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Dezember 2008

Was vom Jahre übrig blieb...

2008 in Buchstaben

Patricia Highsmith: Der süße Wahn *

Simonetta Agnello Hornby: Die Mandelpflückerin

Steinfest: Ein dickes Fell *

Philip Roth: Der Ghost Writer

Andrea Camilleri: Die Rache des schönen Geschlechts
Andrea Camilleri: Die Form des Wassers
Andrea Camilleri: Der Hund aus Terracotta
Der Dieb der süßen Dinge
Die Stimme der Violine
Das Spiel des Patriarchen
Der Kavalier der späten Stunde
Das kalte Lächeln des Meeres
Die Passion des stillen Rächers

Julia Franck: Die Mittagsfrau

Die Zeit in der Zeit

Bernd Sösemann: Theodor Wolff

Tom Buhrow: Mein Amerika, dein Amerika

Paulo Coelho: Die Hexe von Portobello

Shakespeare: Macbeth

John Irving: Bis ich dich finde

Alfred Komarek: Die Villen der Frau Hürsch
Komarek: Die Schattenuhr
Komrarek: Narrenwinter

Jeanne Kalogridis: Die Kinder des Papstes

Eva Menasse: Vienna

Tim Parks: Stille

Martin Suter: Lila, lila*

Truman Capote: Die Hunde bellen. Reportagen und Porträts.*

Wie man sieht, sind meine unbedingten Empfehlungen (*) eher dünn. Ich könnte mindestens so viele Anti-Empfehlungen abgeben - und wissen Sie was, das mache ich auch: die schrecklichsten Bücher des Jahres waren "Die Mittagsfrau", "Vienna" und "Die Hexe von Portobello". Das schönste Buch ist schwierig - wohl die Reportagen von Truman Capote, die mich durch fast das ganze Jahr begleitet haben.

Rückblick - das war 2007, 2006.


Muss brav gewesen sein

Geschenke sind etwas wunderbares. Auch wenn ich immer behaupte, man müsse mir doch nichts schenken. Und das meine ich auch so. Müssen muss niemand. Und auf gedankenlose Gaben kann ich gerne verzichten. Verzichten kann ich übrigens auch auf den Gewinner des Deutschen Buchpreises, nachdem ich die letzten beiden Preis-Bücher geschenkterweise gelesen habe (keines bis zum Schluss) und danach in aller Ausführlichkeit jedem dargelegt habe, dass der Deutsche Buchpreis für mich ein Kriterium ist, ein Buch auszuschließen. Bekomme ich das neueste dennoch, weiß ich, dass man mir nicht zuhört. Umso mehr freue ich mich, etwas zu bekommen, von dem ich weiß, jemand wollte mir eine Freude machen, jemand hat mir zugehört oder sich etwas gedacht dabei. Und ich bin ganz gerührt, dass dieses Jahr anscheinend ein Fest der Gaben ist. So habe ich ein Päckchen bekommen, von dem noch zu erzählen sein wird. Von Freundin M. kam ein Vorweihnachtsurlaubsgruß mit dem Hinweis, sie wäre gerade shoppen gewesen. Und die Nachbarin überreicht mir einfach so ein Glas, das ich bewundert hatte. Auch Freundin E. kam vorbei, um ein buntes Packerl abzugeben. Der Zwerg an ihrer Seite fand das natürlich höchst spannend, was sich da einen Meter über seinen Kopf abspielte und hätte das ganze am liebsten sofort aufgerissen. So bedacht zu werden, macht mich ja jetzt schon ganz verlegen... Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle auch für ein Webpräsent. Von Dorin Popa lag ein Packerl vor meiner Tür - Renate Justs "Krumme Touren", die für mich natürlich perfekt sind. Und das, obwohl der Schenker ja nur mein virtuelles Ich kennt. Nice. Thanks.


Der Fratz vom Starnberger See

Starnbergersee-Blog

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, bin ich durchaus empfänglich für Kitsch. Jedenfalls in der Vorweihnachtszeit. Was natürlich bedeutet, dass gewisse Weihnachtsschnulzen von mir tatsächlich angeschaut werden. Natürlich nur heimlich still und leise, denn man kann ja schlecht jemanden sagen: Ich habe heute abend keine Zeit, heute abend kommt "Sissi" im Fernsehen.

Sissi zu Weihnachten ist Pflichtprogramm seit der Kindheit. Natürlich war das im Gegensatz zum Rodeln eine Mutter-Tochter-Angelegenheit. Zu der man sich gerne auch verkleidet hat - also die Tochter. Denn es war lange ehe ich in das Alter kam, in dem ich die Rocky Horror Show kannte. Und was später diese wurde war zu Grundschulzeiten eben Sissi.

Meine Mutter verweigerte ab einem gewissen Zeitpunkt das gemeinsame Schauen - mit der Begründung, sie müsse nur die Titelmelodie hören und finge an zu heulen. Naja, einmal im Jahr muss man sich ja ausheulen. Grad zu am Ende des Jahres. Dass sie der Weihnachtsschnulze bis heute abgeschworen hat, zeigte sich am vergangenen Montag: Die junge Prinzessin ging gerade mit ihrem Vater auf die Pirsch, als meine Mutter per Ferndiagnose die Wiederherstellung des Klingeltons an ihrem Telefon einforderte. Dies ist eine komplizierte Angelegenheit, die ein mehrmaliges Hin- und Hertelefonieren erfordert. Genauer: Ein Hin- und Hertelefonieren bis zu dem Zeitpunkt als Sissi den jungen Kaiser am Angelhaken und im realen Leben sich der Begleiter der Ferndiagnose angenommen hatte.

Heute kommt übrigens der zweite Teil. Mit mir. Ohne rosa Tüll inzwischen. Aber mit Taschentüchern.


Rodeln g'wesen - lang lang ist's her

Leicht lächelnd beobachte ich ja gerade die neue Rodel-Leidenschaft von Don Alphonso, bei der er mit gewohnter Detailtreue jede einzelne Schlittenbahn der Tegernseer Hausberge beschreibt und sich von kleinen Mädchen besiegen lassen muss. Kleine Mädchen sind nämlich ganz schön auf Zack, die darf man nicht unterschätzen.

Und während ich das so lese, werde ich selbst wieder zum kleinen Mädchen und sause in Gedanken mit meinem Vater einen Hügel hinab. Rodeln war ganz klar eine Vater-Tochter-Aktivität. Wie Radeln. Wie Schwimmen. Während meine Mutter völlig erschöpft war von Arbeit und zwei Haushalten, die sie natürlich ohne Hilfe führen musste, und deshalb keine Zeit mehr hatte für die schönen Dinge des Elternlebens, war mein Vater, solange ich klein war, ein Mustervater. Und wir gingen im Winter rodeln.

Auf einem ganz einfachen Schlitten. Ohne großen Gedöns vorne. Was mit daran lag, dass nur ein kleiner Schlitten in ein kleines Auto wie den Käfer passt und meine Eltern fuhren Käfer bis ich 14 war. Doch das war nicht der eigentliche Grund. Eigentlich hatte ich nämlich einen Schlitten, einen, der vorne so schön geschwungen war und richtig was hermachte. Den hatte mir meine Großmutter geschenkt. Und ich weiß noch, wie stolz ich da Weihnachten war.

Das ganze hatte nur einen Haken. Ich durfte den Schlitten nicht mitnehmen. Er war da, damit ich bei meiner Großmutter Schlitten fahren konnte. Dummerweise kann ich mich nicht erinnern, mit meiner Großmutter je Rodeln gewesen zu sein. Also so richtig mit ihr. Ja, wir waren schon zusammen an so einem Schuttbergerl, wo ich dann runterfahren durfte. Aber ich musste den Schlitten ja selbst ziehen. Und dafür war er eigentlich zu schwer.

Später, als er nicht mehr zu schwer gewesen wäre, hab ich mich an den Schlitten erinnert. Den mit dem schönen Schwung vorne. Da war er weg. Weiterverschenkt. An ein anderes kleines Mädchen. Und die, die durfte ihn mitnehmen.


Notebook München proudly presents: Isarstadt.de

Woll’n doch nur spielen

Reenactment. Nennt sich das so? Wir wollen den Geist einer Weihnacht nachstellen. Nacherleben. Nachleben. Den Geist einer Vorweihnachtszeit, ungefähr 1980. Wir steigen am Stachus aus der S-Bahn und stimmen uns schon auf der Rolltreppe ein: Heute, Kinners, wird’s was geben! Beim O. Dem Ziel unserer frühesten Träume.

Hier, so vermuten wir, hat sich nix verändert seit damals. Hier werden wir fröhlich-flauschige Flashbacks erleben. Ein Laden, der annonciert: „EG: Plüschkasper, UG: Großfahrzeuge“ kann doch eigentlich nicht schlecht sein. Oder? Mal sehen: Lag hier schon immer kühl-klinischer Marmorboden? Wir meinten, uns an die sanften Elektroschocks zu erinnern, die durch Gummistiefel-Scharren auf Kaufhaus-Teppich entstehen. An ein buntes Spiele-Wunderland.

Bunt ist’s immer noch. Aber sehr aufgeräumt bunt. Wir verstehen, warum’s Spielwaren heißt. Die Sachen sind: Waren. Wir steigen in den Keller hinab, vorbei an der Holzrutsche. Noch so eine Erinnerung. Die  stillgelegt ist. Sicherheitsaspekte? Oder einfach nur Bequemlichkeit? Wir prüfen, ob vielleicht eine andere Perspektive nötig ist. Gehen in die Knie. Blicken von unten her auf die Regale. Dreikäsehoch-Modus. Außer einem stechenden Schmerz im Gelenk regt sich da aber nichts.

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Würde es helfen, wenn wir eine der Verkäuferinnen fragen, ob sie uns kurz mal an der Hand halten mag? Vielleicht ist das, was hier fehlt, ja nur die Geborgenheit, die einem früher die Begleitung der Eltern oder der Geschwister geboten hat. Hmm, nee, lieber nicht! Enttäuscht verlassen wir das Geschäft. Gehen vorbei am Spielwarenhaus Wilh. Schmidt, das es schon lang nimmer gibt, Richtung Marienplatz. Wenigstens auf den K. ist noch Verlass: Hier wackeln vor Weihnachten die Stofftiere wie eh und je steiff durchs Schaufenster.

Woran liegt’s, dass wir die kindliche Vorfreude auf Weihnachten nicht so recht wiederbeleben können? Hat uns das Hollywood-Wissen um die Existenz von Spielzeug-Palästen à la F.A.O. Schwartz, wo Tom Hanks in der Endlosschleife auf dem Riesen-Klavier steppt, verdorben? Sind die Sinatra- Weihnachtssongs im iPod-Ohr nur eine zuckerwattige Reminiszenz an Zeiten, die es so nie gab? Warum nur muss das alles so kompliziert sein? Wir woll’n doch eigentlich nur spielen.

Dies ist ein Beitrag von Isarstadt zu dem von ihm selbst initierten Münchner-Blogwichteln. Vielen Dank für die schöne Geschichte! Meine Weihnachtsbetrachtungen lesen Sie auf der Vorspeisenplatte...


Neuer Mitbewohner

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Wenn mir dann noch jemand erklären könnte, wie der Elch in meine Wohnung gekommen ist...? In freier Wildbahn wurde er zuletzt bei einer Nikolausparty in der Maxvostadt gesichtet. Danach kann nur noch spekuliert werden. Anscheinend hat er sich in einer Jackentasche eingenistet und so ins Taxi geschlichen. Auf jeden Fall fand er sich am nächsten Tag bei mir im Flur wieder. Wenigstens ist er pflegeleicht.


Erst eins, dann zwei...

...und dabei fällt mir auf: Ich habe wenige Adventskränze gesehen bis jetzt. Außer dem - und der wurde mit den Worten präsentiert: "meiner ist aber viel schöner als der von Helga". Nennt man das jetzt Adventskranz-Bashing? Meiner ist aber zumindest nicht gekauft, sondern selbst dekoriert. Und wenn wir schon beim Voten sind: Den hier finde ich sehr schön - schlicht und geschmackvoll. Und wie sieht es bei Ihnen aus kurz vor dem zweiten Lichtlein?


Weihnachtsgeschenk vom Staat?

Schenke jemanden 500 Euro. Was passiert? - Wer's grad nicht braucht, legt's aufs Konto. Das soll ja verhindert werden, indem man es nur bekommt, wenn man es auch ausgiebt. Also: 500 Euro zum Verballern. Stellt sich trotzdem die Frage: was passiert? Und letztlich kann man sie sehr genau beantworten, wenn man überlegt, was passiert, wenn man Geld aus einer Steurrückzahlung bekommt oder eine Jahreszahlung. Also entweder kann das auf der einen Seite zur Aufwertung des tagtäglichen Verbrauchs führen. Was wahrscheinlich ist, aber unbefriedigend. Weil es stellt sich danach die Frage, weshalb man nicht immer mehr Geld, in diesem Fall 500 Euro in der Tasche hat. Vielleicht hat man auch das Gefühl, sich etwas gönnen zu wollen. Gönnen ist unterschiedlich: Schenk mir 500 Euro und ich geh zum Frisör, zur Kosmetik, Pediküre, geh schick zum essen und in die Oper. Wofür ich noch etwas neues zum Anziehen brauche... Kurz: ich hätte jede Menge Arbeit im eigenen Land damit unterstützt - bis hin zum Taxifahrer. Ich hätte nichts dauerhaftes davon, aber das ganze fällt unter unverhofften Geldsegen und kann ausgegeben werden. Jede Wette, ich stehe allein auf weiter Flur. Eigentlich könnte gleich ein Gutschein eines Elektrogroßhandels ausgegeben werden... und dann zählt bitte, wer sich davon eine neue Waschmaschine und wer ein neues Fernsehgerät gekauft hat - es gibt nur noch einen einzigen deutschen Fernsehgerätehersteller und ich kenne einen einzigen Menschen persönlich, der diese Geräte kauft und sei es schon aus Prinzip. Vielleicht könnte man auch einen Billigreiseveranstalter-Gutschein ausgeben? Was allen drei Varianten aber gleich ist - ihnen fehlt die Nachhaltigkeit. Ein Weihnachtsgeschenk, mehr nicht. 

Update: Ähnliche Fragen stellt sich der Stadtneurotiker.


Weihnachten naht (4)...

Zu den Dingen, die man vor Weihnachten macht, gehört nun auch mal die Liste rauszukramen, wer denn mit Weihnachtswünschen bedacht werden soll. Schön unterteilt in beruflich und privat und einem Rückblick auf die letzten Jahre. Ein echter Profi hätte jetzt eine Excel-Datei - bei mir ist sowas nach wie vor einfach eine Liste. Immerhin eine, die irgendwo auf der Festplatte ist, wenngleich ich sie jedes Jahr wieder nur durch die Suchen-Funktion wiederfinde.

Die Geschichte mit den Weihnachtskarten habe ich vor einigen Jahren angefangen. Und das mit großem Vergnügen. Immer selbst designed, mal mehr mal weniger immer hübsch anzusehen. Doch das Vergnügen hat deutlich nachgelassen. Und das liegt vor allem an der geringen Resonanz. Den Job-Part lass ich dabei außen vor. Nein, es geht mir ums Private. Das dumme an solchen Listen ist ja, dass einem genau dieses wieder vor Augen geführt wird. Nehmen wir Freundin A., die sich mit dem Tag ihrer Hochzeit, zu der sie noch eingeladen hatte und zu der du auch hingefahren bist, aus deinem Leben verabschiedet hat. Seit vier Jahren keine Antwort. Soll man da wirklich nochmal schreiben? Nehmen wir B., die in diesem Jahr umgezogen ist, was du weißt, aber eine neue Adresse hast du nicht. Hat sich damit auch erledigt. Gleiches gilt im übrigen für C., bei dem dieses Verhalten richtig weh tut. Von D. hast du nur über Ecken erfahren, dass sich das nächste Kind ankündigt - ob das eine größere Wohnung zur Folge hat, wird sich zeigen. Und mit F. schreibst du seit Jahren, man sollte sich mal wieder sehen. Soll man das wirklich nochmals schreiben oder ist es auch mal gut? H. dagegen, H. bekommt ganz sicher eine Karte, die erste für ihr erstes Weihnachten außerhalb Bayerns. Und sie hat dir sogar die Adresse nach ihrem Umzug mitgeteilt.