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Dezember 2009

Auf ein neues!

Glücksklee

Lassen Sie uns dieses alte Jahr mit Würde verabschieden. Wir wollen ja nicht unhöflich sein. Auch wenn viele von uns diesem 2009 nicht viele Tränen nachweinen werden. Wenn man nun aber Resümee zieht, wird einem vielleicht auch klar, dass es vielfach ein Jammern auf hohem Niveau war. Und was vom Jahre letztlich übrig bleibt, sind sehr viele schöne Momente... Katastophenjahre sehen anders aus. Aber das ist subjektiv.

Ansonsten lassen Sie uns das neue Jahr begrüßen, wie es sich gebührt. Lassen Sie uns anstoßen mit perlenden Wein, auf dass das neue Jahr perlen möge! Ich wünsche uns allen ein gutes 2010!


Was vom Jahre übrig blieb (III)...

Es gibt Vorsätze und Vorsätze. Die einen sind von vornherein zum Scheitern verurteilt. Weil sie zu absolut sind oder weil wir sie eigentlich gar nicht wollen, sondern nur meinen sie wollen zu müssen. Vielleicht auch, weil sie zu einem falschen Zeitpunkt vorgenommen wurden. Und dann gibt es Vorsätze, die so banal zu sein scheinen, dass man sie entweder gleich wieder vergisst oder sie gute Chancen haben, verwirklicht zu werden. Ein solcher Vorsatz 2009 war "mehr Kultur". Jeden Monat wollte ich ins Theater gehen. Und: ich blicke zurück auf 12 Theater- und Opernbesuche sowie ein Konzert. Das war eine bunte Mischung - vom Landshuter Stadttheater bis hin zu den Salzburger Festspielen. Ich habe Edita Gruberova als Lucretia Borgia in der Staatsoper gesehen (ja!) und Carmen-Maja Antoni als Mutter Courage am Berliner Ensamble (unbedingt empfehlenswert). Brigitte Hobmeier ist mir sowohl als Susn wie auch als Maria Braun unter die Haut gegangen. Ich war von Eros im Münchner Volkstheater begeistert und von Leonce und Lena entsetzt. Mehr erwartet hatte ich von Bierbichler als Borkmann in den Kammerspielen und vom Jubiläumsprogramm der Biermösl Blosn. Ich hatte übersehen, es Ihnen zu empfehlen, aber wenn das Metropoltheater mal wieder "Black Rider" spielt, gehen Sie rein. Und in ein Konzert von Tokarev. Und überhaupt ist Theater etwas wunderbares. Nächstes Jahr wieder...

Was vom Jahre übrig blieb (II)...

2009 und seine Bücher. Und das ist jetzt schwer. Weil dieses Jahr lesetechnisch nicht sehr erbaulich war - vieles habe ich wieder aus der Hand gelegt - teils weg-, teils auf den Lesestapel zurückgelegt. Wenig hat mich wirklich erfreut, auch Bücher nicht, die hochgelobt waren. Und irgendwie habe ich auch im Laufe des Jahres den Überblick verloren -  ich habe ausgemistet, weggeworfen, neu geordnet.

Der Versuch einer Top Ten (chronologisch)

Patricia Highsmith „Zwei Fremde im Zug
Martin Suter „Die dunkle Seite des Mondes
Zafon „Schatten des Windes“ (wiedergelesen)
Pessoa „Ein anarchistischer Banker“
Andrea Camilleri „Die dunkle Wahrheit des Mondes“
Martin Suter „Small World“
Remarque „Die Nacht von Lissabon“
Martin Suter "Ein perfekter Freund"
Donna Leon „Lasset die Kinder zu mir kommen“


Alles was zählt

Es sind nicht die Geschenke. Auch nicht das perfekte Essen. Schon dreimal nicht, es allen recht zu machen außer sich selbst. Was zählt, ist, zu Ruhe zu kommen. Für sich zu sein oder mit denjenigen, die man mag. Zusammen zu sein. Ohne Zwang. Was zählt, ist, die Zeit zu genießen und nicht die Stunden zu zählen bis sie vorüber ist. Genießen Sie die Zeit - geben Sie Ruhe - wir nennen das hier gemeinhin Weihnachten.

Rathaus_Weihnachtskarte
Ich wünsche Ihnen ein frohes Fest!


Intellektuelles Boulevardtheater

Die FAZ nannte es einmal Boulevardtheater. Andere Menschen, die sehr viel intellektueller sind als ich, nennen es großartig. Pinters bestes Stück. Zwischen diesen beiden Betrachtungsweisen liegen schon mal Welten. Ich sagte nach der Aufführung nur: das ist also Pinters bestes Stück? Ganz leise natürlich, damit Regisseur, Schauspieler und Theaterleitung das nicht hören. Man muss ja bei Premierenfeiern auf seine Worte aufpassen. Und erntete promt einen strafenden Blick "der Mann hat den Nobelpreis bekommen". Was ja, wie wir spätenstens seit diesem Jahr und dem Friedensnobelpreis wissen, nicht viel heißen mag. Außerdem die Literaturnobelpreise der letzten Jahre... Coetzee finde ich fürchterlich, mit Jelinek kämpfe ich und außerdem hoffe ich inständig, dass niemand auf die Idee kommt, mir Herta Müller zu Weihnachten zu schenken. Also Literaturnobelpreis zählt nicht.

Kommen wir zurück zum Thema. Gegenstand der Betrachtung ist "Betrogen". Von Harald Pinter. Boshaft gesagt hat er darin aufgearbeitet, dass er seine Frau sieben Jahre lang betrogen hat. Denn das tut in diesem Stück auch die Hauptperson. Zusammengefasst: Frau betrügt Mann mit seinem besten Freund über diese ganzen Jahre und über eine ganze Zeit hinweg weiß Mann davon, schweigt aber. Nicht weil er seine Frau so liebt, sondern weil sie ihm ziemlich egal ist. Erzählt wird das ganze von hinten, so dass der Zuschauer immer ein bisschen mehr weiß als die Personen auf der Bühne. Das ist auf der einen Seite die Ehrenrettung zur Abgrenzung zum Boulevard, auf der anderen Seite macht es das Stück schwierig, weil es wird in lauter kleinen Häppchen serviert: Szene, Umbaupause, Zeit- und Ortsangabe, Szene etc.

Gespielt wird das Stück seit letztem Freitag im Südostbayerischen Städtetheater in Landshut (Premiere in Passau am 2. Januar). Es ist ein Kammerspiel und funktioniert daher sehr gut auf der eh nicht großen Bühne des Stadttheaters, die optisch nocheinmal reduziert wurde (das Bühnenbild von Klaus Gasperi hat mir ja schon bei Romeo und Julia gut gefallen). Oliver Karbus inszeniert das Stück schnörkellos und die Schauspieler überzeugen ohne Zweifel. Nur das mit dem großartigen abgrundtiefen Seelenstück, da nagen bei mir nun doch die Zweifel.


It's Teatime

Man muss das positiv sehen: Heute, ja genau heute in einer Woche um genau diese Zeit ist der ganze Spuk vorbei. Die Geschäfte haben geschlossen. Ruhe kehrt ein. Und diesmal richtig lang - dreieinhalb Tage einfach mal Ruhe. Heute in genau einer Woche sitzen Sie da, vielleicht entzünden Sie gerade die Kerzen am Weihnachtsbaum, trinken Tee oder Punsch oder heiße Schokolade. Und Weihnachten beginnt. Vielleicht sind Sie auch auf dem Weg zum Gottesdienst oder zur Familienfeier. Auf jeden Fall ist alles "jetzt müssen wir noch" vorbei. Nix geht mehr. Sie dürfen seufzen und endlich sagen.

Visualisieren Sie dieses Bild. Und atmen Sie tief durch. Das Ende des Stresses ist in Sicht.

Eine Woche vor Weihnachten. Jetzt sollte man meinen, das Weihnachtsgeschäft liefe auf Hochtouren. Aber denkste. In den Geschäften wird schon weitergeplant. Die Deko-Läden stellen gerade auf Silvester um, die Supermärkte haben die letzten kargen Lebkuchenreste auf einen Ramschständer gepackt (ist ja alles seit Oktober ausverkauft) und eifrig wird auf das nächste Event hingearbeitet.

Das Karusell dreht sich. Immer schneller. Los und hopp.

Tief durchatmen... Machen Sie sich, wie ich gerade, eine Tasse Tee. Stellen Sie sich einen Plätzchenteller auf den Schreibtisch. Blicken Sie mal auf auf das verschneite Dach gegenüber in der Dämmerung. Und lassen Sie sich nicht stressen...


Die unstaade Zeit

Manchmal hält man sich ja für ganz besonders clever und denkt sich, so Anfang der Woche sei doch mal ein guter Zeitpunkt für einen Weihnachtseinkauf. Weil, irgendwann, muss man halt. Hach, und was sagte eine Verkäuferin doch tatsächlich zu mir: Kein Zeitpunkt vor Weihnachten sei ein guter Zeitpunkt. Ich staunte und schwieg. Und hätte beinahe gesagt, sie solle doch froh sein, wenn die Leute noch einkaufen. Und dabei war tatsächlich gar nicht so viel los...

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Das vierblättrige Plätzchen-Kleeblatt

Man kauft doch nicht auf dem Weihnachtsmarkt. Sagt tadelnd M. Und erschrocken lasse ich das Förmchen wieder fallen. Ich will ja nicht den Eindruck erwecken, dass ich gedankenlos mit Geld um mich schmeißen würde. Dabei geht es um ein lächerliches Plätzchenförmchen. Das ich in diesem Moment nett fand und für das ich nie in ein Kaufhaus gehen würde, wo es vielleicht die Förmchen billiger gibt, aber wahrscheinlich nur im Mehrförmchenpack - und mehr Förmchen brauche und will ich nicht - nur das eine wollte ich - und ob ich das eine dann dort bekäme ist fraglich.

Ein Förmchen. Eines, das mich daran erinnert hätte, an den Spaziergang am Nachmittag über den Weihnachtsmarkt mit M. Jedesmal, wenn ich es benutzt hätte. So bleibt der Nachmittag nur in Erinnerung als der Weihnachtsmarkt, auf dem ich scheußlichsten gebrannten Mandeln meines Lebens gekauft habe. Den Rest der Tüte habe ich entsorgt - auf dem Nachhauseweg. Heimlich still und leise und voll schlechtem Gewissen, weil ich etwas weggeworfen habe, für das ich Geld ausgegeben habe. Und weil andere Menschen hungern. Und mir klar war, dass ich ein schlechter Mensch sein muss.


Ein Abendspaziergang

RAthaus

Nahezu allein stehst du um kurz nach sechs unter leuchtenden Weihnachtssternen. Die Geschäfte fast alle geschlossen, die Straße leer. Eigentlich ist die geschmückte kleine Stadt ein Vorweihnachtstraum. Prächtig sieht sie aus mit ihrem Baum und den Lichterketten und der ein oder andere Glühweinstand lädt zum Verweilen ein. Nur es verweilt niemand. Vielleicht auf dem Christkindlmarkt, aber nicht in der Geschäftsstraße. Niemand, der sich nach der Arbeit, nach dem Einkaufen da noch aufhalten würde. Jedenfalls nicht an einem x-beliebigen Abend unter der Woche. Und so läuft du allein durch die festliche Straße und es ist surreal - als wäre ein Ausgangsverbot erlassen und nur du allein weißt es nicht.

Bei Dunkelheit ist man daheim. Alles andere gehört sich nicht. Für sich. Du läufst durch die Straßen der Wohnsiedlung und bleibst allein - die Häuser sind wie verammelt. Die Jalousien heruntergelassen, kein Licht dringt aus den Häusern nach draußen. Kein Lachen, kein Leben. Dir fällt zum ersten Mal auf, wie viele Vortüren vor den Haustüren es hier gibt. Damit nicht jemand plötzlich vor deiner Tür stehen kann.

Du bleibst allein. Vor oder hinter diesen Fenstern.


Ein Karusell!

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Vor 35 Jahren, ja, da hätte mich so ein Weihnachtskarusell schwer begeistert. Da konnte man mich ja auch mit einem einzelnen Schaukelpferd, das in der Passage im Durchgang zur Spielzeughandlung, die in der Weihnachtszeit ein gigantisches Märchenschaufenster hatte mit Zug und sich bewegenden Figuren, begeistern. Das große Spielzeuggeschäft in der kleinen Stadt gehört der Vergangenheit an und ich frage mich, wo drücken sich heute die Kinder die Nasen platt? Wo werden heute Sehnsüchte gleichzeitig geweckt und gestillt? Dann ist es schön, dass es manchmal solche Überbleibsel der Vergangenheit gibt wie dieses Karusell am Weihnachtsmarkt am Rotkreuzplatz.

Ohne Platzangst

IMG_2078 Der Pasinger Weihnachtsmarkt ist noch ein echter Nachbarschaftsmarkt. An der Kirche, ohne viel Schnickschnack. Es gibt Würstl, Glühwein, Mandeln, Maroni. Fertig. Mehr braucht's auch eigentlich nicht. Das schöne ist, dass sich die Leut tatsächlich nach dem Sonntagsspaziergang einfach mal auf einen Ratsch treffen. So ganz unter sich. Weil dass die ganzen Horden von Weihnachtsmarkt-Touristen über Pasing herfallen, ist unwahrscheinlich.


Libertas?

Wo ist es hin, das Leben und leben lassen Prinzip? Ja, schon klar, jetzt schreien alle Nichtraucher auf: ich würd sie ja nicht leben lassen als Raucher. Und deswegen müssen sie mich bekämpfen. Sie dürfen mich beschimpfen (ja, wagen Sie mal, sich auf offener Straße eine Zigarette anzuzünden) und sie müssen ihre ganze Energie, von der sie offensichtlich zu viel haben, in ein Volksbegehren stecken. Es gäbe viel auf dieser Welt zu verbessern und viel für das sich zu kämpfen lohnt - der bayerische Nichtraucherschutz gehört nicht dazu.

Es sei denn, diese Menschen leben in einer anderen Welt als ich. Was sie ja tun, aber jetzt objektiv betrachtet. Ich lebe in einer Nichtraucherwelt. Jedes Restaurant, jede Bar, die ich betrete, ist rauchfrei. Was bei ersterem, und diese Ansicht habe ich schon immer vertreten, wunderbar ist. Keiner, auch kein Raucher, möchte sich das Essen von abgestandenen Rauch vermiesen lassen. Das zweitere ist mitunter lästig. Nämlich wenn Raucher gemeinsam ausgehen wollen. Theoretisch gibt es die Möglichkeit, in ein Raucherlokal zu gehen, praktisch findet der halbe Abend vor der Tür statt. Es gibt nämlich keine Raucherlokale. Außer Monis Eckstüberl und in Monis Eckstüberl geh ich nicht rein.

Aber wieso wollen die Menschen den ganzen Monis ihre Existenzgrundlage entziehen und dafür sorgen, dass die soziale Schicht, die sich dort aufhält, mit ihrem Bier und ihrer Zigarette auf irgendeinen öffentlichen Platz getrieben wird, wo keiner mehr auf sie aufpasst, denn das tut die Moni im Zweifelsfall auf ihre Art, und wo sie alle anderen sozialen Schichten grundsätzlich nerven und sich selbst im Winter zu ihrer Raucherlunge noch eine Lungenentzündung holen. Liebe Anhänger des Volksbegehrens: wollt ihr das? Was habt ihr davon? Wollt ihr in Zukunft zu Moni in ihre dann rauchfreie Boazn gehen?

Und wenn mir jetzt jemand antwortet, dass der Nichtraucherschutz ausgehöhlt würde und man ÜBERALL rauchen dürfte, dann bitte mit Beispielen. Denn wie gesagt, ich lebe offensichtlich in einem Paralleluniversum und lieber Nichtraucher, wir sollten das Universum tauschen.


Ein Stern leuchtet

Stern des Südens nennt Siemens das Kunstprojekt. Eine Lichtinstallation des Münchner Multimedia-Künstlers Michael Pendry: 9000 LEDs bringen das Windrad im Münchner Norden zum Leuchten und das bis zu 30 Kilometer weit.

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Es ist kein Kunstprojekt im luftleeren Raum, im Gegenteil es soll ein Zeichen setzen zur Weltklimakonferenz in Kopenhagen, die am 7. Dezember beginnt. Der Weihnachtsstern nutzt die natürliche Energie und ist auch darauf angewiesen, um zu leuchten. Ein Apell an den verantwortungsbewussten Umgang mit den Ressourcen.

Außerdem sieht es sehr cool aus. Dem sich verändernden Farb- und Formspiel kann man ewig zuschauen, wenn man auf der A9 im Stau steht. Was allerdings auch schlecht fürs Klima ist.

Foto: Siemens