Weltmännertag also. Das ist gut und billig, weil ja jede schützenswerte Art einen eigenen Gedenktag braucht. Und Männer gehören ja inzwischen zu der schützenswerten Art. Schon in der Schule benachteiligt, später von den Hormonen getrieben, dann ausgepowert im Leistungsdruck. Auf der anderen Seite psychisch kastriert und von Gebärneid gebeutelt. Nachdem die männliche Identität in den letzten Jahren verloren gegangen ist, ist so ein Gedenktag mehr als nötig.
Männer. Eine verwunderliche Spezies. Inzwischen ist es ja sogar im Fußball wichtiger vor dem Spiel zur Maniküre zu gehen und die Haare neu gefärbt zu haben, dafür muss auch eine Trainingseinheit ausfallen können. Das sind also die neuen Männerqualitäten. Auch wenn wir Frauen keineswegs den ungepflegten Neandertaler wiederhaben wollen, dieses Beispiel zeigt eindeutig, dass Männer es nicht schaffen, Prioritäten zu setzen. Und dann sehen die Frauen in der Nationalmannschaft nicht nur besser aus, bringen nach dem Spiel den geraderen Satz ins Mikro - sie spielen auch noch besser. Wieder eine Männerdomäne gekippt.
Ach Männer. Natürlich ist Fußball schon lang nicht mehr euer Leben. Die Werkbank im Keller ist der Wellness-Oase gewichen. Vom Platz im Kleiderschrank und aud dem Badezimmerregal fordert ihr die Hälfte ein. Ihr könnt kochen und grunzt nicht nur "Fleisch!", das ihr auf den Grill schmeißt. Ihr geht mit angesabberten Anzügen ins Büro und sagt erklärend "Bäuerchen zum Abschied". Ihr habt Krämpfe, wenn wir unsere Tage haben. Nehmt in der Schwangerschaft zehn Kilo zu. Spielt euer Leben lang gern mit Autos.
Ihr bringt uns zum Staunen. Und zum Lachen. Und manchmal zum Weinen. Einen schönen Weltmännertag euch heute noch. Soll ich im Baumarkt ein Geschenkset kaufen gehen? Oder lieber ein Körperduftöl?
Ich bin sowas von Gebärneid gepeinigt, Frau B., das können Sie sich gar nicht vorstellen, es ist einfach furchtbar ...
Kommentiert von: T.M. | 03. November 09 um 15:50
Sie Ärmster! Immer schön hecheln, vielleicht geht es vorbei...
Kommentiert von: Helga | 03. November 09 um 15:53
Dein Text bringt mich zu der tiefsinnigen Erkenntnis, dass mich ausgerechnet die Männer in meinem Leben, die mich am meisten zum Lachen gebracht haben auch die meisten Tränen gekostet haben. Ist schon seltsam ...
Liebe Grüße
Quizzy
Kommentiert von: Quizzy | 04. November 09 um 05:51
So schnell vergeht die Zeit. Vor dreißig Jahren wäre so eine Sicht undenkbar gewesen. Toll!
Kommentiert von: Saxana | 04. November 09 um 11:27
"Soll ich im Baumarkt ein Geschenkset kaufen gehen? Oder lieber ein Körperduftöl?"
Ach, Frau B., danke der Nachfrage. Aber von der einen (Vorurteils-) Ecke in die andere gedrängt zu werden, das ist es nun auch nicht.
Eine Alternative? Gerne: Eigentlich mögen wir es ganz individuell und persönlich... Hauptsache wir stehen im Mittelpunkt der Schenkenden und haben ihre ungeteilte Aufmerksamkeit ;-)
Kommentiert von: Ralf | 04. November 09 um 14:31
@ Saxana: danke. manchmal vergessen wir, wie sehr sich die Zeit verändert hat, seit unsere Mütter in unserem Alter waren...
@ Quizzi: ist es wirklich seltsam?
@ Ralf: ja die Sache mit der ungeteilten Aufmerksamkeit;-)
Kommentiert von: Helga | 04. November 09 um 17:22
Was spricht gegen eine herkömmliche Kiste Bier ;-) Nach alter Väter Sitte, sozusagen...
Kommentiert von: Rob | 04. November 09 um 18:29
Ein Rock tät's auch... ;-)
Kommentiert von: Stadtneurotiker | 05. November 09 um 02:11
Hallo Frau B.
Ich hätte Sie auf einer anderen als der "Männer vs. Frauen"-Ebene vermutet.
Nichts für ungut.
Anton
Kommentiert von: Antonius | 05. November 09 um 15:02
Die Männer vs. Frauen Ebene ist ein unendliches Thema Anton. Kommt nur drauf an, ob man das Thema mit Humor nimmt...
Stadtneurotiker - meine Röcke gehören mir!
Rob - ich hab tatsächlich Bier mitgenommen... Kennen Sie Emmer-Bier? Muss ich hier mal was drüber schreiben...
Kommentiert von: Helga | 05. November 09 um 19:29
Chapeau. Sehr fein geschrieben.
Kommentiert von: Frau Klugscheisser | 06. November 09 um 10:04
Emmer-Bier kenn ich nicht. Aber Unertl. Damit hat sich die örtliche Frauenliste anläßlich des letzten Weltfrauentags zugerichtet.
Dabei fällt mir ein: von den acht Brauereien im Umkreis von 10 km werden fünf von Frauen betrieben.
Kommentiert von: Rob | 06. November 09 um 11:44
Danke Frau Klugscheisser.
Kommentiert von: Helga | 06. November 09 um 12:30