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März 2009

Wohnlage mal anders betrachtet

Das Wohnungs-Haus-Immobilien-Roulette dreht sich weiter und bietet immer wieder Stoff für Diskussionen, die zwischen Neid und Nie-im-Leben schwanken. So stellt man fest, dass die Ansprüche von Menschen, die man lange kennt und mit denen man viel Zeit verbracht hat, ganz unterschiedlich sind, was das eigene Zuhause betrifft. Was gut ist, denn so kommt man sich nicht in die Quere, aber doch erstaunlich, denn man meinte doch, eine gewisse Ähnlichkeit der Lebensentwürfe vor sich zu haben. Aber im Laufe der Jahre ändern sich ja Entwürfe und Prioriäten und Anschauungen. Eine der interessantesten Diskussionen, die sich daraus ergeben, ist die Wohnlagendiskussion.

Derartige Diskussionen haben mit den verschiedenen offiziellen und halboffiziellen Wohnatlanten Münchens wenig gemeinsam: denn obwohl es laut letzteren nur gute und beste Lagen in München gibt, sieht das nach individueller Sichtweise ganz anders aus. Ganz klar ist diese Sichtweise abhängig vom Grad der Familienplanung, vom persönlichen Ruhebedürfnis und von den eigenen Kochkünsten. Erstaunlicherweise hat noch niemand, das Vorhandensein geschweige denn die Qualität des nächsten Bäckers oder Konditors als Argument ins Feld geführt. Also ich finde das nicht unerheblich...


Werbemaßnahmen, uneffektiv

Liebe Post, schön und gut, dass Sie Kunden gewinnen wollen. Meinetwegen stecken Sie dafür auch einen Mitarbeiter in ein unkleidsames Shirt und lassen ihn Luftballons verteilen. Aber. Aber glauben Sie nicht, dass es werbewirksamer wäre, wenn dieser dafür abgestellte Mitarbeiter anstatt die wartende Schlange zu bezirzen, den Kollegen hinter den Schaltern beiseite stehen würde, so dass die Schlange weniger lang wäre? Service. Sie wissen schon.


Anspruch und Wirklichkeit

Schön, dass redaktionelle Unabhängigkeit noch so gut funktioniert bei den führenden Medien dieses Landes... Während in der Süddeutschen Zeitung Computerspiele böse böse sind - "Gewaltorgien", unkontrollierbare Waffen und die Gesellschaft verrohen, sieht man das beim SZ Magazin offensichtlich anders. Und hat kein Problem mit einer ganzseitigen Werbung, in deren Mitte eine Waffe plaziert ist: eine Werbung zu NintendoGrand Theft Auto Chinatown Wars. Es geht um Drogenhandel, Schießereien, Verfolgungsjagden und "Ihr dürft auch mal ein Scharfschützengewehr aus den Einzelteilen per Stylus zusammensetzen" und Granaten werfen (schreibt Gameswelt). Freigegeben ab 18.


Un Espresso per favore

Die Krise, die Krise ist anderswo. Nicht hier. Nicht hier auf der Maximilianstraße im Opern Espresso, wo die Leute auf einen der begehrten Sitzplätze warten. Die, die einen haben, stehen so schnell nicht mehr auf: No a Glaserl Schampus bitte. Was kostet die Welt? Die Gucci und Pradatüten lässig zu Füßen. Manchmal wird auch eine der Neuerrungenschaften der Freundin gezeigt - Bussi Bussi - gut schaust aus - und das Jackerl ganz liab.Un Espresso per favore. Mia san ja fast in Italien und überhaupt multinational. Apropos wohin geht's heuer in Urlaub? Und woher kommen Sie? - Man ist kontaktfreudig. Und überhaupt ist die Welt hier in Ordnung. Oder ein Biotop. Und Biotope sind schützenswert. Krise - welche Krise? Hier trägt man keine Fernseher ins Pfandleihhaus und das Haus in Grünwald ist abbezahlt. Obwohl so ein bisserl Bares würde nicht schaden, vielleicht lässt sich ja etwas Schmuck verscherbeln. 14 Karat Gold. Magst die Uhr wirklich nicht mehr? Vielleicht hat ja ein Auktionshaus Interesse?


Ein Bild und seine Geschichte (3)

Symbole

Wollten Sie schon immer wissen, was C-M-B an einer Tür im Chiemgau bedeuten kann? Die Sternsinger waren da, sicher. Aber sie haben nicht das Pentagramm dazu gezeichnet... Die Auflösung und die ganze Geschichte über die Zausitzerin lesen Sie in Max Joseph, dem Magazin der Bayerischen Staatsoper. Und nachdem jetzt grad Heft 2 erschienen ist, verweise ich noch ganz schnell auf Heft 1. Das wollte ich Ihnen eh schon lange zur Lektüre empfehlen. Jetzt auch als Download - Max Joseph 1 "Verschwinden" ab Seite 19.


Darf's ein bisserl mehr sein?

Wenn in einem traditionellen Münchner Feinkostgeschäft, das man aus der Werbung kennt und das entsprechend von staunenden Touristen frequentiert wird, die Verkäuferin für ein Packerl Kaffee und ein paar Schokoladeneier 38 Euro fordert, stutzt man vielleicht. Und Sie und ich sagen dann: "Das kann aber nicht stimmen." Worauf Sie und ich dann hören: "Verzeihung." Und einen Preis, der etwa ein Viertel der ursprünglichen Summe ausmacht. Und dann könnte auch alles wieder vergessen sein. Wenn, ja wenn nicht so ein schaler Beigeschmack bliebe, ob der vielen anderen Kunden, die diese Summe jetzt anstandslos gezahlt hätten. Vielleicht hätten sie sich gewundert, aber sie sind ja in einem teuren Feinkostladen im teueren München.


Bayerisch für Anfänger III

Es offenbarte sich mal wieder eine sprachliche Barriere in einer binationalen Beziehung - zwischen Niederbayerin und Zuagroasten: Frau B. analysiert bei einer Tasse Kaffee die aktuellen Immobilienangebote und stößt auf eine Anzeige, in der eine Erbengemeinschaft für eine 120 qm Wohnung (in zentraler verkehrsgünstiger Lage - fast direkt am Mittleren Ring) 700 000 Euro haben will. - Was fällt Ihnen dazu ein? Mir jedenfalls nur eines: "De hat der Ruach packt."

Bayerisch für Anfänger, Teil I und II


Beim Spiel geschummelt

Ich hatte mich selten so auf ein Buch gefreut. Immerhin hatte ich "Im Schatten des Windes" verschlungen und mehrmals verschenkt. Die Idee, die Handlung, die Sprache - "Schatten des Windes" war für mich das perfekte Buch. Ich gebe zu, da was drauf zu setzen oder auch nur das Niveau zu halten, ist schwierig. Lang genug hatte sich Carlos Ruiz Zafón auch Zeit gelassen mit seinem nächsten Buch "Das Spiel des Engels".

Wie gesagt, ich hatte mich sehr darauf gefreut. Und ich war bitter enttäuscht. Die Idee nicht wirklich neu - aber bitte, welche Idee ist schon neu. Auf die Umsetzung kommt es an. Und die fand ich schon über große Teile hinweg wie mit der Brechstange. Ganz offensichtlich inspiriert von Thomas Mann, von Gotthelf - was im übrigen gar nicht so schwer ist, wenn man sich mit der Entstehungsgeschichte des Dr. Faustus beschäftigt, stößt man unweigerlich auf die Novelle - und abgekupfert aber auch von Angel Heart

Ich bin mir sicher, dass es noch andere Parallelen gibt, die mir jetzt nicht aufgefallen sind, weil ich vielleicht die Orginale nicht kenne. So würde ich wetten, dass auch eine sprachliche Inspirationsquelle gab - für das erste Drittel des Buches, denn in diesem ist die Sprache fast unerträglich schwulstig, so dass ich erst einmal nachgeschaut habe, ob dieses Mal ein anderer Übersetzer am Werk war.

Kurz: dieses Buch legte ich nicht am Ende traurig beiseite - nicht traurig, weil zu Ende, eher traurig weil enttäuscht. Und mit dem ganz unguten Gefühl, ob mir nicht "Schatten des Windes" so gefallen hatte, weil ich es hier gelesen hatte...

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Sie wissen schon, Atmosphäre und so. Und dann holte ich "Schatten des Windes" nochmal aus dem Regal. Und las es. Diesmal nicht in spanischer Frühlingssonne sondern in Münchner Wintertristesse. Ein Trost - es bleibt eines meiner Lieblingsbücher. Vielleicht kann man nur scheitern, wenn man daran anknüpfen möchte...


Hausfrauencontent

Als ich am Wochenende davon gesprochen habe, man könne mal wieder Geld ausgeben, hatte ich alles mögliche im Sinn. Schuhe zum Beispiel. Oder Frühjahrsgaderobe. Handtaschen. Ein Zweitrad. Lauter Dinge, die man braucht oder auch nicht braucht. Die aber Spaß machen. Was ich nicht im Sinn hatte, als ich von einer neuen Anschaffung sprach, war eine Waschmaschine. Ich hatte ja auch eine. Von der ich noch am Sonntag beim Frühstück ausgegangen war, dass sie funktioniert. Ich erwarte ja nicht viel von einer Waschmaschine, ebensowenig wie von einem Mobiltelefon. Letzteres muss telefonieren können, erstere waschen. Dass sie aber dann exakt zu ihrem zehnten Geburtstag quasi sagt: weisst du, eigentlich hab ich ja keine Lust mehr und du wolltest dir doch eh was neues kaufen. Also das ist tolldreist und frech.

Manchmal fragt man sich ja, ob so ein Gerät eine innere Zeitschaltuhr hat - Zeit um, Gerät kaputt. Bei den meisten Geräten zwei Tage nach Ablauf der Garantie. Also sollte ich für zehn Jahre wohl dankbar sein. Vor zehn Jahren begann ein neuer Lebensabschnitt - eine Zeit, in der man bei niemanden mehr seine schmutzige Wäsche abgeladen hat. Und wenn dein Lieblingspulli bei 60 Grad auf Puppengröße geschrumpft ist, kannst du dich bei dir selbst bedanken.

Die erste eigene Waschmaschine. Das kann man wohl schon als Einschnitt in seinem Leben betrachten. Die zweite ist das untrügliche Zeichen dafür, dass man wohl jetzt endgültig erwachsen ist. Und spießig. Sonst würde man sich ja nicht freuen, dass die neue ein eigenes Programm zum Hemden waschen hat. Das wär mir ja vor zehn Jahren so was von egal gewesen...