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Oktober 2009

Gruselig...

Mit Halloween kann ich ja persönlich nichts anfangen. Was daran liegt, dass es nicht Teil meiner Sozialisation ist und ich so unflexibel und spießig bin, dass es mir heute auch egal ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass weder Verkleiden noch Horrorfilme das meine sind.

Wie auch immer. Ich löffle eine Kürbissuppe, bin froh, dass bei mir keine Kinder klingeln und lass es gut sein. Tanzverbot? Bitte sehr. Vor zwanzig Jahren war es mir nicht egal. Und im übrigen, das Tanzverbot gab es schon damals. Was ich so genau weiß, weil eine Freundin an Holloween, das wir damals einfach mal 31. Oktober genannt haben, Geburtstag hatte. Und um Mitternacht wurde die Musi abgedreht. So war das damals. Und man hat es auch nicht weiter hinterfragt. Die meisten von uns mussten am nächsten Tag eh halbwegs fit sein, weil ein Auftauchen am Grab mit Leichenblässe und tiefen Ringen unter den Augen von den Eltern nicht sehr geschätzt wurde. Am 1. November ist man nämlich ans Grab gegangen. So war das damals.

Jetzt kann man natürlich die Verrohung der Sitten beklagen und die Amerikanisierung im Allgemeinen, aber das Totengedenken (bitte mit Stille und Trauer) staatlich zu verordnen, geht zu weit. Der eine gruselt sich eben beim scheinheiligen Friedhofsaufmarsch am 1. November, der andere in der Nacht davor.

In dem Zusammenhang darf man sich eigentlich sogar wundern, dass es dem BR erlaubt ist, jedes Jahr an Allerheiligen den Brandner Kaspar auszustrahlen. Da geht man ja auch lax mit dem Thema Tod um.

All Hallows' Eve. Perchten. Kerschgeist. Wenn man mal darüber nachdenkt, ist der Ursprung doch wieder derselbe...


Susn - eine Hommage

Vor dieser Frau möchte man in die Knie gehen - wie sie dasteht mit ihrem Engelsgesicht und sich in nur einer guten Stunde wandelt von der naiven Jungen in die abgehalfterte Alte, die alles und zu viel erlebt hat. Und das ohne Maske und ohne Zutun, nur aus sich selbst heraus.

Es wird wieder eine Hommage. Aber es geht nicht anders. Brigitte Hobmeier ist eine Sensation als Susn. Und das Gespann Ostermeier als Regisseur und Hobmeier als seine Hauptdarstellerin entwickelt sich zum Dream-Team, das süchtig macht. Dass Ostermeier, der aus Niederbayern nach Berlin geflohen ist, wie so viele andere kreative, gut ist, wenn er sich an der bayerischen Unterschicht abarbeitet, ist nichts neues. Ob mit Fleißer oder jetzt mit Achternbusch.

Susn, die Demontage einer Frau in vier Bildern, stammt aus einer Zeit, in der die Frauenbewegung ihre Hochkonjunktur hatte. Theoretisch, denn praktisch regierten die drei großen Ks. Das hat Achternbusch so gesehen, das sieht Ostermeier so - und das lebt auf der Bühne Brigitte Hobmeier.

Es ist derb, es ist kein Sonntagsspaziergang und die Lacher bleiben eher im Hals stecken. Aber es ist großartig. Großartig ist vor allem Brigitte Hobmeier, die mit einer scheinbaren Leichtigkeit die vierzig Jahre überwindet und diese Frauenfigur zu einer verschmelzen lässt. Zu einer, mit der man und über die man weinen möchte.

Prädikat: empfehlenswert! Die nächsten Aufführungstermine sind am 9. und 10. November. Mehr auf der Homepage der Münchner Kammerspiele

Und weil wir gerade dabei sind...Die letzte Möglichkeit, die Maria Braun in München zu sehen, ist Sonntag, der 8. November. Danach geht die Aufführung an die Schaubühne Berlin. Ich würde Ihnen ja den Besuch der Aufführung ebenfalls und immer noch empfehlen...


Blues

Die Dunkelheit ist eine Drecksau. Eine widerwärtige gemeine. Hinterrücks nistet sie sich ein, in dein Leben. Macht sich breit. Nicht bereit es für die nächsten Monate wieder zu verlassen. Sie ist da, wenn du am Morgen aufstehst, sie ist da, wenn du vom Schreibtisch aufblickst und eigentlich der Tag noch so lang ist - doch die Nacht ist viel länger. Sie ist einfach da. Legt sich über dich wie eine Decke. Und ist doch kalt.

Du sehnst dich nach einem offenen Feuer, vor dem du sitzen würdest mit einem Buch in der Hand. Die Katze würde schnurren. Der Mann dich anlächeln, wenn du aufblickst. Die Dunkelheit würde dir nichts anhaben. Hoffst du, denn an Katze und Feuer allein kanns ja nicht liegen.

Doch so bist du ihr erst einmal ausgeliefert. Kannst dich höchstens mit ihr arrangieren. Sie nicht besiegen. Denn dann besiegt sie dich mit einem Lächeln im Gesicht.


Münchner Schmuddelkinder?

Wenn ich abend für abend den Mann meines Lebens in Jogginghosen und Unterhemd auf der Couch sehen müsste, würde ich anfangen, die Bereiche Mann - Leben zu überdenken. Erstaunt bin ich, dass es nun Frauen gibt, die das nicht zu stören scheint, die sich im Gegenteil darüber freuen, wenn nicht nur in der Eckkneipe in Obergiesing (Berg am Laim?) mann in Schlappen und Jogginghose auf ein Bier geht, sondern auch in den In-Kneipen der In-Viertel die anscheinend Edel-Proll-Variante dieses Outfits angesagt ist.

Also ich persönlich bezweifle ja, dass dieser Look angesagt ist. Natürlich gab es auch die weibliche Variante schon immer irgendwo: blondiert, Jogginghose, rosa Fingernägel und Bleistiftabsätze. Oder die intersexuelle Variante der ballonseidenen Jogginganzüge. Oder nicht zu vergessen: Trainingshose, Lederjacke, Goldkettchen. Alle drei in der Innenstadt eine seltene Spezies. Glücklicherweise.

Natürlich gibt es auch in München jede Menge Jogginghosenträger - in meinem Spießerviertel begegnet man ihnen, ja genau: beim Joggen. Und das muss zwar nicht, kann aber ein sexy Anblick sein. Steht derjenige allerdings so mit dem Bier in der Hand an den Tresen, ergreifen Sie die Flucht liebe Frauen. Denn dann addieren Sie ein paar Jährchen und Bierchen obendrauf, subtrahieren ein paar Häarchen und sie wissen, was eventuell dann auf ihrem Sofa sitzt. Kein schöner Anblick, oder?


Trendscout Frau B.

In Bozen übrigens trinken nur noch Turis Sprizz, wir erinnern uns, das angeblich neue In-Getränk in München. Angesagt ist vielmehr ein Getränk mit einer entschieden dezenteren Farbgebung. Gesehen in vielen Bars, musste ich natürlich sofort kosten.

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Es schmeckt, es hat einen bescheuerten Namen und es wird in München der Renner. Wie lange dauert's? Wetten werden an dieser Stelle angenommen...


Powershopping in Monaco

Was für ein entgangenes Geschäft. Wahrscheinlich haben am gestrigen Samstag alle Glühweinstandlbesitzer fassungslos auf Kalender, Termometer und die Innenstadt geschaut. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, Weihnachten steht vor der Tür. Der dritte Adventssamstag ist nichts gegen das Gedränge, das in der Fußgängerzone und den Nebenschauplätzen herrschte. Doch statt auf der Jagd nach Geschenken, waren alle auf der Jagd nach wärmender Kleidung. Bei Rid gingen die Bettdecken weg wie warme Semmeln, Winterstiefel waren der Renner in den Schuhgeschäften. Und die Kassen in den Mantelabteilungen klingelten in den Ohren der Geschäftsführenden gestern wahrscheinlich wie himmlische Glocken. Ganze Familien waren aus wahrscheinlich halb Bayern zum Shoppen auf Minga gefahren. Aber wir wissen ja auch, dass nicht nur aus halb Bayern die Menschen anreisen, sondern auch aus Norditalien. Nicht Bozen, nicht Mailland. Nach München müsste man zum Shoppen fahren. Die besseren Geschäfte, die bessere Auswahl und das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis gäbe es hier. Und wie zum Beweis ließen sich am Samstag eine Gruppe gutgekleideter Italiener zum Espresso an dem Tisch nebenan nieder. Mit Tüten bepackt. Ja, nur die Glühweinstandlbesitzer, die hatten Pech. Weil die hatten zu. Dabei hätte sich das wohl richtig gelohnt.

Bergauf II

Meine Damen und Herren, ich fühle mich betrogen. Ja. Deswegen war es hier die letzten Tage auch so still. Ich saß nämlich schmollend in der Ecke. Für alle, die es vergessen haben: der Oktober hat golden zu sein. Und nicht weiß.

Und so kann man sagen, dass das vergangenes Wochenende die letzte Gelegenheit war

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Was lange währt...

Wollen wollt ich's schon lange. Jahre lang. Das Objekt meine Begierde war ein Strickjanker. Aber nicht so einer, wie sie immer meinen, den Frauen andrehen zu müssen. Nix mit Chichi, nix mit Applikation und Stickerei und schon dreimal nix mit so einer komischen Falte hinten. Ich wollte etwas einfaches, schlichtes. Kurz: Ich wollte keinen taillenkurzen Frauenjanker, ich wollte einen Männerjanker im Frauenformat. Und das, das find mal. Ich glaub, es gibt keinen Trachtenladen, der meinen Weg gekreuzt hat, in dem ich nicht gefragt habe. Die Zeit verging und inzwischen gab es schon zwei Menschen, die nichts lieber getan hätten als mir das Objekt meiner Sehnsucht zu schenken. Mein Vater, weil er die Vorstellung seiner Tochter im Janker ganz wunderbar fand. Der Begleiter, der den "ich auch haben will"-Blick nicht mehr ertrug. Ist ja schön, wenn dir Menschen etwas schenken wollen. Nur das allein hilft dir auch nicht weiter. So gingen die Jahre ins Land. Dabei lag das Gute so nah. Denn irgendwann, warum erst dann, weiß kein Mensch, schaute ich in einem kleinen Trachtenladen in der kleinen Stadt rein. Doch, ich weiß warum: weil ich Montags das ein oder andere Mal vor verschlossener Türe stand. Diesmal war die Tür offen - und ich rannte offene Türen ein: "Kein Problem. Das lassen wir machen." Sagte es und drückte mir Stoffmuster in die Hand. Gemessen. Gesteckt. Drei Wochen später war mein Janker da. So wie ich ihn wollte. Und er hat mich schon sehr glücklich gemacht. Das erste Mal, gleich am ersten Abend, an einem Juli Abend, an dem es so saukalt war, dass du gemeint hast, dich in der Jahreszeit vertan zu haben. Ich war auf der Landshuter Hochzeit verabredet. Und kam an - mit Janker. Und erntete ein Lächeln von den Frauen im Sommerkleid. Das ihnen verging. Im Gegensatz zu meinem Lächeln.

Wollen Sie auch glücklich werden: Trachtenmäßig bei Daniela Kurtenbach, Steckengasse, Landshut.


Must haves in Maxvorstadt

Maxvorstadt war mal ein Uni-Viertel. Die Uni ist zwar noch da, wo sie immer war, die Studenten... na gut, die Studenten sind in ihren Semesterferien. Und so ist Maxvorstadt ziemlich entvölkert. Umso mehr fällt dann eine andere Gruppe von Menschen auf und vor allem deren Accessories: gut gekleidet - an der einen Hand die Rolex, an der anderen ein Mini-Mensch namens Finn oder so ähnlich. Der dazugehörige Geländewagen steht, ja wo steht der eigentlich? Während Buchhandlungen schließen, schießen Kinder-Boutiquen aus dem Boden - alles was chic und den Latte Macchiato Mamis teuer ist. Aber was man irgendwann mal spart, wenn das Kind keine Studentenbude braucht, sondern in der Stadtwohnung bleiben kann, das macht auf lange Sicht gesehen, Maxvorstadt einfach unschlagbar günstig. Denn Finn wird irgendwann mal BWL studieren, das ist doch eh klar.

In Eile...

Herr Paulsen fragt und bekommt meine schnelle Tomatensoße mit Speck und Salbei. Ein Klassiker in meiner Küche. Hunger kommt bei mir in Regel plötzlich und unerwartet. Und will dann gestillt werden. Jetzt. Sofort. Also habe ich den ein oder anderen Klassiker, der schnell geht, bei dem die Zutaten in der Regel im Haus sind - und der schmeckt.

In diesem Fall: Man nehme kleingehackte Zwiebel, etwas geräucherten Schinken (ist mir immer lieber als Speck), brate beides an, gebe pro Esser zwei bis drei kleingeschnittene Tomaten dazu, Salz, Pfeffer, Salbei und lasse das ganze etwas vor sich hin schmoren - genauer gesagt solange bis die Nudeln fertig sind. Wenn grad im Kühlschrank kommt am Schluss noch ein Löffelchen Sahne dazu. Fertig.


Ein Königsweg

Was oberbayerische Wanderwege betrifft, kann ich mich auf meinen Vater verlassen. Es scheint, als hätte er jeden einzelnen von ihnen abgespeichert. Auch wenn mancher Gang schon lange zurückliegt. Aber die Berge stehen immer noch da, wo sie vor fünfzehn oder fünfzig Jahren auch schon gestanden sind. Und ich mag Berge. Auch wenn ich nicht immer rauf muss, manchmal langt es auch, sie anzuschauen.

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Der Kini wusste schon, wo es schön ist. Da hat er seine Schlösser hingestellt.Und weil es da schön ist, sind die Schlösser auch überlaufen. Der Weg nach Linderhof ist dagegen leer. Brombeersträucher am Wegesrand. Steinpilze im Gehölz. Ein röhrender Hirsch auf einer Anhöhe. Da sollte er auch bleiben, denn es gibt jede Menge Hochsitze...

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Definitiv mehr als Wildgerichte am Abend auf der Karte im Wirtshaus stehen. Und auf die Wirtshaustipps kann man sich nach all den Jahren nicht mehr verlassen. Kulinarische Ödnis auch diesmal. Hat jemand von den Mitlesern möglicherweise einen Tipp für mich - die Oberammergauer Alpenlandschaft hätte es mit nämlich grad angetan...


Shopping in der City

Und die Tüten bringe ich dir vorbei, damit du sie mit dem Auto heimbringen kannst. Sagte ich zum Begleiter. Wild entschlossen, einen dieser milden Herbstnachmittage auszunutzen. Die Idee war: alle sind auf der Wiesn - ideale Shoppingbedingungen. So weit. So gut. Das Tütchen, das ich am Ende vor Ladenschluss erstand.... nein, diesmal kein Buch als Klassiker des Frustkaufens, diesmal Strümpfe, ein anderer Klassiker ...konnte ich gut mit dem Rad transportieren. Möglicherweise bin ich mal wieder zu spät dran, denn wer kauft denn schon Herbstkleidung im Herbst? Also wahrscheinlich haben alle Frauen seit zwei Monaten ihre Stiefel schon im Schrank stehen und alles, was sie sonst noch zu brauchen glauben. Und wenn ich dann mal ankomme und glaube zu brauchen, weil der Saisontausch im Kleiderschrank doch sehr ernüchternd war, ist einfach nichts mehr da. Vielleicht war auch nichts da. Die Hosen sind eng. Die Röcke sind kurz. Und ich befürchte, es wird mal wieder ein Jeans - schwarzer Rollkragenpulli - Winter.