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Oktober 2006

Geschichten aus der Provinz

Es war einer dieser späten Septembertage, an denen das Licht wie ein Weichzeichner über der Realität liegt. An diesem Tag vor wenigen Tagen war ich mal wieder da. Saß in der Altstadt und wartete auf meine Freundin M. Da in diesem Eiscafé, in dem es das beste Vanilleeis nördlich der Alpen gibt. Ich saß da, trank zur Einstimmung und um die Wartezeit zu überbrücken einen Espresso (ich rechnete zu Recht mit einer kurzen Wartezeit) und beobachtete die einkaufenden Menschen.

Die Provinz hat in mancherlei Hinsicht ihrer eigenen Gesetze. So zum Beispiel beim Einkaufen. So fahren die Menschen aus den Umlandgemeinden selbstverständlich in die Metropole, Provinzhauptstadt genannt, während die dort wohnenden, um ihren Status zu bestätigen, die nächsthöhere Einkaufsstadt anfahren. Die Menschen aus meiner alten Heimat fahren auf Minga. Und natürlich gibt es da feine Unterschiede. Wer was auf sich hält, kommt mindestens mit einer Lodenfreytüte zurück. Die anderen waren in der Fußgängerzone oder im OEZ. Um letztere zum Einkaufen in der kleinen Stadt zu halten, gibt es natürlich hier inzwischen ebenfalls ein Shopping-Center mit all den Läden, in denen die Dinge noch billiger aussehen als sie sind. Ich habe es noch nie betreten. Dennoch ist mein Verhalten antizyklisch zu der Masse. Ich fahre nämlich zum einkaufen in meine alte Heimat.

Und so saß ich mit meinem Caffé und dachte darüber nach, wie ich noch Geld im imaginären Förderverein zur Erhaltung der kleinen Stadt lassen könnte (muss ich erwähnen, dass ausschließlich Frauen dort aufgenommen sind?) In dem Schuhgeschäft vorne in der Theaterstraße hatte ich ein paar Stiefel gesehen. Sollte ich sie kaufen, um auf den Satz „solche habe ich in ganz München gesucht“ mal wieder mit leisem Lächeln zu antworten: „Die habe ich in der Provinz gekauft.“? Auf jeden Fall musste ich noch meine obligatorische Runde drehen. An der kleinen Chocolaterie vorbei, ein Abstecher in den Teeladen, auf jeden Fall in das Kerzengeschäft, ist eh gleich daneben. Ein bisschen Stöbern in der kleinen Buchhandlung, die zu keiner Kette gehört. Und muss irgendein Nachwuchs beschenkt werden, ist der Laden mit ökologisch wertvollen Kinderspielzeug auch nicht weit. Noch schnell zum Weinhändler, der seine Winzer grundsätzlich persönlich kennt. Und am Schluss natürlich in die erste Metzgerei am Platz, die für die kleine Stadt zwar ganz schön teuer ist, aber für Münchner Verhältnisse...

Ich trank den letzten Schluck Espresso und blickte die Altstadt rauf und runter. Auf die Kirche, die man schon bald nach der Autobahnabfahrt sieht. Auf der anderen Seite das Rathaus, in dem jetzt nach Jahrzehnten der Alleinherrschaft nicht mehr der Sepp sitzt, der sich immer Dick nennen ließ, weil's wohl schicker und weltmännischer klingt. Aber jetzt ist der Rathauschef ein hemdsärmeliger Macher, der auch der Chef der großen Fastfoodkette gegenüber ist. Immerhin ein Geschäftsmann, in Zeiten des maroden Stadtsäckels wahrscheinlich besser als ein weltfremder Gymnasiallehrer, der stattdessen zur Wahl stand.

Wen die wohl gewählt haben, die beiden zwei Tische weiter, die nicht schon wieder sondern immer noch ihren ausladenden Hintern in Leggins zwängen und natürlich den Familienbecher Eis einzeln vor sich stehen haben. „Menschen laufen hier rum, das gibt’s nicht“, kommentierte M. in diesem Moment meinen Blick und ließ sich genervt in den Stuhl neben mir fallen: „Die sind von Ausserhalb.“ Ja, die Bestätigung der Unterschiede ist in der kleinen Stadt essentiell. Darum ist es auch mein nicht-hier-wohnen-Status, weshalb wir hier sitzen. Weltbestes Vanilleeis hin oder her, wer in der kleinen Stadt meint, etwas zu gelten, sitzt woanders.

Die die quasi aus Tradition wichtig sind. Weil's schon ihre Eltern waren. Wichtig hat in jeder kleinen Stadt einen Namen. In dieser ist er Förderer. Das sind die, die alle vier Jahre ein großes historisches Schauspiel aufführen. Was für die ganz kleinen bedeutet, ein bisschen Prinzessin zu spielen. Ab der Pubertät wollen sie dann alle nur spielen. Bis sich im Laufe des Älterwerdens die Hemmungslosigkeit allein auf's Saufen beschränkt.

Von allein in die Hautevolee hinein zuwachsen ist in der kleinen Stadt schwierig. Obwohl es durchaus Menschen gibt, die mit Ende 30 dann die Fronten wechseln – der rebellischen Jugendkulturszene entwachsen. Andere finden ihre Lebensnische in der Kunst- und Kulturszene, die hinter den gotischen Fassaden überraschend aktiv ist. Nein, und es sind auch nicht alle dabei Berufsjugendliche, die noch mit 40 von ihrem Durchbruch als Rockmusiker träumen und die bis zum Bund der Lederhose reichenden Locken zurückwerfen.

Letztlich würde wahrscheinlich auch ich meine Nische hier finden. Wahrscheinlich würde ich manche Dinge nicht mehr registrieren. Wer weiss, ob manche Liebenswürdigkeit nicht ihren Reiz verlieren würde. So wie der Wirt meiner früheren Stammkneipe, in die ich seit bald 15 Jahren nur noch alle paar Monate hineingehe, mich nach wie vor mit Namen begrüßt und mir einen Rotwein empfiehlt. Eine Tatsache, die mich heute zum lächeln bringt. Die mich heimkommen lässt – für einen Abend. Und ich blickte auf und sagte: „Komm lass uns heute abend noch auf ein Glas Wein gehen.“

Sie lasen einen Beitrag zum Thema "Himmel Landshut, tausend Landshut" oder auch von Don Alphonso eingeforderte Provinzgeschichten.


Heimatgeschichten

Kaum ist man zuerst ein paar Tage unterwegs, dann mit Föhn und Kopfschmerzen und Wetterumschwung und wieder Kopfschmerzen und ausserdem einem undichten Klo und einer Verabredung zum Sonntagsbrunch beschäftigt. Und will eigentlich nur rausfinden, welche Bezeichnung das im elterlichen Keller gefundene Besteck trägt. Und schon ereilt einen eine Schreibaufforderung... Und dabei gäbe es den Text schon längst - er gefällt mir nur nicht mehr so wirklich, wie das so ist mit Texten, die zu lange irgendwo rumliegen... Neuschreiben? Überarbeiten?  Einfach ins Netz hauen?  Lasst euch überraschen. So geht es bis jetzt los:

Es war einer dieser späten Septembertage, in denen das Licht wie ein Weichzeichner über der Realität liegt...


Indian Summer Feeling

Dem Sommer nachweinen? Nein. Erst im Winter. Denn jetzt ist eigentlich die schönste Zeit des Jahres. Wenn die Tage kürzer werden, der Morgen nebelverhangen und die Blätter röter. Wenn die Natur noch mal alles zeigt, was sie hat, ehe es grau wird. Wenn das Leben bunt wird. Zwischen Lebenslust und Melancholie ist es Zeit nochmal rauszufahren. Und deshalb verrate ich jetzt einer der schönsten Indian Summer Roadtrips, die das Voralpenland zu bieten hat.

Road1_2

Ausgangspunkt ist Bad Tölz. Dahin geht es erst mal über die Garmischer Autobahn, von der wir ab dem ersten Hinweisschild abfahren - und von dort in aller Ruhe über die Dörfer.

Iasrblog

Von Tölz geht es weiter nach Lengries am besten an der Isar lang. Lengries streifen wir aber nur, denn von dort geht es in die Jachenau. Und man ist in einem wunderbaren Wandergebiet. Aber auch wer wandert, sollte nicht den Fehler machen, die gleiche Strecke zurückzufahren - und hier geht's ja eh um eine Rundfahrt... Also bleiben wir auf der Straße Richtung Wallgau und damit kommt man auf die Mautstraße am Südufer des Walchensees. Cruisen ist angesagt. Einfach entlangschleichen und schauen... Im Prinzip fahren wir jetzt einmal rund um den Walchensee.

Walchenseeblog

Zuerst das Südufer und dann unter dem Herzogstand vorbei Richtung Kochel, was ja von der Richtung schon wieder gen München zeigt. Grundsätzlich ist man jetzt auf der Bundesstraße 11, die man bis nach München durchfahren kann. Man kann den Bogen nach Bad Tölz wieder schließen oder wenn es schon später ist und irgendwann das Autofahren doch nervt von Kochel aus über die A 95 heimkehren.


24

Aber immer noch Oktober. Dennoch, es weihnachtet ganz furchtbar überall. In den Supermärkten stapeln sich schon seit geraumer Zeit die Lebkuchen. Aus der Morgenzeitung fallen die Weihnachtsprospekte entgegen. Die Frauenzeitschriften überschlagen sich schon mit Geschenketipps. Und hier häufen sich die Suchanfragen nach Weihnachtsdeko, Weihnachtsmarkt, Lebkuchen - aber mein Dauerbrenner war auch im Sommer täglich gefragt (kann mir das übrigens jemand erklären??)...


Was wollt ihr uns damit sagen?

...also haltet besser den Mund, ehe diese Ausdrücke herauskommen. Diesen Lieblingshassausdrücken schließe ich mich jetzt erst mal uneingeschränkt an. Und führe das mal weiter fort. So mit am schlimmsten finde ich Sohnemann. Da kommt mir doch jedesmal das kalte Grausen. Was soll das heissen? Gemeint ist in der Regel ein Balg, das in die Windeln kackt oder maximal noch einer, der grad das einmaleins lernt. Will man dadurch den Stolz der Nachkommenschaft hervorheben? Das Erbe. Das natürlich männlich zu sein hat. Hat schon jemand mal Tochterfrau gehört? - Nein, die bleibt Papas kleines Mädchen, auch wenn sie schon längst erwachsen ist...

Ganz furchtbar ist es auch, wenn irgendetwas winkt. Hallo hier bin ich. Dein möglicher Gewinn, deine Reise, deine Belohnung. Gerne in Gewinnspielen im Radio oder in der Lokalzeitung. Es winken Preise lalala. Wenn ich das mal tatsächlich sehe und nicht nur vor meinem inneren Auge, darf das ganze weiterwinken. Bis dahin...

Und ganz spontan möchte ich mich noch gegen einen weiteren Ausdruck wehren: dem gönnen. Was gönnen sich die Leute inzwischen nicht alles. Ein Stück Schokolade, eine Tasse Kaffee, eine Rolex (nein, nicht ich). Davon hat sich genau einer was gegönnt. Gönnen ist Luxus, ist was besonderes. Eine Kugel Eis gönne ich mir nicht, die darf ich mir kaufen. Einfach so, das ist in Ordnung. Das sprengt weder mein Budget noch meinen Ernährungsplan. Ich könnte mir vielleicht einen Eisbecher gönnen, aber damit tu ich mir auch nichts Gutes - und damit passt das Wort ebenfalls nicht. Und ich gönne es mir vielleicht, jeden Tag einen Cappuccino im Café zu trinken, wenn ich aber den heimischen oder Bürokaffeekocher dafür anschmeisse...


30 Gründe für mehr Platz

Jeansjacke - Lederjacke - Trenchcoat - Regenjacke - Barbourjacke - Mantel kurz 1 & 2 - Mantel lang - Winterjacke warm - Winterjacke gehört eigentlich in die Altkleidersammlung - Winterjacke ich kann mich nicht entscheiden ob total gut oder total furchtbar - Samtjacke 1 bis 3. Und natürlich meine neueste Errungenschaft... Plus allein 15 Paar schwarze Schuhe.

Und das von jemanden, der lange Jahre geglaubt hat, mit Jeansjacke, Lederjacke und Wintermantel sei auch frau doch prima versorgt... Für meine intellektuellen Leser: Es gibt im übrigen auch noch jede Menge Gründe in Form von Büchern.


Erntedank

Es gibt Traditionen, die dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

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Kirchweih ist eine davon. Quasi das bayerische Thanksgiving. Mit Gans oder Ente. Mit Blaukraut. Und natürlich mit der Kirchweihnudel.


Deutschland ein Servicemärchen

Abends fünf nach halb sieben in Deutschland. Im Eiltempo auf die Bäckerei zu. Ja, es brennt noch Licht. Du siehst noch die runden Laibe von genetztem Brot, die eckigen Vollkornbrote. Im Korb liegen noch Milchbrötchen und Schuberl. Ja, Glück gehabt. Du nimmst die Klinke in die Hand. Zu. Aber da steht doch noch wer und räumt auf. Du kopfst an die Tür. Du willst doch nur zwei Semmeln. Kopfschütteln drinnen. Du versuchst dich verständlich zu machen. Wieder Kopfschütteln: Kauf doch dein Brot im Supermarkt, wenn du schon zu spät kommst. So viel Brot, das da noch liegt. Wird das morgen an irgendwelche Viecher verfüttert? Wird das Knödelbrot werden? Wird es vielleicht sogar weggeworfen. Jedenfalls wird es mir nicht mehr verkauft. Selber schuld, weshalb bin ich auch fünf Minuten zu spät.


Touristen g'sehn

Nach 360 Kilometern von meiner Haustür aus kann ich den Blinker setzen: Ausfahrt Lago di Garda nord. Diesselbe Kilometerzahl kann aber auch so abgefahren werden: Von München nach Landshut quer durchs niederbayerische Land irgendwo in die letzte Ecke von Oberbayern und dann das ganze wieder zurück. Wobei eine Fahrt durch das Vilstal in goldener Oktobersonne ohne Eile sicherlich auch ein Vergnügen ist. Aber bei zunehmender Länge ohne musikalische Untermalung eher anstrengend wird, denn die musikalische Untermalung stört die Begleitung in Form eines zunehmend über Rückenbeschwerden klagenden Vaters neben einem und einer unter leichter Übelkeit leidenden Mutter auf dem Rücksitz. Und so geht es am Ende nur darum die letzten Kilometer auf der Autobahn runterzureissen während die ersten Nebelschwaden schon rund um den Flughafen auf die Straße schwabben.

Ziel des gemeinsamenn Familienausflugs war ein kleines Örtchen im deutsch-österreichischen Grenzgebiet. Ein Örtchen, das aus dem Nichts im vergangenen Jahr plötzliche Berühmtheit erlangte. Da war ein Wagner drin, sagt der Vater und stützt sich auf seinen Stock. Und dahinter der Gemüsegarten. Wenn er das Haus, in dem sein Patenonkel gelebt hatte, heute anschauen wollte, müsste er Eintritt zahlen. Aber er will nicht. Wie sonst auch niemand an diesem Tag. Der Wirt in der heruntergekommenen Wirtschaft gegenüber steht vor der Tür und raucht. Neben sich eine Auswahl von Bier aufgebaut. Ein lautes Grüß Gott schallt über die Straße kaum dass er uns als Fremde ausmacht. Wir kaufen dennoch nichts.

Freundlich sind sie ja die alten Leut auf der Straße und im Rathaus, das sich jetzt Tourismuszentrale nennt. Sie haben noch nicht genug von den Menschen, die in den letzten fast 18 Monaten in ihren kleinen Ort geströmt sind. Eher die berechtigte Angst, dass in ein paar Monaten alles wieder vorbei sein wird. Und was wird dann aus den fünf frisch eröffneten Souvenirläden? Wer soll in das neue Bistro neben dem Rathaus gehen, wenn nicht die Fremden, die wenigstens noch auf einen Kaffee bleiben, wenn sie feststellen, dass der Ortskern in zwei Minuten mehr als besichtigt ist. Das Schicksal droht in Form der  Bauruine gegenüber der Kirche, das mal ein Herrschaftshaus mit gutgehender Wirtschaft war.  Und auch der kleine Metzgerladen daneben, der vorübergehend seit dem 2. 12. 1997 geschlossen ist. Das Sterbebild des ehemaligen Besitzers hängt heute noch da.

Es ist ein trostloses Kaff da im deutsch-österreichischen Grenzgebiet. Wer in die Gegend fährt, besucht vielleicht die Burgruine in Burghausen oder die dortigen Jazztage. Oder er geht auf Wallfahrt nach Altötting. Aber im vergangenen Jahr kam die große Stunde des kleinen Ortes. Das Habeamus Papam muss den Bewohnern wie der große Jackpott vorgekommen sein. Einer von ihnen. Egal, dass der mit eineinhalb Jahren weggegangen ist oder wurde - und nie wiedergekommen ist. Wie so viele nach ihm. Aber sie sind jetzt Papst. Wenigstens etwas. Was für ein Trost.


Alles Bio oder was?

Es gibt zwei Gründe, das Radio sofort auszuschalten. Das eine ist die Heulboje mit den ach so gefühlvollen Texten - Howie (keine Hitparade ohne ihn) im Kirchenchor. Speziell von öffentlich rechtlichen Radiostationen heiss geliebt. Eine typisch deutsche Geschmacksverirrung. Das andere ist Werbung. Und speziell die ganze Geiz ist geil in allen Varianten. Wer mir nicht aller in aller Früh schon Prozente und Rabatte und Scheissdreck andrehen will. Auch das ist typisch deutsch. Blöderweise laufen die Werbungen exakt vor den Nachrichten und damit kann ich die Zeit nur dazu nutzen irgendeinen Krach mit der Kaffeekanne zu machen, weil ich bin nunmal auf morgendliche Nachrichten programmiert.

Aber nun gibt es sie endlich, die Qualitätsoffensive. Hat ja auch nur Jahre gedauert. Es sind die Bäcker, die zurückschlagen unter dem Motto "Geiz macht krank. Geschmack ist geil". Kann ich ja nur unterschreiben. Wahrscheinlich wissen viele Menschen schon gar nicht mehr, wie echtes Brot schmeckt. In wievielen Varianten es Brot in Deutschland gibt. Für sie gibt es nur noch das ewiggleich schmeckende Supermarkt-Abgepackte oder eine an jeder Ecke eine Aufbackfiliale habenden Pappe. Es gibt Viertel, auch in München, da bekommt man nichts anderes.

Bei uns im Viertel gibt's dagegen mehr Bäcker als Apotheken - und das will was heissen. Grob überschlagen könnte ich ein Jahr lang Brot essen ohne mich während der Zeit beim Kauf eines Laibes zu widerholen. Was natürlich hinfällig ist, weil man hat ja so seine Präferenzen. Aber eine stolze Zahl, die sich allein aus fünf Backstuben mit hauptsach regional und oder Bio zusammenaddiert. Natürlich gäbe es dann auch noch die An-jeder-Ecke-Filialbäcker und dann gibt's da noch eine Bäckerei...

Eine, wo man am Stehtisch noch den echten Filterkaffee trinkt und über die Politik schimpft. Ich kauf meine Brezn da ganz gern - weil's sie noch so schmeckt wie eine Brezn schmecken soll und wie sie fast nirgends mehr schmeckt. Auch der Laden hat hier im Viertel seine Berechtigung und ich hatte den Eindruck auch seine Kundschaft. Und seit neuesten hat er auch ein Wapperl draussen - über die ganze Scheibe: Bio.

Naja, gewöhnungsbedürftig sei's, meinte die Verkäuferin. Ich verkniff mir ein Lächeln. Das verging mir allerdings auch als ich das Brot am Abend selbst probierte. Und stellte mir die Frage, wieso man ein anständig konventionell hergestelltes Brot jetzt unbedingt auf Bio umstellen muss - wenn's dann komischerweise nicht mehr wirklich schmeckt. Weil's in ist? Oder bekommt der Bäcker einen Zuschuss jetzt? - Lieber Bäcker, deine Innung sagt's ja schon: Geschmack ist geil.