Massentermine bei Besichtigungen sind angesagt zur Zeit. Das erinnert mich an die letzte (Miet-)Wohnungssuche vor zehn Jahren, wo sich gleich hunderte von Menschen auf die Füße getreten sind. Irgendjemand hat man immer getroffen, den man kannte, weil man immer jemanden kannte, der ebenfalls eine 3 Zimmer Altbau Wohnung in guter Lage gesucht hat. Also eigentlich alle, die man kannte. Also ist es ja auch kein Wunder, wenn man diesselben Menschen nun heute bei Besichtigungsterminen trifft. Denn aus den drei Zimmern sollen nun vier werden. Der Rest ist gleich geblieben.
Gibt es nun ein zufälliges Zusammentreffen, gibt es nun verschiedene Möglichkeiten, wie die Geschichte weitergehen kann, nach dem ersten verlegenen Lächeln "ah, du auch hier". Entweder das ganze ist so indiskutabel, dass man sich schnell darüber einig ist und stattdessen einen Kaffee trinken geht, um ein bisschen über den Münchner Wohnungsmarkt zu jammern. Die zweite Möglichkeit ist sehr viel perfider, nämlich die, die bei gesteigertem Interesse auftritt. Kennt man sich sehr gut und will sich die Freundschaft erhalten, kann man vielleicht den Makler ausspielen und am Ende hat zumindest einer gewonnen. Doch eigentlich gewinnt der Makler. Der kann dann nämlich die Interessenten noch viel besser gegeneinander ausspielen.
Wobei, rein logisch betrachtet, auf das kann ein Makler gar nicht setzen. Das ist ein Glücksfall für ihn. Massenbesichtigungstermine sind allerdings ein erstklassigs Zeitsparmodell. Man scheucht alle gleichzeitig durch und keiner kann so wirklich in alle Ecken schauen. Gern genommen auch von Eigentümern, die noch in ihrer Immobilie wohnen. Denn denen sind Besichtigungstermine ein Graus, die würden gerne blanco verkaufen. Aber wie formuliert man das dann im Notarsvertrag "verkauft wie nicht gesehen?"...
Apropos: Kleiner Nachtrag zu dieser vielbeachteten Geschichte:
Anruf - Samstag (!) früher Abend: Frau B. ich könnte Ihnen noch einen Besichtigungstermin anbieten. Äh, danke. Ich war schon mit zwanzig anderen Interessenten gleichzeitig da. Und habe spätestens so gemerkt, dass die Wohnung zu klein ist. Abgesehen von anderen, störenden, Punkten.
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