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Juli 2009

Münchner Makler, Part 1001

Massentermine bei Besichtigungen sind angesagt zur Zeit. Das erinnert mich an die letzte (Miet-)Wohnungssuche vor zehn Jahren, wo sich gleich hunderte von Menschen auf die Füße getreten sind. Irgendjemand hat man immer getroffen, den man kannte, weil man immer jemanden kannte, der ebenfalls eine 3 Zimmer Altbau Wohnung in guter Lage gesucht hat. Also eigentlich alle, die man kannte. Also ist es ja auch kein Wunder, wenn man diesselben Menschen nun heute bei Besichtigungsterminen trifft. Denn aus den drei Zimmern sollen nun vier werden. Der Rest ist gleich geblieben.

Gibt es nun ein zufälliges Zusammentreffen, gibt es nun verschiedene Möglichkeiten, wie die Geschichte weitergehen kann, nach dem ersten verlegenen Lächeln "ah, du auch hier". Entweder das ganze ist so indiskutabel, dass man sich schnell darüber einig ist und stattdessen einen Kaffee trinken geht, um ein bisschen über den Münchner Wohnungsmarkt zu jammern. Die zweite Möglichkeit ist sehr viel perfider, nämlich die, die bei gesteigertem Interesse auftritt. Kennt man sich sehr gut und will sich die Freundschaft erhalten, kann man vielleicht den Makler ausspielen und am Ende hat zumindest einer gewonnen. Doch eigentlich gewinnt der Makler. Der kann dann nämlich die Interessenten noch viel besser gegeneinander ausspielen.

Wobei, rein logisch betrachtet, auf das kann ein Makler gar nicht setzen. Das ist ein Glücksfall für ihn. Massenbesichtigungstermine sind allerdings ein erstklassigs Zeitsparmodell. Man scheucht alle gleichzeitig durch und keiner kann so wirklich in alle Ecken schauen. Gern genommen auch von Eigentümern, die noch in ihrer Immobilie wohnen. Denn denen sind Besichtigungstermine ein Graus, die würden gerne blanco verkaufen. Aber wie formuliert man das dann im Notarsvertrag "verkauft wie nicht gesehen?"...

Apropos: Kleiner Nachtrag zu dieser vielbeachteten Geschichte:

Anruf - Samstag (!) früher Abend: Frau B. ich könnte Ihnen noch einen Besichtigungstermin anbieten. Äh, danke. Ich war schon mit zwanzig anderen Interessenten gleichzeitig da. Und habe spätestens so gemerkt, dass die Wohnung zu klein ist. Abgesehen von anderen, störenden, Punkten.


Jagen, sammeln, abkassieren

Ich wusste doch, dass ich in meinem Archiv noch was zum Thema Spritz habe... Ein kleines Erlebnis aus dem Frühsommer dieses Jahres, das ich Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte.

Spritz Veneto heißt es eigentlich - das seit Jahren sich hip haltende Münchner Sommergetränk. Es sollte man vielleicht nicht so laut sagen, weil ja sonst in der Münchner Gastronomie gleich mal die Assoziationskette startet: Veneto - Venedig - Markusplatz - hey, wir sind ja viel zu billig. Dabei gibt es hier Gastronomiebetriebe, bei denen dieser Gedankengang wohl genauso abgelaufen ist. Vielleicht war es auch der Sprung "Lido" haben wir hier auch, auch wenn das in München "Beach" heißt und auch nicht zwingend am Wasser sein muss. Nach dieser geradezu zwingenden Logik sollte es einen nicht verwundern, wenn ein Spritz mit 9, 80 Euro auf der Rechnung erscheint. War auch angeblich ein halber Liter. Ich hielt es eher für ein gut eingeschenktes Weinglas - aber auch das war mir schon zu viel. Aber vielleicht ist das Zielpublikum in diesem von mir normalerweise nicht aufgesuchten Gastronomiebetrieb ja auch das, das gerne "a Hoibe Spritz" bestellt. Womit schon mal klar ist, dass ich nicht zum Zielpublikum gehöre...


Trends und Gegentrends

Als ich vor einiger Zeit, aber in diesem Sommer, gelesen habe, was das neue In-Getränk in München sei, staunte ich nicht schlecht: Aperol-Spritz. Also gestaunt, habe ich weder, ob Aperol-Spritz noch ob angesagt, sondern vielmehr ob der Tatsache "neu". Und mich spontan gefragt, wo die Autorin die letzten fünf Jahre verbracht hat, München kann's mit Verlaub nicht gewesen sein. Also nach wie vor nichts gegen einen gepflegten Spritz (da fällt mir ein, da gibt's noch eine Geschichte, die ich Ihnen vielleicht doch nicht vorenthalten sollte...), wobei von gepflegt kann ja häufig keine Rede sein, bedenkt man, dass durch den leicht dominanten Aperol gar mancher meint, damit könne man auch den schlechtesten Weißwein überdecken. Das ganze passiert natürlich auch nur, weil inzwischen auch schon der Stehausschank in der Eckkneipe Spritz ausschenkt. Auf gut deutsch: Das Ding ist so in, dass er schon wieder out ist und eigentlich kannst in den Bars am Karajan-Platz diesen Sommer auch nur einen g'spitzen trinken und keinen Spritz mehr - aber Stopp, das ist ja nicht München, also wird es sich erst im Herbst oder im nächsten Sommer zeigen, wohin der Trend geht.

Vielleicht hält es sich ja, Coffee Shops halten sich ja auch. Und lustigerweise hat bei der Dauerdiäthaltenden Latte Macchiato Generation von jungen Frauen noch nie eine den Zusammenhang von Vollmilch und Gewichtsproblemen hergestellt. Ich empfehle daher für diesen Sommer: Eistee. Aber nix zuckergeschwängertes Tetrapackzeug. Man nehme marokkanische Minze und einen geschmacklich dezenten Schwarztee (im Verhältnis 2:1) oder man lasse Minzblätter im Tee ziehen. Abkühlen. Trinken. Hat definitiv das Potential zum Sommernachmittags-Trend-Drink.


Die Wettervorhersage

Sie möchten wissen, wie das Wetter wird? Fragen Sie einfach in Zukunft mich. Ich werde mich als diplomiertes Wetterorakel niederlassen. Ich berufe mich dabei nicht auf Rheumaschmerzen, Operationsnarben oder Migräneanfälle, Basis meiner Vorhersage ist mein Terminkalender. Ich habe Zeit in der Nase zu bohren - ein Tiefausläufer nähert sich Bayern. Eine Deadline fesselt mich an den Schreibtisch - freuen Sie sich über ein fettes Hochdruckgebiet. Besonders effektiv sind meine Vorhersagen in diesem Sommer, was Abendveranstaltungen betrifft: Fragen Sie, ehe Sie einen Grillabend planen, ob ich etwas vorhabe - sollte mein Vorhaben lange geplant sein und mit einem Kartenkauf verbunden, planen Sie um: es wird gewittern oder wenigstens einen Temperatursturz geben.

So war das Gewitter gesten abend nach einigen sommerlichen Vorabenden vorauszusehen. Ein Brunnenhof-Konzert stand auf dem Programm. In weiser Vorraussicht würde ich ja eh keine Konzertkarte erwerben, bei der es keine Schlechtwetteralternative gibt. Und so gab es Tokarev & Kramer gestern abend im Prinzregententheater. Wunderbar war's. Sehr sexy. Ja, ein Klavierkonzert.

Über die Kleidung der Konzertbesucher reden wir einmal an anderer Stelle...


Des muass ma meng

Ich gestehe: Ich bin kein Biergartenfan. Ich höre schon den Aufschrei. Und kenne genügend Menschen, auch persönlich, die mir jetzt sofort alle Münchner Bürgerrechte absprechen und mir anraten, diese schöne Stadt doch bitte zu verlassen. Denn in München muss man Biergärten lieben. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich liebe sommerliche Freischankflächen. Gerne auch mit Kastanien. Das nennt man in München einen Wirtsgarten und da kenne ich zauberhafte noch zauberhaftere allerdings im Umland, Biergarten sind die großen Schankflächen, wo viele viele Menschen Platz haben.

Natürlich ist mir klar, dass die Biergärten in einer großen Stadt groß sein müssen. Schließlich gibt es viele Menschen, die in Wohnungen leben und für die dementsprechend Platz unter Kastanien geschaffen werden musste. Heute muss man sagen, die von irgendwoher in Wohnungen in München gezogen sind und nun das sogenannte München Feeling in Biergärten genießen. Ich weiß ja nicht, woher das Gerücht stammt, dass alle Schwaben am Prenzlauer Berg inzwischen leben. Gestern abend jedenfalls waren sie im Augustiner. Schwaben sind erkennbar, weil sie ihren Dialekt nicht ablegen können, egal wohin sie ziehen.

Dass sie dort waren, weiß ich, ich war nämlich auch dort. Es war nämlich so ein Abend, an dem ich mich überreden lasse. Denn das Verständnis für meine Abwehrhaltung gegenüber Biergärten ist in München erfahrungsgemäß gering. Der Münchner an sich, besonders der zuazogne, bekommt vor Freude glasige Augen an heißen Sommerabenden und träumt von einem kühlen Bier. Völlig vergessend, dass dieses Bier in großen Krügen an heißen Sommerabenden ganz schnell bacherlwarm wird. Und weil dem so ist, muss dieser große Krug innerhalb einer halben Stunde geleert werden, weil sonst kannst es ja nicht dasaufen mehr des Bier.

Jetzt drink mal bei 30 Grad einen Liter Bier innerhalb einer halben Stunde - und dann noch einen und noch einen. Und langsam wissen auch Norddeutsche, auf was ich hinaus will... Das ganze in einer Menschenansammlung von mehreren Hundert, aber in den richtigen Biergärten mehreren tausend Menschen. Da kapituliere ich vor der Menge des Bieres, der Menge der Menschen und mir wird das ganz schnell einfach zuviel, während meine Umgebung mit seeligem Blick dasitzt und seufzt: Schee is. Jetzt drink ma no a Maß.


Laho-Bilanz und viele Fragen

Gibt es eigentlich einen Geburtenanstieg alle vier Jahre neun Monate nach dem letzten "Hallo"? Und um wieviel Prozent steigt die Scheidungsrate? Hier könnte man richtig investigativ recherchieren... Aber das sind Dinge, die nur irgendwann der allgemeine Tratsch ausspuckt, spätestens in vier Jahren. Bis dahin fällt das in die Kategorie "böse Gerüchte" und heute abend beim Abschlussgottesdienst gibt es die Absolution für etwaige Schandtaten. Und während der Urlaubszeit kann eh Gras über die Sache wachsen. Regeneration ist wahrscheinlich angesagt. Kommt man im Herbst zurück, wird es sein wie immer. Die Geschäfte am Samstag nachmittag geschlossen. Kein Trubel mehr am Abend. Die Mitwirkenden zurückverwandelt in Ladenbesitzer, Bankangestellte und Lehrer. Nur die Quote von Frauen mit langen Haaren, die wird wie immer höher sein als im Rest von Bayern. Und das Selbstbewusstsein und das "Mia san mia"-Gefühl. Noch höher als im Rest von Bayern? - Hilf, Himmel Landshut!


Münchner Makler, Part 1000

Er kam in Badeschlappen und kurzer Hose. Und ich fühlte mich sofort verarscht. Es mag zwar heiß sein, wettertechnisch, nicht kleidungstechnisch, aber so gehe ich nicht auf einen Geschäftstermin. Vielleicht hätte er es durch Kompetenz wett machen können, aber er hatte nur eine Standartantwort: das weiß ich nicht. So war eigentlich von Beginn an klar, dass wir nicht ins Geschäft kommen werden. Glücklicherweise war die Wohnung eh völlig verschnitten. Schade, die Lage war genial. Und dann muss man in München ja eh nichts wissen und können und kann mit dem Markt machen, was man will. Trotzdem, muss man die Kunden per se verarschen?


Neulich im Kaufhaus. Part II

Ja, ich muss mich korregieren. Das ist natürlich etwas, was ich nicht gern mache. Aber ich mache es, weil der guten Vollständigkeithalber...

Was jetzt nicht bedeutet, dass ich Kaufhäuser seit neuestem mag. Aber ich war mal wieder, und das nach definitiv über zehn Jahren, im ansässigen Kaufhaus in der kleinen Stadt. Ich musste etwas besorgen und hatte die Wahl, ins Auto zu steigen, ins Industriegebiet zu fahren oder aufs Radl und in die Innenstadt. Bei dieser Wahl gab's keine Qual.

Und nicht, dass das Geschäft nun heimelig wäre. Es hat etwas von quadratisch, praktisch. Und, ja, auch: gut. Ein hilfloser Blick genügte und die gerade vorbeifwuselnde Verkäuferin rief ein "ich schicke den Kollegen", der auch innerhalb von Sekunden auftauchte. Beratung top. Auch in der nächsten Abteilung, denn wenn ich schon mal da bin, kann ich es ja nicht lassen, weiter zu schauen. Vor allem, es gab jede Menge Verkäufer in jeder Abteilung - anders als bei den Häusern in München.

Ich hab bekommen, was ich wollte, innerhalb kürzester Zeit. Und ich gebe nun ganz offiziell zu: Ja, es wäre ein Verlust, wenn das Haus schließen würde. Denn dann bliebe tatsächlich nur der Weg ins Industriegebiet und da mag ja niemand einkaufen...


Urlaubstrend 2009

Zuerst verspürte ich nur Interesse. Reiseberichte würde man sich wünschen und meine Reiseführer ausleihen, Fotos wollte man sehen, Hotelprospekte sollte ich mitbringen und nach Campingplätzen Ausschau halten. Anscheinend ein außergewöhnliches Reiseziel, das ich gewählt hatte.

Und plötzlich bin ich mitten im Trend: M. kommt gerade von der Ostsee zurück, E. ebenfalls. A. urlaubt statt auf Sardinien dieses Jahr im Schwarzwald. Berchtesgaden höre ich von anderer Seite und Altmühltal und auch schon München. W. bricht gerade auf ins Elbtal und im Café am Nachbartisch erzählt eine Frau von ihrer Bauhaus-Tour, die sie plant. Sie war schon immer am liebsten einfach in den Bergen, gesteht meine Kosmetikerin. Und meine Friseurin hat beschlossen, Bayern zu entdecken. Damit ist sie auch nicht allein, von C. kommen fast wöchentlich Karten von bayerischen Entdeckungsfahrten.

Urlaub in Deutschland ist angesagt. Auch unter denen, die sich auch jetzt eine Fernreise leisten könnten. Aber irgendwie will man grad nicht um die Welt fliegen. Stattdessen werden Kind und Kegel und Luftmatraze ins Auto gepackt, die Räder hinten, oben, sonstwo angeschnallt und es geht los. Und nicht mal mehr zwingend übern Brenner. Slow down heißt ganz offensichtlich die Devise. Und der Erholungswert beim downslowen ist enorm.


Ein knallrotes...

...Gummiboot. Ja, das könnte man derzeit auch brauchen. Und damit sind wir auch schon sehr nahe dran. Über das Must-Have des Sommers wollte ich nachdenken. Und darüber, dass man ja jetzt auch schon wieder überall Herbst und Winter Klamotten in den Geschäften hängen hat.

Was ich lächerlich finde, auch wenn es in diesem Jahr fast logisch ist, denn wem ist schon nach Sommerkleidchen-Power-Shopping? Vorallem da große Teile der Sommergaderobe immer noch in durchsichtigen Reinigungssäckchen verpackt quasi jungfräulich seit vergangenen September im Schrank hängen. Was deshalb noch lange nicht heißt, dass ich im Juli anfange, Winterklamotten zu kaufen. Lieber beschwere ich mich im Oktober, dass nichts mehr da ist, was mir gefällt und dass jetzt schon wieder Frühjahrsware ausliegt. Aber jetzt kaufen? Nein. Und da bin ich auch konsequent. Ich kaufe, wenn ich brauche.

Dass ich das aber so sehr brauchen würde, davon hatte ich beim Kauf keine Ahnung. Ich wollte nur vernünftig sein. Und eine Regenjacke haben. Sie wissen schon, so eine, wie man sie als Kind hatte. Die man zusammenknödeln kann und in die Tasche stecken. Die einem selbst im Hochsommer bei 30 Grad von Mutter beim Ausflug in den Rucksack gestopft wurde. War das peinlich, ich war immer die einzige, die immer so ein Teil dabei hatte.

Aber im fortgeschrittenen Alter schlägt die Sozialisation voll durch. Ich ging also eine Regenjacke kaufen. Eine knallrote. Und ich sag Ihnen, liebe Modezeitschriftenmacher: Das ist das Must-Have dieses Sommers. Vergessen Sie Blümchenkleider etc. Und wenn wir gerade dabei sind: Vergessen Sie vor allem das Come back der Espandrillos - Gummistiefel sind angesagt. Stehen inzwischen ganz oben auf meiner Shoppingliste.


Sommerfrische II

Die Farben des Landes sind grün und gelb. Sattes Korn leuchtet auf den Feldern, am Wegesrand Mohn und Margariten und Kornblumen - die Farben des Sommers. Dahinter die Heuballen. Und du bist eingetaucht in ein impressionistisches Gemälde. Die Straße wird zur Allee...

Allee_Blog

...über Kopfsteinpflaster geht es weiter. Nein, du möchtest jetzt nicht in einer Kutsche sitzen, das Fahrrad ist unbequem genug. Am Ende: ein Gutshaus. Enten watscheln über die Wiese zum nahegelegenen Bach, ein Schaf blökt.Sonst Ruhe und ein leises Rauschen der Bäume, die von vergangenen Zeiten erzählen.

Herrenhaus_Blog