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Januar 2009

Im Bücherregal

Frisch gelesen: Patricia Highsmith "Zwei Fremde im Zug". Sagt den meisten als Filmtitel wahrscheinlich mehr. Es war der Erstling von Patricia Highsmith von 1950, den Alfred Hitchcock gleich als Film adaptierte. Nun ist es so, dass der Film und das Buch außer der Grundidee nicht mehr viel gemein haben. Und ich für meinen Teil wünschte mir nun eine Neuverfilmung. Philip Seymour Hoffman wäre die Idealbesetzung für Bruno. Anne Hathaway könnte ich mir als Anne vorstellen. Die Rolle des Guy ist noch frei: dunkelhaarig, schlank, nervös - ein bisschen farblos. Ich arbeite dran...


Warnstreik im Hause B.

Man könnte es eine erzieherische Maßnahme nennen. Es ist jedenfalls eine erzieherische Maßnahme, die die Technik in diesem Haus hin- und wieder von selbst übernimmt, um seine Mitbewohner zu diszilinieren. Genauer gesagt: die Fernbedienung. Jetzt wurden über die Fernbedienung an sich ja schon ganze Bücher inklusive Scheidungsratgeber geschrieben. Und was wären die ganzen Frauenzeitschriften-Partnerschafts-Psycho-Geschichten ohne Sex, Geld und die Fernbedienung. Da gäbe es ja nichts mehr zu schreiben. Dass aber die Fernbedienung ein Eigenleben entwickelt ist, denke ich, einzigartig.

Sie bockt. Vielleicht schmollt sie auch. Vielleicht will sie auch nur nicht. Auf jeden Fall verweigert sie den Dienst. Urplötzlich. Und immer wieder. In anderen Haushalten wäre sie daraufhin schon längst von Dienst suspendiert worden. Nicht so in diesem. Denn eine streikende Fernbedienung ist gut. Eine streikende Fernbedienung diszipliniert. Nichts mehr mit dumm rumzappen und die Zeit vergeuden. Nichts mehr mit einfach mal schauen, was kommt oder nach der Sendung kommt, die man eigentlich sehen wollte. Man schaut fern, ganz gezielt. Bevorzugt ein Programm ohne Werbeunterbrechung (weil man kann ja nicht wegschalten in der Zeit). Danach macht man den Fernseher aus. Es ist wundervoll.

Man braucht sechs Wochen, um sich an neue Verhaltensmaßnahmen zu gewöhnen. So lange hielt der Warnstreik nie an. Gestern abend hat sie wieder funktioniert. Genauso urplötzlich.


Ist Charlotte Roche schuld?

Offenbar besteht im Winter eine Tendenz zu Verwahrlosung. Das fängt im kleinen und sehr privaten Rahmen an und steigert sich zum öffentlichen Ärgernis. Weite dicke Pullover verstecken so manche Rundung und führen leicht dazu, diese noch weiter anzufüttern. Der Störfaktor ist wohl eher ein persönlicher, wenn er denn mal auftritt. Er tritt auf - spätenstens dann, wenn die Sommersachen nicht mehr passen. Auf Pediküre wird verzichtet und über den sprießenden Beinhaaarwuchs würde sich jede Emmabewegte Frau freuen. Kurz: die ganzen Schönen des Sommers werden im Winter zu unansehnlichen Wesen, wie die Natur sie schuf. Hilfreich ist wahrscheinlich, aktiv auf Beziehungssuche zu sein, dabei sind Verwahrlosungstendenzen nicht angebracht. Innerhalb einer Partnerschaft gehört im Winter schon viel guter Wille her. Wobei die nötige Pflege auch hier hilfreich ist. Aber das sind alles Dinge, die soll jeder mit sich selbst ausmachen. Ärgerlich wird es erst, wenn sie andere damit belästigen. Und ja, ich fühle mich zunehmend belästigt. Durch müffelnde Mitmenschen. In der U-Bahn, im Kosmetiksalon, im Restaurant. Fremder Schweiß. Bei dieser Anhäufung durch Muff frage ich mich schon, woran es liegt. Haben die Menschen kein warmes Wasser zu waschen - und waschen sich deshalb nicht? Tragen sie ihre Kleidung zu häufig? Zu dicke Pullis in warmen Räumen? Vielleicht haben sie auch alle im vergangenen Jahr diesen unsäglichen Bestseller gelesen und finden sich waschen jetzt uncool und müffeln cool. Aber haben sie niemanden, der ihnen mal sagt: Du stinkst? Ich sag es jetzt: Es stinkt mir, dass ihr stinkt.


Gegen Januar Blues

Tulpen_Blog

Ich halte ja nach wie vor nicht den November für den deprimierendesten Monat - es ist der Januar. Und er tut das seine, um mich in diesem Vorurteil zu bestätigen.


Ein violetter Karo-Rock

Nun kann ein Kleiderschrank noch so voll sein, es kommt der Augenblick, in dem wir hineinblicken und ihn mit den Worten "Ich habe nichts anzuziehen" wieder schließen. Die Gründe dafür sind natürlich vielfältig. Entweder passt nach Weihnachten das ein oder andere grad nicht so optimal bis gar nicht. Vielleicht haben wir auch keine Lust, das Haus zu verlassen und wollen eigentlich nur wieder zurück ins Bett. Vielleicht braucht es aber auch nur einen Vorwand, um shoppen zu gehen.

Nun kann ein Kleiderschrank noch so voll sein und diesen angehäuften Kleidungsstücken wird es immer den ein oder anderen Liebling geben. Vorzugsweise uralte Pullover - dreimal schon geflickt. Die Jeans mit der verdächtig dünnen Stelle an der Stelle, an der sie besser nicht reißen sollte. Oder das Teil, das irgendwann einmal ein verdächtiges "haben will"-Glitzern in unseren Augen hat aufleuchten lassen.

Lieblingsstücke sind der letzte Verlass, wenn das "Ich habe nichts anzuziehen"-Gejammer winterdepressionsbedingt ist und werden dann schon mal kurzerhand auch aus dem Schmutzwäschekorb wieder rausgezogen. Ich selbst mach das natürlich nie.

Aber wie das so ist mit Lieblingsstücken - die Leidenschaft dafür wird in der Regel nicht geteilt. Sie gehört uns allein. Die Waschhoheit in einer Beziehung ist dabei von unschätzbaren Vorteil. So können ungeliebte Lieblingsstücke von Mitbewohnern irgendwie auf Nimmerwiedersehen verschwinden oder aus Versehen im falschen Waschgang landen. Das macht man natürlich auch nicht. Ich auch nicht. Aber die Versuchung ist manchmal groß.

Aber in Beziehungen muss man Kompromisse schließen. Beidseitig. Und so begleitete der Begleiter am Wochenende mich und die Pferdedecke. Die natürlich keine Pferdedecke ist, sondern ein violett-roter Karorock. Ein Gute-Laune-Rock. Für mich jedenfalls.


Verschrottungsprämie Schrott?

Die sogenannte Verschrottungsprämie, die jetzt den Autokauf ankurbeln soll, löst bei mir durchaus gemischte Gefühle aus. Ja, ich gebe zu, erst einmal nachgerechnet zu haben. Allerdings ist mein Auto noch keine neun Jahre alt, sondern wird im Sommer jetzt erst einmal acht. Nehmen wir einmal an, ich würde das Auto nicht eben acht sondern neun Jahre fahren: Also eine Versuchung wäre es schon. Gerade weil ich schon darüber nachgedacht habe, statt dem Golf einen Kleinwagen mir zuzulegen. Nicht erst jetzt. Und dann hab ich mich mal schlau gemacht. Geschaut, nicht gefahren, soweit bin ich nie gekommen. Denn eigentlich soll's ein deutsches Auto sein. Wofür mich die Bundesregierung und die Autobauer jetzt lieben müssten. Seit Generationen wird in diesem Hause ein deutsches Auto gefahren. Nur seit dem Käfer, dem orginalen, findet sich kein deutscher Kleinwagen mehr im Angebot der deutschen Autobauer. Also keiner, über den man diskuttieren könnte. Natürlich kann man über den Mini reden, aber der hat zwar einen Kleinwagenkofferraum, aber beileibe keinen Kleinwagenpreis. Immerhin wäre das von mir favorisierte Auto ein Europäer, aber was bringt das bitteschön der deutschen Autoindustrie? Wäre eine Kaufprämie nicht sinnvoller gewesen? Aber wie gesagt, das ist rein hypothetisch, denn mein Golf wird ja erst acht. Also bleiben wir noch ein bisschen zusammen, mein Auto und ich.


Eiszeit

Da stehst du nun, neben dem zugefrorenen See und siehst am Strauch die Weidenkatzerl, die sich nun schon rausschieben - völlig unbeeindruckt der Minustemperaturen der letzen Woche.

Eis_Blog

Aber es ist ja eh nicht mehr zu bitterkalt und so hast du sogar schon mal das Auto inspiziert, das du an irgendwann einfach mal stehen gelassen hast. Da wo es stand. Vereist. Und immerhin lässt sich die Scheibe befreien und die Türen öffnen. Die Frage, ob es denn anspringt und fährt, verschiebst du noch ein bisschen. Nur nicht zu lange - die Eiszeit scheint zu Ende zu gehen und der Alltag wieder zu beginnen.


Es folgt: Der Wetterbericht

Ich hatte wohl eine Vorahnung. Es ist nicht anders zu erklären. Schließlich wohne ich schon lange in dieser Altbauwohnung mit ihren zugigen Fenstern. Es zog halt. Punkt. Bis zum letzten Dezember. Da wurde ich leicht unruhig und habe ganz plötzlich für alle Fenster Zugrollen besorgt. Mit der Begründung, das müsse jetzt einfach sein. Ich muss Ihnen wohl nicht sagen, wie dankbar ich für diese Zugrollen nun bin.... Und dass nach zehn Jahren sie nun sein mussten, lässt sich nur mit einer Vorahnung erklären. Die mich allerdings in anderer Hinsicht im Stich gelassen hat, denn der wirklich warme Wintermantel fehlt in meinem Schrank. Und ich muss Ihnen wohl nicht erklären, dass mich das nur zu einer Dankbarkeit bringt: dass es hier nicht so kalt ist. Ich finde es kalt genug.