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März 2006

Oane geht no...

...sagt man so in Bayern. Völlig ungeachtet, dass man es doch eigentlich besser wissen müsste. Denn die, die dann meistens noch geht - zum Beispiel an einem lauen Abend im Augustiner, ist die, die einem am nächsten Tag den schweren Schädel beschert. Und den Schwur, es beim nächsten Mal doch besser zu wissen. Diesmal wirklich. Und dann. Weil's halt grad gar so schön ist... Und weils grad irgendwie noch nicht g'reicht hat - weil mein Rücken offenbar nicht konnte entzücken - weil ich mit Frau Kaltmamsell noch nicht über die Tragik gesprochen habe, dass Sommer-Handschuhe leider schon seit Jahrzehnten hoffnungslos out sind - weil ich mit Frau Klugscheisser noch nicht bei einer Zigarette und einem Glas Wein über das Zusammengehörigkeitsgefühl genau jener beiden philossphiert habe - weil mir Herr Albertsen noch nicht seine Panik vor einem gesiezten Lob erklärt hat - weil ich jemanden noch ein Servas schulde. Und überhaupt: weil ona oiwei no geht, hab ich eine meinen Wochenplan mal kurz dreimal umgeschmissen, eine Freundin beleidigt, meine Eltern versetzt, einen Termin gestrichen, einen Flug gecancelt, Unverständnis hervorgerufen - kurz: eine logistische Meisterleistung vollbracht. Und das nur, weil oana no geht, heut im Twisted Bavarian.


Männermode

Stelle als Tochter voll Stolz und als Frau voll Entsetzen fest, dass mein Vater dieses Frühjahr absolut topmodisch gekleidet ist. Die 50er lassen offensichtlich ganz schwer grüßen, nur als Frau trägt man die dazugehörige Nachtwäsche in diesem Sommer offensichtlich am Tage. Hat da jemand zu viele Doris Day Filme geschaut? Wer es also modisch mit einem Mittsiebziger aufnehmen will... hier entlang.
Strick


Himmelwärts

Frühling werd’s – und völlig egal, dass es morgen wieder vorbei ist (wollen wir eh erst mal sehen). Die ersten Sonnenstrahlen haben das Leben aufgeweckt. Spät genug in diesem Jahr. Wo blieb die traditionelle Föhnwoche mitten im Winter? An diesen Tagen, an denen das Leben wieder beginnt, muss ich immer Wecker hören - raus aus der Wintergruft und hinein in das Leben. Gerade die alten Stücke, die in den Erinnerungen so zigfach besetzt sind. Es ist als würde ich in meinem Tagebuch blättern – Momentaufnahmen aus meinem Leben: So wie dieser Tag Ende Januar. Meterhoch lag der Schnee noch am Tegernsee – plötzlich waren es 18 Grad, der Himmel violett. Mit S. in meinem alten Golf übers Land gefahren – der Sommer war plötzlich nicht mehr weit. Und uns gehörte die Welt. Das ist jetzt 15 Jahre her und (fast) jedes Jahr gibt’s den Moment, an dem ich Wecker hören muss. An dem ich das Gefühl bekomme: Jetzt geht’s wieder los. Und die Jahre, in denen der Moment fehlte, waren im Rückblick echte Scheißjahre, in denen das Leben erst gar nicht wieder begonnen hat, sondern im Stillstand verharrte. Aber in diesem Jahr muss ich Wecker hören. Frühling werd’s und der Sommer, der ist dann auch nicht mehr weit. Und dann gibt es sie auch wieder, die glasigen Tage. Die Tage, an denen die Madl wie Äpfel ausschaun. Die Tage, die in den frühen Morgenstunden beginnen oder die Nächte, die erst gar nicht aufgehört haben. Die Tage, die in den gewissen Stunden beginnen, in denen die Welt erwacht und du schon merkst, es ist so ein Münchentag. Ein Tag, wie es ihn nur in dieser Stadt gibt. Die Tage, an denen die Frauentürme mitten in den Alpen stehen. An denen eine Energie in der Stadt ist, die manche nicht mehr ertragen können. Die Tage, an denen einfach alles möglich ist. Und irgendwie ist jetzt die Zeit, sich diese Tage wieder ins Gedächtnis zu rufen – über den Winter konnte man sie ja fast vergessen. Also rein in die Vertragsverhandlungen mit dem Leben, aber sich ja nicht übern Tisch ziehen lassen...


Mia san Mia

Ja wer denn sonst? Oder glaubst, dass ich plötzlich Du bin? Du bist eh Deutschland - und was bin dann ich? Egal: I bin i. Gemeinhin wird ja dem Bayern mit seiner Mia san Mia Mentalität Borniertheit unterstellt. Man kann's auch Selbstbewusstsein nennen. Des sich selbst bewusst seins. Und ist daran was verkehrt? Wer nicht weiß, wer er ist, hat sowieso ein Problem. Aber an mangelnden Selbstbewusstsein fehlt es dem Bayern ja nicht. Gut so.

Reizend war's in der Reizbar gestern abend: Gereicht wurden eine Vorspeisenplatte, garniert mit Laabskaus und Elitessen. Dazu gab es Bier gleich zwei - und das trotz Aversion. Aber wir sind halt in Bayern. 

Schöne Texte, nette Gespräche. Was nach einigen Diskussionen im Vorfeld über Persönlichkeitsrechte und Sinn und Unsinn von Bloglesungen ja fast nicht zu erwarten war. Sinn? Spaß! Rechte? Ja, sicher - haben nicht nur die Lesenden, sondern wir alle an Text und Bild! Persönlichkeit - ebenfalls. Und deswegen san mia mia. Passt scho.


Live: Der Berg ruft

Ich mag den Starkbieranstich. Schon immer. Er war schon Pflichtprogramm der ganzen Familie als ich noch  ein Kind war. Ich glaube es gibt kein Jahr in dem ich ihn nicht gesehen oder gehört habe. Gleich geht's los. Live auf Bayern 1. Irgendwie muss ich nur noch ein paar Minuten Schlager überstehen ohne auszudrehen...

Aber es lohnt sich. Der Jonas ist gut wie immer. Dem ersten Mann im Freistaat die ersten Worte - Stoiber bekommt sein Fett weg: "Die Regierung bestimmt, was geglaubt wird: Gell Herr Stoiber so war das schon immer in Bayern.... Aber jetzt hat der Glaube, dass Sie der richtige Mann im richtigen Amt sind, voll nachgelassen. ...  Jeder bleibe in der Berufung, in der er berufen wurde... und wer nicht berufen wird, kann immer noch in die Politik gehen... und wer nicht weiß wohin, rennt immer hin und her zum Beispiel zwischen München und Berlin."

Zu Söder, der die CSU mit einem Scharnier verglichen hatte: "Schaniere muss man ab und zu schmieren. Wenn wir das nächste Mal eine Metapher gebrauchen, denk ma vorher nach gell Herr Söder!"

Über die Föderalismuskommission: "Da red's ihr immer von Chancengleichheit und dann lasst ihr Bremen und Saarland ihre eigene Bildung."

An den Münchner Oberbürgermeister: "Der Ude ist so erfolgreich, dass er sich seine Niederlagen selber suchen muss. Die Zweitwohnsitzsteuer war ein voller Erfolg - bei der Polizei und bei den Studenten."

An die Opposition: "Die Grünen wollen auf keinen Fall dass rauskommt, dass sie eine Friedenspartei sind - mit der man auch Krieg führen kann."

Zum Passauer Fleischskandal: "Jetzt haben sie angekündigt, dass unangemeldet kontrolliert werden soll. Das ist jetzt schon eine harte Maßnahme."

An Seehofer: "Herr Seehofer sie sind wirklich ein Allrounder - der Allwetterreifen der CSU... Sie sind einer, dem man wirklich alles zutrauen kann..."

"Die Politik der CSU passt sich an der Wirklichkeit an. Schwule, Lesben, Patchworkfamily, das sind doch eher die Grünen."

"Kaufen Sie Bundesschatzbriefe? Das ist schon eine hinterfotzige Frage..."

Über das bayerische Landwirtschaftsministerium: "Bescheissen unter behördlicher Anleitung - das nenn ich praktische Bürgernähe... Die Beamten gehören befördert an Stellen, wo sie noch mehr gutes tun können - zum Beispiel im Finanzministerium..."

An die SPD: "Wollt ihr euch nicht mal an der Wirklichkeit orientieren? Als neulich die CSU unter die 50-Prozent-Hürde gesunken war, hat der Mageth schon gejubelt: Das ist unsere Stunde. War halt auch nur eine Stunde..."

Zu unüberlegten Meinungsäußerungen, seit neuestem auch bei der CSU: "Man könnte ja direkt meinen, bei der CSU breitet sich sowas wie Demokratie aus..."

An die wolltengerne Stoiber-Nachfolger Huber und Beckstein: "Der Huber Erwin ist unser Kommunikationsfachmann. Clusterbildung - das klingt aus ihrem Mund hinreißend. Sie sollen ja sehr gut Englisch sprechen und im übrigen können und wollen sie ihre Muttersprache nicht verleugnen. Sie sind quasi zweisprachig... Außerdem gibt's ja ein schönes bayerisches Wort für Clusterbildung: Spezlwirtschaft."

"Herr Beckstein, was sie machen müssen bevor der Papst kommt: Überlaufen. Konvertieren. Damit hätten sie auch schon die Vorraussetzungen für das höchste bayerische Amt erfüllt."

"Herr Ministerpräsident sie wissen ja wie das ist mit den Wellen. Es gibt Höhen und Tiefen. Und irgendwann kommt jede Welle am Strand an - und dann muss man aufstehen und gehen..."

Und zum Schluss: "Lachen und glauben bilden in Bayern eine Einheit... In unserem Gottesstaat herrscht eine Religion, die das Lachen und das Derblecken nicht verbietet..."

Mehr vom Nockherberg gibt's natürlich auf der Seite des Bayerischen Rundfunks. Heute abend ist Bruno Jonas bei quer (Bayerisches Fernsehen, 20.15 Uhr) - und die Aufzeichnung von heute ist am Sonntag abend zu sehen.


Kinderfeindliche Generation

Keine Kinder mehr. Jedenfalls viel zu wenige. Und der Staat soll's richten. Wie er alles richten soll, weil wir nicht in der Lage sind, eine, selbst diese Entscheidung selbst zu treffen. Dabei geht's doch im Kern weder um Kinderbetreuung noch um finanzielle Unterstützung. Beides ist schön. Doch weder das eine noch das andere beeinflusst die Entscheidung für oder gegen ein Kind im wesentlichen. Oder ist unsere Gesellschaft tatsächlich schon so verkommen, dass sich Paare nur noch kaufen lassen würden, um Kinder zu bekommen?

Werden überhaupt so wenig Kinder geboren, weil sich so viele Menschen bewusst dagegen entscheiden (im Volksmund: Drecksegoisten!) - Menschen, die, so die weitläufige Meinung, lieber schicke Zweisitzer fahren als eine gebrauchte Familienkutsche, lieber im Penthaus statt am Stadtrand wohnen, zum Boarden nach Kitz, zum Tauchen auf die Malediven und zum Shoppen nach New York fliegen - und letztlich, weil das ganze muss ja finanziert werden, vierzehn Stunden am Tag arbeiten. Klar gibt's die. Und wenn sie es ein paar Jahre gemacht haben, ist es ebenso schick für sie, Designer-Nachwuchs heranzuzuüchten. Ist nämlich ebenso ein Statussymbol.

Nur eines, das man sich nicht eben beim Online-Shoppen kaufen kann mit freier Wahl in Form und Farbe. Nein, hier heißt es beim Bestellvorgang nicht selten: Ausverkauft. Und das trifft nicht nur die Yuppie-Pärchen mit Nachwuchssehnsucht, sondern immer mehr Menschen. Unsere Entscheidungsfreiheit hat für uns entschieden. Jahrzehntelang wird verhütet was das Zeug hält bis, ja bis die Natur den Jetzt-würde-ein-Kind-endlich-ins-Konzept-passen-Enddreißigern dann eine lange Nase dreht.

Alle Lebenszyklen werden künstlich verlängert. Und dabei wird übersehen, dass unser Körper immer noch ein Verfallsdatum hat. Viele Menschen entscheiden sich nicht bewusst gegen Kinder, nur zu spät dafür.


Will wieder Kind sein...

...wie immer, wenn ich krank werde. Kranke Kinder werden umsorgt (auch nicht alle, aber ich wurde umsorgt): Mama kocht Suppe und Pudding, Papa liest vor. Heute muss ich meine Suppe selbst kochen. So macht krank sein keinen Spaß. Macht's ja eh nicht. Und dabei hatte ich mich den ganzen Winter über so gut gehalten, während alles um mich herum schnupfte und nieste. Also auf zur Apotheke. Und Vitamine. Viele Vitamine...


Altbaucharme mit Nebenwirkung

Zugegeben, ich bin durchaus wählerisch. - Wie fragte mich ein Makler mal ganz empört, weil ich seine Industriegebietbruchbude als völlig indiskutabel bezeichnete: Sie wohnen wohl schön? Ja. Und das soll auch so bleiben.

Ich möchte eigentlich nur meine drei Zimmer Altbau anbauen. Das Haus dürfte etwas renovierter sein (woher kommt dieser riesige Wasserfleck im Treppenhaus eigentlich?), warmes Wasser auch spontan (Boiler!) wäre luxuriös und eine funktionierende Heizung lernt man im Laufe des Älterwerdens auch irgendwann zu schätzen. Also gigantische Ansprüche offensichtlich. Allerdings, und da setzt es dann aus: ich wohn in einer schönen Gegend, zentral, alles lebensnotwendige um mich herum (Bäcker, Obsthändler, Bio-Markt, diverse Kneipen und Cafés) - das will ich wieder haben. Ja, und so eine naturgelassene Altbauwohnung hat auch einige Vorzüge: Wann zum Henker kamen eigentlich Abstellkammern aus der Mode?

Ich werde nie nie nie eine Wohnung finden...So der Stand der Dinge. Bis vor zwei Wochen. Denn da habe ich meine Wohnung gefunden: Altbau, renoviert, vier Zimmer, Wohnküche, Hinterhofbalkon, Flügeltüren, Gründerzeitofen... Und als es quasi schon klar war, dass sie und ich und meine Bank eine lange Beziehung eingehen werden, hat jemand anderer tabula rasa gemacht... Und ich, ich sitz jetzt schmollend in der Ecke. Aber wie sagte der eine Makler: Sie wohnen ja schon schön...


Sonntag Nachmittag

Über einem knarzen die Äste ob der Schneelast. Und schon zu viele haben resigniert - sind herabgestürzt, ganze Bäume gesplittert. Wohl dem, der sein Auto nicht darunter geparkt hat. Auf der Straße treffen sich Nachbarn an einer Schneebar. Aufgestützt auf der Schneeschaufel. Der Duft des Marillenschnaps lockt auch die letzten im Viertel an. Die Stimmung ist gut. Und Autos kommen hier heute eh nicht durch. Stille über der Stadt. Unterbrochen vom schabenden Geräusch der Schneeschippen. Man nimmt's mit Humor. Grüßt. Plaudert ein bisschen. Morgen fahrn wir U-Bahn, das Auto steckt auf unbestimmte Zeit fest.