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Oktober 2008

Sozialdemokatrische Ansichten

Unser Oberbürgermeister, den man heute im schicken englischen Trench (und dazu passenden Schal) bewundern kann, freut sich. Und zwar über neue Mietwohnungen. Die entstehen da, wo Nymphenburg den Namen Nymphenburg noch verdient und sind, keine Frage, richtig schick. Und wer es sich also leisten kann, 18 Euro den Quadratmeter zu zahlen, kann in Zukunft nett neben der Schlossmauer, angrenzend an das Villenviertel wohnen. Lärmabgeschirmt ist er auch, denn zwischen dem schicken Neubaugebiet und den Bahngleisen kommt erst mal ein weiteres Neubaugebiet, in dem Leute wohnen, die meinen, wenn sie schon 1800 Euro im Monat für eine 100 Quadratmeterwohnung locker machen wollen, müssten sie diese nicht zwingend einem Vermieter in den Rachen schmeissen, sondern könnten damit auch einen Kredit abzahlen. Dafür dürfen sie jetzt als Lärmschutzwall fungieren, denn kaufen statt mieten gilt ja in dieser Stadt als suspekt. Denn das ist bourgeois. Und mieten nicht. Auch nicht bei 18 Euro den Quadratmeter.


Fast schon November

Es ist halb sechs. Es ist dunkel. Und es riecht nach Schnee. Ich bin der dunklen Jahreszeit wider besseren Wissens mal wieder unvorbereitet in die Falle gelaufen. Plötzlich ist sie da. Sie kommt mit schleichenden Schritten. Um sich irgendwann dann breit zu machen. Dick und fett sich über die Helligkeit zu schieben. Und Tage wie diesen vor sich herzupressen, Tage, an denen das Licht keine Kraft hat, sich zu behaupten. Tage, die auch dich Kraft kosten. Aber du musst haushalten mit deinen Kräften, denn es kommen noch mehr dieser Tage. Mehr.


Alles Käse

Ich lebe seit Jahren in der Nähe eines sensationellen Käsekuchens. Und wusste es nicht. Gut, hätte ich es gewusst, wäre es mir vermutlich egal gewesen. Wusste ich doch bis vor kurzem nicht, dass ich Käsekuchen mögen könnte. Was meint, ich mochte ihn nicht. Was an einer frühen Erfahrung lag, dass ich Käsekuchen als ein trockenes langweiliges Etwas abgespeichert hatte - und man mich nur mit einer flockigen Käsesahne hinter dem Ofen hervorholen konnte. Wobei mir schon klar ist, dass das ein anderes Kaliber ist, auch kalorientechnisch (Sahne! Zucker!). Abgesehen davon hat jeder Versuch, der sich nicht umgehen ließ meine Meinung in den letzten 30 Jahren bestätigt. Ja, tut mir leid, jede, der ich was anderes gesagt habe, wenn sie mir ein Stück selbstgebackenes offerierte, hab ich angeschwindelt. Aber das tut man auch als guter Gast. Soweit der Stand der Dinge bis vor zwei Wochen. An diesem Tag, der unter einer schlechten Sternenkonstellation gestanden war, denn nichts hatte so recht geklappt, führte der Weg zufällig am Detterbeck vorbei. Und weil ja eh nichts geklappt hatte, haben der Begleiter und ich beschlossen, die restlichen Pläne ad acta zu legen bzw. ad torta. Und gekauft wurde ein Stück Käsekuchen für ihn und ein Stück Spanische Vanille für mich. Und man fuhr heim zu Tee und Kuchen. Und da passierte es: Beim Anrichten löste sich ein Stückchen des Käsekuchens -  und ich probierte. Und ich wollte tauschen (Quizfrage: Konnte ich den Begleiter überreden?). Weil der Weg zum Detterbeck weit ist und ich selten zufällig in Laim unterwegs bin, bleibt das Aha-Erlebnis weitgehend ohne Konsequenz. Welche allerdings jetzt die Neulingersche Käsekuchenerfahrung haben wird, wird sich zeigen.


Virenknigge

Es muss am Wetterbericht gelegen haben. Den dieses Virus(?) Bakterium(?) dieser Krankheitserreger gesehen hat. Kaltfront? Regen? Ui, da such ich mir schnell ein warmes Plätzchen. Und fand mein Hals sei doch genau das richtige. Also kratzend einnisten. Allerdings scheint es ihm da auch nicht zu gefallen. Dabei kam er noch gar nicht in Kontakt mit Chemie. Nein, die Halsbesitzerin ist es bis jetzt gelassen angegangen: Honig ist gut gegen Erkältung. Also Honigbrot zum Frühstück. Vitamine sind gut. Also beim Obst-Gemüsehändler einkaufen. Salbei! Schon lange keine Tomatensalbei-Soße zur Pasta gemacht. Das fand der Gast anscheinend schon zu anstrengend. Und er suchte sich ein wärmeres Plätzchen. Und wanderte in die Nase. Die ihn aber auch loswerden will. Die Nasenbesitzerin sieht das auch (noch) relativ gelassen. Und wird sich mit Obst und Tee und Tempos - und ihren Arbeitsunterlagen auf dem Sofa niederlassen. Aber meine Gastfreundlichkeit hat auch ihre Grenzen: ich schätze es doch sehr, wenn jemand weiss, wann er zu gehen hat.


Frauen haben ja eh keine Ahnung

Natürlich bekam der Begleiter die Weinkarte vorgelegt. Und natürlich bekam er den Wein zum Probieren - nachdem ich ihn bestellt hatte. Drei Abende lang. In den Bergen ist man anscheinend noch konservativer als im Flachland. Aber grundsätzlich ist die Weinauswahl im Restaurant anscheinend Männersache und Frauen wird die Kompetenz nahezu grundsätzlich abgesprochen. Das ist nur ein Punkt, der mich am Weintrinken außer Haus ärgert. Die anderen sind: schlechte Weinauswahl, schlechte Beratung, überzogene Preise. Um Wein zu trinken, gehe ich häufig nicht mehr aus dem Haus, sondern freue mich über einen guten Tropfen in meinem Wohnzimmer...

Aber die Notizen für Genießer wollten ja explizit für die 16. Weinrallye was über das außerheimische Weintrinken wissen. Da gibt es ja zwei Möglichkeiten - man geht schick essen oder man geht was essen und trinkt dazu auch ein Glas Wein. Und gerade letzteres macht häufig keinen Spaß mehr: Man geht wohin, auf der Karte steht nur mit Glück das Weingut, auf Nachfrage hört man ein "Also mir schmeckt der xy am besten" und dafür zahlt man dann sieben bis acht Euro das Glas.

"Also mir schmeckt am besten" - auf den Satz reagier ich inzwischen allergisch. Den kann man nämlich auch im Restaurant hören. Und bei Flaschenpreisen für 50 Euro interessiert mich nicht die Bohne, was dem Fräulein Bedienung schmeckt, sondern was am besten zu dem auch nicht günstigen Essen passt.

Weil ich aber nicht nur meckern an dieser Stelle will, kramen wir doch mal das Service-Element hervor und loben. Nämlich das Broeding. Wo das Essen nicht nur wunderbar ist, sondern auch die Weinempfehlungen. Und das ganze eben nicht zu einem überzogenen Preis.

Hier war Frau B. schon mal ein Glas Wein trinken...


Berg und Tal

Mein Weiblichkeitsgen schein verschwunden. Weg! Jedenfalls dann, wenn man davon ausgeht, dass das Gen MhSusTüSddSl*, das auf dem zweiten X-Chromosom sitzt, heute eine verdächtige Du-kannst-mich-mal Stimmung verbreitet hat, während das männliche Pedant, das einen in Wanderschuhen durch die Prärie laufen lässt sich in den letzten beiden Wochen sehr wohl gefühlt hat. Letzteres wurde immerhin durch Bergblicke belohnt, während ersteres zwar heute das Tal gesehen hat, aber die Belohnung in Form von Einkaufstüten versagt blieb.

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*Mit hohen Schuhen und schwerer Tasche über der Schulter durch die Stadt laufen


Herbstausflug

Vom Winter in den Herbst - da soll man nicht durcheinander kommen. Aber sollten Sie die nächsten Tage nochmal die Gelegenheit haben, fahren Sie doch in unser schönes Voralpenland. Genauer schick ich Sie hiermit an den Walchensee.

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Man kann natürlich auch den Herzogstand rauflaufen und dann runterschauen - oder man schaut eben von unten nach oben auf die Berge...

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Zauberberg

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Hans Castorp brauchte sieben Jahre - in diesem Fall reichten sieben Tage. Und in Bayern ist nichts mehr so wie es war...

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während da oben - entrückt von der Welt

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und einige ein glückliches Bergwiesenleben führen- nichtsahnend, dass dieses Leben unweigerlich darauf hinführt, gefressen zu werden. also sich vom Leben im Tal nicht unterscheidet.