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Juni 2007

Satz und Sieg

Ich bin ja in manchen Dingen eher einfach gestrickt. Mit einem Telefon telefoniere ich. Ich höre damit weder Musik, noch schaue ich fern, noch fotografiere ich. Ich reduziere ein Telefon auf seine Grundfunktion. Ähnlich ist es beim Auto. Ich definiere: ein Auto ist ein Ding auf vier Rädern mit Blech drumrum, das mich von A nach B bringt.

Eine Definition, die schon im Widerspruch steht, dass ich durchaus ein Faible für schöne Autos habe. Dennoch habe ich in meinem Leben in erster Linie praktische Autos gefahren - quadratisch, parktisch, gut. Ich gebe zu, der Generation, über die es auch schon mal ein Buch gab, zu entspringen und seit dem Tag meines Führerscheins ein derartiges Auto zu fahren. Was sich ändern wird, denn die neueste Modellreihe ist einfach nur hässlich. Und man kann es auch übertreiben mit dem praktischen Ansatz. Aber da ich eh kaum fahre - ich glaube, ich schweife ab.

Trotz meiner Rudimentärdefinition, was ein Auto betrifft, weiss ich durchaus, was ein Auto noch alles können kann. Und es fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Nun ist es ja nicht so, dass ich nicht regelmäßig das Vergnügen hätte, in einem richtigen Auto gefahren zu werden oder auch zu fahren, denn  der Begleiter hatte beschlossen, dass es Zeit für ein Erwachsenenauto ist. Und das kann eben mehr als nur fahren.

Was für ein Spielzeug. Ich staune immer noch. Und finde auch plötzlich, dass es Dinge gibt, die durchaus Sinn machen. Telefonieren im Auto - wunderbar. Ein Tempomat - sehr entspannend. Und: Das Navigationssystem, deine Freundin.

Für ein Navigationsgerät hatte ich ja selbst plädiert - nach einer Verzweiflungsfahrt irgendwo in den nordöstlichen Outskirts von München. Schlimmer hätte ich mich auch in den östlichen Bundesländern nicht verfahren können. Und ich finde es immer noch schön, wenn einem eine freundliche Frauenstimme den Weg weist. Allerdings, und jetzt kommen wir zu den Fundamentalunterschieden bei den Geschlechtern: Es ist eine Frau. Und mich erstaunt doch immer wieder aufs Neue, dass Männer so leichtfertig glauben, was ihnen eine Frau erzählt. Als Frau begegnet man dem Ganzen doch mit natürlichen Misstrauen.

Es ist nicht so, dass wir auf der Fahrt nach Usedom zum ersten Mal irgendwo jenseits von Berlin gefahren wären. In den Jahren davor war war ich das Navigationsgerät - und habe mit freundlicher Stimme um Berlin herumgelotst. Nun bin ich abgelöst. Keine Frau wird gerne von einer anderen abgelöst. Aber nun gut. Und dennoch: mein Misstrauen war angebracht. Glaube keiner Frau - und wenn es nur eine künstliche Stimme ist. Denn das Navi führte uns direkt nach Berlin. Und wir standen zur Rush Hour am Potsdamer Platz.

Das sind die wahren Herausforderungen in einer Beziehung. Und der Grund, weshalb Frauen keine anderen Frauen neben sich dulden sollten. Aber man kann es auch diplomatisch lösen: Auf dem Rückweg bin ich gefahren. Und habe dem Navi dann meinen Weg aufgezwungen.


Zum Siebenschläfer

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Als Antwort auf besorgte Fragen, ob denn der Urlaub nicht schön war: Es war traumhaft schön! Als Antwort auf persönliche Anmerkungen, dass sich dies ein Motzblog sei, was mich ja gleich verstummen hat lassen. Und als Antwort auf die Theorie, dass an der Ostsee die Sonne nicht scheinen würde. Und meine Petition zum Siebenschläfertag...


Generation BW

Urlaubsziele wie Usedom werden ja gerne als Urlaubsziele für beige Windjacken tragende Menschen deklariert. Und so schön es da ist, es ist schon was dran. Jetzt haben ja auch Windjacken tragende Menschen eine Urlaubsberechtigung, selbst wenn sie beige sind. Allerdings haben beige Windjacken an sich schon mal keine Daseinsberechtigung. Und ich für meinen Teil war schon mal froh, dass es zu warm für derartige Bekleidungsteile war. Auf jeden Fall spuckte des morgens in Heringsdorf immer ein Bus oder zwei oder drei eine Generation Beige Windjacke aus. Die durften dann ein bisschen Strandpromenade laufen und Bäderarchitektur schauen ehe sie am späten Nachmittag vor der Kurverwaltung wieder eingesammelt wurden. Ich habe mich jeden Tag aufs neue gefragt, wohin sie denn dann gefahren werden. Ich hab's nicht rausgefunden. Morgens da. Abends weg. Wahrscheinlich in ein anderes Örtchen auf der Insel, das günstiger ist als die Kaiserbäder. Aber auch dort stellt man sich ganz auf die Generation BW ein. Während man, um normale Slipeinlagen zu kaufen, einen Drogeriemarkt aufsuchen muss, springen einen Inkontinenzbinden in jedem Tante Emma Laden und jeder Apotheke sofort ins Auge. Gezahlt wird in erster Linie bar. Und dieses Bargeld bekommt man in jedem Kaff von der Sparkasse - wer bei einer anderen Bank ist, hat leider Pech gehabt. Und auch gegessen wird früh. Um 18 Uhr sind die Lokale voll, wer wie wir nach 21 Uhr anreist, braucht nicht zu glauben, dass er noch was bekommt und um 22 Uhr werden die Menschen rausgekehrt. Feierabend. Aus diesem Grund würde ich Usedom-Urlaubern jenseits der Generation BW auf jeden Fall zu einer Unterkunft mit schönem Balkon raten. Denn der Gedanke, der ja naheliegt, man könne, wahnsinnig romantisch am Strand den Abend ausklingen lassen, kann sich sehr unromantisch entwickeln...

Fortsetzung folgt


Frau B. am Telefon II

Das Telefon läutet. Weibliche Stimme, namenlos: "Könnte ich bitte xy sprechen". XY ist der Begleiter und der ist nicht da, denn es ist eine Zeit, zu der die meisten Menschen am Schreibtisch sitzen und der Schreibtisch des Begleiters ist aussserhalb der Wohnung. Und namenlose Stimmen mag ich schon per se nicht: "Um was geht's?" - "Ja, ich möchte ihm ein Angebot seiner Bank unterbreiten." Ah. "Welcher Bank?" - "Ja, das kann ich nicht sagen." - Vielen Dank. Klonk. Dass die Leute immer noch glauben, dass so was funktioniert. Inklusive Call-Center-Geräusche im Hintergrund.

Es war die Lerche

Es gibt diesen Punkt, an dem die Nacht vollkommen ist. An dem die ganze Stadt zu schlafen scheint. Du kein einziges Auto hörst. Nur deinen eigenen Atem. Es ist der Zeitpunkt zwischen drei und vier Uhr morgens, an dem du allein in dieser Stadt bist. Mit gefühlten Millionen Vögeln, die Morgenkonzert anstimmen. Lauter als jeder Wecker.


Über das Heimkommen

Der Begleitet hat aus lauter Freude darüber, wieder in München zu sein, gleich eine Sonderrunde durch Schwabing gedreht. Prompt zeigt sich die Stadt wie aus einem Werbefilm: Die Autos teuer, die Menschen jung und schön und gut gekleidet. Die Fenster geöffnet, das Leben draussen. Das Lachen. Die Probleme sind anderswo. Jedenfalls an diesem Abend. Kein Parkplatz vorm Haus, dafür ein Porsche. Die Straßencafés voll. Das Surren der Stimmen, das Klingen der Gläser, das Klappern von Geschirr auch im Innenhof. Das Leben, das dir ins Gesicht springt nach verlassenen Orten.

Nach Menschen, die schalen Kaffee auf Parkplätzen vorm Einkaufszentrum am Ortsrand trinken. Nach Orten, deren Treffpunkt ein Fastfoodladen ist. Weil sonst nichts da ist und wenn etwas da wäre, würdest du dich auch nicht neben denen, die da am frischsanierten Marktplatz stehen, ins Café setzen. Nach unberührter Landschaft und niemanden, der das genießt. Nach Trostlosigkeit.

Da tauchst du wieder ein, in diese Stadt, die sich suhlt im Wohlstand. Die vor Freude quiekt. Die die Jungen, die an den Zitzen hängen, um das Selbstbewusstsein einzusaugen, fett macht. Und keiner daran denkt, dass auch er als Schnitzel auf dem Teller der anderen in dieser Stadt liegen könnte.


Reisevorbereitungen

Wieviele Bücher sind für eine Woche ok? Und wieviele Paar Schuhe? Wenn man bedenkt, dass es Bücher gibt, die einem ans Herz gelegt wurden und die man nach 30 Seiten weglegt, weil einem die vorgestellten Personen zutiefst zuwider sind. Und Schuhe, ja Schuhe... Ausserdem nicht vergessen: Von Bikini bis zur Regenjacke. Und wo ist eigentlich mein Sommertäschchen? Das habe ich letztens schon einen halben Tag lang gesucht. Leute, so eine Tasche kann doch nicht einfach verschwinden. Eigentlich.Und grundsätzlich stelle ich mir die Frage, wie meine Eltern früher mit dem Käfer verreist sind. Obwohl mein Vater ja auch immer gelästert hat, meine Mutter bräuchte im Grunde einen Umzugswagen...


Alles was gut ist

Ich bin ein Verfechter der Ansicht, dass einen der Körper sagt, was er braucht. Wenn man also in der Hinsicht auf sich hört, kann man ernährungstechnisch nicht so viel falsch machen. Wie das mit der Schokolade funktioniert - hm. ok. Ausnahme. Obwohl es theoretisch einfach ein Magnesiummangel ist und so durch Bananen ersetzt werden könnte. Theoretisch. Aber zum Beispiel Fleisch. Ich kann manchmal Tage, manchmal Wochen auf Fleisch verzichten. Bis mein Körper plötzlich sagt: Ich will Fleisch. Meistens will er dann Eisen. Und Eiweiss, wenn ich das ihm nicht anderweitig gegeben habe. Zur Zeit könnte ich fast jeden Tag Fisch essen. Ach ja, kann ich ja jetzt dann auch...


St. Bank vs. Quatschhafen

Jetzt tagen sie also bei Merkel-Home und dabei ist Bush-Home in (Kenne-)Bunk-Port doch der eigentliche Quatschhafen. Und wenn sich das ganze auf die acht Protagonisten beschränken würde, könnte er sie auch auf das Privathalbinselchen in Maine einladen.

Bushhome

Obwohl ich ja zugeben muss, wie schön ich es in Kennebunkport fand. Da gibt es kein Luxusressort, an dem die Zaungäste sich dann die Nasen platt drücken und die zahlenden Gäste sich belästigt fühlen - also grundsätzlich, nicht nur dieser Tage. In Kennebunkport ist Geld. Aber so selbstverständlich. Nein, es wird nicht geprotzt und du weisst nicht, wer das ist und was der hat, mit dem du dich gerade auf der Straße unterhalten hast, denn er trägt wie alle die allgegenwärtige Freizeitkleidung. Und auch die Damen legen am Abend nicht die Goldketten auf. Nix Schicki. Man weiss selbst, was man hat und das genügt. Dieses Selbstverständnis ohne Abschottungstendenzen gibt's in Deutschland nicht. Man interessiert sich für Europa, deutsche Autos, Benzinverbrauch und Klimaschutz. Mei George, mach doch öfter mal Sommerfrische auf dem Familiensitz in Maine und nicht in Texas. Mr. President: Wir haben doch gehört, dass Sie sich ganz normal da bewegen und mit den Menschen reden. Dann tun Sie's doch.

Das mit dem Foto ist noch eine eigene Geschichte: Normalerweise würde ich sagen, ich kann doch das Haus nicht so einfach fotografieren. Aber das machen alle. Da gibt es so einen richtigen Aussichtspunkt. Und ausserdem werden Postkarten mit exakt diesem Motiv verkauft.


Schmutzige Wäsche

Meine Herren, Herrenwäsche ist in der Regel einfach: Sie sortieren hell und dunkel und schmeissen das bei jeweils 60 Grad in die Maschine. Nur eines sollten Sie beachten: Haben Sie weisse Hemden, dann waschen Sie zu diesen ausschließlich weisse Hemden oder weisse T-shirts. Sonst wird das ganze irgendwann grau. Fertig.

Kompliziert wird es allerdings, wenn Sie mit einer Frau die Waschtrommel teilen. Dann kommt zu 60-Grad-Bunt plötzlich 30-Grad-Wäsche und Feinwäsche dazu. Und auch wenn wir den Trick durchschauen, dass Sie sich bewusst zu dumm anstellen, er funktioniert. Haben Sie oft genug (meistens reicht schon einmal) unsere hauchzarte Lieblingsbluse vernichtet, übernehmen wir freiwillig die Wäsche. Allerdings ist hauchzart auch das Stichwort: das ist Feinwäsche. Was sich fein anfühlt, gehört ins Feinwaschprogramm - was ist daran so schwer? Was sich wie Wolle anfühlt, gehört ins Wollprogramm oder in die Reinigung. Wo ist das Problem? Grundsätzlich hilft es auch, lesen zu können, denn in jedem Kleidungsstück steht drin, wie es gewaschen werden sollte.

Ach ja, und natürlich ist es weniger sexy, die Unterwäsche einer Frau zu waschen als sie ihr auszuziehen. Aber glauben Sie, wir finden das sexy, ihre Wäsche zu waschen?

für T.M. aus gegebenen Anlass - und für meinen Spezl J., der jetzt wieder selbst seine Wäsche waschen muss - aber er hat dafür nicht das Problem mit der Damenwäsche...


Hausfrauenverzweiflung

Eigentlich ist es doch so, dass da immer so ein wahnsinnig gutaussehender Typ sofort zur Stelle ist, wenn Hausfrau, verzweifelt, ein im Moment unlösbares Problem hat. In Realität schaut's dann so aus, dass du selbst mit irrrem Blick die Waschmaschine anstarrst, als wenn das was helfen würde. Die Bedienungsanleitung schon vor Jahren den Gang alles Zeitlichen gegangen ist. Du stattdessen leicht panisch an der Maschine und deren Einzelteile rüttelst. Und nicht einfach nur lässig dastehst, während so ein wahnsinnig gutaussehender Typ mit einem Werkzeugding um die Hüften zack und lässig das Problem behebt. Wenn man aber bedenkt, dass die Tatsache, dass er deine Waschmaschine repariert, eine andere dazu bringt, dein Haus anzuzünden... ok, verzichte auf den sexy Handwerker oder er muss halt auf seine Belohnung verzichten. Bei schmutziger Wäsche braucht's auch keine schmutzigen Phantasien mehr...


Arbeitsmoral

Und es bleibt dahingestellt, welches Erstaunen größer ist: Dasjenige darüber, dass eine Handvoll Menschen, mit denen du etwas abstimmen musst, alle sagen: Hey kein Problem, ich bin am Wochenende eh im Büro. Oder dasjenige darüber, dass es Menschen gibt, die JETZT schon im Wochenende sind.