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September 2008

Münchner Nachkriegsarchitektur

Zwischen der ersten Adresse für Wintermäntel in München und dem Hauptbahnhof liegt die Maxburg. Das ist wichtig, denn damit war sie ein strategisch wichtiger Platz, um vor der Heimfahrt Kaffee zu trinken. Wer vom Bahnhof kommend die Fußgängerzone meiden wollte Richtung Innenstadt, kam automatisch an der Maxburg vorbei. Und würde es heute noch. Theoretisch. Wenn heute das Publikum der besseren Geschäfte noch mit dem Zug anreisen würde. Doch leider nimmt man die Maxburg heute meistens nur noch war, wenn man zwischen Lenbach- und Karlsplatz im Stau steht.

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Entworfen hat die Neue Maxburg der Architekt Sep Ruf. Wie auch das Amerikanische Generalkonsulat in München, dessen architektonische Prinzipien von Offenheit und Transparenz heute nicht mehr offensichtlich sind. Wie auch den Kanzlerbungalow, der in Wirtschaftswunderzeit gebaut, dann vor sich hin verfiel und nun doch saniert wird. Das Architekturmuseum hat Sep Ruf zu seinem 100. Geburtstag eine Ausstellung gewidmet.

Sehenswert! Noch bis 5. Oktober in der Pinakothek der Moderne.

Weitere Ausstellungsempfehlung


In der Innenstadt

In der Fußgängerzone steht ein Parteistand. Schräg gegenüber vor einem Billigmodehaus haben sich sich positioniert, diejenigen, die meinen, dass jeder bitte in in Billigländern produzierten schlechtsitzenden Klamotten rumlaufen sollte. Geld für Fastfood ist dennoch anscheinend da. Die andere Welt nur ein paar Schritte weiter. Die Schritte merkwürdig frei gehbar. Kaum etwas los in der Stadt. Nichtmal bei Dallmayr staunende Touristen. Wenn ich nicht wüsste, dass am Samstag die Wiesn anfängt, hier ist nichts zu spüren. Oder ist das die Ruhe vor dem Sturm? Die andere Welt, in der es den Schluck Espresso für 2,20 gibt. Den Champagner gibt es umsonst. Da in der Boutique, die den Frauen ebenso scheussliche Fummel andrehen möchte wie das Billigmodehaus. Champagner am Nachmittag macht die Kreditkarte locker. Ist eh nicht die eigene. Gesichtsstraffung ist auch eine Diätmöglichkeit. Der Begleiter blickt auf meine einsame Handtasche: Wolltest du nicht shoppen? Ich habe geshoppt. Ein paar Wandersocken. Großartige Ausbeute. Auf dem Rückweg habe ich noch Kaffee gekauft.


Urlaubsweine

An einem Tag wie diesem, an dem München novemberlich anmutet und die Gedanken vor oder zurück in wärmere Gefilde schweifen, Urlaub genannt, wünscht sich Gotorio Geschichten über Urlaubsweine - Weinurlaube anlässlich der 15. Weinrallye. Urlaubsweine gibt es natürlich immer wieder - sei es  in Form von sizilianischen Erinnerungen oder der Geschichte eines Franken, der  nach Usedom zog, um dann nach München zu reisen.

Oder wir greifen in den Weinkeller und ziehen die letzte Flasche Südtiroler Roten hervor...

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Was einem Aufbruchsignal gleich kommt: Es ist Zeit für zumindest einige Tage ein paar Kilometer weiter südlich. Die Wanderschuhe einzupacken und über die Alpen zu fahren.

Immer wieder zu staunen, immer wieder Luft zu holen. Immer wieder den Gegensatz zwischen den schroffen Bergen und dem italienischen Piazza-Flair von Bozen. Und von der Stadt wieder raus in die Natur. Ich habe von meinen Südtirol-Reisen schon viele Schätze mitgebracht. Im vergangenen Jahr waren es die Weine aus der Cantina Terlan. In diesem Herbst wird mich mein Weg sicher auch wieder bei Elena Walch vorbeiführen. Und wer weiss, was es sonst noch zu entdecken gibt. Neben der sagenhaften Landschaft natürlich...

 

Kleine Trinkgeldphilosophie

Gibt man dem Chef oder der Chefin Trinkgeld? Das finde ich eine ganz interessante Frage - die Generation meiner Eltern sagt nein. Ich habe irgendwann gemerkt, dass meine Kosmetikerin (selbständig) eigentlich schon ein Trinkgeld erwarten würde. Auch in dem Salon, in den ich gewechselt bin, steht für die Chefin genau wie für ihre Angestellten ein Trinkgeldschweinderl an der Theke. Also doch Cheftrinkgeld? Und wie ist das beim Friseur?

Grundsätzlich: Trinkgeld muss sein. Es kann nicht angehen, dass jemand Stunden mit meiner Haarverschönerung zugange ist - man über 100 Euro zahlt. Und sich dann auf den Standpunkt stellt, also bei dem Preis hab ich kein Geld mehr für Trinkgeld. Eine normale Friseuse macht die Preise nicht und verdient eh kaum was. Wer aber die Preise macht, ist der Chef. Also wie handhaben?

Eine Frage, die offensichtlich auch die Gegenseite beschäftigt. So war ich auf meiner Odyssee nach dem passenden Haarstylisten mal wieder unterwegs. Bei Kassieren dann die Überraschung, statt der auf der Webseite ausgewiesenen 59 hieß es dann - 65 Euro. Erstaunen. Nachfragen, wie der Preis zustande käme (etwa 5 Euro Schampoo-Zuschlag und ein Euro für Wasser?). Nein, das sei der ganz normale "Chefinnenzuschlag". Zehn Prozent. In dem Moment beschloss ich, dass diese zehn Prozent das Trinkgeld gewesen seien...

Wobei die eigenwillige Preispolitik sich noch in einem anderen Punkt gezeigt hat: die Shampoo-Empfehlung aus dem Salon für 18 Euro, hab ich danach in einem Laden einer auch nicht für seine günstigen Preise bekannten Kosmetikkette für 10,75 gesehen. Ach so.


Farbe für den blauen Reiter

Das letzte halbe Jahr ist angebrochen. Im März 2009 schließt das Lenbachhaus für drei Jahre seine Tore - es wird restauriert und renoviert und erweitert. Für lange Zeit also die letzte Gelegenheit einmal im zauberhaften Garten in der Spätsommersonne zu sitzen. An einem Platz, an dem das Jahrhundertwende München so präsent ist wie kaum an einer anderen Stelle.

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Und zum Abschluss hat man sich für die Hauptausstellung im Lenbachhaus - den blauen Reiter - nochmal etwas besonderes einfallen lassen. Nicht nur, dass die Bilder neu gehängt wurden, so dass es nun Künstlerräume gibt, es gibt diese Künstlerräume im doppelten Sinn des Wortes. Die Räume haben nämlich Farbe bekommen. Die Moderne tritt in einen Dialog mit dem Expressionismus. Vier Räume bekamen nicht nur eine schlichte Wandfarbe, sondern wurden von zeitgenössischen Künstlern gestaltet. Großartige Geschichte. Und ein echter Aufreger. Jedenfalls für den ein oder anderen (und derer nicht wenige) entsetzten Bildungsbürger, der seiner Aufregung im ausliegenden Gästebuch wortstark Ausdruck verleiht. Und so unterscheiden sich die Reaktionen heute nicht von den Reaktionen damals, als Franz Marc plötzlich Pferde blau malte. Denen und auch Ihnen empfehle ich an dieser Stelle doch mal wieder Oskar Maria Graf zu lesen - in diesem Fall die Stelle in seiner Autobiographie "Gelächter von außen", wo er beschreibt wie das denn war mit den blauen Pferden damals in der Türkenstraße...

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Mein Tipp: anschauen! Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Lenbachhaus.


Münchner Stadtteile

Also ich wohne eigentlich in Neuhausen. Unbeschönigt. Allerdings weder für die Telekom, die schickt nämlich immer Rechnungen, auf denen Moosach steht. Was an Beleidigung grenzt. Die aber vom Wahlamt übertroffen wird. Milbertshofen steht auf der Wahlbenachrichtigung. Milbertshofen?

Vielleicht will das KVR einfach eine Gegenbewegung in Gang setzten. Vielleicht sind sie auch einfach nur unwissend. Aber vielleicht ist es ja auch ein sozialdemokratisches Lehrstück: lieber Bürger löse dich von großbürgerlichen Vorstellungen - es ist völlig egal, wie der Stadtteil heisst, in dem du wohnst. Wir sind alle gleich - ohm.

Auf die ein oder andere Weise wird es ja offensichtlich, dass die Münchner Stadtteile neu gemischt werden. Besonders Makler sind ja kreativ. Und so findet sich schnell zu einem "unten" ein "oben" und plötzlich gibt es einen Stadtteil "Obere Au" - könnte es sein, dass das schicker klingt als "am Grünwalder Stadion"? Auch in Hoch-Thalkirchen gibt es Wohnraum. Völlig egal, dass Thal per definitionem unten ist und jenseits des Bergs, der nach oben führt, die Wolfratshauser Straße. Derartige Ortsbezeichnungen sind per definitionem absurd. Dass dagegen Nymphenburg inzwischen bis weit nach Laim geht, Gern bis zum Moosacher Bahnhof und Schwabing bis zur Allianz Arena ist fast logisch. Haidhausen hört schon lange nicht mehr am Ostbahnhof auf und Bogenhausen geht bis kurz vor Erding. Völlig klar, dass da die Stadt gegensteuern muss.

Vielleicht sollte man Vermieter, Verkäufer und Makler mal sehr deutlich aufmerksam machen: das hier ist anscheinend Milbertshofen - und Milbertshofen hat ein deutlich anderes Preisniveau als Neuhausen. Aber wahrscheinlich wären speziell die Makler mehr als verwirrt - den Stadtteil Milbertshofen gibt's doch gar nicht. Ach, von Nordschwabing reden Sie...


Der letzte Vorhang fällt

Die letzte Opernaufführung der Festspiele - ein letztes Verbeugen - ein letzter Applaus.

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Mit der Zauberflöte wurden die Festspiele 2008 beendet und während der reiche Mann am Sonntag noch einmal sterben sollte, war am Samstag das letzte Schaulaufen auf der Festspielgasse - nicht mehr so reich und schön wie am Anfang der Saison. Denn statt den sehen und gesehen werden A bis X Promis waren viele Normalsterbliche da, denen die Freude einmal Karten ergattert zu haben, aus den Augen schien. 

Überhaupt zeigte Salzburg eine Galavorstellung seiner selbst an diesem letzten August- Wochenende.

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