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August 2007

Do you speak German?

Piepst es hinter mir. Eine ältere Dame, auf die vom Aussehen diese Bezeichnung zutrifft, möchte Feuer haben. Ah, so geht das also, das mit in Würde altern. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, nicht etepetete sein zu wollen. Und etetpetete ist die Dame beileibe nicht. Nach einem kurzen Exkurs über die Gute-alte-Zeit, in der man noch überall rauchen durfte und dass es für sie ja nicht mehr lohnen würde aufzuhören. Dann schwenkt sie um - zu ihrem, man merkt es, Lieblingsthema: Die Schweiz. Und die Schweizer. Und wie langsam und engstirnig sie seien und jedes Vorurteil, das man hätte würde stimmen. Und das wüsste sie, denn schließlich würde sie seit 40 Jahren dort leben... Zwischen einigen Schmunzelanfällen, schließlich waren ihre Beschreibungen sehr amüsant, musste ich an T.M. denken, der sich gerade um die Berner Staatsangehörigkeit, nein, das Berner Bürgerrecht bemüht.


Liebe, Eitel- und Einsamkeit

Festung

Oben die Festung - unten die Festspielgasse. Schaulaufen im Schatten des Mönchsbergs. Und die Frage: wie werde ich in Würde alt. Eine Frage, die die Damen der Gesellschaft nicht zwingend beantworten können. Vielleicht erinnert sie das Schicksal von Tatjana auf der Bühne an ihr eigenes. Verschmäht von dem Mann, den sie liebte, heiratet sie in die High Society hinein. Vielleicht weinen sie im Stillen, ob Tatjanas Schönheit die verblassen wird. Vielleicht auch ob der Liebe, der unerfüllten. Doch spätestens die Arie, mit der der Fürst seine Liebe, der erfüllten, zu Tatjana besingt, erlässt doch jedes Herz ergreifen - und jede Hand, die desjenigen welchen. Und nur Eugen Onegin selbst, der die Liebe verschmähte als er sie hätte bekommen können und erst das unerreichbar verliebenswert fand, wird allein bleiben. Oper zum Dahinschmelzen schön. Der Klang, der einen mitnimmt - die Bilder, die einen entführen ins Russland vor langer langer Zeit. Benommen tritt man hinaus in eine laue Sommernacht. Der fast volle Mond über der Stadt. Unwirklich. Fast wie im Traum.


Es regnet - mal wieder...

Was die Stammkneipe von einer x-beliebigen Kneipe unterscheidet ist ja auch das gegenseitige Vertrauensverhältnis. Und so kann es passieren, dass bei plötzlich einsetzenden Regen, du dich entscheidest zu gehen, weil du eben nur auf ein Glas Wein mit einer Freundin bleiben wolltest und dich eben auch nicht der Regen davon abhalten kann. Und dann der Wirt statt zu fragen, warum du jetzt nicht bleibst, ins Büro geht und dir einen Schirm leiht. Denn man sieht sich ja wieder.


In Zukunft - alle neune

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Servus Scholli - schee war die Zeit!

Über die letzten Jahre, Höhen und Tiefen - also den ganzen Fußballerkram dürfen jetzt gern andere philosophieren. Ich habe stattdessen in dem Verhau in dem alten Koffer meinem persönlichen Archiv gestöbert und tatsächlich noch eine alte Geschichte hervorgekramt. Aus dem August 1995.
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Telefonaktion: Da kam dann der damalige Sportchef in die Lokalredaktion - "wir brauch ma mal a Mädel". Wahlweise deutete er auch auf eine - unsere Namen fand er ja nicht wichtig genug, um sie zu merken. Und so wurde ich abkommandiert, da eine Stunde lang zu assistieren. Mir war das damals eigentlich ziemlich egal und dass ich um diesen Termin beneidet wurde, hat mich eher in Erstaunen versetzt.

Lieber Mehmet Scholl, ich fand dich damals eher arrogant. Wenn ich mir heute die Leserfragen und deine Antworten dazu durchlese, bekommt das einen anderen Touch. Denn auf die Frage, was du eigentlich für ein Mensch seiest, hast du geantwortet: Das sei doch eh egal, denn die Leute würden sich nur für die Fassade interessieren.

Und das mit dem arrogant finden hat sich inzwischen gelegt. Schon im Laufe der Fußballjahre. Und wenn nicht dann, wäre das spätestens vor kurzem so gewesen. Vor ein paar Wochen bist du mir das letzte Mal in München über den Weg gelaufen. In Schlappen. War wohl vor der Haustür. Und du hast gelächelt und gegrüßt. Wahrscheinlich reflexartig. Wie man das in einem Wohngebiet so macht. Und auch wenn wir wohl nicht Nachbarn werden, das fand ich ungemein sympathisch.

Alles Gute!

Foto (Stadion): Helga Birnstiel
Foto (Zeitungsausriss): Jürgen Schwarz/tz


Empfehlung des Sommers

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Getrunken und entdeckt habe ich den Wein ausgerechnet auf Usedom. Usedom - was ja nach beigen Windjacken und billigen Pensionen klingt. Doch daneben kann man ebenso in edlem Ambiente logieren oder dinnieren. Und spätestens, wenn man nach drei Abenden die immer gleichen Menschen um 19 Uhr die Messer wetzen sah und die immer gleiche Speisenkarte, schaut man sich um und mit dem immer unschlagbaren Argument "München ist auch teuer" kann man fast überall auf der Welt fein essen. Und auch auf Usedom.

Es war ein lauer Sommerabend (ja, die gab's heuer schon) und die Terasse des "Restaurant Bernstein" in Heringsdorf der perfekte Platz. Es gab Variation vom Spargel und dazu wurde dieser Wein empfohlen...

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Ein Wein wie ein lauer Sommerabend. Und dass sie uns da mehr für das Glas berechnet haben, als die Flasche kostet - ja dann. Dass der Wein aber nicht nur durch die Geschichte, die er so ganz persönlich für mich erzählt, denn natürlich habe ich den Abend vor Augen beim ersten Schluck, gut wird, hat er ebenfalls bewiesen.

Er wurde zum Wein des Sommers erklärt, auf meinem Sommerfest. Und stach dabei die klassischen Italiener in rot und weiss, die ich sicherheitshalber auf Vorrat hatte, locker aus.

Diese Geschichte wollte ich schon den ganzen Sommer erzählen. Heute hat GotoRio mir die Vorlage geliefert und mich auf die  Blog-Wein-Rallye von Weinverkostung.de aufmerksam gemacht. Hach, sagen Sie jetzt: die wollen doch Weissweine! Und jetzt kommt die andere mit einem Rosé daher. Verehrter Leser, das stimmt so nicht ganz: Ein Rotling ist ein Verschnitt aus Weissen und Roten Trauben, während ein Rosé aus roten Trauben besteht. In dem Fall von Castell Rotling handelt es sich um Rivaner und Domina-Traube. Wobei das das Thema zugegebenermaßen dennoch nur halb getroffen ist...

Nichtsdestotrotz: es ist mein Wein des Sommers.

Nachtrag: Wein rund 6 Euro, 12,5%, Kunststoffkorken (was nach den xwieviel korkenden Weinen der letzten Zeit eine Wohltat ist! - ausserdem wird er eh nicht alt)


Hutfahrer in spe

Ja, es ist wohl die sprichwörtliche münchner Arroganz gepaart mir bayerischer Stoa, die selbst mich  einen dazu bringen, ruhig zu bleiben, wenn ein Opel(!)-Corsa(!)-Beifahrer(!) sich meint, aufmandeln zu müssen, ob deiner korrekten Fahrweise (als Radler - aber das tut eh nichts zur Sache): Schaust ihn einfach an - mit hochgezogenen Augenbrauen, um ihn dann noch ein herzhaftes "Depp bleader" an die Stoßstange zu knallen.


Bio-Schinken bitteschön

Wer hier arbeiten will, muss mit dem Gemüse sprechen und das Schweinchen von den Mutterzitzen bis zum Kotlett begleiten. Er braucht viel Zeit. Und Slow food fängt eben auch beim Service an. Wer meint, hier schnell etwas mitnehemen zu können, der soll gefälligst in einen Supermarkt gehen. Denn viel Personal ist nur für die Atmosphäre gut - von den fünf Menschen, die da stehen, bewegt sich erst nach geraumer Zeit einer Richtung der einzelnen Kundin im Laden. Vielleicht, weil sie ahnen, dass sie eh nur zwei Dinge kaufen wird und an ihrem Einkaufskorb sehen, dass sie vorher schon am Markt war. Und wer hier nicht für mindestens 50 Euro einkauft, die man eh schnell zusammen hat, wird eh nicht ernst genommen. Weil man muss sie schon ernst nehmen, schließlich verkaufen sie hier keine Nahrung sondern eine Lebenseinstellung, auch wenn die Jutesackerl inzwischen überholt sind.


Ist doch nur Blech

Wenn Rechts vor links gilt, sollte man auch damit rechnen, dass von rechts einer kommt. Aber in München scheint ja gerne zu gelten: Das teurere Auto hat eh Vorfahrt. Ausserdem sollte man in einer engen Straße damit rechnen, gleich jede Menge Zuschauer zu haben, weil alles ans Fenster stürzt, um zu überprüfen, ob jemand ins geparkte Auto gefahren ist - beim Einparken zum Beispiel. Und wo ist dann das Problem ist, die Kreuzung auch wieder zu räumen...?

...und nach einer Stunde stehen sie immer noch dumm rum. Auch ein 80.000 Euro teures Auto ist immer noch nur ein Auto. Halt jetzt eins mit einer kleinen Beule drin.


Das Raumwunder von Damenhandtaschen

Allerorten ist momentan so eine gewisse Trotzreaktion zu beobachten. Es ist doch Sommer. Ja. Genau. Völlig egal, dass die Temperaturen eher herbstlich anmuten. Wir haben Sommer. Und kaum regnet es mal nicht, sondern wagt sich ein Sonnenstrahl durch die Wolken, schmeissen sich die Menschen ins T-Shirt und in den Biergarten. Ja, besonders in den Biergärten und Straßencafés ertrotzen sich die Menschen den Sommer. Völlig wurscht, dass es an den Abenden meist bitterkalt geworden ist. Alle sitzen sie jackenlos noch draussen, während ich im Laufe des Abends mehrmals meine Mary-Poppins-Tasche öffne, um daraus Strümpfe, einen Pullover, eine Jacke oder auch ein Tuch zu befördern. Aber ich muss eh noch dran arbeiten, das mit der Decke klappt noch nicht. Ja, ich bin auch angesteckt von dem Ich- kann- mich- doch- jetzt- nicht- reinsetzen- Gefühl. Kalt ist es dennoch. Und ich wundere mich über diese Kälteresistenz der Mitmenschen. Sonntag nachmittag auf dem Land: Bei Garching noch gemault - ich dreh jetzt um, ich bin zu warm angezogen. Nach dem ersten Schauer, froh darüber gewesen. Nach dem zweiten Schauer, das Tuch über die Schulter gelegt. Nach dem dritten, die Jacke angezogen. Irgendwann das Maulen über die Kälte angefangen. Die Gastgeber saßen in kurzen Hosen und T-Shirt auf der Terasse. Auf dem Heimweg die Sitzheizung angemacht...