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August 2008

Der Sommer geht vorbei...

Das Licht ist weich geworden. Der Morgen kühl. Es war kein gleißender Sommer in diesem Jahr. Es war ein Sommer wie ich ihn aus der Kindheit kenne. Warm, aber der Abend kühl und am Morgen der Tau auf dem Rasen. Und Regen - immer wieder. Die langen heißen Abende, die empfand ich immer als Phänomen der letzten Jahre. Meine Kindheitssommer waren nicht glühend heiß. Auch der Regen war egal - das reinigende Gewitter am frühen Abend hat man sich von einem geschützten Platz im Hauseingang angesehen. Danach die frische Luft hereingelassen und sich mit einem Buch auf das Sofa verzogen.

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Es war ein sehr bayerischer Sommer. Und wenn dem ein bayerischer September folgt, gibt es doch gar nichts was fehlt.


Weitere Dinge, die man nicht braucht

Anscheinend.

Was also völlig aus der Mode kommt sind Außen-Jalousien. Also so richtige Rolläden, die man zumachen kann. Was umso denkwürdiger ist, da im Gegenzug es in Mode gekommen ist, das allerdings schon vor Jahren, dass man Wohnungen und Häuser nach Westen ausrichtet. Was man früher nicht getan hat, denn die Westseite ist die Wetterseite und wie das aussieht, kann man nach mehreren Jahren ganz gut sehen. So haben meine Eltern beispielsweise darauf geachtet keine direkte Westseite zu haben. Diese hat das Nebenhaus. Den Unterschied sieht man 30 Jahre später sehr deutlich.

Aber Westseite ist heute schick. Und schick sind auch große Panoramafenster. Wenn aber im Gegenzug Außenjalousien nicht mehr schick sind - ja, dann fragt man sich doch mal ganz spontan wie das ist, hinter eine großen Glasfläche zu leben. Bei der ich weder das Licht aussperren kann, noch die Sonne noch starken Regen.  Und dann frag ich mich, wenn mir als Sonnenschutz Lamellen oder Stoffmarkisen angeboten werden, wie die denn nach ein paar Jahren aussehen - ich red ja nicht mal von 30 Jahren. Wer diese Panoramafenster einmal im Monat putzen soll, frag ich ja schon gar nicht mehr.


Frau B. geht ein Glas Wein trinken

Da war ich also. In einem dieser Läden, die von den einschlägigen Szene-Gazetten so gehypet werden. Weil so schön alternativ, so schön berlinerisch. Damit sind die ganzen Szene-Musts eigentlich schon erfüllt. Aber es geht noch was besser: gleichzeitig so münchnerisch, weil der Namensgeber dem Ur-München-Kult dem Monaco entlehnt. Damit haben wir das nächste Muss, der nachwachsenden Toscana-Fraktion - erstens muss man dem Franze gut finden und zweitens ganz im schon damals angelegten Diskurs zwischen Glasscherbenviertel und Großbürgertum in das stadtimmanente Geschrei vom Verlust des ursprünglich münchnerischen  einstimmen. Klar, dass dies nicht meine Welt ist, schließlich hätte ich kein Problem damit in Altschwabing eine Altbauwohnung zu erwerben, in der Art wie auch unser Oberbürgermeister wohnt - ich hätte auch kein kein Problem damit, wenn dies bedeuten würde, dass dabei eine Studenten-WG ihren Wohnraum verliert (gibt's überhaupt noch irgendeine Studenten-WG in Altschwabing?) - ich hab eher das Problem, dass ich mir das nicht leisten kann. Aber ich verliere den Faden...

Zurück zu... Straßenkeipenatmosphäre im Glockenbachviertel. Nett war's. Und verwunderlich. Also nicht nur, dass bei den Pommes, die ich ohne Majo bestellt hatte, die Hälfte des Tellers in eben diese getaucht war. Und auf meine Anmerkung, bitte ohne, ich den Teller zwei Minuten später um die Hälfte reduziert wieder bekam. Für denselben Preis natürlich. Das ist ja Kapitalismus pur. Das eigentlich auffällige war der Wein. Jetzt kann man natürlich sagen, was muss man in Alternativkneipen Wein trinken. Aber es gab Rot und Weiss offen (auf Anfrage) - und ich dachte mir, jetzt probierst du den halt. Positiv: er war nicht schlecht. Gewundert hat mich allerdings die Menge von 0,1. Das allerdings nur bis zur Rechnung. Weil du könntest ja niemanden in einer Alternativkneipe vermitteln, dass er bitte sechs Euro für ein Glas Wein in der üblichen Kneipengröße von 0,2 l zu zahlen hätte. Da klingt doch drei Euro für ein Glas sehr viel ziviler.

Sauber. Aber anscheinend für den linken Gutmensch-Nachwuchs kein Problem. Für die tatsächlich einfachen Leute wär dies undenkbar. Also soviel zu Theorie und Praxis. Logisch auch, dass von den ursprünglichen Glockenbachviertlern keiner da saß. Und dass genau gegenüber eine der nobelsten Münchner Seniorenresidenzen ist, zeigt mal wieder: irgendwie ist der Diskurs zwischen haben und haben doch München immanent.


Stehenbleiben...!

Wenn die Polizei eine Straße oben und unten quasi abriegelt, dann fragt man sich unweigerlich, was denn in dieser Straße passiert sei. Einbruch? Mord? Aber wenn es die Residenzstraße ist, dann ist es nur eine Radlkontrolle. Die aber mit Großaufgebot, grad dass die Berittenen nicht dabei waren, aber die müssen ja die Sünder im Englischen Garten jagen. Dafür waren die Beradelnden zur Stelle, um eventuell flüchtende Radlrowdys einzufangen. Jetzt hatte ich das Glück, dass ich eh in nasenbohr langsamer Geschwindigkeit entlanggeradelt bin - wobei einem eigentlich eh nichts anderes übrig geblieben ist heute, weil dir ständig ein Touri vor den Lenker sprang und man muss ja nicht auf Konfrontation mit preussischen Kräften gehen. Was mir aber keinen anerkennenden sondern immer noch einen kritischen Blick der Kntrolleure einbrachte. Stellt sich nur die Frage, weshalb diese Großkontrolle? Mir kommt das ja immer wie eine großartige Einnahmequelle vor. Was ich verstehen kann, ich hab gestern auch meinen Kontostand überprüft ...


Über Dinge, die man nicht braucht

Es gibt Dinge, die mich immer wieder aufs neue staunen lassen. Und dazu gehört in erster Linie die Abneigung von Architekten, die für Wohnungsbaugesellschaften arbeiten, gegen Küchen. Eine Küche ist anscheinend etwas, was man nicht braucht heutzutage. Entweder sie ist völlig offen zum Wohnraum und am besten zur ganzen Wohnung, was bedeutet, dass sie eigentlich nicht benutzt werden kann, jedenfalls nicht zum kochen sondern höchstens zum Kaffee kochen und eine TK-Pizza, denn würde darin gekocht werden, hätte man zum einen den ganzen Kochgeruch in der ganzen Wohung - und zum anderen wie sieht das denn aus! Also verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag große Küchen. Küchen, in denen man kocht. In denen man isst. In denen man lebt. Eine Küche ist der Kern eines Heimes. Aber kein Wohnzimmer. Wohnküchen dagegen sind dagegen völlig altbacken und geben deswegen beim Mietspiegel der Stadt München auch gleich einen Minuspunkt. Wahrscheinlich auch ein Grund, weshalb aus so vielen Altbauwohnungen die Küche in die damals obligatorische Kammer verschwindet, die verschwindet ganz, braucht ja kein Mensch außer mir - und aus der drei Zimmer Wohnung entsteht durch Zauberhand eine vier Zimmer Wohnung. Ohne anständige Küche oder Kammer - denn das wie gesagt braucht anscheinend kein Mensch. Alternativ wird aus der Kammer ein Badezimmer. Denn Badezimmer braucht man - so groß wie möglich. Und so viele wie möglich. Zu jedem potentiellen Schlafzimmer eines. Und jedes größer als die Küche.

Aber kommen wir zurück zur Küche. Der Hauptgrund für diesen offenen Küchen Schmarrn findet man ja erst, wenn man sich überlegt, schlicht und ergreifend eine Wand einzuziehen. Geht nicht. Geht natürlich, aber dann stellt sich heraus, dass man nun leider eine Küche ohne Fenster hat. Was auch ohne zusätzliche Wand immer schicker wird, denn mir kommen immer häufiger Grundrisse unter, die per se so geplant sind. Weil. Kein Mensch braucht eine Küche. In München kann man sich eh nur eine Wohnung leisten, wenn man von früh bis spät arbeitet und dann ist es egal, ob die Küche ein Fenster hat, merkt man ja eh nicht.

Jetzt frage ich mich natürlich, wer hier jenseits der Realiät lebt. Nachdem ich zwar grundsätzlich der Ansicht bin, dass es die Architekten sind, denen irgendwas ins Hirn... Aber vielleicht lebe ich auch jenseits der Realität. Vielleicht braucht man das heute - Badelandschaften und keine Küche. Vielleicht werden die, die solche Wohnungen kaufen aber auch irgendwann sehr unglücklich mit ihrer fensterlosen Küche. Vielleicht auch erst, wenn sie die Wohnung wieder verkaufen wollen. Oder müssen, weil sie sich das tägliche Essen gehen nicht mehr leisten können. Und dann feststellen, dass ihre fensterlose Küche zu einem echten Handicap geworden ist. Denn der Trend wird sich umkehren. Da bin ich mir sicher. Nur wann.


Ferragosta

Hochsommer. Ausrufezeichen. Fragezeichen. Nachdem der Wetterbericht für den Feiertag morgen doch eher Entsetzen denn etwas anderes auslöst, nutzen Sie doch die letzte Gelegenheit, für einen Besuch im Haus der Kunst und schauen Sie sich die Ausstellung "Parrworld" an - den ganzen Schnickschnack den Martin Parr gesammelt hat und der ausgestellt ist, der löst wohl eher ein belustigtes "naja" aus. Die Fotos allerdings, die sind sehr lustig: Skurilitäten, Einblicke und Ausblicke. Noch bis Sonntag.


Grillen auf sizilianisch

Nun, es ist nicht ganz der Sommer zum grillen. Jedenfalls nicht, um lauschige Nächte in einem nicht vorhandenen Garten zu verbringen. Und so erinnere ich mich nur an wenige Grillabende, wobei durchaus das ein oder andere edle Tröpfchen entkorkt wurde - und ich in einem geliehenen Vliespulli dasaß, das Rotweinglas schwenkte und feststellen musste, dass der Wein schlicht zu kalt wurde. Aber glücklicherweise waren wir ja im Frühsommer auf der bellissima Seite des Lebens...

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...wo es vorallem gegrillten Fisch und gegrilltes Gemüse gab. Und Wein. Und daher gibt's zur neuen Weinrallye, ausgerichtet vom SanoViaBlog, diesmal sizilianischen Wein - schließlich lautet das Motto "Weine zum Grillabend".
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Mitgebracht aus Sizilien habe ich die Corvo Weine vom Weingut "Duca di Salaparuta".  Der  Corvo bianco wie auch der Corvo rosso sind unkomplizierte Sommerweine. Das heisst auch, dass mit 11,5 bzw. 12,5 Prozent Alkoholgehalt das erste Glas nicht gleich das letzte sein muss - erschreckenderweise sind nämlich die meisten sizilianischen Weinen, die man in Deutschland bekommt (nicht die, die man auf der Insel trinkt!), wahre Hochprozenter.

IMG_2503 Corvo rosso wird aus den Rebsorten Nero d'Avola und Nerello Mascalese gekeltert - ein charaktervoller Wein mit aromatischen Kräuter- und Beerennoten, der in den letzten Jahren bei Gambero Rosso immer wieder mit ein bis zwei Gläsern bewertet wurde. Passt zu gegrilltem Rindersteak mit Salat wunderbar. Bleiben wir auf der sizilianischen Seite der Küche gibt's dazu Thunfisch und oder gegrille Auberginen.

Der Corvo bianco besteht aus Inzolia, Catarratto und Grecanico Trauben. Er ist vom Charakter etwas eigen, aber frisch, fruchtig und elegant - ein schöner Begleiter zu gegrilltem Schwertfisch und Gemüse.

Beide auch gesehen bei Spina - etwa 6 Euro. Und wenn der Sommer keine Grillabende mehr hergibt, dann die Pfanne nehmen...

Ich hätte die aktuelle Weinrallye ja fast übersehen, wenn mich nicht Gotorio daran erinnert hätte durch ihren eigenen Beitrag...


Dicke rote Kirschen

Fast schwarz. Kindheitserinnerungen. An eimerweise dicke rote Kirschen. Süß. Keine Erinnerungen an eimerweise madenverseuchte Kirschen, die dann auf dem Kompost landeten. Dass ist die Erinnerung deiner Mutter. Einer Erwachsenen - auch damals vor zwanzig, dreissig Jahren. Die Erinnerung an die Kindheit ist die an dicke rote Kirschen, die die Nachbarn eimerweise vorbeibrachten in manchen Sommern.

Kirschen

Heute kennst du niemanden mehr, in dessen Garten sich die Bäume vor Früchten biegen. Der Kirschen und dann Zwetschgen eimerweise verschenkt, weil er nicht mehr weiss, was er damit machen soll. Heute kaufst du die süßen Früchte. Eine Handvoll bitte. Nur für die Erinnerung. Und die ist bei einem Pfund für vier Euro kostbar.


Sommernachtstraum

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Irrungen & Wirrungen - ein gradioser Puck - aber teilweise leider zu sehr in den Klamauk abtriftend (ich fand auch schon Dick & Doof doof und über Comedy konnte ich auch noch nie lachen)... Noch diese Woche in der Alten Münze.


Glauben schenken

Wenn ich an Open Air denke, fällt mir ein - brütende Hitze in Verona. Das musste jetzt kommen, der Vollständigkeit halber. Ansonsten fällt mir ein: ein bitterkalter Augusttag in Salzburg, an dem man für den einsetzenden Regen dankbar war, da danach der Jedermann im Schauspielhaus stattfand. Es fällt mir ein, Seebühne mit neckischen Regenschirmen im Sichtfeld - seidem habe ich eine gewisse Scheu vor der Seebühne, obwohl mich Tosca in diesem Jahr sehr gereizt hätte. Es fällt mir ein, ein zugiges Burgkonzert bei den Hofmusiktagen. Und wenn ich weiterdenken würde... Aber erst einmal denke ich bis heute abend. Und ich denke an den Wetterbericht von gestern. Denn getreu meiner Erfahrung, dass man derartige Karten nicht weit im Vorfeld erwerben kann, erworb ich sie gestern - nach einem Blick auf den Wetterbericht. Der hat mir zwar jetzt keine 30 Grad versprochen, aber irgendwie etwas ansprechenderes als das, was ich hier sehe, wenn ich aus dem Fenster blicke...


Urlaubslektüre und ihre Nachwirkungen

Es hat harmlos angefangen. Nämlich mit einer Urlaubslektüre. Wie ich sicherlich schon einmal erwähnte ist die Wahl der passenden Urlaubslektüre ein mindestens ebensolches Drama wie die Wahl des passenden Urlaubsziel selbst. Vielleicht sollte ich dazu übergehen, die Wahl des Urlaubsziels von der Lektüre abhängig zu machen? Dann würde ich wahrscheinlich die nächsten Jahre in erster Linie im Salzkammergut sommerfrischen - ist ja auch nicht hässlich dort. Natürlich würde ich jedes Jahr nach Wien fahren. Und Irland erst wieder verlassen, wenn ich James Joyces auch tatsächlich gelesen hätte. Ich würde die Schweiz bereisen und die neuen Bundesländer. Tee in Südengland trinken, Bier in Prag und in Neuengland den Blättern beim Verfärben zusehen. Wenn ich es mir recht überlegen, ist die Idee schlicht sensationell.

Nun fiel die Wahl im Mai allerdings auf ein klassisches Kulturreiseziel. So klassisch, dass die Urlaubslektüre ebenfalls sehr vielfältig ist. Man denke an Goethe. Auch Truman Capote bietet sich an, John Steinbeck, Alexander Dumas, D.H. Lawrence, Guy de Maupassant, Oscar Wilde. Und wenn ich das nochmal so lese, sollte ich ebenfalls einmal dort überwintern - mit einem großen Koffer voller Bücher.

Trotz aller Wahlmöglichkeiten fiel meine Wahl unter anderem auf einen Krimi.Ich wollte nicht nur etwas vom Ätnablick inspiriertes, sondern tatsächlich auf der Insel handelndes. Und reiste also mit Montalbano im Gepäck.Und kam mit einem gewissen Suchtverhalten wieder zurück... Jetzt bin ich durch - und der Urlaub hallte immerhin dauerpräsent nach.

Und was machen wir jetzt? Vielleicht sollte ich jetzt, da das Internet wieder läuft und das Telefon, da das Arbeitszimmer und der Schreibtisch auch tatsächlich wieder zum arbeiten genutzt werden können, die Infrastrruktur vorhanden ist, auch wieder selbiges machen... Und erst einmal Hände weg vor den nächsten Suchtauslösenden Krimireihen...