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Februar 2009

Gute Freunde sind fein

Lange war ich ja ein großer Fan des Venezianischen Comissarios Brunetti. Den neuen Fall gab es immer an einem herrlichen Maiwochenende - und dann hieß es: mein Balkon, mein Buch und bene. Um es genau zu nehmen, habe ich dieses jahrelange Ritual erst beim letzten Band durchbrochen, und den habe ich bis heute nicht gelesen. Aber wie gesagt, viele der Bände habe ich gerne gelesen - und dann schreit man auch "hier", wenn es darum geht, wer das Rezensionsexemplar zur Besprechung liest. Mir hatten die "Feinen Freunde" gefallen und Diogenes anscheinend meine Kritik, denn als das Taschenbuch rauskam, hatte ich es damit auf die Rückseite geschafft. Was ich bis heute nicht wüsste, hätte die Nachbarin meiner Mutter sich nicht das Taschenbuch gekauft...

Heute kommt die Verfilmung von Donna Leons "Feine Freunde" in der ARD - ach, lesen Sie es doch lieber...


Verzichtserklärungen

Und, was fasten SIE dieses Jahr? Nun gäbe es sicherlich zur Zeit viel, auf das man gut und gerne verzichten könnte. Anderseits ist der Verzicht auch nicht angesagt. Verzichten Sie nämlich auf Shopping-Exzesse, treiben Sie den Einzelhandel in den Ruin. Bleiben Sie daheim, sind Sie schuld an der Pleite der Wirtschaften. Ihr Bäcker wird einen Kohlehydratverzicht nicht schätzen, ebensowenig Ihr Metzger einen Fleischverzicht, da freut sich nur der Käseladen. Die Süßwarenindustrie jault auf, wenn Sie Zucker meiden. Und gar die Brauer, jetzt nachdem der Bierkonsum eh schon zurückgegangen ist. Verzichten Sie auf Autofahren oder Rauchen - noch schlimmer. Das will zwar angeblich jeder, aber bedenken Sie die Steuerausfälle! Man möchte fast meinen, dieses Jahr sollte man einfach auf den Verzicht verzichten...


Aschermittwoch

Jetzt bin ich nun wirklich nicht faschingsaffin. Aber ich habe auch keine Backstube und Kunden im Einzelhandel. Hätte ich selbiges, hätte es am Rosenmontag bei mir Krapfen gegeben. Und nicht die Auskunft: nein, Montags gibt es nie Krapfen. Dafür gab es heute welche im Bioladen.

Aber ich kaufe ja saisonal.


Frau B. und Technik

Ein schwieriges Kapitel. Denn trotz aller Bemühungen - technische Finessen, und Finessen sind durchaus definitionssache, erschließen sich mir nicht. So ist das größte Manko beispielsweise das Fehlen eines persönlichen Supports für alles, was mit Computer zusammenhängt. Wisst ihr eigentlich, wie gut ihr es habt, so der Hinweis an festangestellte Kollegen: wenn was nicht funktioniert, nehmt ihr den Telefonhörer ab und jemand kommt und kümmert sich. Ein Traum. Ich doktere selbst. Was dazu geführt hat, dass mir auf diesem Gerät irgendwann die Adminrechte entzogen wurden. Denn erst durch schmerzhafte Erfahrungen wurde klar, dass ein PC etwas anderes ist als die von mir bevorzugte Mädchenvariante mit dem Äpfelchen. - Was natürlich nur eine Lösung für den PC-Mitbesitzer ist, der keine Lust hat, nach 14 Stunden Tagen auch noch eine Nachtschicht zur Datenrettung einzulegen. Für mich bleibt doch immer wieder die Frage: wieso funktioniert das nicht. Gestern war ich kurz davor das Nichtwollen einiger Programme auf das schlechte Wetter zu schieben. Wenn aber heute nach verschiedenen Umwegen zumindest eines wieder läuft, ist das auch nicht befriedigend. Denn wie in aller Welt hab ich das jetzt zum laufen gebracht? Und wie stelle ich sicher, dass das so bleibt? Offene Fragen...


Well-done kann auch zäh sein

Well heißt ja soviel wie gut. Was aber in einer Sprache, die Superlative liebt, nicht viel heißt, denn was heißt gut, wenn es auch excellent ginge. Andererseits ist well ja auch die Floskel schlechthin - äh... Also bleiben wir beim Well. Bei den Gebrüdern Well, genauer gesagt bei dreien von ihnen, den Biermösl Blosn. Die gestern mit Polt zusammen 30 Jahre Bühnenjubiläum im Residenztheater gefeiert haben. Ausverkauft war die Vorstellung in der "festlich geschmückten Mehrzweckhalle" (an die das Residenztheater inzwischen tatsächlich erinnert) schnell - sofort zu Vorverkaufsbeginn waren Telefonleitungen und das Internetbuchungssytem überlastet.

Typisches Resi-Publikum, rotgrüne Akademiker, gemischt mit Pelz- und edlen Tuchmäntel tragenden Münchnern, die sich gerne mal eine verbale Watschn abholen, denn der Bayer an sich braucht das, das sieht man immer am Nockherberg. Aber das ist net schlimm, denn den, der die Watschn austeilt, trifft man nächstens in Schwabing im gutbürgerlichen Wirtshaus oder beim Dallmayr beim Wurst kaufen. Wahrscheinlich ist man einfach zusammen älter geworden, schätzt inzwischen die Annehmlichkeiten des Lebens, denkt sich, jetzt reißen wir noch die letzten Jahre vor der Pension ab und "hearts ma auf mit der Politik".

Jubiläumsprogramme sind in der Regel etwas feines - da denken sich Künstler etwas aus und blicken zusammen mit dem Publikum zurück. Umso enttäuschender ist es, wenn ausgerechnet ein Jubiläumsprogramm sich durch eine Lustlosigkeit auszeichnet: ein Abend wie eine Floskel, ein Pausenfüller vor der Aftershow - well, lasst's uns a Bier trinken gehen. Vielleicht weil man dem Münchner Publikum eh alles vorsetzen kann? Aber wenn eine Schuhsohle draus geworden ist, ist es schade um ein Bayerisches Weiderind.


Abnehmen im Schlaf

Wer kennt das nicht? Irgendwann, meist im Laufe des Winters, stellt sich das Bedürfnis ein, nur noch schlafen zu wollen. Nur diesem Bedürfnis gibt man meistens nicht nach. Und wer kennt das nicht? Irgendwann, meist am Ende des Winters, hat man das Bedürfnis, sich von ein bis zwei Kilos trennen zu wollen. Wie schön wäre es, diese beiden Bedürfnisse zu verbinden...

Meine Damen und Herren, ich präsentiere Ihnen die Lösung: Springen Sie nicht mehr beiseite, wenn sich der nächste Virus naht. Nehmen Sie ihn mit nach Hause. Das Abnehmen wird Ihnen leicht fallen, da Sie keine feste Nahrung zu sich nehmen können - nennen Sie es die Kamillen-Pfefferminz-Kümmeltee-Kur. Sie werden sich von allen belastenden Dingen befreien. Und sie werden schlafen. Nur schlafen.

Über den Erfolg der Kur werde ich nach Beendigung berichten.


Frau B. hat ebenfalls Alpträume

Zwei Horrorgeschichten kann ich ausmachen, die mich bis heute verfolgen. Auch nach über 20 Jahren haben sie ihren Schrecken nicht verloren. Interessanterweise haben sie dasselbe Thema, wenngleich ganz unterschiedlich. Ein Film. Ein Buch.

Horrorflime habe ich nicht viele gesehen. War nicht mein Genre. Die, die ich gesehen habe, habe ich in Laufe der Zeit vergessen. Bis auf einen. Gut 20 Jahre ist es her und ich war allein zu Hause. Ich muss alleine zu Hause gewesen sein, denn meine Eltern hätten nächtliches Fernsehen im Wohnzimmer, das unter ihrem Schlafzimmer ist, gehört und unterbunden. Also die Tatsache, dass meine Eltern im Urlaub waren, während ich zu Hause war, deutet auf ein nicht mehr allzujunges Alter hin. Ebenfalls die Tatsache, dass aus meinen Kinderzimmer das Näh- und Bügelzimmer meiner Mutter geworden war, während der häusliche Frieden durch die Schaffung eines Dachzimmers herzustellen versucht worden war. Ich war also allein im Haus - schaute des Nachts fern und schaute "Rosemary's Baby"... Noch vor vier Jahren, als ich bei einem New York Urlaub fast täglich meinen Morgenkaffee in den Strawberry Fields trank, empfand ich den Anblick des Dakota Buildings als unheimlich. Und das morgens bei strahlendem Sonnenschein.

Ein anderer Pakt mit dem Teufel spielt in Gotthelfs Novelle "Die schwarze Spinne" eine Rolle. Aber wieder haben wir das Kind, das dem Teufel übergeben werden soll. Gotthelf war klosterschülerliche Schullektüre in der sechsten oder siebten Klasse. Starker Tobak für zartbesaitete Mädchenseelen - oder zumindest für Mädchen mit viel Phantasie, denn das Bild von der Spinne, die sich aus der Backe der Protagonistin mit Namen Christine löst, hat sich bis heute in mir eingeprägt.

Während ich also überlege, ob ich nicht eine Therapie gegen meine Spinnenphobie machen und diese meiner früheren Lehrerin in Rechnung stellen soll, stelle ich fest, dass die Novelle nicht nur bei mir nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Die Migräneanfälle, die nicht nur Dr. Faustus hat, sondern auch der Protagonist eines aktuellen Buches, wird von etwas ausgelöst, was der Arzt fälschlicherweise für einen Tumor hält: Einer Spinne im Kopf.

Wissen Sie, was ich gerade lese? - Sollten mir weitere Ähnlichkeiten mit dem Literaturkanon auffallen, werde ich Sie auf dem Laufenden halten.


Der Alptraum des Dr. Waldmensch

Es gibt Dinge, die ich nie ausprobiert habe - nicht weil mich ein Verbot geschreckt hätte, vielmehr weil ich vor dem, was passieren könnte, einen zu großen Respekt gehabt hätte und habe. Man kann es auch Angst nennen. Was passieren kann, wenn man von einem schlechten Trip nicht mehr runter kommt, zeigt Suters Roman "Die dunkle Seite des Mondes": Die Langeweile führt den erfolgreichen Wirtschaftsanwalt Blank zuerst zu einem jungen Hippie-Mädchen, dann zu Experimenten mit Pilzen. Und danach ist nichts mehr wie es war...

Für mich war und ist die bewusstseinsverändernde Wirkung von Literatur der Königsweg. Und auch wenn ich die Bücher von Martin Suter eher für "Männer-Bücher" halte, fasst einen der Roman an der sehr kurzen Leine und man folgt Urs Blank in den Abgrund. Unweigerlich. Zum Alptraum wird die Lektüre nicht, eine schlaflose Nacht kann sie schon bringen. Weil man sie nicht aus der Hand legen möchte.


Geld zum Monatsersten

Es war eine innere Wette mit mir selbst: Beim Öffnen der Autotür wettete ich, heute einen Blitzer zu begegnen. Wäre ja auch verwunderlich, wenn man sich das entgehen lassen würde, schließlich gilt ab heute die neue Bußgeldverordnung. Interessant war nur die Frage, wann ich dem ersten Radargerät begegnen würde. - Es war überraschend spät, nämlich erst kurz vor Einfahrt in die kleine Stadt. In Gegenrichtung. Aber an einer Stelle, die sich wahrscheinlich richtig gelohnt hat - 80 erlaubt, die meisten auf 100. Und das Gerät kaum zu sehen. Sicherlich ein Unfallschwerpunkt Sonntag mittag...

Worauf ich ja auch wetten könnte, dass der MVV, ehe er am Dienstag streikt, am Montag - sprich morgen - nochmal weiträumig kontrolliert. Am ersten Montag des Monats ab 12 Uhr sind die neuen Monatsmarken fällig. Kontrollen zwischen 12 und 16 Uhr haben sich schon immer besonders gelohnt...

Also passen Sie auf, dass das Geld, das zu Monatsbeginn in Ihre Kasse kommt, nicht gleich wieder in anderen Kassen verschwindet...