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Juni 2009

Das Schloss!

Das Schloss musste besichtigt werden. Sagte Tucholsky.

Rheinsberg_Blog

Und man muss ihm recht geben. Und auf Claire und Wölfchens Spuren wandeln. Durch den Schlosspark. Bis der Regen kam...

Rheinsberg_Regen Zuflucht im Tempel. Claire hätte dies wahrscheinlich romantisch gefunden. Ich fand es etwas kühl. Aber wenn es schon regnet, kann man auch noch das Tucholsky Museum im Schloss anschauen (hätte ich wahrscheinlich auch bei Sonne). Klein und fein und zu empfehlen. Und dann stellt man fest, dass der Herr Tucholsky denselben Werbebrief von der "Zeit" bekommen hat wie man selbst. Allerdings war er da schon ein paar Jahre tot...

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Aber von Journalisten hat er ja eh nichts gehalten - was er wohl über Blogger denken würde?

"Zeitungsdeutsch: Erst denken sie nicht, und dann drücken sie's schlecht aus"
Peter Panter, 1928


Ein schlechter Trip

Man sollte seiner Buchhändlerin und seinen Lesern vertrauen... Aber ich wollte es ja wissen. Nein, "Der Teufel von Mailand" ist sicherlich nicht das stärkste Buch von Martin Suter. Zuerst dachte ich, vielleicht bin ich ja voreingenommen. Aber der Einstieg zieht sich einfach mal über ein Drittel des Buches hin. Dann geht's gewohnt straff und zackig über die nächsten 200 Seiten. Aber irgendwie, hm. Für meine Begriffe hat er sich ein bisschen verhoben mit dem Versuch, aus der Perspektive einer Frau heraus zu schreiben, das ist leider nicht glaubwürdig. Spaß macht es dennoch - weil sprachlich ist es mal wieder grandios.


Selbstreflexion gefordert

Wenn du eine Mail mit den Worten "danke, war hilfreich" schreibst und der so bedankte sofort Ironie hinter deinen Worten vermutet, solltest du dringend überdenken, was für ein Bild von dir die Mitmenschen haben. Und vielleicht daran arbeiten...


Ein perfektes Buch

Normalerweise ist man ja genervt, wenn man zwei Stunden im Wartezimmer eines Arztes sitzt. Man bohrt in der Nase, schaut auf die Uhr, schaut die Mitwartenden an, blättert in Zeitschriften, schaut auf die Uhr, wippt mit dem Fuß, schreibt eine SMS, dass es nun doch nochmal später würde, schaut auf die Uhr... Wenn man aber davor in der Buchhandlung war und einen Glücksgriff getätigt hat, können zwei Stunden überraschend kurzweilig werden...

Nach zwei Stunden ist man nämlich schon mitten drin in Martin Suters "Ein perfekter Freund".  Und kann es kaum erwarten, danach weiterzulesen. Spätestens am Abend auf dem Sofa - und ich verspreche, die Unterbrechung fällt schwer. Und Sie werden es auslesen wollen. Gleich. So ging es mir jedenfalls.


Im Blauen Land

Gerade stöckelt eine Paris-Hilton-für-Arme den Marktplatz hinunter. Im Superstrechmini mit Clutch auf dem Weg zur Eisdiele am frühen Sonntag abend. Denn wo soll man sich sonst zeigen, wenn man geschätzte 16 ist und auf dem Land wohnt. Das Bubi, das besitzergreifend ihre Hand hält, will ja seinen Fang auch präsentieren. Wobei es gerade wenig Publikum gibt, die das heißeste Teeniepaar von Murnau zu würdigen wissen. Ein paar Radler sind noch da und einige ältere Touristen. Die meisten Jugendlichen sitzen nach einem Tag im Strandbad wahrscheinlich mit Mama und Papa gerade am Abendbrottisch. Du selbst sitzt derweil in der putzigen Altstadt von Murnau und isst Eis.

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Eines der besten ever. Da können die ganzen Münchner Chichi Eisdielen einpacken. Auf deiner Schulter macht sich eine kleine Sonnenrötung bemerkbar. Die Stelle hast du beim Eincremen wohl übersehen.

Mal wieder ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch. Völlig entspannt um den Staffelsee geradelt, den Bauern beim Heu einholen zugesehen und gerade noch die letzten Iris beim Blühen erwischt. Und immer wieder gesagt: Mei, schee is fei scho.

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Ein Buch ist ein Buch ist...

Wenn dir die Buchhändlerin das Buch, das du eigentlich gerade in der Hand hast, aus selbiger nimmt mit den Worten "das müssen Sie nicht lesen", kann das fürsorglich sein. Es kann aber auch ausgesprochen dumm sein. Denn zum einen ist die Rechnung, falls es denn eine war, mir statt des Taschenbuchs ein Hardcover zu empfehlen nicht aufgegangen. Zum anderen halte ich mich für eine souveräne Leserin, die doch relativ zielsicher nach dem Buch gegriffen hat. Das immerhin ja auch im Regal der Buchhandlung stand. Und ich lass mich nicht gerne bevormunden. Und es gibt ja auch noch andere Buchläden in dieser Stadt. Auch in unserem Viertel.

Auch wenn einem die Geschäftspolitik dieses Hauses gerade übel aufstößt. Wieder einmal wird unter dem Vorwand der Wirtschaftskrise und eine verquerten Geschäftsauffassung der vergangenen Jahre nun etwas auf den Rücken der Mitarbeiter ausgetragen. Hugendubel hat nach dem Coffee Shop Ketten Prinzip agiert. Wenn irgendwo ein Buchladen war, kamen auch sie und haben sich in Konkurrenz dazu gesetzt. Wohl wissend, dass auf Dauer wohl kein Platz für alle sein würde. Beispiel in der kleinen Stadt: Neben dem großen Platzhirsch und den beiden letzen verbliebenen kleinen Buchläden (die anderen hatte der große Platzhirsch schon vor Jahren verdrängt) machte sich Hugendubel breit. Das ist mehr Buch als gelesen wird. Und von Beginn an stellte sich die Frage, wer wohl den längeren Atem haben wird. Und zu diesem Zeitpunkt war von Wirtschaftskrise noch keine Rede. In der Münchner Innenstadt haben sie eine quasi Monopolstellung, wobei die schönste Filale auch die leerste ist...

Statt mehr soll nun weniger Service das Geschäft retten - und dabei war ich schon seit Jahren mit Selbstsuchen bei Amazon schneller als die Mitarbeiterinnen an den Computern im Laden. Eine Selbstbedienungskasse sei wohl auch im Gespräch wird mir beim Abkassieren erzählt. Dann aber wieder mal lieber die kleine eigentümergeführte Buchhandlung, die auf Service setzt. Und wenn mir die Mitarbeiterin von nicht zu vielen Büchern abrät, machen sie mit mir auch ein gutes Geschäft...

Das Buch, welches angeblich so schlecht sein soll, ist "Der Teufel von Mailand". Bis jetzt war ich von Martin Suter sehr begeistert - besonders begeistert und gerade fertig gelesen "Small World".


Sonntag abend

Während dir von vorne noch die Abendsonne ins Gesicht scheint und du hinter der Sonnenbrille blinzelst, ist es hinter dir schon tief schwarz. Der Regen kommt überraschend. Und heftig. Manchmal sollte man derartige Symbole nicht ignorieren...


Aktuelle Männerhaarmode

Ja, lauter Hippies da. Der Bankangestellte sieht aus wie so ein langhaariger kiffender Gitarrespieler, vor dem uns unsere Väter früher gewarnt haben. Net wirklich vertrauenswürdig, aber das macht nichts, weil Bankern vertraut man ja seit ein paar Monaten eh nimmer. Wenn dir jemand sagen würde, dass Woodstock vor der Tür steht, würdest du ihm das auch glauben. Aber es ist die Zeit der Hochzeiter. Also ein Spektakel steht allemal vor der Tür und freie Liebe soll bei beiden Ereignissen ganz angesagt sein, hat man dir erzählt. Kann auch nur ein Gerücht sein. Nur die Wahl der Drogen ist unterschiedlich. In Niederbayern sind es legale.

Oh, Metaller Zozen zum Anzug. Auch schön. Kurz bist du versucht, den an sich gut gekleideten Herrn, der die Altstadt hinabeilt aufzuhalten und ihm die Ratschläge zu erteilen, die du schon vor zwanzig Jahren im Freundeskreis erteilt hast: lange Männerhaare gehören gepflegt! Spitzenschneiden. Kuren. Ja, genau dassselbe Theater, das Frauen mit ihren Haaren veranstalten. Der Spezl von damals, der dich mal um Rat fragte, hat selbigen übrigens befolgt. Ob der, also der von heute, eigentlich seine Tochter auch vor solchen Typen warnt?

Am schönsten ist aber die dritte Kategorie, weit verbreitet unter Geschäftsleuten. Da trägt man Vokuhila. Zwangsweise, durch die verlängerte Stirn. Fehlt nur noch die Harley.

Also so wirklich schön anzuschauen, sind's grad nicht die Männer in der kleinen Stadt. Was dann in nicht einmal vier Wochen, wenn sie dann alle Strumpfhosen tragen, auch nicht besser sein wird. Aber Frauen stehn ja drauf, auf diese Typen vor denen uns unsere Väter immer gewarnt haben. Auch wenn sie nur alle vier Jahre vier Wochen lang so aussehen. Ende Juli haben die Frisöre dann Hochkonjunktur und aus den Hippies und Metallers und Bikertypen und so weiter werden wieder seriöse Geschäfsleute, brave Familienväter Mamis Idealschwiegersöhne. Die, die dann noch so rumlaufen sind die echten...


Ein Theaterabend, der knallt

Eros stellt man sich gemeinhin anders vor. Anders als das Plakat des Volkstheaters, anders als den Plot der Geschichte. Eine, der momentan so unvermeidlichen Roman-Adaptionen. Merke: Erotonomie ist nur ein schöneres Wort für Stalking. Es ist die Geschichte einer Obsession und rauschhaft ist das Stück auch inszeniert. Christine Eder peitscht die die Figuren nur so durch die Geschichte der Bundesrepublik, ein Menschenleben vergeht wie im Flug - unbeteiligt betrachtet vom Erzähler Alexander von Brücken, der die Geschichte nur wahrgenommen hat als Versatzstück seiner Liebe zu Sofie. Die Schauspieler wirbeln über die Bühne, schlüpfen in die unterschiedlichen Rollen. Cut. Szenenwechsel. Geschichtszahlen, Begebenheiten werden teilweise nur eingeworfen - doch das funktioniert, das Bild dazu erscheint ja vor dem inneren Auge. Vom Tempo mag dem ein oder anderen schwindlig werden, doch der geradezu lähmenden unerfüllten Liebe wird ein Stakkato der Ereignisse entgegengesetzt. Die Zeit verrast, solange er liebt. Die Zeit hört auf, als die Aussichtslosigkeit endgültig wird. Der Zuschauer bleibt seltsam unbeteiligt, es wird erst gar nicht der Versuch unternommen, ihm eine Identifikation aufzudrängen - episches Theater im besten Sinn. Ein Theaterabend, der Spaß macht. Der für Gesprächsstoff sorgt. Und nachdem Sie ganz sicherlich ein Glas Rotwein trinken wollen und eine Zigarette dazu rauchen...

Eros - nach dem Roman von Helmut Krausser. Eine Koproduktion des Münchner Volkstheaters mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Wieder auf der kleinen Bühne am 22. und 23. Juni.