Wenn dir die Buchhändlerin das Buch, das du eigentlich gerade in der Hand hast, aus selbiger nimmt mit den Worten "das müssen Sie nicht lesen", kann das fürsorglich sein. Es kann aber auch ausgesprochen dumm sein. Denn zum einen ist die Rechnung, falls es denn eine war, mir statt des Taschenbuchs ein Hardcover zu empfehlen nicht aufgegangen. Zum anderen halte ich mich für eine souveräne Leserin, die doch relativ zielsicher nach dem Buch gegriffen hat. Das immerhin ja auch im Regal der Buchhandlung stand. Und ich lass mich nicht gerne bevormunden. Und es gibt ja auch noch andere Buchläden in dieser Stadt. Auch in unserem Viertel.
Auch wenn einem die Geschäftspolitik dieses Hauses gerade übel aufstößt. Wieder einmal wird unter dem Vorwand der Wirtschaftskrise und eine verquerten Geschäftsauffassung der vergangenen Jahre nun etwas auf den Rücken der Mitarbeiter ausgetragen. Hugendubel hat nach dem Coffee Shop Ketten Prinzip agiert. Wenn irgendwo ein Buchladen war, kamen auch sie und haben sich in Konkurrenz dazu gesetzt. Wohl wissend, dass auf Dauer wohl kein Platz für alle sein würde. Beispiel in der kleinen Stadt: Neben dem großen Platzhirsch und den beiden letzen verbliebenen kleinen Buchläden (die anderen hatte der große Platzhirsch schon vor Jahren verdrängt) machte sich Hugendubel breit. Das ist mehr Buch als gelesen wird. Und von Beginn an stellte sich die Frage, wer wohl den längeren Atem haben wird. Und zu diesem Zeitpunkt war von Wirtschaftskrise noch keine Rede. In der Münchner Innenstadt haben sie eine quasi Monopolstellung, wobei die schönste Filale auch die leerste ist...
Statt mehr soll nun weniger Service das Geschäft retten - und dabei war ich schon seit Jahren mit Selbstsuchen bei Amazon schneller als die Mitarbeiterinnen an den Computern im Laden. Eine Selbstbedienungskasse sei wohl auch im Gespräch wird mir beim Abkassieren erzählt. Dann aber wieder mal lieber die kleine eigentümergeführte Buchhandlung, die auf Service setzt. Und wenn mir die Mitarbeiterin von nicht zu vielen Büchern abrät, machen sie mit mir auch ein gutes Geschäft...
Das Buch, welches angeblich so schlecht sein soll, ist "Der Teufel von Mailand". Bis jetzt war ich von Martin Suter sehr begeistert - besonders begeistert und gerade fertig gelesen "Small World".
"Der Teufel von Mailand" ist tatsächlich eher einer der schwächeren Suters, finde ich. An ein bis zwei Abenden schnell weggelesen, macht es trotzdem noch Spaß - ein Suter eben.
Kommentiert von: ivar | 11. Juni 09 um 10:59
Ganz unterhaltsam sind auch seine sehr klischeehaften Business-Geschichten, die man in Bahnhofsbuchhandlungen bekommt. Nicht besonders anspruchsvoll, aber genug für öde Bahnfahrten.
Kommentiert von: Mathies | 16. Juni 09 um 13:55