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April 2006

Irgendwann zu dieser Zeit

Weil wir gerade alle in Pubertätserinnerungen schwelgen, ich hab noch was (Idee geklaut hier) - muss so in etwa um die Abiturzeit, wahrscheinlich im Winter danach, entstanden sein:

impressionen zur nacht

grelle stille
schummriges licht
jazz hinter marionetten
schattenhafter blick
im rotweinspiegel
schwarzschlängelnde
laufmasche durchs
augenblicksparadies
umschlungen
vom glühenden
zigarettenrauch
geheimer gedanken

dein blick


Was nicht auf dem nächsten Flohmarkt landet

Von dir stehen noch Kisten in meinem Keller.
Jaaaaaaaa.
Wie lange sollen die denn da noch rumstehen?
Die stehen da doch ganz gut.
Du wirst noch wahnsinnig werden, wenn du mal dieses Haus ausräumen musst!
Ja, Mama (Anmerkung der Verfasserin: in schätzungsweise 20 Jahren)
Nimmt die Kisten endlich mit sonst bringe ich sie zum Kirchenbazar!!!!
Oma's Geschirr? Bist du wahnsinnig???????

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Seit meine Mutter vor zwei Jahren mit mehreren Generationen Hausmüll konfrontiert war, ist sie in Ausmistlaune. Einlagern verboten. Und so wanderten diese Geschirrkisten, die in der Ecke dieses 60 Quadratmeter Kellers ihr Feng Shui gestört haben nach München. In eine Wohnung die nur unwesentlich größer ist als der Keller. Aber wenn sie schon mal da sind, kann man sie ja auch einräumen. Guter Grund mal die Küche umzuräumen und zu putzen... Gestern war auch ein guter Tag dafür, denn gestern vor 15 Jahren starb meine Oma.

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Als nächstes wird meiner Mutter auffallen, dass ich noch den Großteil der Großväterlichen Bibliothek eingelagert habe. Dann bekomme ich hier ein echtes Problem...


Über mütterliche Eingebungen

Vor ziemlich genau 35 Jahren hatte meine Mutter eine Vision. Irgendwo, wahrscheinlich gerade kotzend über dem Klo hängend. Irgendwann während der letzten Hochzeitsvorbereitungen und zwischen den "Was für eine Schande"-Ausrufen ihres Bruders. Hervorgerufen von zuviel Wurstsalat mit Apfelmus, eine Kombination, die bewusstseinserweiternde Wirkung haben muss. Zu diesem Zeitpunkt vor ziemlich genau 35 Jahren träumte meine Mutter von besseren Zeiten. Die dann wären, wenn der Verursacher dieser Übelkeiten das Licht der Welt erblickt hätte. Und sie träumte von lauen Sommertagen. Einen Kinderwagen durch die schöne Altstadt schiebend. Mit einem Mädchen darin und es sollte den Namen Iris tragen. Die Antwort auf diesen Traum war ein klares "Nein". Und auf Diskussionen ließ sich mein Vater schon damals nicht ein.

Denn mein Vater hatte auch einen Traum. Während er Apfelmus-Nachschub kaufen ging oder den Hochzeitsanzug anprobierte, träumte er von besseren Zeiten. Er war Realist und ihm war klar, dass die besseren Zeiten erst in einigen Jahren beginnen sollten (und dann auch wieder schnell vorbei sein sollten) - und er sah sich einen kleinen Buben anfeuernd auf dem Bolzplatz stehen. Und sein Name sollte Anderl sein. Die Antwort meiner Mutter auf diesen Traum, man kann es sich fast denken, war: Nein.

Neun Monate sind nun doch eine lange Zeit, um zwei so unterschiedliche Standpunkte auf einen Nenner zu bringen. Und so fügte sich mein Vater im Laufe unzähliger Gläser Apfelmus in den Glauben an die weibliche Intuition und verabschiedete sich von seinem Lederhosntragenden Anderl Traum. Denn das Schicksal sollte ihm eine Tochter bescheren. Das Schicksal meinte es gut mit ihm. Denn wahrscheinlich hätte er ein langhaariges kiffendes Gitarrenspielendes Individuum bekommen, was seine größten Alpträume wahr werden hätte lassen. Dass pubertierende Töchter ebenfalls die Hölle auf Erden bedeuten, ahnte er zu diesem Zeitpunkt  nicht...

Blieb die Namensfrage. Und mein Vater unerbittlich. Freundlicherweise blieb mir der Kompromiss, wäre ja auf der Hand gelegen und offensichtliche Kompromisse kamen für meine Eltern nie in Frage, in Form von Andrea erspart. Wie dann der Name Helga ins schöne Niederbayern vordrang, entzieht sich bis heute jeder Nachforschung. Auf jeden Fall schwebte er so im Raum und während meine Mutter nach den Wehen noch in Lachgasgeschwängerten Sphären schwebte, machte mein Vater kurzen Prozess: Er brachte ihr Iris mit und nannte seine Tochter Helga. Dann ging er feiern.

Helga war geborgen. Und ich bin eigentlich ganz dankbar dafür, wenn man die Alternativen betrachtet. Ich möchte ja keiner Iris zu nahetreten, aber Iris? Nur meine Mutter, die leidet bis heute. Denn Eingebungen soll man folgen, sagt sie. Und ich stelle mir manchmal die Frage, ob das Leben nun anders verlaufen wäre, wenn damals eine Iris auf die Welt gekommen wäre...


Man müsste...

...Klavierspielen können. Summdidumm. Nur wer Klavier spielt hat Erfolg bei den Fraun. Summdidumm. Brauch ich ja nicht, bin ja selbst eine. Summdidumm. Und deswegen brauch ich auch nicht Klavier spielen. Ich kann es auch nicht. Über das warum herrscht in der Familie geteilte Meinung.

Meine Mutter ist schlicht der Ansicht, ich wollte es nicht lernen. Wie ich so vieles nicht wollte, von dem sie der Ansicht war, es wäre gut für mich - wie ein anständiger Beruf, wie das neusprachliche Gymnasium, wie die richtigen Leute, die man kennenlernen müsste. Alles Dinge, denen ich mich verweigert habe, ihrer Ansicht nach. So also auch dem Inbegriff aller Bildungsbürgertugenden, dem Klavier. Wahrscheinlich war das Klavier das erste. Und damit auch der Beginn vieler Missverständnisse in unserem gemeinsamen Leben. Ich kann mich nämlich nicht daran erinnern, nicht Klavierspielen lernen gewollt zu haben. Wahrscheinlich war es mir eher egal. Mein Grundproblem. Während sie fand, dass es meine Entscheidung zu sein hätte. Ihr Grundproblem. Denn die eigentliche Krux an der Sache war: Wir hatten gar kein Klavier.

So ein Insignium einer gewissen sozialen Schicht war nur bei meinen Großeltern vorhanden. Wo ich auch darauf rumgeklimpert habe. Und vielleicht hätte daraus auch etwas werden können, wenn sich da mal jemand mit mir hingesetzt hätte. Während die Idee bei meiner Mutter dagegen wahrscheinlich erst entstand, als das Insignium einer sozialen Schicht, nämlich das eigene Häuschen (jaja, auch ich entstamme der Eigenheim Glück allein Generation) mit Platz für ein eigenes Klavier da stand. Und da war der Unterricht bei meinen Freundinnen schon so weit fortgeschritten, dass mir das Quälende des Ganzen schon sehr bewusst war - "nein, ich darf nicht zum spielen raus, ich muss erst noch üben". Spätestens da habe ich dann wahrscheinlich beschlossen, dass ich das nicht für mein Leben brauche. Nix war's mit höherer Tochter Bildung. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Dudumm.


Osterspaziergang ohne mich

Letze Woche mit U. telefoniert. Schniefen am anderen Ende der Leitung. Bist du schon wieder krank? Krächz. Ja. Gut, U. hat zwei kleine Kinder, die so alles heimschleppen, was man im Kindergarten, Spielplatz oder sonstwo aufschnappen kann. Wandelnde Bazillenmonster. Kleine Kinder sind in der Erkältungssaison unbedingt zu meiden. Was einem aber nicht unbedingt etwas bringt. Ostersonntag. 8 Uhr morgens: Oh, Nase zu. 9 Uhr morgens: Zigarette schmeckt nicht. 10 Uhr: Mir ist kalt. Ich geh wieder ins Bett. Nein, doch heiss. Eher kalt. Verdammt heiss. 39 Grad heiss. Eiskalt. Wo ist die zweite Decke? Wo sind die Taschentücher? Und wer hat meinen Kopf mit Watte ausgestopft? Ohren hat man, um zu hören, nicht um sie zu spüren. Schlafen, nur schlafen. Sucht doch eure goldenen Häschen allein. Derweil des Pudels Kern explodiert in meinem Kopf.


Law and Order auf der Autobahn

Ich habe einmal ein Auto gefahren mit dem sinnigen Kennzeichen "LA W". Potthässlich aber mein ganzer Stolz. Es war schon ein paar Jahre alt als ich 18 wurde. Aber noch richtig gut in Schuss. Naja, und dann kam mein Führerschein und mein Vater erlaubte seiner einzigen Tochter das, was alle Väter ihren Töchtern nicht versagen können - sein Auto zu fahren.

Was muss er gelitten haben - denn schon bei der ersten Fahrt nahm ich halt leider einen halben Gartenzaun mit (was musste der auch so dämlich im Wege stehn?). Eine der ersten Landstraßenfahrten endete beinahe mit einem Herzinfarkt meiner Mutter, die uns schon von dem entgegenkommenden Lkw zermalmt sah, aber damals noch entschieden cooler reagierte als heute in einer 30er Zone. Und im ersten Winter meines Führerscheindaseins  ging ich dann doch gleich mal auf Schmusekurs mit einem Taxi - damit's auch gscheit teuer wird. Klaglos (fast) zahlte mein Vater die kleinen und großen Reperaturen. Nahm es hin, dass sein über die Jahrzehnte heruntergefahrener Versicherungsbeitrag wieder stieg und stieg. Und ließ seine Tochter fahren. Mahnend mit einem Kennzeichen, das zu Recht und Ordnung rief - und dessen Fahrerin so jede auch nur denkliche Verkehrsregel übertrat. Irgendwann, die Jahre vergingen, hatte er dann die Nase voll, dass sein Auto, wenn er es dann bräuchte, in München, weil er ließ ja Töchterchen trotz besseren Wissens auch in die Studienstadt damit abdüsen (ja, die Münchner Polizisten sind äußerst nett zu 19jährigen Landeiern, die eine Großstadtkreuzung nicht übersehen können) oder in der Werkstatt war und kaufte sich ein neues, ein eigenes Auto, während meine erste Autobeziehung dann immerhin 11 Jahre hielt.

Inzwischen habe auch ich Auto fahren gelernt. Beifahrer haben nur noch gelegentlich Schmerzen - und was das Getriebe aushalten muss, darüber darf man geteilter Meinung sein. Und interessanterweise haben auch die blauen Polizeibriefe wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen oder ähnliches rapide abgenommen seit sie nicht mehr an meinen Vater gehen. Mein Versicherungsstatus ist auf ein bezahlbares Level gerutscht und es soll auch den ein oder anderen Freund geben, der mir seinen Wagen anvertrauen würde.

Eigentlich bin ich eine passable Fahrerin geworden. Fiel mir gestern auf als ich auf der Autobahn dem Lastwagen die Vorfahrt genommen habe und auf seine Reaktionsschnelligkeit beim Bremsen vertraut habe...


Verfrühter Optimismus

Am Samstag in einem Frühlingsanfangsgefühl den Balkon begrünt, gestern abend panikartig die Blumen vor dem nächsten Schnee in Sicherheit gebracht. Jetzt sind sie abgestellt in der Abstellkammer und warten hier auf Sonnenschein... Und wo trockne ich jetzt meine Wäsche?

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Ergoogel mich

Es ist schon interessant, sich anzuschauen, durch welche Suchbegriffe Menschen hier auf die Seite googeln. Brauerreiross war einer davon. Helmut Newton + Spagetti ein anderer. Lissabon Bar Steffi München taucht öfter auf, gerne kommen auch Menschen auf der Suche nach Schokoladengeschäften hier vorbei und die "Minga mog di"-Diskussion ist noch lange nicht vorbei.

Ein seltsames Gefühl ist es allerdings, wenn Menschen konkret nach mir gesucht haben. Also, nicht dass ich das nicht auch machen würde. Von Menschen, von denen ich lange nichts mehr gehört habe, von denen ich mich frage, was die denn so machen - die lasse ich auch mal suchmaschinentechnisch ausrufen. Und bin gespannt, ob sie mir begegnen. Was mich mich allerdings wundert, wieviele Menschen auf Namenssuche nach mir (gibt's noch mehr?) auf dieser Seite landen - und noch mehr, dass keiner davon irgendeine Nachricht hinterlässt... Wer seid ihr? Kennen wir uns?


Frau B. geht auf Reisen... (II)

Über Kleiderprobleme und Reiseziele

Wer wie ich grundsätzlich in der Zeit, die man so gemeinhin Übergangszeit nennt, verreist oder im Sommer weg vom klassischen Sommer also an die See, muss sich mit einer Steigerung  eines klassischen Frauenproblems auseinandersetzen: Ich verreise am liebsten mit meinem gesamten Kleiderschrank. Vielleicht bin ich auch ein entscheidungsschwacher Mensch, woher soll ich denn wissen, was ich in einer Woche anziehen möchte? Nun ist mein Kleiderschrank für einen Frauenkleiderschrank eher klein, aber für einen einzelnen Koffer nun doch zu groß. Was das Packen kompliziert gestaltet. Das geht ja schon bei einer, zwei Übernachtungen irgendwo los - man könnte ja für einen unverhofften Anlass etwas nettes zum Anziehen brauchen. Und ich schwöre: Hat man aus Vernunftsgründen darauf verzichtet, findet man sich plötzlich in der alten verdreckten Jeans unter lauter hochgebrezelten Honoratioren auf einer Premierenveranstaltung wieder (wenigstens fand sich der Dior-Lippenstift wie durch ein Wunder in der Handtasche). Was lernen wir daraus? Die Devise heisst: vorbereitet sein. Wer eine Frau für's Zeltlager sucht, fährt nicht mit mir weg. Ja, Schatz, ich werde die fünf Paar Schuhe anziehen. Plus die, die ich mir am Urlaubsort kaufen werde - du mir in Urlaubslaune kaufen wirst. Ich fahre ausschließlich dorthin, wo man Schuhe kaufen kann. Respektive Handtaschen. - Immer wieder gerne nach Italien. Außerdem kann man da mit dem Auto fahren. Das entschärft das Gepäckproblem - auch nicht wirklich. Weil man muss ja das Auto auf der Rückfahrt mit Grundnahrungsmittel (Espresso, Wein...) vollpacken. Alles nicht so einfach...


Frau B. geht auf Reisen...

letztes Kapitel vorweg oder Prolog

Am Flughafen trifft man sie alle wieder. Die, denen man im Urlaub aus dem Weg gegangen ist (erfolgreich). Die man nicht sehen will. Den Kegelklub aus Hinterhaumichblau, eine kollektive Bierfahne vor sich herschiebend, die Stimmen heiser vom Grölen. Die Klunkerbehangene blondierte Zahnarztgattin aus Düsseldorf, riesigen Schminkkoffer in der Hand, nicht erkennend, dass diese Maskerade ihr jahrzehntelang durchgegrilltes Gesicht noch älter erscheinen lässt. Oma und Opa in Windjacken, sie die beige Umhängetasche umklammernd,  nachdem sie die Sicherheit des Reisebusses hinter sich  lassend, auf die letzten Meter auf sich allein gestellt sind. Den Geldproll mit gegelten Resthaar in schwarzer Lederweste und fetter Uhr am ebenfalls fetten Handgenk nebst blondierten Schneckerl im engen Leopardenhoserl, Größe 36, das zuviel dafür quillt an allen Seiten nach außen. Das Lehrerpaar mit Fototasche, andächtig an der Stulle kauend, die sie am Frühstücksbuffett noch geschmiert hat. Die Businesslady im sandfarbenen Hosenanzug, hektisch das  Mobiltelefon am Ohr. Den jedem Rock hinterherschauenden Unternehmervater mit seinen zwei Söhnen frisch vom Golfen. Sie waren alle gleichzeitig auf dieser Insel. Wie gut, dass sie anscheinend doch groß genug ist, um sich aus dem Weg zu gehen - nur dass Lehrerehepaar hab ich irgendwo gesehen, Baedecker lesend.


Ich wollte die Sonne mitbringen...

...aber der ist irgendwo auf dem Weg über die Alpen ein bisschen die Luft ausgegangen. Gestern noch im strahlenden Sonnenschein bei frühlingshaften Temperaturen im blühenden Garten gefrühstückt. Eine Woche im Paradies verbracht. Gute Laune mitgebracht. Und den Frühling. Er hat nur ein bisschen Verspätung.