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Januar 2007

Früher hat man es Pranger genannt

Das Recht am eigenen Bild ist ja inzwischen hinfällig. Und keinen scheint es zu stören. Eitelkeit geht bei den meisten Menschen anscheinend eindeutig über den Verstand. Statt die letzten Reste von Privatheit zu wahren und sich gegen die ungebetene Darstellung in der Öffentlichkeit zu wehren, lächelt jeder brav in jede Kamera, die sich ihm so bietet. Ohne zu ahnen, wo sein Bild demnächst auftaucht. Und ich rede beileibe nicht nur von Blogs und Flickr. Die ja die bösen sind. Und keine Ahnung haben. Die Untergrabung von Persönlichkeitsrechten findet auf vielen Ebenen statt. Und gerne auch bei Zeitungen, die die Menschen ins Internet ziehen wollen und das dann mittels Fotos machen.

So wie die Zeitung meiner alten Heimat. Da gehen die im Netz auffindbaren Bildergalerien bis 2002 zurück. Impressionen aller möglichen Veranstaltungen. Und da man die Bilder auch verkaufen möchte, sind es in der Regel Portraitaufnahmen.

So können solche Bilder ja durchaus aufschlussreich sein. Es wird einem beispielsweise schlagartig klar, weshalb jemand einen bestimmten Job bekommen hat ohne dafür qualifiziert zu sein. An dieser Stelle auch der Tipp an Freundin X, die sich regelmäßig fragt, weshalb die Aufträge immer an Y gehen: Schau dir doch mal die Homepage des Golfclubs/Tennisvereins etc des Auftraggebers an. Meistens finden sich da schöne Fotos der letzten Sommerfeste. Für alle zugänglich.

Jetzt kann ich ja da noch vielleicht sagen: He, lass doch bitte mein Foto raus. Aber dann gelte ich als verschroben. Als jemand der was zu verbergen hätte. Und da wäre doch nichts dabei und wahrscheinlich denke ich mir selbst nicht mal was. Aber keine Homepage ist privat. Und in der Regel wird kein eigener Mitgliederbereich eingerichtet. Passwortgeschützt. Und dabei wäre es so einfach.

Zurück zu den Zeitungen: Was ist mit den Bildergalerien, die im Netz veröffentlicht werden? Muss ich bei jeder Veranstaltung inzwischen damit rechnen, meine Fresse hochauflöslich und für jeden identifizierbar im Netz zu finden? Gut, Pressefotografen sprangen auch früher da rum. Aber dann gab es ein Schaufoto und ein zwei Großkopferte, die ja eh auf Veranstaltungen nur gehen, damit jeder danach weiss, dass sie da waren, im Portrait. Und alles landete am übernächsten Tag im Altpapier. Heute finde ich das noch nach Jahren. Ist das jetzt presserechtlich in Ordnung? Meiner Ansicht nach: Nein.

Aber vielleicht sieht die Presse das ja auch anders. So hat sich der Bayerische Journalistenverband beschwert, dass letzte Woche bei der Siemens-Hauptversammlung ein Fotoverbot erlassen wurde - zum Schutz der Aktionäre. Und auch da gilt: Wen geht das was an? Muss mein Chef wissen, dass ich Aktionär bin? Meine Nachbarn? Nein, das ist privat!

Und ob Hauptversammlungen, Sommerfeste, sonstige Veranstaltungen. Jeder hat das Recht auf Privatheit - auch und gerade im Netz.


Korrektur

Bitte hier den vorletzten Satz in "inzwischen auch" umschreiben. Oder was soll ich unter einem Massagesalon nur für Männer bitte verstehen? Merke: das ganze nicht am Glockenbach sondern in einer sehr grünen auch gerne von Familien bewohnten Gegend. Mit Naherholungsgebiet für Papi nebenan.


Münchner Monopoly - neues Spiel - neues Glück

Wenn die Theorie stimmt, dass ich aus genau einem Grund keine Wohnung in dieser schönen Stadt finde, nämlich weil mir sonst der Schreibstoff ausginge, dann hakt es an der Praxis: Ich habe schon lange nicht mehr über die Höhen und Tiefen des Münchner Wohnungsmarktes geschrieben. Und dabei liegen die Geschichten ja geradezu auf der Straße, naja auch in den Wohnungen oder so. Zur Wiedereinstimmung verehrte Leser auf dieses unerschöpfliche Thema ein kleiner Dialog mit einem von mir so unglaublich geschätzten Makler:

Frau B.: Also, die Wohnung liegt im ersten Stock. Und was befindet sich darunter? Die Standartfragen haben sich ja mit der Zeit erweitert. Eine Kneipe?
Makler (empört): Nein, natürlich nicht. Zwei kleine Läden sind im Erdgeschoss.
Frau B.: Wie schön! Und was für Läden?
Makler: Ein Pizzaservice.


Nachbarschaftshilfe

So richtig Kontakt gibt es in diesem Haus nicht. Also nicht das, was so gemeinhin als gute Hausgemeinschaft beschrieben wird. Keine rauschenden Hoffeste. Es gibt sogar Menschen in diesem Haus, die ich gar nicht kenne. Was dann schon seltsam ist, da es sich beileibe um keinen Wohnblock handelt. Wäre schon ganz übersichtlich. Und so grob wissen, ob Menschen, die dir im Hausflur begegnen hier auch wohnen, fände ich jetzt nicht verkehrt. Aber wer auch immer hier in den letzten Jahren eingezogen ist, hat es in den allerseltendsten Fällen für nötig befunden im Hausflur mal zu sagen: Hallo. Ich bin. Ich wohne jetzt ober/unter/neben Ihnen.

Was dann durchaus zu unterlassener Hilfeleistung führt. Aber das hatte noch einen anderen Grund, nämlich meinen Freund J. Die Menschen sind ja so sorglos, jault Freund J. Immer wieder. Und immer gern zu seinem Lieblingsthema: Netzschutz. Also hat er sich hingesetzt und mein Netz geschützt. Vor bösen Menschen, die meinen Computer hacken könnten. Ich frag mich ja, was er gesagt hätte, hätte ich letztens ja gesagt. Da stand nämlich eine junge Frau vor meiner Tür: Hallo ich bin. Ich wohne jetzt für einige Monate bei Frau X. Hab ich mich doch glatt gefreut. Schön, Sie kennenzulernen. Aber es ging weiter: Darf ich mich in der Zeit über ihr Wlan einloggen? - Wie mein Wlan? Man kommt da rein? Hat J. versagt? - Nein, ich müsste es ihr natürlich freigeben.

Wie gut habe ich sie verstanden. Also ihr Anliegen. Aber J. reisst mir den Kopf ab. Vielleicht hätte ich ja mit J. gesprochen, ob's da eine Möglichkeit gibt. Aber Frau X., das ist doch die, die letztes Jahr hier eingezogen ist. Die, die seitdem nicht einmal im Flur zurückgegrüßt hat. Keine Ahnung ob die Mitbewohnerin von Frau X. inzwischen ein offenes Netz gefunden hat. Das Netzwerk Hausgemeinschaft jedenfall hat nicht funktioniert. Weil nicht existent.


Saturday night

Fever? Gestern abend also im Privée. Die Protagonisten des Abends: Clubbesitzer Roman, der gewohnt privat - äh, sehr privat wurde. Ex-Viva-Legende und Priveé-DJ Nilzenburger, der nicht mit rohen Eiern beworfen, dafür aber angerotzt wurde. Der an seinem Legendenstatusarbeitende MC Winkel, der dennoch keinen Hattrick geschafft hat. Freund des Hauses und bis dato größter Bloglesungskritiker Dr.Sno*, der Fußball und Fengshui hasst. Und jetzt.de-Stipendiatin Rose, die auch nicht einfach heimgehen kann, wenn der Abend furchtbar ist. Hysterische Groupies blieben aus oder ich habe sie nicht gesehen. Dafür waren laut Anmoderation zwei Literaturkritiker geladen, die aber auch nicht in Erscheidung traten.

Erkenntnis 1: Ich bin alt. Clubleben ist nicht mehr so meine Sache. Zwar habe ich mir die Kleiderschrank-Krise erspart, aber nur, weil ich altbewährt, wie ja denn Frau Kaltmamsell ebenso sagte: Im Zweifelsfall immer schwarz. Nein, jenseits der Stylingfragen finde ich es einfach gar nicht mehr cool, mich schreiend mit jemanden zu unterhalten, um dann doch nur die Hälfte zu verstehen. Und dabei war ja der ein oder andere anwesend, mit dem ich bei der After-Show-Party gern mal ein bisschen geplaudert hätte. Oder es auch versucht habe...  Lärm ist nicht kommunikationsfördernd und ich beziehe mich da nicht aufs Aufreissen wie MC. Als dann um 12 ein Geburtstagsständchen zum 21. für jemanden gegrölt wurde, wusste ich, es ist Zeit für mich zu gehen. Und da war ich abgesehen von den Protagonisten des Abends glaub ich schon fast die letzte der Zuhörer.

Erkenntnis 2: Ich bin alt. Dass er bei mir punkten wollte, hab ich nicht bemerkt.

Erkenntnis 3: Ich bin alt. Roses Lebensgefühl ist von meinem so weit entfernt, dass ich mir wie meine eigene Großmutter vorkomme.

Erkenntnis 4: Die anderen sind auch nicht jünger. MC schwelgte in 80er Jahre Erinnerungen. Nils findet chillen ebenso affig wie ich. Und Sno* muss sich inzwischen mit Auszubildenden mit gruppenfördernden Ideen rumschlagen.

Fazit: Samstag abend hiess in unserer Jugend der Club noch Disse. Soviel also zum Alter. Und heute ziehen die meisten der Zuhörer eine Bar mit dezentem Sound der Party vor. Und das fand auch niemand schlimm. So viel also zum frühen Ende des Abends. Denn so ein Samstag abend hätte schon länger gehen können. Hatte das Entertainment zum Einstieg doch immerhin für gute Laune gesorgt.


Wet wet wet

Wer kann, bleibt daheim hinter dem warmen Ofen. Obwohl eigentlich kalt ist es ja nicht. Nur du, du läufst draussen rum und fragst dich, warum du deinen Termin nicht wetterbedingt abgesagt hast. Aber du wolltest ja nicht mädchenhaft erscheinen. Der Wind peitscht dir den Regen ins Gesicht. Ein Schirm ist ja wohl eher ein schlechter Witz an diesem Tag - und schlechte Witze magst du eh nicht. Wieder daheim schüttelst du dich wie eine nasse Katze und rollst dich auf dem Sofa ein. Auch der Termin war für die Katz.


Sturm in Bayern

Was für ein Tag. Draussen tobt es. Unheilvoll. Und diese Weltuntergangsstimmung sucht ER sich aus, um seinen Rücktritt zu verkünden. Wie passend. Sein Untergang. Der Untergang des Bayernlandes wie wir es immer gekannt haben? Dabei rüsten in der Arena die Gladiatoren zum Kampf um die Cäsarenkrone. Meine Herren, wir sind hier nicht im alten Rom sondern in Altbayern. Maßkrüge und Schafkopfkarten sollten ihre Waffen sein. Wenn schon nicht der Verstand. Löwen in Form von Schmierblätterjournalisten aufeinander loszulassen ist eher unangemessen. So ist zwar einer mal an die Macht gekommen... Der Bürger wird derweil des Sturmes, also des realen, wegen privat. Man bleibt daheim. Und trinkt mit der Nachbarin einen Tee. Was man sonst nie macht. Aber heute ist eh ein Ausnahmetag.


Leih und andere Gaben

Kann man Bücher wegwerfen? Verehrter Leser, man kann. Nun lese ich gern, nun lese ich viel. Diese Wohnung ist voller Bücher. Und sie wäre noch voller, wenn ich nicht vor einigen Jahren radikal ausgemistet hätte und seitdem bei weitem nicht jedes Buch, das seinen Weg in diese Wohnung gefunden hat, darin ein lebenslanges Asylrecht bekommt.

Nun gibt es Menschen, für die ist jede geschriebene Zeile, die auch noch gedruckt und veröffentlicht wurde, etwas heiliges. Etwas, das man aufheben muss. Nur gedruckt ist halt auch nicht immer ein Qualitätsmerkmal. Und muss ich jeden Schund aufheben?

Es gibt einen Unterschied zwischen Büchern und Büchern. Antiquarische Bücher, besondere Ausgaben, die weniger zum Lesen denn zur Freude des Besitzes besessen werden. Schmuckbücher quasi. Bücher, die man erworben hat, gerne gelesen - vielleicht irgendwann wieder lesen möchte. Bücher, die bleiben. Und Bücher, die man vielleicht sogar gekauft hat, vielleicht geschenkt bekommen hat, vielleicht sogar gern gelesen - aber dann ist es auch gut. Die Bücher müssen weg.

Die eleganteste Lösung ist natürlich weitergeben. Die Freundin freut sich auch über leichte Lektüre im Sommer am See oder im Winter in der Badewanne. Ich mich übrigens auch. Aber mit dem Austausch ist es so eine Sache, denn wie gesagt, es gibt Menschen, die jede Art von Gedruckten aufbewahren. Was mich dennoch nicht daran hindert, regelmäßig einen Stapel davon aus meiner Wohnung zu tragen.

Und so gibt es zwei Sätze. Der eine: das ist keine Leihgabe, ich will das nicht wieder sehen (mach was du willst damit). Und der andere: Das ist nur geliehen - gib es mir ja wieder zurück!! Denn so gern ich Bücher verschenke, es gibt nichts schlimmeres, als sie zu verleihen. Nämlich die, die ich mag, die ich weiterhin besitzen will. Denn zuviele davon sind auf Nimmerwiedersehen zu einem neuen Besitzer übergegangen. Und grundsätzlich glaube ich nicht, dass das Buch an sich ein untreues Wesen wäre. Und deshalb verleihe ich auch nur noch ausgewählt. Und an Menschen, die das, was ich mag, auch pfleglich behandeln.

Gerade wollte eine Freundin eines meiner Lieblingsbücher ausleihen. Es ist nicht mal eine besondere Ausgabe. Aber es geht nicht, dass dieses Buch meine Wohnung verlässt. Ich schenk es ihr. Denn es gibt auch Bücher, die muss man besitzen...


Katharsis im 21. Jahrhundert

Brauchte es bei den alten Griechen noch einen Theaterbesuch, um den Reinigungseffekt der Seele zu erzielen, hat es das einfache Gemüt heute wesentlich einfacher und setzt sich vor den Fernseher, um sich berieseln zu lassen. Komplexer und damit wirkungsvoller ist das Teilnehmen an wahren menschlichen Tragödien. Helfen Sie jemanden beim Umzug.

Was so einfach klingt, ist ja inzwischen kompliziert. Sie werden kaum Chancen haben, jemanden zu helfen, da die meisten von uns inzwischen nicht mehr mit Golf & Kleinlaster und allen Freunden von einer Kleinstwohnung in die nächste ziehen. Die Wohnungen sind im Laufe der Jahre größer geworden und damit die Jahre, die man darin verbringt mehr. Ja, inzwischen gibt es Menschen, die eine oder mehr Dekaden in ein und derselben Wohnung verbringen. Und die große leere Wohnung, in die man einmal eingezogen ist, hat sich auf wundersame Weise gefüllt - bis eine noch größere Wohnung her muss.

Eigentumsvermehrung, Statuswachstum und Wohnungsgröße haben natürlich zur Folge, dass die meisten Menschen einen Standortwechsel nicht mehr ohne fremde sprich professionelle Hilfe schaffen. Und damit die Chancen des Freundeskreises ihnen zu helfen, gesunken sind. So wissen die meisten von uns gar nicht mehr, wie sich so ein Umzug denn anfühlt. Nun gibt es aber auch diejenigen, die sagen, das machen wir allein. Für was haben wir denn Freunde? Hatten.

So wie meine liebe Freundin, zu der ich am Vornachmittag des Umzugs kam - von einem Haus ins andere sollte es gehen - und es war nichts gepackt. Nichts. Nada. Niente. Nur die leeren Kartons lehnten an der Wand. Nur zwanzig Jahre schützen einen vor sofortigen Aufkündigen der Freundschaft in solchen Fällen. Der Umzug fand übrigens wie geplant statt - währendessen wurde noch weiter eingepackt.

Und einpacken ist ja auch so eine Sache. Da bekommt man Einblicke in die Psyche von Menschen, die man gar nicht haben will. Wenn man so sieht, wie jeder Schrott, der sich so angesammelt hat über die Jahre von einem Domizil ins andere wandert.

Und du dich dann unwillkürlich fragst, was sich denn in deinen eigenen Schränken so noch verbirgt. Und so stand ich da. Im Garten blühte der Kirschbaum und ein kleines Bienchen flog eine Blüte an (diesen Samstag! Ungelogen!) und verdaute den Schock über den Inhalt diverser Schränke. Derweil die durch den Schockzustand hervorgerufene Reinigung sich breit machte und gute Vorsätze reifen ließ: Es ist Zeit für einen Frühjahrsputz. Jetzt geh ich blaue Säcke kaufen.


Shoppen und...

...nicht, was Sie jetzt schon wieder denken. Einfach vom Shoppen.

Ja, ich gehe gerne einkaufen. Dieses Einkaufen, das man so gemeinhin als Shopping bezeichnet. Denn einkaufen selbst meint doch eher das Einkaufen von Lebensmitteln oder ähnlichen Mitteln zum Leben. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass auch Kleidung zu den Mitteln zum Leben gehört. Aber das ist ja wohl für alle ausser Mode- Pardon Fashionjunkies übertrieben. Also reden wir vom Shoppen. Vom lustvollen. Meistens. Manchmal. Nie.

Das Lustprinzip stellt sich eben dann ein, wenn es draussen wie drinnen weder zu warm noch zu kalt ist. Milde 18 bis 20 Grad. Man trägt keinen warmen Mantel und stirbt deshalb auch nicht an einem Hitzeschlag beim Betreten eines Geschäfts, das ja grundsätzlich auf Verkäuferinnen im Shirt eingestellt ist.

Die zweite Grundvorraussetzung für das Einstellen des Lustprinzips ist, nichts zu brauchen. Also aus Lust, nicht aus Zwang eben diese Geschäfte zu betreten. Nur das Gefühl, diese Aktion jederzeit abbrechen zu können und im nächsten Buchladen zu stöbern oder sich ins nächste Café zu setzen, macht einen frei, etwas zu kaufen.

Denn nichts ist weniger lustfördernd als mit dem Gefühl loszuziehen: Ich brauche... egal ob Mantel (und sagen Sie jetzt nicht, ich bräuchte keinen Mantel mehr), Hosenanzug - ja und selbst Schuhe kaufen macht dann keinen Spaß mehr.

Also ich brauche nichts. Gar nichts. Mein Kleiderschrank ist perfekt. Es gibt keinen Anlass, der ein neues Kleid fordern würde. Nein, das alte Kleid ist perfekt. Wenn das Mantra begonnen hat zu wirken, gehe ich nochmal los...


Hideaway

In diesen Tagen zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn. In diesen Tagen, die nur Tage waren, mir aber wie Wochen vorkamen, hab ich mich vor der Welt versteckt. An einem Platz im Salzkammergut. Und es mag an diesem verwunschenen Ort gelegen haben, dass die Zeit stillgestanden ist.

Wolfgangsee


Frau B. hinter dem Spiegel

Auf dem Boden noch ein paar verstreute Tannennadeln. Auf dem Tisch noch ein paar Kugeln, von denen du nicht weisst, wo du die leere Schachtel hingetan hast. Daneben noch die Dose mit den letzten Weihnachtsplätzchen. Und in der Ecke, verschämt, die traurigen Überreste von dem, was einmal ein Adventskranz war. Und du machst das Fenster auf und willst es gar nicht reflexartig wieder zumachen, denn das, was da hereinkommt ist so mild, dass du dich unwillkürlich fragst, ob du nicht nur ein paar Tage weg warst. Vielleicht warst du ja ein paar Wochen verschwunden, hinter dem Spiegel, während in der Realität die Zeit weiterging und jetzt schon fast Frühling ist.


Jetzt also 2007

Was soll man schon von einem Jahr erwarten, das man mit roter Nase statt roten Lippen begrüßt – und einer Nacht in der es scheißegal ist, ob du jetzt neue rote Unterwäsche hast, weil du Bazillenschleuder eh allein im Oma-Nachthemd im Bett liegst, während der Begleiter auf die Gästecouch ausgewandert ist.

Aber der Reihe nach: Ich habe den Jahreswechsel noch nie gemocht. Das fing schon als Kind an. Was maßgeblich daran lag, dass mein Vater den Jahreswechsel ebenfalls nicht mochte und zu feiern geweigert hat. Eine verständliche Angelegenheit, wenn man bedenkt, dass ein Silvesterabend war, an dem seine Mutter starb – und die Böllerschüsse einen Jahr für Jahr diese Situation wieder neu erleben lassen. Erst im Laufe der Jahre habe ich erfahren, dass in anderen Familien dieser Abend mit Fondue, Bleigießen und Gesellschaftsspielen verbracht wird. So vergingen die Jahre etwas unspektakulär. Bis zu jenem Jahr, an dem ich zum ersten Mal ungehindert hätte ausgehen können. Ich glaube, da hatte ich mich zum ersten Mal auf den Abend gefreut. Bis mir derjenige, mit dem ich – rote Unterwäsche hin oder her – ins neue Jahr v... wollte, eröffnete, lieber mit Mami auf der Couch zu sitzen als mit mir auf einem Autorücksitz. Und weil wir gerade dabei wären, wäre es sowieso eine Wahnsinnsidee im neuen Jahr getrennte Wege zu gehen. Das war am Morgen des 31. - den Abend verbrachte ich danach mal wieder mit meinen Eltern. Beziehungsweise heulend auf meinem Zimmer. Damals gab es noch keine funktionierenden Frauennetzwerke. Selbstverständlich verbrachte jede meiner Freundinnen den Jahreswechsel mit ihrem Freund allein oder mit seiner Clique.

Was bei mir dazu führte, die nächsten Jahre mit wechselnden Menschen auf wechselnden Festen zu feiern. Eher sentimental. Nie wirklich gut gelaunt. Bis ich erkannt hatte, ich war inzwischen auch schon Mitte 20, die einzige Möglichkeit, diesen Abend erträglich zu gestalten, war, diejenigen, die ich mag, um mich zu versammeln. Sprich: selbst einzuladen. Es wurde eine Konstante. Eine schöne Konstante.

Nur, was machst du, wenn deine Nase plötzlich zu, dein Kopf in Watte gepackt ist. Und das letzte, was dir noch in den Sinn kommt, ist eine strahlende Gastgeberin zu sein. Vielleicht könnte man ein Kostümfest daraus machen? Alle kommen in Hausmantel und Zipfelmütze? Aber so einfach absagen, wenn es Sonntag ist, der Kühlschrank befreundeter Menschen leer, während deiner überfüllt ist?

Zumindest funktionieren inzwischen die Netzwerke. Und das ganze lässt sich in eine andere Wohnung verlegen. Und jemand anderer bereitet mit deinen Einkäufen ein Fest, so dass du wenigstens ein bisschen Gast auf deiner eigenen Einladung sein kannst.

Und so bleibt die Frage, was wird das für ein Jahr werden, in dem du schon zu Beginn die Nase voll hast? Aber auch weisst, dass du Freunde hast.

Ich wünsche allen Lesern ein gesundes 2007.