Voralpenländische Idylle
Stehenbleiben...!

Über Dinge, die man nicht braucht

Es gibt Dinge, die mich immer wieder aufs neue staunen lassen. Und dazu gehört in erster Linie die Abneigung von Architekten, die für Wohnungsbaugesellschaften arbeiten, gegen Küchen. Eine Küche ist anscheinend etwas, was man nicht braucht heutzutage. Entweder sie ist völlig offen zum Wohnraum und am besten zur ganzen Wohnung, was bedeutet, dass sie eigentlich nicht benutzt werden kann, jedenfalls nicht zum kochen sondern höchstens zum Kaffee kochen und eine TK-Pizza, denn würde darin gekocht werden, hätte man zum einen den ganzen Kochgeruch in der ganzen Wohung - und zum anderen wie sieht das denn aus! Also verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag große Küchen. Küchen, in denen man kocht. In denen man isst. In denen man lebt. Eine Küche ist der Kern eines Heimes. Aber kein Wohnzimmer. Wohnküchen dagegen sind dagegen völlig altbacken und geben deswegen beim Mietspiegel der Stadt München auch gleich einen Minuspunkt. Wahrscheinlich auch ein Grund, weshalb aus so vielen Altbauwohnungen die Küche in die damals obligatorische Kammer verschwindet, die verschwindet ganz, braucht ja kein Mensch außer mir - und aus der drei Zimmer Wohnung entsteht durch Zauberhand eine vier Zimmer Wohnung. Ohne anständige Küche oder Kammer - denn das wie gesagt braucht anscheinend kein Mensch. Alternativ wird aus der Kammer ein Badezimmer. Denn Badezimmer braucht man - so groß wie möglich. Und so viele wie möglich. Zu jedem potentiellen Schlafzimmer eines. Und jedes größer als die Küche.

Aber kommen wir zurück zur Küche. Der Hauptgrund für diesen offenen Küchen Schmarrn findet man ja erst, wenn man sich überlegt, schlicht und ergreifend eine Wand einzuziehen. Geht nicht. Geht natürlich, aber dann stellt sich heraus, dass man nun leider eine Küche ohne Fenster hat. Was auch ohne zusätzliche Wand immer schicker wird, denn mir kommen immer häufiger Grundrisse unter, die per se so geplant sind. Weil. Kein Mensch braucht eine Küche. In München kann man sich eh nur eine Wohnung leisten, wenn man von früh bis spät arbeitet und dann ist es egal, ob die Küche ein Fenster hat, merkt man ja eh nicht.

Jetzt frage ich mich natürlich, wer hier jenseits der Realiät lebt. Nachdem ich zwar grundsätzlich der Ansicht bin, dass es die Architekten sind, denen irgendwas ins Hirn... Aber vielleicht lebe ich auch jenseits der Realität. Vielleicht braucht man das heute - Badelandschaften und keine Küche. Vielleicht werden die, die solche Wohnungen kaufen aber auch irgendwann sehr unglücklich mit ihrer fensterlosen Küche. Vielleicht auch erst, wenn sie die Wohnung wieder verkaufen wollen. Oder müssen, weil sie sich das tägliche Essen gehen nicht mehr leisten können. Und dann feststellen, dass ihre fensterlose Küche zu einem echten Handicap geworden ist. Denn der Trend wird sich umkehren. Da bin ich mir sicher. Nur wann.

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