5 Mio kein Problem, der Steuerberater kann allein 800.000 für ein Grundstück ausgeben, der Führungskraft eines Unternehmens ist das neue Häuschen 900.000 wert und auch die Professorin kann ebensoviel ausgeben.

Also erstens, wenn ich tatsächlich so viel Geld raushauen kann, finde ich auch in München was, was man dann so gemeinhin repräsentativ nennt. Was mich aber zweitens viel mehr beschäftigt: Weshalb zum Henker teilt das Maklerbüro MIR das mit? Um mir zu zeigen: Das sind die Kunden, um die wir uns kümmern, du mit deinen lächerlichen Vorstellungen, was du ausgeben möchtest und was du dafür haben möchtest, bleiben uns gestohlen? Ja, das hab ich schon gemerkt...


Auf Wohnungssuche...

...sind dutzende von zwitschernden Vögeln in unserem Innenhof - mit prüfenden Blicken Balkone, Regenrinnen, Dächer inspizierend. Genauer als mancher Mensch, der eine Wohnung sucht. Und dabei suchen die Schwalben nur für eine Saison. Anscheinend kommt tatsächlich der Frühling.


Spiel Verstecken mit mir

Schon mal die Geldbörse im Kühlschrank wiedergefunden? Das waren für mich Geschichten, die ich ja eher nicht geglaubt habe. Bis heute. Denn heute ist mir genau das passiert. Komme vom einkaufen, räume auf - und die Geldbörse gleich mit in den Kühlschrank. Welch ein Glück, dass ich sie dann innerhalb der nächsten Stunde doch tatsächlich über mich wundernd wieder rausgeräumt habe (wohin eigentlich?) - sonst wäre hier morgen die pure Panik ausgebrochen...

Aber es ist schon erstaunlich, wo man Dinge manchmal wiederfindet - oder auch nicht. Meinen Momentan-Lieblingslippenstift habe ich heute auch schon gesucht: im Bad war er nicht, Handtasche 1 bis 100 durchwühlt - nichts, Jackentaschen durchsucht - bis mir dann einfiel: Ich war doch letzens mit der Fototasche unterwegs, ja genau... Lippenstifte sind ja grundsätzlich ersetzbar. Die Alarmstufe wenn Schlüssel, Ausweise, Kreditkarten, Autopapiere, das Abschlusszeugnis etc. gerade auf der Suchliste stehen, ist ungleich höher.

Es gibt ja Leute, die immer wissen, wo alles ist. Penible Ordnungsfanatiker. Allerdings was mich das Suchen schon Zeit und Nerven gekostet hat. Da stellt sich doch die Frage, ob sich das kreative Moment nicht ein bisschen lenken ließe statt im Chaos zu versinken.


Helau und so weiter

Auch wenn Venezianische Masken bei der Demo gegen die Sicherheitskonferenz verboten waren und blieben (wir san a net in Wenedig sondern in Minga gell) - es beginnt zu faschingen in der Stadt. Was mir persönlich eigentlich herzlich egal ist, ich mag die "so-jetzt-sind-wir-mal-fröhlich"-Atmosphäre eh nicht. Aber für eines ist Fasching immer gut: Es gibt Krapfen. Für den Weblog-Test verweise ich immer an die Aprikosenfüllung.


Im Bann der Sicherheitskonferenz

Dieses Wochenende ist es wieder soweit - unweigerlich wie das Oktoberfest im September ist Anfang Februar in München ebenfalls Ausnahmezustand. Jedenfalls in der Innenstadt, denn da ist die Sicherheitskonferenz und alle dazugehörenden Demonstrationen. Seit Tagen wird die Bannmeile rund um den Bayerischen Hof errichtet und jeder der sich auch nur in der Nähe aufhält, sollte sicherheitshalber einen Ausweis bereit halten - egal ob er im schwarzen Kapuzenpulli oder dunklen Business-Anzug unterwegs ist.

Letztere werden dann heute abend die Innenstadt verlassen - damit die anderen Platz haben. Denn ab 17 Uhr ist von den Gegnern der Sicherheitskonferenz ein "Aktionstag mit kreativen Unternehmungen gegen die Militärtagung" angekündigt, was heißt: Kundgebung auf dem Marienplatz, Fahrraddemo vom Marienplatz zum Prinzregentenplatz und "Antikapitalistischer Abendspaziergang rund um den Prinzregentenplatz".

Antikapitalistischer Abendspaziergang. Das muss erst mal im Ohr nachklingen. Auf deutsch heißt es zwar nichts anderes als: wir wollen denen das Abendessen bei Käfer versauen. Aber das nennen wir antikapitalistisch - aus Überzeugung. Und das von einer Generation, die den Spruch "dann geh doch rüber, wenn es dir hier nicht passt" weder gehört hat noch ansatzweise versteht und ihr Rebellen-Outfit weder im 3.Welt-Laden gekauft hat noch nein sagt, wenn die Eltern teuer zum Essen ausführen.

Und leider dominieren diese "sie glauben zu wissen was sie tun Kids" die Gegendemonstrationen zur Sicherheitskonferenz - klar, sie schreien auch am lautesten und dominieren diejenigen, die leiser von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen wollen und aus Überzeugung gegen militärische Machtpolitik oder auch aus Zukunftsangst auf die Straße gehen und Gewalt nicht mit Gewalt bekämpfen wollen.

Und im übrigen: Eigentlich frage ich mich seit langem, weshalb die Sicherheitskonferenz ausgerechnet mitten in der Münchner Innenstadt stattfinden muss. Raus irgendwo in die Pampa damit! In einem kleinen Tal noch hinterm Tegernsee gibt's doch ein schönes Tagungshaus der CSU...


Eine Stunde Licht

An Lichtmess sind die Tage heller. Schon eine Stunde. Ein guter Tag - es geht aufwärts. Sichtbar. Endlich wieder. Die größte Dunkelheit ist vorbei. Ein Erwachen aus dem Stillstand des Winters. Ahnung von Frühling, wenn auch nicht gefühlt.

Heute ist übrigens an manchen Orten der USA und Kanada der Groundhog Day. Den unsere Bauernregeln auch kennen: "Ist's zu Lichtmess mild und rein / wirds ein langer Winter sein. Wenn's an Lichtmess stürmt und schneit, / ist der Frühling nicht mehr weit." - Und wie sieht es bei den Murmeltieren aus? Sieht das Tierchen seinen Schatten, dauert der Winter noch sechs weitere Wochen.

Und so stelle ich die Frage: Winter oder Frühling? Ein Blick aus dem Fenster: Das dauert wohl noch...