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Mai 2008

Reinigungsgedanken

Jeder, der im Home-Office arbeitet, wird es nachvollziehen können - nach Abschluss eines jeden Projekts braucht es einen Reinigungsprozess: Unterlagen ablegen, Rechnung schreiben, Arbeitszimmer aufräumen - abstauben, staubsaugen, wischen. Weg mit dem einen, um Platz für das nächste zu schaffen. Wenn dich dann aber dein Staubsauger genau in dem Moment im Stich lässt, wenn du die Krümel unter deinem Schreibtisch entfernen möchtest, musst du dich zwangsläufig fragen: Heisst das jetzt, einfach weiter draufzukrümeln oder als Zwischenprojekt den Kauf eines neuen Staubsaugers anzuvisieren?


Über den Schreck des Telefonläutens

Es gibt diese Momente, da braucht man einfach nur Ansprache. Die Gewissheit, nicht allein zu sein, obwohl man ja in diesem Moment allein ist. Ist man dann auch noch allein in der Wohnung und kann also nicht eine Türe öffnen und sich neben jemanden setzen, der gerade liest/fernsieht/arbeitet - erwartungsvoll schweigend bis derjenige die Tätigkeit unterbricht oder auch gleich drauflosredend, bleibt einem nichts anderes übrig, zum Telefonhörer zu greifen. Klingende Telefone am Abend sind aber Seltenheit geworden. Ob dies am fortgeschrittenen Alter liegt oder die Konzentration am Emails als Mitteilungsmittel? Es könnte auch am Alter liegen, denn denke ich zurück an meine Kindheit war der Zeitslot, in dem es schicklich war zu telefonieren äußerst begrenzt: zwischen Abendbrot und Tagesschau. Danach auch nicht mehr, denn danach war es zu spät. Heute in Zeiten von Anrufbeantworten piept einen des Abends dann auch nur etwas entgegen. Und ich möchte wetten, dass die Hälfte der Menschen, bei denen der Antwortbeantworter an den Anruf geht, sehr wohl daheim sind, aber keine Luft haben den Anruf selbst zu beantworten... Wer dann tatsächlich an den Apparat geht, tut dies aus einem Reflex heraus, erschrocken ob des Klingelns - und eigentlich auch nicht bereit zu sprechen. Sei es weil sie lesen/arbeiten/am Computer sitzen oder Germanys next Topdings schauen, was natürlich spannender ist als mit alten Freunden zu telefonieren, die man schon so lange nicht mehr gehört hat, dass sie gar nicht wissen, dass da eine Leidenschaft für ein klumpiges Fernsehformat vorhanden ist. Nein, Ansprache findet am am Abend am Telefon nicht so leicht. Sprechen Sie mit sich selbst oder rufen Sie Ihre Mutter an. Mütter freuen sich meistens - es könnte allerdings sein, dass sie gerade fernsehen und...


Wenn du zum Schreibtisch gehst...

...vergiss die Peitsche nicht

Urlaub? Nein, ich bin nicht im Urlaub. Mein Urlaub findet am Schreibtisch statt und äußerst sich gerade in der verfüherischen Kombination von Abgabetermin gemixt mit einer Prise Schreibblockade. Und dann hockt man vor dem Bildschirm wie das Karnickel vor der Schlange. Weil man kann ja auch nicht einfach sagen - lass es gut sein, morgen ist auch noch ein Tag. So diese Selbstbetrafungstendenzen hab ich auch schon bei anderen Menschen festgestellt - gerne hört man, speziell bei Freiberuflern, ach, ich muss dir absagen, ich muss noch arbeiten. Und wenn du am nächsten Tag fragst, nix war's. Also weiterquälen. Also sprich: man bestraft nicht nur sich, sondern auch gleich die Umwelt, weil die soll ja auch was davon haben. Das mach ich jetzt auch. Aber was soll's - Sie sind eh alle im Urlaub...


Wanted: Sommerwein 2008

Ros

Das ist doch mal wieder ein Thema für mich: Rosé-Weine will Nikos Weinwelten für die neue Weinralley getestet wissen. Genauer: deutsche, österreichische oder südtiroler. Eh meine favorisierten Weinländer. Nur, Rosé-Weine gibt's da gar nicht so viele - Frankreich sei da einfach unschlagbar, meinte die Weinhändlerin meines Vertrauens. Sie hätte nur französische Rosés. Basta. Jetzt kann für mich zwar auch ein Franzose der Sommerwein 2008 werden, aber das geht ja jetzt am Thema vorbei.

Merken Sie was? Ich hab noch keinen Sommerwein 2008. Jetzt könnte ich natürlich auf den Sommerwein 2007 verweisen - aber nachdem ich den Rotling im vergangenen Sommer trotz seiner rosé Farbe so vehement als Nicht-Rosé beschrieben habe, werde ich irgendwann unglaubwürdig.

Rotling

Ich könnte auch auf einen lange von mir sehr geliebten Österreicher verweisen: Nämlich auf den Rosé von Graf Hardegg, ein Cuvee aus Zweigelt-Merlot-Cabernet aus dem Weinviertel. Ein großartiger saftig-fruchtiger Sommerwein mit einem Hauch von Johannisbeeren. Allerdings stellt sich die Beschaffung als schwierig heraus.

Ebenfalls schwierig in der Beschaffung ist der Wein, der nach einer Probeflasche sofort zu einem augenblicklichen Favoriten wurde: Der Rosé von Judith Beck. Als Testflasche in der Lieblingsweinhandlung in der kleinen Stadt beim letzten Besuch mitgenommen. Und schon beinahe nicht, denn er wird aus Blaufränkischen gekeltert, was nicht meine Lieblingstraube ist. Spielerisch leicht kitzelt er den Gaumen und verspricht sofort Sommer. Doch vorsicht: Er ist beileibe kein Leichtgewächs sondern hat satte 13%. Klar, das Burgenland mit seinen Sonnenstunden trägt da Rechnung - ich finde das für einen Sommerrosé ganz schön heftig. Dennoch denke ich, bei meinem nächsten Besuch in der kleinen Stadt werde ich davon etwas mitnehmen.


Ein letztes Mal

Über zehn Jahre. Ja, das muss erst einmal jemand nachmachen. Und glücklich. Meistens jedenfalls. In dieser Zeit so manche Längen durchlebt aber Experimente in der Regel gescheut. Vielleicht war das das Geheimnis dieser harmonischen Beziehung. Auch nur einmal fremdgegangen. Und das mit Ankündigung. So wie dieser Abschied jetzt mit Ankündigung stattfand. Und es ging nicht von mir aus. Ein letztes Mal - alles hat ein Ende. Aber ich hasse Veränderungen. Ein letztes Mal schnitt sie mir heute die Haare. Aus vorbei, die Vertraute meiner Haare, meiner Vorlieben und meiner Zicken verlässt München. Die Vorstellung, in geraumer Zeit einen neuen Frisör suchen zu müssen - das macht mich jetzt schon ganz nervös.


Die Einschläge kommen näher

Er hat eindeutig eine masochistische Ader. Schlag mich. Kratz mich. Steht auf seinem blauen Lack. Anders ist das nicht zu erklären. Dabei gehört er beileibe nicht zu den Neidobjekten in dieser Straße. Sie wissen schon, so einer, dem mit Absicht das Rücklicht zerstört wird. Nein, er ist eher unauffällig. So unauffällig, dass es offensichtlich gar nicht auffällt, wenn das Rücklicht zerstört wird. Und er provoziert auch keine "Du Gehsteig Parker Drecksau"-Reaktionen, weil er nahezu immer korrekt geparkt am Straßenrand steht. Aber da er so unauffällig ist, fällt es den ökologisch korrekten Menschen mit ihren teuren großen Autos beim Kuchenholen in dem ökologischen In-Café im Viertel auch gar nicht auf, wenn sie daneben auf dem Gehsteig stehen, dass ihre Fahrertür einen unschönen Kratzer in meiner Seitentür hinterlässt. Dass er auf dem Garagenvorplatz in der kleinen Stadt als störendes Element wahrgenommen wird, ist dann schon fast eine persönliche Geschichte. Garagentor meets Motorhaube steht nun in Form eines Kratzers da. Gut, dass ein alter Mann weniger Kraft hat als ein Heranwachsender, sonst wäre da mehr als ein Kratzer. Heranwachsende haben nämlich ziemliche Power. Besonders wenn sie in Vorstadtstraßen ohne Verkehr unterwegs sind. Blöd nur, wenn dann plötzlich ein Besucherauto im Weg steht... Mountainbike meets Kofferraum steht jetzt hintendran. Schön allerdings, wenn der begleitende Vater dann tatsächlich in allen umliegenden Häusern läutet, wem denn das Auto gehört. Normalerweise bleibt das eine anonyme Delle. Jetzt ist es eine personalisierte Delle, die sogar entfernt werden kann. Und auf die Zukunft gesehen, könnte jemand heranwachsen, der nicht automatisch sagt, ist mir doch egal, wenn er später beim Ausparken, Einparken, Aussteigen oder sonst irgendwie ein fremdes Auto tangiert.


Der Sommer kann kommen

Am schönsten ist es ja, sich rauszusetzen und die getane Arbeit zu genießen. Aber man kann nicht immer alles haben - auf den Punkt zu warten bis die Spätnachmittage lau sind und man zufällig an einem Sonnennachmittag Zeit hatte und Muße - da kann man alt und grau werden. Und vom Küchentisch aus, ist der Anblick eines aufgeräumten und neubegrünten Balkon auch etwas schönes. Vor allem, wenn man dies durch die Fenster wieder sieht. Frau B. stellt jetzt die Saisonzeit um. Alles was Winter ist, muss jetzt weg. Die Jacken und warmen Klamotten sind in die Reinigung, der Schrankinhalt ist auf warme Temperaturen eingestellt. Auch wenn das alles noch nicht so stabil ist - macht nichts, essen wir den Spargel heute abend eben im Wohnzimmer.