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Mai 2007

Frau B. am Telefon

Sie wollen ihren Job hassen lernen, verehrte Verkaufsleute? Dann tun Sie sich keinen Zwang an, rufen Sie mich an. Dann versuchen Sie mir Zeitschriftenabos, Internetanschlüsse, Reisen oder Wein anzudrehen. Es wird eine Ihrer schönsten Minuten des Tages sein - Sie können dabei nämlich überprüfen, ob Ihr Telefon-Verkaufstraining etwas gebracht hat. Bei den meisten nicht, soviel vorweg, da ist nämlich schon bei der ersten Gegenfrage, die entweder lautet "und was wollen SIE jetzt von mir?" oder "woher haben Sie eigentlich MEINE Telefonnummer?", Schluss. Schön ist auch eine Antwort: Nein, ich will Ihnen jetzt nichts verkaufen. Wenn Sie jetzt bei mir bestellen, bekommen sie es günstiger. Oh ja. Nein, ich kaufe nichts. Nein, ich will nichts. Und nein, ich will schon gar nicht von Ihnen angerufen werden.

Liebe Unternehmen, gleich welcher Art, sorgt dafür, dass eure Serviceleitungen anständig besetzt sind, aber spart euch das Geld, irgendwelche Menschen Telefonaquise durchführen zu lassen. Und wenn sich letzteres für euch tatsächlich lohnen sollte, dann beschränkt eure Anrufe auf gelangweilte Hausfrauen und lasst mich aussen vor. Ausserdem kann ich mich eh nicht erinnern, irgendwo irgendwas mal zugestimmt zu haben... Woher habt ihr also meine Nummer?


Die heutige Jugend

Sie sind 16. Nur ein paar Tage ist der eine älter. Welcher völlig egal. Und während der eine jetzt in den Ferien mit seinem Wiedersingelonkel in München um die Häuser zieht - Mädchen, Bier und Schafkopfen im Kopf hat - packt der andere gerade seinen schwarzen Kapuzenpulli ein, um nach Heiligendamm zu fahren.


Sommerleid und Freud

Es ist viertel nach zehn. Morgens. Es hat 30 Grad auf meinen Balkon. Vorwurfsvoller Blick meiner Blümchen. Und vorwurfsvoller Blick meiner Unterlagen. Jedenfalls so empfunden. Denn vorm Arbeiten habe ich mich gestern schon gedrückt. Es war heiss. Es war hitzefrei. Eindeutig. Der Vormittagstermin war ja noch ok. Dann... Die Sonne brannte ins Arbeitszimmer. Von draussen piepste es penetrant. Frau B. beschloss, einkaufen zu gehen. Heisses Wetter ist eigentlich gut. Denn dann sind die Geschäfte leer. Bis auf mich und diese andere Frau, die sich bei dem Wetter in Hosenanzüge quälen musste. Musste ich nicht. Ich wollte Sommerkleider. Mit Erfolg. Um das vorwegzunehmen. Dabei wäre meine Laune beinahe umgekippt. Beinahe wäre ich sofort wieder heimgefahren. Denn als ich im ersten Geschäft war, tritt eine Verkäuferin an mich heran: Räusper. Sie haben da was. Räusper. Scheeler Blick über die Schulter in den Spiegel. Blütenstaub. Gelber Blütenstaub auf meinem Hintern. Ich bin einfach nicht geschaffen für weisse Hosen. Gelbe Flecken! Das ist ja fast so schlimm wie... So kann doch kein Mensch rumlaufen! Was jetzt? Eine Chance noch. Eine kleine. Ein Geschäft. Gleich nebenan. Drei Kleider gegriffen. Eines wird doch wohl passen. Die Götter sind gnädig. Sie passen alle drei. Richtig gut. Nicht einmal ein Verlegenheitskauf. Raus aus der weissen Hose. Was ist schlimmer: gelbe Flecken oder eine zwei Tage zurückliegende Beinenthaarung? Die Überlegung währte nur kurz....


Wahnsinn

Ich bin ja ein grundsätzlich friedfertiger Mensch. Aber den, der - wie so oft - sein Auto unter meinem Schlaftzimmerfenster abgestellt hat... Wobei mich ja nicht das Auto an sich stört. Aber derjeniger, den ich meine, meint, ein Marderproblem zu haben. Und deswegen pfeift das Auto. Seit Tagen. Unter meinem Schlafzimmerfenster. Unter meinem Arbeitszimmerfenster im übrigen auch. Und es treibt mich zum Wahnsinn. Dauerparker. Wer hier täglich sein Auto bewegt, bekommt nicht denselben Parkplatz jeden Abend. Und Tag. Und so beginne ich, zu überlegen, was man gegen die Pfeife unternehmen könnte. Aber das einzige, was mir einfällt, ist, ihm die Reifen zu zerstechen. Und das, das ist definitiv contraproduktiv...


Essens-Splitter

  • Gestern abend Biergarten: Glücklicherweise Zeit gehabt, etwas vorzubereiten - nochmal Geld für schlechtes Essen auszugeben, hätte ich nach dem Wochenende nicht ertragen
  • Richtig gefreut über einen Ableger einer bekannten Coffee-Shop-Kette habe ich mich nur zweimal: in Bath, nach einer Woche Südengland, und in Maine. Hier in München ist es etwas für kleine Mädchen, die von der großen weiten Welt träumen. Bin ich das?
  • Auch bei Gastronomiebetrieben zählt nur die Lage: da sind Service und Qualität offenbar egal.
  • Wenn dem Service das, was der neue Koch fabriziert so peinlich ist, dass sie ungefragt eine Runde aufs Haus spendieren, bleibt zu hoffen, dass dem Chef ganz schnell klar wird, dass er mehr Gewinn mit einem ganz neuen Koch macht.
  • Ganz viele Menschen wollen von mir immer Kuchen mitgebracht bekommen. Gekauften. Aber mein selbstgemachter ist besser.
  • Überraschung des Wochenendes - positiver Art: Persische Küche ist äusserst empfehlenswert. Auch wenn man nicht so schnell auf die Idee kommt, im Bahnhofsviertel essen zu gehen.

Im Mai - immer wieder

...kommt ein neuer Donna Leon raus. Und sicher, man könnte auf das Taschenbuch warten. Aber immer wieder ist es ein wunderschönes Sommerwochenende. Und immer wieder glänzt der Begleiter an diesem Erscheinungswochenende durch Abwesenheit. Und so gibt es immer wieder einen faulen Maiensonntag mit einem kleinen literarischen Bummel durch das mörderische Venedig.


Familiengeschichten

Der Stoff aus dem Romane sind: Ausser der Fähigkeit, schreiben zu können, ist es wohl die Fähigkeit, zuzuhören. Denn nur so offenbart sich der Stoff, aus dem Geschichten entstehen. Auch diese, von denen man sagt, sie seien an den Haaren herbeigezogen. Aber wer den Menschen zuhört und wer es schafft, das Vetrauen zu gewinnen, dass die Menschen einen einweihen, in die sogenannten dunklen Ecken der Familiengeschichte, der würde wohl kaum sagen, dass sich Autoren Dinge ausgedacht haben. Und je mehr ich darüber nachdenke und höre, um so mehr bin ich davon üerzeugt, dass es nichts gibt, was es nicht gibt. Und es sind nur die Familien - die einen stecken den Rahmen sehr eng, was sie als Familienintimsphäre definieren, die anderen sind großzügig - und dennoch, jede hat ihre Geheimnisse...


Sommerfrische

...ist auch eines der Worte, die man nicht mehr benutzt. Was daran liegt, dass wir uns auch nicht mehr der Wochen des Müßiggangs hingeben. Dazu ist gar keine Zeit mehr. Aber Sommerfrische ist eines der Worte, die bei mir die schönsten Assoziationen wecken. Von blauen Meer und weissem Strand. Von weissen Häusern dort. Von langen Spaziergängen und guten Büchern. Manchmal auch von bunten Bauerngärten. Von saftigen Wiesen und reichen Feldern. Von Ruhe und Gelassenheit.

Ich würde gerne mal in die Sommerfrische fahren. Die Stadt, wenn sie beginnt, stickig zu werden, hinter mir lassen. Ja, einen Sommer lang...

Was bleibt, ist eine Woche. Es zieht mich nach Norden. Ich will an die See.

Dummerweise ist ein Stück deutsche See in meiner anvisierten Urlaubszeit Hochsicherheitszone. Warum tagen die eigentlich nicht in Kennebunkport? Da ist es auch schön. Aber nein, es muss Heiligendamm sein. Und da muss ich dann auch erst gar nicht in die Nähe. Und dummerweise ist es eine so typisch deutsche Eigenschaft, seinen Urlaub Monate im Voraus zu planen. Ich bin ja immer froh, wenn ich ihn irgendwann geplant habe. Wir reden ja nicht von mehrwöchigen Fernreisen. Wir reden von einer Woche am Meer. Weiss ich tatsächlich schon im Dezember, dass ich eine Woche dahin möchte. Und wenn ja wohin. Ob an die Ostsee oder an die Nordsee. Ob an den Atlantik oder ans Mittelmeer. Wer kann denn das schon so lange vorher wissen?

Also, ich möchte ans Meer. Und nein, Italien ist diesmal keine Alternative.


Essensträume

Ein untrügliches Zeichen, sich auf dem Weg der Genesung zu befinden, ist Appetit. Bei mir ist das jedenfalls so und zwar egal, was mir gefehlt hat. Und wenn der kleine Finger weh tut - letztlich wandert das Unwohlsein in den Magen und Essen wird zur Nebensache. Ausser Schokolade, denn die spendet immerhin Trost. Und das brauche ich in dem Zwiespalt der Gefühle, in dem ich mich befinde: zwischen ganz tapfer und furchtbar wehleidig.

Wenn aber das Wehleiden schön langsam überwunden wird, der Hunger sich meldet und noch mehr der Appetit, heisst das, das mich das Leben langsam wiederbekommt. Mit der Betonung auf Langsam, was aber auch nicht immer das schlechteste ist.

Kochpläne werden aber schon geschmiedet - ach was sag ich - ganze Menüpläne. Als hätte ich hier eine Großfamilie zu versorgen. Mit Tafelspitz mit Schnittlauchsauce. Und Spargel. Mit Erdbeerkuchen. Mit Rhabarberkompott zu Kaiserschmarrn. Oh ja...


Gestörter Empfang

Verehrter Leser, ist Ihnen das Sender-Empfänger-Modell bekannt? Kurz gesagt geht es darum in der Linguistik oder in der Kommunikationswissenschaft: Wie kommt eine Aussage von A bei B an. Missverständnisse sind an der Tagesordnung. In Paarbeziehungen eh klar, aber auch im Verhältnis von Schreiber und Leser (ist das jetzt ironisch gemeint? oder ernsthaft?). Und je komplexer die Aussagen umso störanfälliger ist das Prinzip.

Paarbeziehungen sind natürlich ein Musterbeispiel, da in manchen Fällen die Kommunikation in ein reines Ratespiel, was denn gemeint sein könnte, ausartet bis hin zum bloßen Nicht-Verstehen-Wollen. Da hilft nur eines: Sag was du meinst. Und sag nicht das Gegenteil dessen und erwarte aber, dass das Gegenüber das ganze einmal dreht und dennoch weiss, was du gemeint hast. Allein an dem komplizierten Satz wird doch deutlich, wie kompliziert so einen Kommunikation häufig abläuft.

Grundsätzlich sehe ich das Paarproblem nicht als Grundproblem von Ihnen und mir: Ich bin der festen Überzeugung, Frauen ab einem gewissen Alter, einer gewissen Beziehungsfähigkeit und nicht zu vergessen, Intelligenz und Bildung, sind fähig geradeaus zu kommunizieren. Es sei denn, es geht um ihre Mütter - aber das ist ein anderes Thema.

Und eigentlich geht es mir gar nicht um die höhere Kunst der Kommunikation, sondern um das Grundgerüst. So wie es in der Schule - ich denke, es war noch in der Mittelstufe (Lehrer anwesend?) vermittelt wurde: A -> Aussage -> B.

Ist doch gar nicht so schwer. Doch das Ergebnis erinnert doch manchmal sehr an ein Gemälde von Magritte. Allerdings sind hochphilosophische Diskussionen nicht immer alltagstauglich. Und ich will auch nicht immer darüber diskuttieren, ob eine Pfeife eine Pfeife ist. Wir haben uns alle mal darauf geeinigt. Wie wir uns darauf geeinigt haben, dass ein Apfel keine Banane ist. Wasser kein Wein. Brot kein Käse. Torte kein Sandkuchen. Wobei letzteres offensichtlich schon komplizierter ist.

Was aber kompliziert an Aussagen ist wie "Ich möchte diese Geschichte nicht hören, weil..." - "Ich möchte jetzt nicht sprechen, weil..." - "Ich kann dir das jetzt nicht vorbeibringen, du musst es dir holen, weil..." etc. etc. etc. möchte mir mal bitte jemand erklären. Denn eigentlich kenne ich die Erklärung, und will sie nur nicht wahrhaben. Es ist nicht die Aussage, die zweifelhaft wäre. Es ist nur so, dass der Empfänger sie nicht hören wollte, weil sie gerade einfach nicht in seinen Plan passt. Also ignoriert man sie. Macht die Kommunikation aber auch nicht einfacher.


Nestbautrieb, reloaded

Ein übler Verdacht befällt mich. Bei Betreten meines Balkons. Kann es denn sein, dass ich schamlosen Racheattacken ausgesetzt bin? Kann es sein, dass das Amselpärchen, das im vergangenen Jahr vergeblich einen Nistplatz auf meinem Balkon suchte, in diesem Jahr zurückschlägt?

Noch vor ein paar Wochen bekam ich Besuch - häufigen. Von unterschiedlichen Vogelpaaren. Bis hin zu Spatzen, die man ja in München inzwischen selten sieht. Aufmerksam inspizierten sie meinen Balkon und meinten dann, die Kommunikation unter Vögeln funktioniert augenscheinlich gut, ich sei wohl keine freundliche Vermieterin. Und sie zwitscherten weg, um sich andere Plätzchen zu suchen.

Aber da so ein Nestchen ja Baustoffe braucht und sie die Balkone der Nachbarschaft nicht verschandeln wollten - die wenigsten vermüllen ja ihre eigene Wohnung - habe ich einen Verdacht: Denn jeden Morgen, beim Betreten meines Balkons, sieht dieser eine Blumentopf zerzauster aus. Dieser eine, der nicht im Blickfeld aus dem Küchenfenster ist, da er zu sehr am Rande steht. Dieser eine mit den Ranunkeln, die immer mehr die Blätter hängen lassen und ihre Blüten schütteln, ob dem, was ihnen anscheinend in den frühen Morgenstunden angetan wird. Ja, dieser eine Blumentopf wird offensichtlich als Wertstoffhalde missbraucht.

Denn die Rache ist mein, sagt die Amsel.