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November 2006

Die Tücken einer Einladung

Jetzt ist sie ja wieder da. Die Zeit der Einladungen. Als Generation 30plus (schönen Dank nochmal für diesen Ausdruck an sie weiss schon wer bzw. wüsste, wenn sie hier mitlesen würde) hat man nun allerdings eine größere Erwartung an eine Einladung als einen Kasten Bier und Pizza vom Lieferservice. Obwohl es speziell im Sommer nach wie vor Einladungen gibt mit der Vorgabe „Getränke und Essen selbst mitbringen“. Sie verdienen das Wort Einladung erst gar nicht. Zurück zur kalten Jahreszeit und der Erwartungshaltung von Gast und Gastgeber. Nun, als Gastgeber hat man's nicht immer leicht: U macht Diät – kohlehydratfrei, dafür isst E kein Fleisch und S keinen Fisch und auch sonst nicht viel, J lebt jetzt vegan und wird deshalb eh nicht mehr eingeladen, L mag ganz sicher keinen Käse, C verträgt keine Paprika und I eigentlich gar keine Gewürze, dafür würzt A alles nach – am liebsten mit Tabasco, was ich nie im Haus hab, B isst nur Vollkorn, H nur Weissbrot, D hat eine Lactoseintoleranz, F alle möglichen Allergien, G isst dagegen alles, wenn sie es vorher gekannt hat, persönlich. Es macht Spaß Gäste zu haben.

Ich bin anders. Natürlich. Mit mir hat ein Gastgeber keine Scherereien. Ich esse alles. Sagte ich auch meinem letztens zu einem Gastgeber. Da wusste ich aber auch schon, dass ich auf der sicheren Seite bin. Denn auf die Frage, ob ich gegrillten Fisch mögen würde, kann ich guten Gewissens antworten. Und dann kommt so eine Höflichkeitsfloskel einfach besser. Hätte mich der Gastgeber besser gekannt, wäre meine Antwort der Witz des Tages für ihn gewesen. Wäre er beispielsweise vor zwei Wochen mit mir essen gewesen und hätte erlebt, wie ich einen Teller mit der Begründung: Das schmeckt seifig zurückgehen ließ.

Nein, ich bin nicht heikel. Etwas wählerisch vielleicht. Und sicher nicht auf meinen Teller kommt, was jenseits der Knochen sich innerhalb eines Lebewesens befunden hat, nichts, was eine glitschige Konsistenz hat, nichts, was abgestorben in meinem Badezimmer liegt, nichts, was sich in den Wäldern getummelt hat, nichts, was ehe es auf meinen Teller kommt, sich an meinem Salat im Garten satt gefressen hat, nichts, was ein verzauberter Prinz sein könnte und nichts, das seine Haare für eine Decke schon mal hergegeben hat, während ich bei den Federn für mein Kissen großzügiger bin.
Blut möchte ich bitteschön nicht auf meinem Teller sehen, ebensowenig Fett. Setzen Sie mir gerne Gemüse vor, da unterscheide ich nur zwischen sehr gern und nicht ganz mein Fall, aber ich werde fast alles essen. Nur Oliven nicht, die können noch so gesund sein. Und Artischocken. Und Rosenkohl. Und Wirsing muss auch nicht sein.

Also grundsätzlich bin ich einfach zu bekochen. Auch wenn ich mich manchmal frage, weshalb die Menschen Dinge verarbeiten, die ja eigentlich einen Eigengeschmack haben, wenn sie den dann unter Gewürzen begraben. Nein, ich bin kein Freund von Gewürzorgien. Auch habe ich nicht so viel Angst vor Vampiren wie viele andere – anders sind sich die Knoblauchmengen nicht zu erklären. Manchmal vermute ich darunter auch abgelaufenes Fleisch aus dem Großmarkt – aber dann bin ich bösartig. Und das das gehört sich nicht, schließlich bin ich Gast.

Sie sehen, es ist ganz einfach mit mir, wenn Sie mich zum Essen einladen. Eine Bitte hätte ich allerdings noch: Servieren Sie mir keinen lieblichen oder lieblos gekauften Wein. Dabei fühle ich mich als Gast nicht wertgeschätzt. Und sollte ich mit dem Auto kommen, fände ich es ebenfalls nicht nett, wenn Sie mir ein Glas Wasser aus dem Hahn oder ein Glas Wasser aus dem Hahn reichen. Denn abgesehen von ein paar Eigenheiten, bin ich gerne Gast. Und liebenswürdiger Gast. Und ich verstehe gar nicht, weshalb keiner mehr einlädt.


Verfolgt von Farbe

Orange. Karotte, Kürbissuppe, Mandarine, Aprikose, Pfirsichsaft, Paprika (manchmal), Maracujasaftschorle.  Orangensaft. Orangenmarmelade. Orangenbäumchen. Orangenhaut. Kinder, die eine Sonne malen. Van Gogh's Sonnenblumen.


Schockzustände am Wochenende

Über die Perversität bei 18 Grad Weihnachtsplätzchen zu backen. Oder wie ich beim Betreten des elterlichen Badezimmers Augenschmerzen bekam.

Denn Verweigerungshaltung hin oder her. Die Tatsache bleibt, in vier Wochen ist Weihnachten. Und während ich es am Samstag noch bedauerte, dass meine Lieblingseisdiele schon längst tutti in Italien beim Überwintern weilt, beschäftigten sich andere Menschen schon längst mit Plätzchenbackorgien. Und der Rest mit Deko- und Kaufselbigen. Wobei ich mich dann immerhin aufgerafft habe, meine Mutter um das bestimmte Haferplätzchenrezept zu bitten (nein nicht jetzt, irgendwann mal), da der Kelch ja wohl nicht an mir vorüberziehen wird. Und weil ich schon mal da war, bin ich dann doch noch im Kerzenladen vorbei - Kerzen kann man ja glücklicherweise immer anzünden. Das geht auch statt puristisch ganz puristisch. Also Kerze. Nur Kerze.

Doch während ich noch nicht verwunden hatte, dass ausser mir und einigen werten Lesern, niemand Frühlingsgefühle hat, sondern tatsächlich im Weihnachtsfieber steckt, übermannte mich der nächste Schock, der all das in den Hintergrund treten liess.

Es ist nun mal eine Sache, die Sache mit dem guten Geschmack. Und tolerante Menschen sagen eh, über Geschmack liesse sich streiten. Nein lässt sich nicht. Hässlich bleibt hässlich. Wie also sagt man jemanden, der einen immerhin zu einem geschmackvollen Menschen erzogen hat, dass er selbst nun eine Geschmacksverirrung ersten Grades vollzogen hat?

Ich spreche nicht von irgendeiner Kleinigkeit. Nein, ich spreche von orangen Vorhängen. Gemustert. Ganz tief aus der  Mottenkiste der 70er Jahre hervorgekramt. Der Stolz jeder Berliner Hinterhofwohnung. Und jetzt hängen die da. In der niederbayerischen Doppelhaushälfte.
Wo sie schon mal hingen. Als sie noch nicht retro sondern schick waren. In einer Zeit, als man orangene, bunt gemusterte Vorhänge hatte. Schlimm genug, dass man das mal hatte. Aber es waren ja auch schon mal Leggins und Dauerwelle und Fuchsschwanz im 3er angesagt. Noch schlimmer, dass man sie immer noch hat. Was alles an alten Dingen auf dem Flohmarkt landete. Und man nicht eingreifen konnte, weil man zu jung war. Diese alten Vorhänge haben überlebt.

Und macht seine Bewohner glücklich. Weil fröhlich. Und mir Kopfschmerzen. Geht's mir weiter mit Retrocharme im Doppelhaus. Und wie sagt man's, dass man's für eine Geschmacksverirrung hält? - Ein Schockschrei. Weil die Antwort, ob das ihr Ernst sei, ist sowieso ja. Wie die Antwort, ob jemand ernsthaft bei 18 Grad die fünfte Sorte Plätzchen bäckt. Aber das wenigstens war ja nicht meine Mutter...


Weihnachtswünsche

Tafelkreiden, Winterstiefel, ein Pulli, ein Füller, ein Federmäppchen, Schlittschuhe, ein Füller, eine Puppe, ein Spiel, ein Bilderbuch...

Kinderwünsche. Ganz einfache Kinderwünsche. Und doch gibt es Kinder, die nichts zu Weihnachten bekommen würden. Und damit dem nicht so ist, gibt es die Spontane Kinderhilfe. Zusammen mit dem Kreisjugendring erfüllt sie Kinderwünsche zu Weihnachten.

Die Kinder haben Bilder gemalt, mit Dingen, die sie sich wünschen. 167 Wünsche sind es in diesem Jahr. Sie sollen erfüllt werden. Und dafür braucht die Kinderhilfe Paten, die sich ein oder mehrer Geschenke (um die 20 bis 25 Euro) aussuchen, diese kaufen, einpacken und verschenken.

Den Wunschzettel schicke ich gerne per mail weiter, leider bin ich zu doof, die Datei hier irgendwie rein zu verknüpfen.


Hallo Nachbar!

Es ist schon komisch. Es gibt Leute, die wohnen zwei Straßen weiter. Und man sieht sie nie. Nicht beim Bäcker, nicht beim Metzger, im Super- oder auf dem Wochenmarkt, nicht im Blumen- nicht im Buchladen. Nicht abends irgendwo auf ein Glas Wein.

Und es gibt die, die treffe ich zu seltsamsten Zeiten beim Bäcker, fachsimple mit ihnen im Weinladen oder an der Käsetheke, stehe mit ihnen an der sonntagnachmittäglichen Kuchenschlange nach dem Spaziergang, wo sie mir schon mal über den Weg gelaufen sind und teile mir mit ihnen abends den Platz am letzten freien Tisch im Café.

Es sind meist diejenigen, die ich auch mittags in einer Espressobar in der Innenstadt sehe, im Biergarten an der Isar, Freitag abend vor dem Kino, Samstag nachmittag in einem Möbelgeschäft und am Abend in einem Restaurant - irgendwo in der Stadt. Dabei wohnen sie neben mir.

Das alles viel mir ein, als ich am Abend in der U-Bahn Richtung Innenstadt gefahren bin. Neben mir zwei Freundinnen - beide gut zwanzig Jahre älter als ich. Und einige Stunden später stiegen sie wieder ein in die U-Bahn. Wie ich auf dem Heimweg. Ich hatte sie noch nie zuvor gesehen, aber ich könnte wetten: das nächste mal im Bio-Laden...


Rede und andere Freiheiten

Grundsätzlich darf hier jeder alles sagen. Grundsätzlich. Mit Einschränkungen. Radikalpolitische Parolen sind hier unerwünscht. Beleidigungen ebenfalls. Aber das nur am Rande, denn bis jetzt hat noch niemand versucht, diese Seite in dieser Hinsicht zu missbrauchen. Und ich selbst habe im Gegenzug mich auch bemüht, niemanden, den ich hier nicht haben möchte, eine Steilvorlage zu liefern. Soweit zu gut so klar.

Ebenfalls unerwünscht ist Werbung. Ich habe mich für einen Bloganbieter entschlossen, bei dem ich werbefrei schreiben kann. Dafür zahle ich auch. Und das ist es mir wert. Sollte ich ein Buch, ein Projekt, ein Produkt, eine Seite im Netz so grandios finden, dass ich sie bewerben wollte, ist es meine Freiheit, dies zu tun. Wer die Kommentarfunktion allerdings für ebendies nützt, fliegt hier raus. Kommentare können gekürzt oder gelöscht werden. Insbesondere wenn ich sehe, dass jemand nach einem bestimmten Thema gegoogelt hat, um dann hier einen Link zu setzen. Das nennt man Spam.

Kein Spam wäre es, wenn Herr Albertsen hier erzählen würde, dass es seine Geschichten jetzt auch als Buch gibt. Aber das tut er ja nicht. Darum tu's ich.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

edit: und ehe hier noch mehr Missverständnisse entstehen - Freunde des Hauses dürfen natürlich hier linken. Zu ihren Texten, zu ihren Bildern oder wohin auch immer. Sollte ich einen dieser Links hier nicht haben wollen, lösche ich ihn. Das ist dann nichts persönliches. Ich möchte keinen kommentierenden Leser hier an... maulen, ich wollte manche Dinge nur grundsätzlich gesagt haben. Und gerade das gegoogel und dann Links zu kommerziellen Seiten setzen, passierte hier in letzter Zeit öfter...


Nahrung für die Seele

Worunter man ja gemeinhin Musik, Malerei Literatur, Poesie und ähnlichen intellektuellen Blödsinn versteht. Ich rede von Essen. Und dabei ist es erstaunlicherweise genau umgekehrt, statt erhabenen Gefühlen gibt's als Seelennahrung meistens Junk Food. Ich brauch das jetzt - und trotzig schieben sich die meisten den dicken Burger, die fetten Fritten, die Tüte Chips, die Familientafel Schokolade oder den Megakübel Eis rein. Vorgemacht von unzähligen Serien - und gerade Frauen glauben ja anscheinend jeden Blödsinn, Loreley macht's ja auch. Aber die wird erstaunlicherweise auch nicht fett dabei. Gründe gibt's ja viele. Der Typ hat nicht angerufen, der Typ geht lieber zum Schafkopfen als in die Oper, er ist grantig, er liebt mich nicht, keiner liebt mich! Die Mutter nervt. Die Kinder nerven. Der Chef nervt. Ich nerv mich selbst. Es ist Vollmond, es ist Neumond. Es ist November, Dezember, Januar, Februar... Es regnet. Es ist kalt. Es ist PMS-Alarm. Es zwickt der Eisprung. Und überhaupt es ist Montag.

Also her mit Fettzeug, Zucker, Kalorien. Und dann wundern, dass die Laune auch nicht besser wird. Im Gegenteil. Je mehr man aufgeht wie ein Hefekloß.

Und dabei kann Essen doch durchaus so etwas tröstliches haben. Die Suppe, die einen Mutter früher gekocht hat, als man krank war. Der selbstgemachte Pudding. Die heisse Schokolade an kalten Sonntag nachmittagen. Der Apfelstrudel Freitag mittag.

Und Pfannkuchen.

Pfannkuchen sind für mich der Inbegriff der Seelennahrung. Mit Zucker, mit Marmelade. Pfannkuchen gefüllt mit Gemüse. Pfannkuchensuppe. Pfannkuchen in der Milch. Egal in welcher Form, sie verbreiten ein wohliges Gefühl. Um so erschreckender finde ich es, dass viele Menschen heute keine Pfannkuchen mehr machen können. Die kaufen dann für vier Euro ein Crepe auf dem Weihnachtsmarkt. Oder Pfannkuchenteigfertigmischungen. Also die Geschäftsidee, Mehl in kleinen Tütchen abgepackt extra teuer zu verkaufen (bitte fügen Sie Milch zu, die Eier sind schon drin, in welcher Form will man sich eigentlich gar nicht vorstellen), ist eigentlich genial. Hätte ich mal draufkommen sollen.

Auf jeden Fall habe ich heute Pfannkuchen gebacken. Und Suppe gekocht. Man muss auch nicht krank sein. Schmeckt auch so. Slow food statt junkfood. Es gibt Menschen, die sehen es nicht ein, für einen Teller Suppe eineinhalb Stunden in der Küche. Denen sei gesagt: So eine vor sich hin köchelnde Suppe hat etwas ungemein meditatives.

Guten Appetit, was immer Sie jetzt essen werden.


Das Leben ist ein Wunschkonzert

Wenn jetzt schon stille Leser anfangen zu meckern... Also jetzt mal an sich gesprochen: Das ist übrigens gar nicht nett. Zuspruch wäre die angemessene Reaktion. Und ausserdem, wenn niemand auf lange Geschichten reagiert, kann er auch nicht erwarten, dass hier jeden Tag große Erzählungen veröffentlicht werden. Wobei das hier beileibe keine Publikumsbeschimpfung werden soll, liebe zusprechende treue Leser...

Ich trete gerade tief ein in den Novemberblues: mehr Blues als Jazz und Pop geht grad gar nicht. Auf dem Nachttisch liegen die Erzählungen von Stefan Zweig und auf dem Bett die zweite Decke. Gemüse statt Salat und Rot- statt Weisswein und natürlich dicke Soßen. Gedanken über Wintermenüs. Und Kuchenrezepte. Und Tee aus der großen Tasse.

Und wenn sich dann die Tristess in dieses Moleskin hineinschleicht wie der Herbstnebel am Abend, dann lasst euch einfach mit mir treiben von Note zur Note im Blues. Man kann mir aber auch den ein oder anderen Gedanken zuwerfen, worüber ich dann elaborieren, philosophieren oder mich echauffieren könnte...


Keine gute Nachbarschaft

Der Immobilienmarkt in München treibt schon seltsame Blüten. So traf ich schon mal auf eine Verkaufsmaklerin mit ganz eigenartigem Sinn für Humor: Man stand vor dem Modell und versuchte sich dieses Puppenhaus auf Realgröße hochgezogen vorzustellen, als plötzlich meine linke Augenbraue nach oben schnellte und unter dem Haaransatz verschwand. Stand da ein männliches Figürchen mit lüftenden Bademantel vor einem noch kleineren Figürchen - "Ja, das ist unser Exhibitionist. Hi, hi." Das Bauprojekt war im Prinzip in diesem Moment für mich gestorben. Aber manche scheinen sowas zu brauchen, sonst wäre ich heute nicht über eine Anzeige gestolpert: 140 qm an der Münchner Freiheit, Haudamenservice inclusive...


Zugegeben, ich bin eine Zicke...

Was dem aufmerksamen Leser eh nicht verborgen geblieben ist und was ja an sich auch nicht so problematisch ist, wie Insasse einer Heilanstalt zu sein. Als Zicke hat man es allerdings nicht immer leicht im Leben und so arbeite ich seit geraumer Zeit an dem Projekt "liebenswürdige Zicke". Wobei ich natürlich behaupten würde, dies schon immer gewesen zu sein. Was aber von dem ständigen Begleiter vehement bestritten wird. Und so kam dann doch immer wieder der uncharmante Hinweis, ich sei jetzt aber uncharmant. Bevorzugt in Momenten, da das Höflichkeitsgrün meiner Umgebung noch freie Fahrt anzeigte. Dass eine solche Bemerkung nach einer ganz kurzen Gelbphase die Ampel sofort auf Rot wie Zickenalarm umschlägt, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Leid der ständigen Diskussionen und auch der Tatsache, dass man es als Zicke doch wirklich nicht einfach hat, arbeite ich nun an meinem Tonfall.

Frau B.'s Charmeoffensive. Ist natürlich für die Katz. Der von mir so beklagte Service in deutschen Landen wird davon keinen Millimeter besser. Erst letzte Woche ließ mich eine Kosmetikfachverkäuferin mitten in einem Beratungsgespräch stehen, um sich einer anderen Kundin zu widmen, die statt viel Geld richtig viel Geld für einen Tigel Jugendlichkeit auszugeben bereit war. Dunkelrot. Von jetzt auf gleich.

Aber es gibt auch die Situationen, in denen mein Tonfall eher schnurrend ist als zickig. So gestern abend. Das Lokal nett, der Hunger groß, die Begleitung reizend. Die Bedienung beschäftigt. Mit vielen Dingen, nur nicht mit dem Aufnehmen meiner Bestellung. Entfernt blinkte ein gelbes Signal. Aber ich war ja sowas von entspannt höflich. Und ich blieb entspannt höflich. Den ganzen Abend. Sogar als die Rechnung kam und ich sah, dass man einen Aperetiv für 9 Euro serviert hatte und einen Wein empfohlen... Ohne eine Getränkekarte gereicht zu haben. Aber ich war ja sowas von entspannt, mit gutem Essen gefüttert, in einem schönen Raum sitzend, mit reizender Begleitung und der Wein war ja auch gut gewesen. Und dennoch fand ich es erwähnenswert, dass man eine Flasche Wein für 50 Euro empfohlen hatte. Als einzige Empfehlung wohlgemerkt, trotz Nachfrage meinerseits nach einem anderen Wein. Ohne eine Weinkarte vorzulegen. Sehr charmant erwähnte ich also diese Tatsache, auch nicht mehr als als Tatsachenfeststellung.

Und stellte fest, dass ich nicht die einzige Zicke bin. Wobei Zicken im Zweifelsfall eher das Terrain des Gastes als der Servicekraft sein sollte. Das sei der Stil des Hauses, war nämlich die Antwort. Stil des Hauses also. Aha. Nur dumm, dass der Begleiter während er die Kreditkartenabrechnung unterschrieb mehr damit beschäftigt war auf meinen Tonfall zu achten (charmant höflich!) denn auf das Feld mit der Trinkgeldangabe. Es viel ihm erst auf, als wir das Lokal schon verlassen hatten. Beinahe hätte er umgedreht, um diesen Fauxpaux zu begleichen. Denn Stillosigkeit ist eigentlich nicht sein Stil.


Gestatten, mein Name ist Monk

Und deshalb ist wahrscheinlich der letzte Platz, an dem man mich antreffen wird, ein Solarium. Irgendwann war ja Leichenblässe auch mal schick. Ist zwar schon über 100 Jahre her, aber ich bin eh ein Verfechter der Zeitlosigkeit. Nicht dass ich vor irgendwelchen Strahlen Angst hätte. Nein, ich habe schlicht und ergreifend Platzangst. Und so ein Solarium erinnert mich einfach nun mal an einen Sarg, der so über einen zugeht und mich darin lebendig begräbt. Selbiges führt auch dazu, dass man mich in den seltendsten Fällen in Menschenmassen antreffen wird. Mir wird es ganz schnell irgendwo zu voll. Freiwillig betrete ich auch selten eine Leiter, Glasaufzüge, überfüllte U-Bahnen, die Fußgängerzone im Vorweihnachtsrausch, Konzertarenen, ein Zeltschiff auf der Wiesn, Achterbahnen, Geisterbahnen, Labyrinte, Bergwerke...

Und über sonstige Spleens schweige ich mich an dieser Stelle aus, sonst haltet ihr mich eh alle für durchgeknallt.