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März 2008

Wenn Albträume wahr werden

Also je nachdem wie paranoid jemand ist, gibt es verschiedene Stufen von Albträumen. Falls jemand noch gezweifelt hat - ich bin paranoid. Eine Zeitlang hatte ich die Vorstellung, eine brennende Zigarette in der Wohnung zurückgelassen zu haben. Ja, und es kam vor, dass ich wieder umgekehrt war, um meine Wohnung vor dem Abbrennen zu bewahren. Auch eine Eigenheit: Ich verlasse ungern eine nicht aufgeräumte Wohnung - nicht nur, weil ich gern in eine aufgeräumte zurückkomme. Ja, das auch. Es ist aber auch die Vorstellung, mir könnte etwas passieren und dann kommt jemand in meinen Saustall - entsetzlich. Es ist im übrigen auch entsetzlich in die Wohnung eines Menschen zu kommen, der diese nicht für immer verlassen wollte, aber das ist eine andere Geschichte...

Kommen wir zu einem anderen Albtraum  - und ich halte jede Wette, dass Sie ihn kennen. Was machen Sie, wenn Sie das Haus verlassen? Also ich für meinen Teil stehe in der offenen Tür und prüfe, ob ich den Schlüssel dabei habe. Erst dann schließe ich die Tür. Ein Vorgehen das angeraten ist, wenn man allein lebt oder der Mitchlüsselinhalber sich häufig irgendwo nur nicht hier befindet. Also mein Albtraum: Mitschlüsselinhaber am anderen Ende der Welt, ich mit Schlappen vor der Tür, Tür zu.

Es ist ein Check, den man sich angewöhnt. Immer macht. So auch heute. Ich mit Schlappen an die Tür. Prüfender Griff zum Schlüssel. Schlüssel nicht da. Tür zu.

Scheisse.

Sagen Sie mal, kennen Sie noch eine Telefonnummer - ausser der ursprünglich heimatlichen und der eigenen auswendig? Ich nicht. Kommt dazu, dass Menschen, wie ich auch, über die Auskunft nicht erreichbar sind. Also nicht existent. Blöd, wenn das Menschen sind, die Ersatzschlüsselinhaber sind - da sollte man echt aufpassen.

Gut dagegen, wenn die Lieblingsnachbarin auf Grund von Kinderkrankheit daheim ist - da kommt man nicht in Verlegenheit, plötzlich im Wohnzimmer von jemanden zu stehen und seine Hilfe zu erbitten, den man schon immer doof fand. Seltsam dagegen, sich durch die Konzerninstanzen durchzubitten, um bei jemanden zu landen, den man selbstverständlich normalerweise direkt anruft. Glück dagegen, diesen jemanden tatsächlich zu erreichen - weiter verbunden zu werden an Ersatzschlüsselinhaber und dieser gegen alle Wahrscheinlichkeiten tatsächlich die Zeit hat, sofort loszusprinten zu die Tür zu öffnen.

Danke an alle Beteiligtem, dass das so glimpflich ausging.

Und die Moral von der Geschicht? Lasst uns wieder Telefonnummern lernen. Deponiert genug Ersatzschlüssel - am besten bei Menschen, die gut erreichbar sind. Und die im Telefonbuch stehen.


Prinzessin auf der Erbse

In manchen Dingen ticken wir doch recht seltsam. Nehmen wir beispielsweise das Ausgabeverhalten. Das auf der einen Seite kein Problem damit hat, für Schuhe oder Mäntel einen angemessenen Preis zu zahlen. Geht es dann aber um die Anschaffung einer neuen Brille wird über den Preis gestöhnt. Ich nehme mich da nicht aus - fand im vergangenen Jahr den Preis für die Brille geradezu irrwitzig. Dabei brauche ich die. Täglich. Trage sie. Täglich. Im Gegensatz zu einem Abendkleid, das an geschätzen 363 Tagen und Abenden im Schrank hängt. Und auch nicht billig war.

Ein ähnliches wie das Brillenverhalten legen wir auch bei dem Kauf einer Matratze an den Tag. Also erstens wartet man zu lange mit einem Neukauf - wenn der Wintermantel abgegriffen ist, kauf ich ja auch einen neuen - wieso glauben wir, die Matzratze würde ja noch gehen? Und im Gegensatz zum Wintermantel ist das Wohlfühlen im Schlaf essentiell. Lange Rede kurzer Sinn: eine neue Matratze muss her. Und jetzt liebe Leser kommen Sie ins Spiel: Wo in München bekommt man eine richtig gute Beratung? Welches Geschäft sollte man aufsuchen, um sich zu informieren? Für Hinweise wäre ich dankbar - auch wenn sie nicht mit späteren Probeliegen belohnt werden.


Splitter zum Frühlingsbeginn

Frühlingsanfang? Interessante Theorie. Ich geh jetzt Blumen kaufen. Aber nicht für den Balkon.

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Zeitungslesen zur Hebung der Laune:

"Die Kritiker jubeln jeden Regie-Pupser hoch, auf Kosten der Schauspieler, die ein Publikum erst verzaubern können.... Heute wird Theater manchmal zu einer egomanischen Nabelschau. Wen interessieren die Probleme, die Regiejungstars mit ihrem Pimmel oder ihrer Mutti haben?"

Claus Peymann heute in der Süddeutschen Zeitung - allerdings im Wirtschaftsteil

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"Hast du die gekauft?", fragt der Begleiter beim Anblick der Ostereier. Hm. Soll sie etwa der Osterhase gebracht haben?


Vorfeiertagsstress

Kaum nähern sich die Feiertage kommt hektische Betriebsamkeit auf. Weihnachten ist das immer so - aber das ist auch verständlich, denn steht erst einmal alles gut und gerne zwei Wochen still - in einer Zeit, in der eben nicht nur Weihnachten und Feiertage sind, sondern auch der Jahreswechsel ist. Alles klar. Weshalb aber Ostern eine ähnliche Sogwirkung hektischer Betriebsamkeit ausübt, ist mir nicht ganz klar. Im Supermarkt schon die ersten wild entschlossenen mit Einkaufswagen bewaffneten in gereizter Stimmung. So dass du froh bist, wieder am Schreibtisch zu sitzen. Aber da sind alle mit Telefon und Email bewaffnet - und wollen Entscheidungen fällen/herbeiführen/mitteilen. Ob irgendwie verstärkt gearbeitet wurde oder heute nur jeder seinen Schreibtisch vor den Feiertagen aufgeräumt hat - und Ablagen entstaubt hat, entzieht sich dabei meiner Erkenntnis....


Ästhetische Weiterentwicklung

Ich habe mal wieder Verspiesserungstendenzen bei mir festgestellt. Wobei es aber auch klar ist, dass ich nicht bereit bin, das so zu nennen. Ich würde Steigerung des ästhetischen Wohlbefindens bevorzugen. Tatsache ist aber auch, dass eben ich dieses Verhalten, das ich an den Tag zu legen beginne, noch vor nicht allzulanger Zeit als eben spießig bezeichnet habe. Die Rede ist von Bettwäsche. Wobei das regelmäßige Wechseln derselben und das in eher kürzeren Abständen schon immer meinem Wohlbefinden entsprochen hat. Nun hat aber mein Befinden befunden, dass es seinem Wohl entspräche, wenn diese Bettwäsche nicht nur frisch gewaschen ist, sondern auch gebügelt. Und so stehe ich am Bügelbrett oder bringe das ganze in die Wäscherei und während ich noch über mich den Kopf schüttle ob meinem Tun, guck ich mich selbst an: Ich find's aber schöner...


Langzeitplan

Ich möchte eine Alte werden mit Lachfalten. Mit wachem Blick - egal wieviel ich noch sehe - durch die Welt gehen - auch wenn ich einen Stock dazu brauche. Aufrecht - auch wenn ich gekrümmt sein sollte. Ich wäre gerne eine lustige Alte und keine verbitterte. Große Pläne. Dann los, die verwirklichen sich nicht von heute auf morgen - dreißig bis vierzig Jahre sollten einkalkuliert werden.


Kleingeistig borniert

"Es war nicht viel echt an dieser Stadt, eigentlich nur die Umgebung und die schönen staatlichen Bilder- und Büchersammlungen... Die Stadt hielt damals noch viel auf ihre Tradition als Kunststadt. Es war aber nicht weit her mit der Kunst. Vielmehr war sie eine akademische, wichtigmacherische, spießbürgerliche Institution, von einer zähen, dumpfigen und geistig nicht gut belüfteten Bevölkerung im wesentlichen aus Gründen des Fremdenverkehrs beibehalten."

Man ersetze das Imperfekt durch das Präsens und denke darüber nach. Ich bin ja nach wie vor der Ansicht, dass Feuchtwanger heute so aktuell wie damals ist - geschrieben 1933, drei Tage vor der Machtergreifung (zitiert nach der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung). München mochte Feuchtwanger nicht - und in diesem Satz kann man Subjekt und Objekt austauschen. Irgendwie scheint die Stadt sich immer noch beleidigt zu fühlen - ein Denkmal hat sie dem Schriftsteller jedenfalls nie gesetzt.


Fast wie in alten Zeiten

Du verabredest dich, um dich in der Stabi zu treffen. Das letzte mal ist das über zehn Jahre her. Und du kommst hin - und das Schild an der Tür sagt: Geschlossen. Das war schon zu Uni-Zeiten immer wieder eine Freude. Damals gab's aber kein Internet, wo eine Vorwarnung hätte stehen können. Die steht da auch heute nicht.  Früher war dir das egal, heute ärgerst du dich. Gehst halt einen Kaffee trinken - wie früher. Im Kaffeehaus sieht es aus wie früher, nur du bist älter geworden. Und möchtest die Zeit zurückdrehen, wenigstens ein paar Monate - denn so ein bisschen Zigarettenqualm wäre doch eine Freude gegen den Muff der spätpubertierenden ungeduschten Jungstudenten typischen Uni-Kaffeehaus-Geruch...

und es waren fast ausschließlich Studenten -  zu meiner Zeit gab's im Kaffeehaus einen eindeutigen Frauenüberschuss...

Falls Sie mich heute suchen: ich versuche es nochmal mit dem Lesesaal...


Tag der Auskunft

Wenn am morgen, noch zu der ersten Tasse Kaffee, das Telefon läutet, kann eigentlich nur etwas passiert sein. Muss aber auch nicht sein, denn es ist ebenso möglich, dass der von Bettflucht geplagte Vater sich die halbe Nacht mit Rechnen beschäftigt hat und jetzt umgehend von dir ein paar Zahlen braucht. Diese Situation ist ein klares Schweben am Abgrund - denn wehe dir, du hast eben die gewünschte Auskunft nicht parat. Letztlich ziehlt die Frage gleich mit auf deine Ordnung und geht dann über zu Charakterfragen. Zahlen gefunden, Seiltanz gemeistert.

Computer hochgefahren. 1. Mail: wie war das noch gleich mit...? 2. Mail: kannst du mir bitte mal folgendes durchgeben...? 3. Mail: Kannst du mal raufinden, wer da in München als Spezialist gilt...? 4. Mail: Würdest du bitte mal die Rechtslage prüfen...? 5. Mail: wie war das noch gleich...?

Frau B. - Finanz- Rechts- Medizinberaterin. Recherchehilfen aller Art. Ich brauch dringend neue Visitenkarten. Und, was für ein Stundensatz ist dabei eigentlich angemessen?


Schreibtischbühne

Auf den Bildschirm starrend, die Buchstaben hin- und herdrehend. Abstrakte Kunst aber kein Satz. Gedanken verlierend, die noch gar nicht gefunden. Überlegend, ob es nicht Zeit wäre, mal wieder die Eltern anzurufen - so als Alternative.

Frau B. wieder ab.


Montag morgen

Schön, wenn dich dein neuer Wecker mit Vogelzwitschern weckt. Blöd, wenn dann aber schon um 5 Uhr die Vögel vor deinem Schlafzimmer zum Zwitschern anfangen. Richtig doof, wenn man das Vogelzwitschern als naturgegeben hinnehmend, sich nochmals umdreht, weiterschläft - und die Weckversuche des Weckers dann natürlich ignoriert.

Weitere offene Fragen: Wie laut sind denn die Vögel und wie durchlässig die Fenster, wenn man bei geschlossenen Fenstern von Vogelzwitschern aufwacht?