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August 2009

Sommer-Leibgericht

Lieblingsspeisen. Da gibt es die, die ein ganzes Leben halten. Und die, die immer gehen. Die, die man sich immer wieder von Mutter wünscht, weil nur Mutter sie so zubereiten kann. Es gibt die, die immer dann bestellt werden, wenn sie irgendwo auf der Karte stehen. Und manche, die aus dem Nichts oder zumindest aus dem Hin-und-Wieder-Standard zum Lieblingsgericht werden. Und ständig auf dem Speiseplan stehen - so dass am Ende die Gefahr besteht, dass man sich daran überessen hat. Meine Leidenschaft in diesem Sommer ist eine Gemüsesuppe. Jetzt möchte ich mal behaupten, da gibt es schlimmeres. Gemüsesuppe verträgt sich auch mit einer Leidenschaft für Eis - es wirkt quasi kalorienzufuhrausgleichend. Ein bisschen Angst habe ich nur davor, dass ich irgendwann keine Gemüsesuppe mehr sehen kann. Aber wahrscheinlich ist das das Pendant zum Eintopf. Und Eintopf im Winter geht eigentlich immer.


Bücher, Bücher, Bücher

Wenn schon renovieren, dann wird auch gemistet. Der einzige Part, bei dem ich das regelmäßig schaffe, ist der Kleiderschrank. Aber Papier hat nach wie vor eine unglaubliche Anziehungskraft auf mich. In jeder Form. Wenngleich ich der Ansicht bin, man muss nicht jedes Buch behalten. Bücher, die mich geärgert haben oder die typische Badewannenliteratur geb ich schon seit Jahren weiter. Und auch wenn ich fast immer einen "zu verschenken" Stapel habe und hier schon Menschen extrem bepackt die Wohnung verlassen haben, es ist mal wieder der Punkt erreicht: der Platz ist alle. Definitiv. Also raus mit Uraltreiseführern (kauf ich eh neu), raus mit Kochbüchern, die mich nicht ansprechen, raus mit Hörbüchern (nicht mein Ding) und sonstigem, was sich hier ansammelt und ansammelt. Nachdem ich schon die gesamte Nachbarschaft versorgt habe - Stapel hingelegt, Stapel weg - fiel mir plötzlich ein, da hat doch jemand was erzählt zum Thema Bücher mit Würde entsorgen... Also, gesagt, getan. Und jetzt hab ich wieder den Platz und das Geld für sein Kochbuch...


Sommerputz

Andere Menschen machen Frühjahrsputz. Ich mache Sommerputz. Man könnte auch sagen, andere Menschen fahren in den Sommerferien, wenn sie ihre Wohnung nicht mehr sehen können, einfach mal weg. Was aber den Nachteil hat, man kommt wieder. Und dann sieht die Wohnung aus wie vorher. Außerdem muss man als kinderloser Mensch ja auch nicht zwingend im August wegfahren - auch wenn ich irgendwann einmal den Sommer am See oder in den Bergen verbringen werde. Klassische Sommerfrische. Irgendwann. Ich schweife ab. Man könnte auch sagen, andere Menschen, die suchen sich eine neue Bleibe, wenn sie die alte nicht mehr sehen können. Aber das versuche ich ja seit geraumer Zeit vergeblich. Und seit eben dieser Zeit wird hier eine Renovierung fällig. Und jetzt war sie überfällig. Und jetzt wird hier renoviert. Und wenn es grad dann mal ruhiger hier auf diesen Seiten ist, mag das daran liegen, dass ich grad mit dem Scheuerlappen bewaffnet bin oder grad mich durch mein Bildarchiv wühle oder grad beim Rahmenmenschen stehe oder über den Sofa-Bezug-Stoffproben meditiere oder oder oder....


Freunde. Sowieso.

Keine Sommerpause bei der Münchner Polizei. Im Gegenteil, emsige Geschäftigkeit. So hat man zum Beispiel festgestellt, dass unser Karrée ein Eldorado ist, um die leere Stadtkasse zu füllen. Lauter Altbauten ohne Gargen, in dem der gut gestellte Mittelstand mit Hang zum Zweitauto wohnt, dazu an jeder Ecke ein Lokal, das nicht nur von Anwohnern aufgesucht wird. Heissa. Da geht was. Natürlich, denn die Parkplatzsituation ist eine Katastrophe und es gibt Abende, da bekommt man nicht mal mehr auf dem Bürgersteig ein Platzerl. Dafür bekommt man seit einigen Monaten zu jeder Gelegenheit einen Strafzettel. Nur eine Anwohner-Parkzone bekommen wir hier wahrscheinlich nie. Aber ich verstehe schon, man muss für Recht und Ordnung sorgen. Und dass der SUV-Fahrer, der hier in der Münchner Prärie sein Fahrzeug gleich mitten auf die Kreuzung gestellt hat, selbiges vor ein paar Tagen in der tatsächlichen Prärie abholen durfte, hat mich ja, ich geb's zu, selbst gefreut, weil du bist einfach nimmer ums Eck gekommen an der Stelle.

Für Recht und Ordnung ist auch zu sorgen bei den ganzen Radl-Rowdies in der Stadt. An jeder Ecke eine Polizeikontrolle. Wobei die Zeiten, in denen einfach irgendwo zwei Polizisten standen, sind schon lange vorbei. Das wird jetzt professionell aufgezogen: Polizist A beobachtet aus dem Hintergrund das Geschehen und gibt die Infos dann per Walkie-Talkie an Polizist B weiter, der dann zur Tat schreitet. Und dann kann's auch mal passieren, dass du aufgehalten wirst und erst mal angepflaumt höflich auf ein Fehlverhalten hingewiesen wirst, das du gar nicht begangen hast, bis dann aus dem knarzenden Gerät ein "na net de, de nächste" ertönt. Also, dran denken: immer höflich bleiben. Und keine roten Ampeln überfahren, nicht auf der falschen Radweg-Seite... Aber das machen ja Sie und ich eh nicht


Das Leid des Sommers...

...oder auch die Beleidigung fürs Auge. Das gibt's nämlich auch. Jetzt wird normalerweise der Sommer gerühmt als die Jahreszeit, in der es etwas für's Auge gibt. Was schönes. Was sicherlich stimmt. Fairerweise müsste man allerdings sagen, der Sommer ist die ehrlichere Jahreszeit. Man sieht gleich, was man bekommt, sollte man auf der Suche nach etwas sein. Körper werden nicht mehr verhüllt in Stiefel, lange Hosen, Pullover, Mäntel. Nein, das, was im Winter privat ist, wird im Sommer auf der Straße zur Schau gestellt. Jetzt gibt es sehr hübsche Sommerkleidung (oh Gott, ich hör mich an wie meine Mutter) und es gibt Shorts. Und nach ausgiebiger Betrachtung, muss ich Ihnen sagen: Maximal zulässig sind diese in Größe 38. Hey, ehe jetzt jemand über mich herfällt, wegen Diskriminierung: Ich rede nicht vom Strand, ich rede nicht vom Sport, nicht vom eigenen Garten etc. Ich rede vom Alltag. Und Shorts offenbaren die Unzulänglichkeiten, die jeder Körper nun mal hat, auf die grausamste Art und Weise - noch viel mehr als es jeder Minirock vermag. Ob O- oder X-Beine, Orangenheit, Bauch-, Po- oder Hüftspeck. Liebe Trägerinnen, Sie halten dies Ihrem Gegenüber ins Gesicht, kaschiert wird da nix. Leider lässt der Anblick der unter 20jährigen auf der Straße darauf schließen, dass Shorts in diesem Sommer IN sind. Da möchte man der ein oder anderen Trägerin doch eigentlich sagen, dass sie grad aussieht wie ein Riesenbaby, aber wer in Baby-Doll rumläuft, möchte das anscheinend.


Der Leidensweg zum Schweinebraten

Man könnte es die Rache der Italiener nennen. Die Rache für allsommerliche Invasion der Teutonen an ihren Adriastränden, in ihren Bergen, in ihren Kunstmetropolen. Nun schlagen sie zurück. Und kommen nach Deutschland. Angefangen hat es mit der Wiesn und München an sich. Monaco di Bavaria, sagt der Italiener und seufzt und lächelt. Birra! Festa della birra! Pause. Mercatino di Natale! Weil, der Italiener liebt Bier, Wiesn und seit einiger Zeit hat er auch entdeckt, dass er auch die Berge liebt. Jetzt hat er zwar den eindeutig schöneren Teil der Berge vor der eigenen Nase und warum er dann über den Brenner fährt, versteh mal einer. Aber er tut es. Nach Tirol (Innsbruck!) wird nun das bayerische Alpenvorland entdeckt. Natürlich, da gibt es schon einiges zu entdecken: das schon erwähnte Bier, Königsschlösser, Kirchen, Lüftlmalerei. Und während der deutsche Urlauber achtlos daran vorbeifährt, reist man aus der Gegenrichtung an.

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In Ettal jedenfalls war italienisch die vorherrschende Sprache. Speisekarten sieht man nur noch zweisprachig, wenngleich in deutsch - englisch. Tourists are wellcome. Wir fühlten uns nicht so ganz willkommen, was sich in der vergeblichen Suche nach einem Schweinebraten zeigte: Gaststätte 1 - keiner auf der Karte. Gaststätte 2 - das, was die Kellnerin durchs Lokal trägt, spricht nicht so wirklich an. Gaststätte 3 - hier steht der Reisebus schon vor der Tür. In Gaststätte 4 wird er uns gleich angekündigt - und deswegen gibt's nur für die einen Schweinsbraten. Gaststätte 5 möchte uns in einen Durchgang setzen - weil alles andere ist für die Hausgäste. In Gaststätte 6 haben wir endlich Glück, aber soviel auch wieder nicht. Der Schweinsbraten ist trocken, dafür sind die Knödel feucht. Das war wohl eher die Passion des Schweinsbratens. In der englischen Übersetzung allerdings: the sufferings of roast pork.