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April 2009

Sterne, die in die Pedale treten

Ich habe ja mehr Verständnis für kleine Kinder als man gemeinhin von mir annimmt - ihr Trotz amüsiert mich, ihr Weinen erweckt mein Mitleid. Beides sind Dinge, die man als Erwachsener einfach nicht mehr macht, weil man sie reflektiert. Aber wenn wir ehrlich sind, wollten wir auch immer wieder aus Wut weinen oder uns auf den Boden werfen und "ich will aber" schreien. Nur wissen Sie und ich, dass das nichts bringt. Und normalerweise beißen wir einfach die Zähne zusammen. Und wenn wir uns verletzen und keiner ist da, sagen wir "aua" und weitergeht's - ist jemand da, wollen wir wie ein kleines Kind wenigstens kurz mal bemitleidet werden. Wachen wir aus einem schlechten Traum auf, erschrecken wir auch, aber reflektieren, dass dies ein Traum war. Genauso bei nächtlichen Schmerzen - tief durchatmen, Schmerztablette, irgendwann weiterschlafen. Nur wer das nicht kennt, versteht nicht, dass das kleine Kind in der Wohnung über oder neben einen nachts zu weinen beginnt. Ja, normalerweise haben wir uns unter Kontrolle. Doch manchmal verlieren wir sie... Zum Beispiel, wenn man im Fahrradladen sich zu einem Radl beugt und beim Aufrichten übersieht, dass über jenem Rad noch eine sehr massive Glasplatte mit einem anderen Rad ist, die Kante knapp über Augenhöhe... Ich schwöre Ihnen, ich habe Sterne gesehen. Und mich auf den Boden gesetzt und geheult. Dann ließ ich mich mit Schokoladenkuchen trösten, während auf meinem Hirn die Beule das Wachsen anfing.

Also haben Sie Verständnis mit kleinen Kindern - und empfehlen mir bitte hier in München einen Fahrradladen. Vielen Dank.


Die Maria Braun

Grundsätzlich stelle ich mir ja die Frage, weshalb man zwingend Romane und Filme auf die Bühne bringen muss. Das ist momentan tre chic. Vielleicht liegt es daran, dass die Klassiker rauf und runter gespielt wurden und, wenn man chic sein möchte, nur fürchterlich dekonstruiert werden können. Also verlegte man sich Ende der 90ern auf die ganzen "Shoppen und f...en"-Stücke, die aber wie der Name sagt auch immer nur ein Thema haben und die 90er sind vorbei, die Zeiten haben sich geändert, es kam nichts neues nach und so bedient man sich heute am Film- und Romanfundus, was besonders bei den Kammerspielen auffällt (klar, die Klassiker sind Dorn-Revier auf der anderen Straßenseite und auf die ganz jungen Stücke hat Stückl seine Hand).

So hat sich Thomas Ostermeier hat für die Kammerspiele (schon letzte Spielzeit) bei Fassbinder bedient und "Die Ehe der Maria Braun" für die Bühne adaptiert - ein Leben in den Gründungsjahren der Bundesrepublik. Und, um es kurz zu machen: Es ist großartig.

Fängt die Inszenierung noch als episches Theater an, wird die Bühne immer mehr zur Guck-Kasten-Bühne und der Spot immer dringlicher auf Maria gerichtet, bis man am Schluss im Sinne einer griechischen Tragödie mitleidend Katharsis erfährt. So ist auch nur die Maria als eigenständige Rolle angelegt - gespielt von einer großartigen Brigitte Hobmeier - der Rest ist Staffage und schlüpft um sie herum immer wieder in andere Rollen. Auch Bühne und Ausstattung hier stimmt alles.

Deshalb: unbedingte Empfehlung! Gespielt wird diesen Sonntag und am 4. Juni im Schauspielhaus - mehr dazu inclusive Trailer.


Der reinste Schrottplatz

Während andere Menschen wegen der Abwrackprämie ihre quasi nagelneuen Autos zum Schrottplatz bringen lassen, wrackt hier so nach und nach alles von selbst ab: Angefangen mit dem Bügeleisen - gut, das war meine Schuld, Bügeleisen schätzen einen Fall aus einem Meter Höhe offensichtlich nicht besonders - über die Waschmaschine bis hin nun zum Backofen. - Mein Beitrag im Kampf gegen die Wirtschaftskrise. Und das ganz ohne staatliche Belohnung.


Osterurlauber...

...seid gegrüßt wieder zu Hause. Sie waren die letzten beiden Wochen im Süden? Sie Ärmsten. Bei kühlem Wetter haben Sie Bayern verlassen, bei kühlem Wetter kehren Sie zurück. - Hätten Sie nicht noch ein bisschen wegbleiben können? Vielleicht hätte ja dann das Hoch über München angehalten. Nein, nehmen Sie das jetzt bitte nicht persönlich. Kahl und braungrau haben Sie München in Erinnerung. Voll und grün empfängt Sie die Stadt. Die ersten Biergartenbesuche liegen hinter uns, die Eisdielen waren voll. Ja, es war wie Urlaub hier in den letzten zwei Wochen. Jetzt darf es auch mal regnen, die Natur ist dankbar und die Nase auch. Heuschnupfen, der einzige Schönheitsfehler der letzten Tage.


Hopfen und Malz - Gott erhalt's

Gut, der Termin vom Winzerblog ausgerufenen Weinrallye war eigentlich gestern, aber für diesen Nachtrag darf es auch ein Nachtrag sein, denn so hab ich endlich einen Anlass, Ihnen etwas zu empfehlen, was ich Ihnen schon lange empfehlen wollte. Das Thema lautet nämlich "regionale Spezialitäten" und meint damit gar nicht so Wein. Was ist aber eine flüssige Spezialität in Altbayern wenn nicht Bier?

Jetzt bin ich ja per se ein Fan der etwas kleineren Brauereien und von den Münchner Bieren halte ich nicht viel - außer vielleicht von Hofbräu und natürlich könnte ich jetzt als Münchnerin über die Staatliche Brauerei hier schreiben. Aber ich möchte Ihren Blick von München weglenken und in diesem Fall weder nach Reutberg noch nach Tegernsee, wobei es in beiden Orten hervorragendes Bier gibt und man über Reutberg schöne Geschichten erzählen kann. Ich möchte Ihren Blick nach Niederbayern lenken, in meine Heimatstadt und zu dem dortigen Brauhaus.

Dieses braut nämlich ein hervorragendes Öko-Zwickl. Das ich aber beileibe nicht auf einem Heimatbesuch dort entdeckt habe, sondern an einem schönen Frühlingstag hier in München. Es war im vergangenen Jahr und hier tobte irgendeine dieser 850-Jahr-Massenveranstaltungen in der Innenstadt. Es war zu laut, zu voll und wir flüchteten auf den Viktualienmarkt und genossen die dortige Ruhe (kein Scherz). Und tranken ein Bier, und auch ich trank ein Bier - und stellten fest, dass das ein gutes Bier war, das wir tranken. Und siehe da, es war ein Landshuter Bier.

Seitdem ist unter den vielen Dingen, die ich immer von A nach B schleppe und weshalb ich zwingend immer mit dem Auto in die alte Heimat fahren muss, auch immer wieder mal ein Kasten Bier oder zumindest ein paar Flaschen.

Jetzt schicke ich Sie deswegen nicht nach Niederbayern. Aber wann sind Sie das letzte Mal über den Viktualienmarkt gebummelt? Dann kehren Sie doch in der "Kleinen Ochsenbraterei" ein - Essen kann man da auch und zwar ziemlich gut. Alles bio. Und trinken's ein Zwickl dazu. Lohnt sich zu probieren. Versprochen.


Die Bratwurst ist gut.

Nein, sind wir mal ehrlich, damit lässt sich heute kein Blumentopf gewinnen. Ja, vor einer Woche, vor einer Woche war das noch anders. Und deshalb hab ich auch sofort "ja" gesagt, als vor einer Woche das Telefon läutete und der Begleiter fragte: Möchtest du auf das Spiel Bayern gegen Barca? Champions League - Allianz Arena - hochklassiger Fußball?  - Klar will ich. Und vor einer Woche hätte die Aussage, man habe Karten für das Spiel zumindest bei fußballinteressierten Mitmenschen ein bisschen Neid auslösen können. Das war, wohlgemerkt, VOR dem Hinspiel. Denn nach dem Hinspiel hatten nicht nur Löwenfans Mitleid und ganz ehrlich, wenn ein Blauer hier in München schon Mitleid mit den Roten hat... - man muss sich auch ernsthaft fragen, warum man zum Rückspiel in die Allianz Arena geht. "Die Bratwurst ist gut", sagte S. Auch ein Grund. Vielleicht auch beginnt man, die Blauen besser zu verstehen - von wegen Leidensfähigkeit und so. Macht also einen Schritt in Sachen Münchner Völkerverständigung. Aber vielleicht erleben wir ja auch das Wunder von München...


Karwochenende

Von einem stillen Feiertag konnte gestern im Englischen Garten keine Rede sein. Es ging zu wie am ersten Wiesn-Samstag und letzten Adventssamstag zusammen. Flucht auf den Elisabethmarkt.


Frühjahrsputz I

Alles hat seinen Preis. Daran sollte man immer denken. Wenn Sie nun, wie anscheinend die wenigsten Frauen ihr Auto nicht selbst putzen, mag das daran liegen, dass Sie nicht die Herrschaftshoheit über dieses Auto haben - sondern Ihre Männer oder Väter diese haben. Das ist der Preis, den Sie dafür zahlen - inclusive Rechtfertigungen für Strafzettel und Dellen. Diese Erkenntnis, nämlich dass es mein Auto ist, das gestern seinen Frühjahrsputz bekommen hat, kam mir zwischen entmüllen, saugen und wienern. Früher war mein Auto nicht mein Auto, sondern das Auto meines Vaters. Ich bin es gefahren - er hat es zum Richten gebracht. Heute ist sein Auto sein Auto - auch wenn er seit Jahren nicht mehr fährt. Und meine Mutter in ihrem Leben noch nie in einer Waschanlage war, weil es immer einen Mann gab, der sich darum gekümmert hat. Was zu der absurden Situation führt, dass sich der Mann von seiner Tochter zur Waschanlage fahren lässt und diese dort das Auto putzt. Aber eben unter seinen Augen, weil es ist ja sein Auto...

und ehrlich gesagt: ZWEI Autos putzen, ist im Grunde eines zu viel.


Lissabonner Impressionen II

Pessoa2

Pessoa und Lissabon - das ist eine Einheit. Im "A Brasileira" saß er und sitzt er auch heute. Wenn er auch sicher nicht auf der Esplanade saß, da sitzen vor allem Touristen, denn im Gegensatz zu den Portugiesen wollen wir draußen sitzen, was speziell am Abend überraschenderweise schwieriger ist als erwartet, denn die Portugiesen sitzen wie gesagt drinnen. Ich saß aber draußen und las, natürlich, Fernando Pessoa. Ein anarchistischer Bankier. Eingedenk der momentanen Lage und des Gipfels in London und der Straßenkämpfer der Anarchisten im Bankenviertel lege ich es Ihnen als Lektüre wärmstens ans Herz (ist nur ein schmales Bändchen)...


Lissabonner Impressionen I

Ich hatte es versprochen. Ich hab den Frühling mitgebracht. Zugegeben, er hat anscheinend den Flieger verpasst, aber jetzt ist er da und jetzt, wo der Himmel auch in München endlich aufreißt (in der kleinen Stadt schien schon seit Tagen die Sonne, was eine Unverschämtheit ist, schließlich hat ja München die Sonne und den Föhn gepachtet und nicht Niederbayern), kann ich mich auch wieder zu Wort melden.

Ich war mal wieder Haustorten testen...

Konditorei

...allerdings ist die Haustorte, dort wo ich war, keine Torte. Es ist ein Blätterteigteilchen mit Puddingfüllung. Und die Begeisterung der Lissaboneser für ihr Nationalgebäck kann ich nicht ganz teilen. Aber sie sind eh unglaubliche Süßschnäbel, das hab ich noch nicht gesehen. Überall Bäcker- und Konditoreien und gegessen wird gleich an der Theke. Neben jener berühmten Konditorei in Belem hat jetzt auch der erste Starbucks von Lissabon aufgemacht - dabei gibt es in dieser Stadt für dumme Kaffeeketten wirklich keinen Bedarf - der Kaffee ist super und supergünstig.

IMG_1226 Überhaupt kann man in Lissabon günstig essen - zu zweit inclusive Vorspeise, Wein und Kaffee für 20 Euro das geht. Man kann aber auch für ein einzelnes Hauptgericht allein 20 Euro hinblättern - irgendwo müssen ja auch diese Bewohner der Stadt essen gehen, die die ganzen teuren Autos fahren.

Also wir sind ja mit Begeisterung Tram gefahren...


...aber die Portugiesen haben ein Faible für neue deutsche Autos. Das Straßenbild kann in dieser Hinsicht fast mit München mithalten und das will einiges heißen. Mit der Eleganz der Autos kann halt leider die Eleganz ansonsten im Straßenbild nicht mithalten, was dann schon verwundert. Was allerdings weniger verwundert: die Schuhmode ist flach in Lissabon. Man will sich bei dem ganzen Hügel rauf, Hügel runter, das ganze bei unebenen Kopfsteinpflaster nicht alle Bänder reißen.

Ginjina

Ja, und ich habe sogar den berühmten Kirschschnapps probiert. Zwar nicht in einem dieser Läden, die nur ihre Stamperl Kirsch ausschenken...

...es war vielmehr in einem kleinen Lokal, und anscheinend waren wir die ersten Touristen seines Lebens, so sehr hat sich der Wirt gefreut. Und uns am Ende seinen selbstgemachten Kirsch und noch weiteres Eigengebranntes (dessen ich mich dann verweigert habe - als Frau darf man das) offeriert und gleich sein Fotoalbum gezeigt hat mit den Bildern seiner Kirschbäume.