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April 2007

Freunde fürs Leben

Lange habe ich Makler für einen bestimmten Typus von Menschen gehalten. Und ich habe nichts von ihnen gehalten. Doch im Laufe der Zeit, stellt man fest: Es gibt derer verschiedene. Und es gibt natürlich auch den seriösen, der nur seinen Job gut machen möchte und dafür ja dann auch gutes Geld bekommt. Aber von dem reden wir jetzt nicht. Reden wir von anderen. Ok, halten wir fest: Es gibt noch einen Typus, den ich noch mehr verabscheue als denjenigen, der mir mit seinem Porsche auf dem Gehsteig vor dem zu besichtigenden Objekt beinahe über den Fuß fährt, wenn ich gerade vom Rad steige. Noch schlimmer ist ihr Pedant: die Makler-Jobber. - Die Neueinsteiger in das Geschäft, die sich für schlechtes Geld, sie arbeiten ja schließlich für einen Porsche-Fahrer, von Objekt zu Objekt quälen.

Und das offensichtlich hassen. Wie sie auch die Menschen hassen, auf die sie dort treffen. Denn die, ihre Kunden, haben etwas oder wollen etwas haben, das sie selbst sich gar nicht leisten können. Und so stehen sie da, schlecht gekleidet, treffen auf Menschen, gut gekleidet, die sich gerade ernsthaft überlegen, viel Geld in die Hand zu nehmen. Und von diesem vielen Geld geht dann nochmal viel Geld an ihren Chef. Nicht an sie. Ganz offensichtlich nicht, denn sonst müssten sie ja nicht U-Bahn fahren und auch nicht in schlecht sitzenden Klamotten rum laufen.

Wie kompensiert man das nun am besten? Verachtung ist ein Weg. Missachtung ein anderer. Was jetzt zum Beispiel bedeutet: Man mache grundsätzlich Massentermine. Das ist gut. Das setzt die Interessenten unter Druck. Bei einem Markt wie München ein Selbstläufer. Ausserdem kann man dann überzeugend genervt sein.

Missachten kann man auch die Präferenzen der potentiellen Kunden. Natürlich liegt Ramersdorf innerhalb des Mittleren Rings. Und Englschalking eh. Und eine nahe Autobahn ist quasi Vögel-Zwitschernde- Waldrandlage. Auf Einwände diesbezüglich ist dann umgehend pampig zu antworten, was man denn wolle. Irgendwann pampte ich auch zurück: Ziehen Sie doch selber ein, wenn das so grandios ist. - Sie könne sich's nicht leisten, sagte sie. Und war im übrigen auch nicht mehr lange bei dem Maklerbüro beschäftigt.

Dabei wäre es doch so einfach: Mach deinen Job gut. Irgendwann hab ich meine Wohnung. Irgendwann hast du deinen Porsche. Und wir wären beide zufrieden.


9-Jahres-Bilanz

Auf 19 Hochzeiten getanzt. - Abendkleider gekauft, Kostüme gekauft, Cocktailkleider gekauft, Dirndl gekauft, Hüte, Schuhe, Handtaschen gekauft. Durch die ganze Bundesrepublik gefahren. In die USA geflogen. Auf zugigen Kirchplätzen geforen. Bei 35 Grad geschwitzt. Peinliche Witze. Lustige Reden. Alleinunterhalter. Jazzkapellen. Lieblose Säale. Traumlocations. Gartenfeste.

20 Kinder. 2 Reihenmittelhäuser. 3 4 Scheidungen.

Heute die Einladung zu Hochzeit 21 aus dem Briefkasten gezogen.


Verwirrt

Siedendheiss eingefallen - heute nicht vergessen: X. noch zum Geburtstag gratulieren. Eine Stunde gebraucht, um zu registrieren, dass wir ja April und nicht Mai haben. Und irgendwie bin ich mir immer noch nicht sicher, wer jetzt falsch liegt: das Wetter, der Kalender oder ich.


Wassernotstand

Und so sieht das also in München aus...
Wasserspeisekarte_2

...ach hört's mir doch auf. Ist doch eine Frechheit! Um die in diesen Fällen immer wieder gerne genommene Umrechnung vorzunehmen: Die wollen doch tatsächlich 1 Mark (in Worten: EINE MARK) für eine Glaserl Leitungswasser. Und dann erkläre man mir bitte, wieso ich zu einem Glas Rotwein zwar eines bekomme, aber zum Weißwein nicht.


SOS: Bildung rammt Eisberg!

Die Eisbären schmelzen also, die Brombeeren leben in Australien und sind gefährlich. Fehlt gerade noch, dass sich meine geliebten Blaubeeren bevorzugt an den Alkoholvorräten der Camper vergreifen. Meine Kaffeetasse begann vor Entsetzen heute morgen bei diesem Radio-Beitrag zu schwanken - um ein Bild zu bringen, das wenigstens so schief ist wie der Turm von Pisa. Auch wenn die Geschichte nicht neu ist, sondern schon im Dezember Thema auf der Titanic war. Und der Spiegel ist erschüttert über das Grammatik-Fiasko der Germanistik-Studenten (via)? Mich kann heute gar nichts mehr erschüttern...


Meine glücklichen Augen

Die grad gar nicht glücklich sind...

Eine neue Brille muss her. Die muss schon lange her, denn auch ich gehöre zu den Menschen, die seit fast einem Jahrzehnt mit derselben auf der Nase herumlaufen. Weil aber nichts nerviger ist als eine neue Brille zu kaufen und schwarz, klassisch, schlicht immer noch passt, bleibt das Teil auf meiner Nase schwarz, klassisch, schlicht - und ist jetzt leider verkratzt. So dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie nun gegen ein ähnliches Modell getauscht wird, rapide gestiegen ist.

Aber es gibt Dinge, die mehr Spaß machen als Brillen kaufen. Nämlich Sonnenbrillen kaufen. Wobei die Zeiten, dass pro Saison eine neue Sonnenbrille dazukam, auch lange vorbei sind. Die Brillen der letzten Jahre waren einfach zu untragbar. Fand vorallem der Begleiter. Der sich in dieser Hinsicht als schlechter Kaufbegleiter erwies. Die habe ich dann mit einer Freundin erworben, die meine Wahl auch ganz tre chick fand...

Zurück zur banalen Sehhilfe. Denn jetzt habe ich eine neue. Die sich rein äusserlich nicht wesentlich von der alten unterscheidet. Und dennoch andere innere Werte hat. Ein Fehler. Ein großer Fehler. Ich hab das Gefühl, ich seh falsch. Die Welt ist nicht meine. Ein schlechter Tag? Die falsche Brille? Und ich hab Angst, dass es mit mir so endet wie mit Miranda...


Nur mal gefragt...

Nennen Sie es eigen. Meinetwegen. Es gibt einiges, was man an meinen Verhaltensweisen eigen nennen könnte. Eine davon ist das strikte Ablehnen der Kommunikation über short messages. Also derjenigen Kommunikation die als Antwort mehr als ein "ja" erfordert oder erwartet. Vielleicht ist das umso erstaunlicher, da ich gerne per Mail kommuniziere. Und dennoch sehe ich einen Unterschied. Bekomme ich nämlich etwas ausführlich per Mail mitgeteilt, kann ich daraufhin ebenso ausführlich antworten. Das ist wie Briefe schreiben. Habe ich aber das Telefon eh schon in der Hand... wieso ruf ich dann nicht an?


Luia sog i.

Kaum sind die ersten Sonnenstrahlen da, geht's wieder los. Der Münchner, egal ob eingeboren oder zuagroast, fühlt sich gerufen. Wenn nicht vom Berg, dann wenigstens von der Maß. Und zwar von der kollektiven. Individualität widerspricht offensichtlich dem bayerischen Wesen, er muss sich verbrüdern, sich selbst bestätigen in Handlungsweisen, die von allen mitgetragen werden. Und so gibt es, kaum lassen die Temparaturen es zu, nur ein Ziel: den kollektiven Biergartenbesuch.

Und vor der Maß sind alle gleich. Mögen in München die einen zwar gleicher als die anderen sein. Und mögen sich an manchen Stellen mehr Porsche und an anderen mehr Räder finden. Und dennoch sind sie sich gleich. Und brauchen dies als Selbstbestätigung, sich als zutiefst münchnerisch zu finden. Und sich damit vom Rest der Republik und der Welt sowieso abzugrenzen. Mia san mia.

Und deswegen wiederum sind Menschen, denen Freischankflächen in Größenordnungen, die in kleineren Städten dem Stadion des FC Regional entsprechen, suspekt sind, eh suspekt. Wie auch alle, für die nicht der Liter das Maß aller Dinge ist. Denn der Biergartenbesuch ist nach wie vor das Maß aller Dinge und Sinnbild für die Münchner Gigomantie. Und wer das dann nicht großartig findet, soll sich doch gleich schleichen.

In Städte, die auch Biergärten kennen, aber für die der Münchner nur ein mildes Lächeln übrig hat (nach zwei Maß) oder auch nur Verachtung. Denn die Freischankflächen, die so gerne in den Olymp der Biergärten aufgenommen würden, sind nichts anderes als Wirtsgärten. Und da muss man schon genau sein.  Denn der Himmel der Bayern ist ein Himmel der Münchner. Halleluia.


Lost in Maxvorstadt

Ich seh heute abend das Spiel, du nicht. Hab ich noch gesagt. Ausgerechnet zu meinem Vater. Was ihn geärgert hat. Denn mein Vater sieht leidenschaftlich gern Fußball. Auch wenn sich manchmal der Eindruck geradezu aufdrängt, er würde dies ausschließlich machen, um sich zu vergewissern, dass die alle nicht spielen könnten. Auf jeden Fall, mich ritt die Boshaftigkeit und ich drehte ihm am Telefon die lange Nase. Ätsch. Denn die Retourkutsche kam postwendend.

So muss man wissen, dass ich, um das Spiel sehen zu können, das Haus verlassen muss. Also die mir aufgetragenen Junk-Food-Tüten eingepackt - was mich eh schon überfordert hat. Zur U-Bahn. Punkt da. Keine U-Bahn da. Zehn Minuten gewartet. Am Ziel an der falschen Seite ausgestiegen. Plötzlich lost in Maxvorstadt. Wieso führt diese Straße nicht dahin, wo ich hinwill? Herrschaftszeiten! Ich lebe ja erst seit 15 Jahren in München...

Ziel gefunden. Doch unerreicht. Klingel kaputt? Mobiltelefone kaputt? Ohren kaputt?! Warum lässt mich keiner rein. Lost vor der Haustür. Es fängt an zu regnen. Ihr könnt mich alle mal. Hunger. Ich geh jetzt was essen. Dann nehm ich mir ein Taxi nach Hause. Schmollend.

Doch nicht. Über den Zaun gestiegen. Das Wohnzimmerfenster eingeschlagen. Einer der seltenen Augenblicke, in denen ich ein Bier will. Gibt blos Augustiner. Mag ich nicht. Dafür mögen die meine Junk-Auswahl nicht. Was mach ich hier?

Grottenkick. Ein Schiri.... Gastgeber schreit und tobt und will mit Augustinerflaschen nach den Flaschen auf dem Bildschirm werfen. Besser als Kino. Mit Happy-End.


Reihenhausromantik - zerstört

Natürlich gibt es die Trennungen, bei denen das ganze Umfeld aus allen Wolken fällt. Weil es doch so ein Traumpaar war. Weil alles doch so perfekt war. Und keiner hat gemerkt, dass es für einen Menschen schon längst zum Alptraum geworden ist. Die Fassade nur aufrechterhalten wurde und das Leben der Menschen zur Farce zwischen Bausparvertrag und Sex am Sonntag vormittag. Diese perfekten Leben nach den Vorstellungen der Eltern und nach gesellschaftlichen Konventionen. Die von Kindesbeinen an inhalierte Bürgerlichkeit, die es zu erfüllen gilt. Zwischen dreckiger Wäsche und Wurst aus der Packung am Abendbrottisch - das ist einfach so. Nur nicht hinterfragen. Der Urlaub einmal im Jahr ins immergeleiche Ferienhaus. Ist billiger - man weiss wo der Supermarkt ist - ja und Mayers aus der Kleinstadt in Hessen kommen auch jedes Jahr. Ausserdem kann Muttern ja kochen, während Vatern sich den Bauch kratzt. Und aus allen Wolken fällt, wenn sie ihm mal die Töpfe vor die Füße knallt. Und sie unterscheiden sich nur im Tun und nicht im Wesen von der der Miefigkeit entwachsenen in einer höheren Bürgerlichkeit beheimateten, die in ebensolchen Konventionen zu Hause sind, nur dass sie ihr Häuschen im Grünen haben und natürlich jährlich auf Bildungsreise geht. Oder von der Atemlosigkeit der Yuppie-Pärchen, die nichts mehr mit sich anzufangen wissen, wenn sie denn mal stillhalten müssen. Aber sie haben doch so gut zusammengepasst.