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Januar 2010

Wirtschaftskrise und Pauschaltourismus

Meine letzte Pauschalreise ist, lassen Sie mich nachdenken, etwa zehn Jahre her. Es war die Zeit, als das Internet noch nicht allgegenwärtig war und Reisebüros daher noch einen Sinn machten. Seitdem buche ich selbst und warum es mich diesen Winter gerissen hat und ich dachte, man könnte doch mal wieder, weiß ich selbst nicht genau. Doch natürlich weiß ich es: Mir schwebte so ein klassiches Pauschalreiseziel vor: die Kanaren. Also, Reisebüro. In zweien war ich. In beiden das selbe: wir haben zwar keine Ahnung, aber versuchen mal zu verkaufen. Wo liegt das Hotel? Wie sieht das aus? - Kann man sich ja im Internet anschauen. Sagte er wörtlich. Was man sich auch im Internet anschauen kann, sind Hotelkritiken...

Und noch so einiges anderes. Zum Beispiel, dass die Preise für eine Insel wie Lanzarote künstlich hochgehalten werden. Das geht, indem man das Kontingent reduziert. Man hat die Flüge extrem reduziert oder gebündelt: nach Lanzarote fliegen Sie von München aus am besten über Fuerteventura - Direktflüge Mangelware. Jetzt sind aber die Hotels eh schon nicht ausgelastet. Kein Wunder, sind ja meist überdimensionierte Bettenburgen...

Was dazu führt: im vergangenen Jahr häuften sich die Beschwerden über Hotels, was Sauberkeit, was Service, was die Qualität von Hotelrestaurants anbelangt, kann man in den diversen Reiseportalen nachlesen. Ist ja klar, muss ja gespart werden. Mein Eindruck wurde in einem Artikel in der Welt dazu bestätigt. Das ist eine Abwärtsspirale.

Und ich, ich suche mir wieder kleine nette Landhotels und lasse die pauschalen Bettenburgen links liegen. Wie schon die vergangenen Jahre...


Die Wahnsinnsliste

Nathalie hat gefragt, hier kommt die Antwort:

  1.  Ich heiße tatsächlich so (wurde schon mal für ein Pseudonym gehalten).
  2. Ich hieß auch schon mal anders – hätte man ebenfalls für ein Pseudonym halten können.
  3. Ich war mal verliebt in Brad Pitt.
  4.  Aber ich wollte nie eine ganze Kindergartengruppe in meinem Haus toben haben.
  5. Außerdem bin ich weder magersüchtig noch eine Weltretterin.
  6. George Clooney finde ich immer noch interessant.
  7. Er kommt aber bei weitem nicht an den Lebensbegleiter heran.
  8. Ich esse fast alles. Es sei denn Innereien und Oliven – und bin auch nicht scharf auf Rosenkohl.
  9. Überhaupt esse ich nicht gerne scharf.
  10. Ich esse bei Einladungen, bis ich satt bin. Blöd, wenn dann der Teller noch halb voll ist.
  11. Ich bin so unhöflich, den Teller dann nicht leer zu essen.
  12.  Wasser: medium, nicht aus dem Kühlschrank.
  13. Rotwein, Weißwein, Tee, Kaffee, Saftschorle. Alles zu seiner Zeit.
  14.  Auf Kamillentee wird mir schlecht.
  15. Kaffee bitte als Espresso oder Cappuccino.
  16. Espresso mit Zucker. Den Grappa kann gerne jemand anderer haben.
  17. Ich freue mich, wenn abends nicht selbst fahren muss.
  18. Ich war ebenfalls auf einem Mädchengymnasium. Katholisch.
  19. War eine gute Erfahrung.
  20. Ich hatte Mathe Leistungskurs.
  21. Habe dennoch kein Verhältnis zu Zahlen.
  22. Meine Hände sind ok.
  23. Wenn ich nicht gerade Brand-, Schnitt- oder sonstige Verletzungen habe.
  24. Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Helgas nicht. Meine Oma hatte recht.
  25. Ich mag Berge.
  26. Aber auch das Meer.
  27. Die schönste Stadt der Welt... ist natürlich München.
  28. Jeder der hier wohnt und davon nicht überzeugt ist, soll bitte wegziehen.
  29. Wien ist wundervoll.
  30. Ja, ich habe einen Hang zur Melancholie.
  31. Gepaart mit Hysterie.
  32. Schlechte Kombination.
  33. Der Begleiter bekommt deswegen einen Orden für innere Stärke in Gold.
  34. Der Freundeskreis in Silber.
  35. Rindfleischsuppe mit Pfannkuchen kann fast jede Katastrophe lindern.
  36. Ich würde gerne Tango tanzen.
  37. Das geht nicht allein.
  38. Handtaschen? Ja bitte! Gilt auch für Schuhe, Tücher, Mützen...
  39. Das heißt noch lange nicht, dass ich jede Mode mitmache. Im Gegenteil.
  40. Geht auch gar nicht, ich will ja die Dinge möglichst lange behalten.
  41. In den letzten 20 Jahren hatte ich zwei Autos. Einen Golf und einen Golf.

Und IHR so??


Lebenshilfe von Frau B.

Auf Platz 1 der Suchanfragen diese Woche: Januar Blues. Kann ich verstehen, er hat mich diese Woche auch erwischt. Was aber Sie, liebe Suchmaschinenverzweifelte, nicht tröstet. Daher werfe ich jetzt meine ganze Frauenzeitschriftenerfahrung in das Blog und versuche Ihnen ein Erste-Hilfe-Programm anzubieten.

  • Bringen Sie Farbe in Ihr Leben. Kaufen Sie sich einen Strauß Tulpen als erste Frühlingsboten und Ihr Wohnzimmer sieht gleich viel freundlicher aus.
  • Ihnen fehlt Wärme! Gehen Sie in die Sauna und streifen Sie die Kälte ab.
  • Schokolade hilft. Jedenfalls bis der Jeansbund kneift.
  • Tageslicht für den Bio-Rhythmus Gehen Sie jeden Tag etwas spazieren - auch an trüben Tagen. Nur ist der Melatoninspiegel des Körpers im Gleichgewicht.
  • Eine Frauenzeitschrift würde jetzt raten: Freuen Sie sich auf die Frühjahrsmode und kaufen Sie schon mal. Bullshit. Sie sind blass, schlecht gelaunt und haben zwei Kilo zuviel auf den Rippen. Vergessen Sie einfach mal das Shoppen.
  • Eine Frauenzeitschrift würde ebenfalls raten: Pflegen Sie Ihre Sozialkontakte (Mädelsabend ist angesagt). Ebenfalls Bullshit. Sie haben keine Lust jemanden zu sehen und den anderen geht es genauso. Es ist völlig ok sich allein unter der Decke zu verkriechen.
  • Aber Sie könnten schon mal Urlaubspläne schmieden.
  • Und lesen.
  • Und kochen. Und zwar das, was schon in der Kindheit geholfen hat gegen Schnupfen und schlechte Laune.
  • Und letztlich hilft auch abwarten. An Lichtmess ist der Tag im Vergleich zu Wintersonnwend schon eine ganze Stunde länger..

Bio-Muttis und Höflichkeit

Als ich ein Kind war, wurden Kinder von allen durchgefüttert. Von den Nachbarn einen Keks oder Schokolade. Im Geschäft irgendwas, was in diesem Geschäft halt angeboten wurde. Ein Stück Obst, was Süßes, Käse oder eben, der Klassiker, a Radl Wurst. Manchmal gab's beim Metzger sogar eine ganze Wiener. Das war normal und rund war eh gesund beim Kind.

Das hat sich verändert. Trauen Sie sich noch, einem Kind, dessen Eltern und deren Einstellung Sie nicht ganz genau kennen, normale Gummibärchen zu geben? Ich nicht. Gleiches gilt für Schokolade und sogar für Obst. Die Eltern könnten ja einer bestimmten Ernährungsphilosophie anhänglich sein oder das Kind allergisch. Heute sind ja alle Kinder allergisch.

Weil es nicht nur mir so geht, sondern die Unsicherheit allgemein zugenommen hat, hat die Großzügigkeit abgenommen. Die Wurst beim Metzger ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Weil das aber in den Augen der Eltern auch nicht geht, kommt es zu Situationen wie dieser: Bio-Mutti mit Kindergarten-Sohn steht beim Metzger (Bio, natürlich) und sagt: "Mein Sohn möchte ein Stück Gelbwurst." Verkäuferin mit freundlichen Lächeln fragt noch nach, ob Pute oder normal oder mit oder ohne Petersilie, überreicht das Stück: "Bitte schön." ----------

Da fehlt doch was im Dialog. Genau. Aber sagt MAN ja anscheinend nicht mehr: Danke. Und die Zurechtweisung, ich bitte Sie, was die für Schaden für das Kindeswohl anrichten würde, auf derartige Ideen kann auch nur wieder so ein kinderloser Mensch kommen. Und wer braucht schon Umgangsformen? Mutti sagt ja auch nicht Danke, wenn man beiseite springt, um sie mit dem Designerbuggy durchzulassen. Das ist doch selbstverständlich!


Ich und Kehlmann

Jeder von uns hat schon einmal so einen Sebastian Zöllner kennengelernt, so einen arroganten Nichtskönner, der sich aber für den Nabel der Welt hält. Im Fall von "Ich und Kaminski" ist der Möchtegern ein selbsternannter Kunstkritiker, der glaubt, den Coup seines Lebens landen zu können - eine Biographie des Malers Kaminski, die rechtzeitig zu dessen Tod auf dem Markt sein soll. Also fährt er in ein entlegenes Almdorf, um den blinden alten vergessenen Mann zu treffen...

Der Roman ist ein als klassisches Roadmovie angelegte Satire auf den Kunstbetrieb. Erbarmunslos lässt Daniel Kehlmann alle seine Figuren scheitern und entlarvt am Ende auch den Leser bei der Frage, was überwiegt: Schadenfreude oder Mitleid? Der Roman schreit geradezu nach einer Verfilmung - und er wird auch zur Zeit mit Daniel Brühl in der Hauptrolle verfilmt.

In den letzten Jahren hätte es ja genügt, in das Regal mit den Bestsellern zu greifen, um etwas von Daniel Kehlmann zu lesen. Was ich nie gemacht habe. Aber ich werde es nachholen.


Ruinen - Auferstehung und der Coffee Shop

Über nichts wird in München so sehr gejammert wie die diversen Niedergänge eines Viertels. Da wird dann der Einbau einer Zentralheizung gleich mal zur Luxussanierung, die die Alteingesessenen vertreibt. Lustig wird es allerdings, wenn die, die die Alteingesessenen vertrieben haben, dann zum Jammern anfangen, weil sie ihrerseits vertrieben werden.

Meine Lieblingskolumnistin hat wieder einmal zugeschlagen - in einem Requiem für ein Viertel. Woran ich mich diesmal eigentlich still und leiser erfreut hätte - besondern an den Kommentaren. Doch dann und so wird die Geschichte zur Geschichte wurden von der Süddeutschen Zeitung die Kommentare abgeschaltet. Wie nennt man das nochmal? Ja, hat etwas mit Zensur zu tun.

Zurück zum Untergang eines Viertels. Die einen sehen den Untergang nahen, wenn in einem Viertel plötzlich Coffee Shops entstehen. Andere sehen den Untergang, wenn diese Coffee Shops wieder schließen. So nämlich Frau Wild, die sich darüber entsetzt, dass statt jenes Becher-Kaffee-Ladens am Gärtnerplatz nun eine Boutique entstehen soll. Sicher eine Mutter-Kind-Boutique... Weil, die die Endzwanziger, die sich vor zehn Jahren im Viertel breit gemacht haben ja inzwischen alle Bio-Nachwuchs gezeugt haben.

Finn und Paul und Annalena haben nun mal andere Bedürfnisse. Zum Beispiel Schlaf in der Nacht. Und deshalb wird auch der ein oder andere Club mitten im Wohngebiet auch wieder schließen, auch weil die Mamis und Papis von Finn und Paul und Annalena sich zum einen die Hörner schon abgestoßen haben und zum anderen inzwischen Mieten von 14 Euro den Quadratmeter zahlen oder sich Wohnungen gekauft haben mit Quadratmeterpreisen von 7000 Euro und es nicht schätzen, wenn ihnen besoffene Partygänger jede Nacht den Eingang vollkotzen. Das ist für sie das Problem und nicht die Mieten und Quadratmeterpreise, die können sie zahlen, denn schließlich wollten sie zwar immer nach Berlin, sind aber in München geblieben und haben Karriere gemacht.

Viertel verändern sich - Menschen verändern sich und finden es auch irgendwann nicht mehr schlimm von Kindern, die etwa halb so alt sind wie sie selbst gesiezt zu werden. Die Isarvorstadt hat sich schon vor langer Zeit verändert. Dabei deutet sich ein anderer Niedergang an, über den wir uns wirklich sorgen müssen. Fast unbemerkt hat zum Ende des Jahres in Schwabing ein Traditionslokal dicht gemacht: Der Weinbauer.

Ein Wirtshaus, dessen Szenezeiten schon lange vorbei waren: Ihn gab es schon zur Zeit der Schwabinger Bohème, später sollen hier Langhans, Baader und Fritz Teufel ihr Bier getrunken haben. In den letzten Jahren war es ein Refugium für die, die eine ehrliche bayerische Wirtschaft schätzten, Gerhard Polt zum Beispiel. Jetzt soll sich Wirt Hubertus Timmel, ein Spezl von Michi Beck, ebenfalls (ausgerechnet) nach Manila abgesetzt haben. Der Grund - unklar. Bleibt nur zu hoffen, dass der Weinbauer bald einen neuen Pächter bekommt - und der alles so lässt, wie es ist. Sonst nämlich ist tatsächlich ein Requiem angebracht.


500 Seiten Daisy auf dem Sofa

Es ist ein Roman wie geschaffen für das gerade vergangene Wochenende. Draußen ist es kalt und nass und perfekt, um es sich drinnen mit einer Tasse Tee und einem imaginären Kätzchen auf dem Bauch auf dem Sofa gemütlich zu machen und zu lesen. Einen Schmöker, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte. "Die Zwillinge von Highgate" von Audrey Niffenegger ist so ein Schmöker. Ich wusste bei dem ersten Satz, dass er mir gefallen würde: „Elspeth starb, während Robert vor dem Automaten stand und zusah, wie Tee in einen Plastikbecher floss.“ Was für ein Satz.

Ihre Wohnung verebt Elspeth ihren beiden Nichten, den Töchtern ihrer Zwillingsschwester mit der Auflage, dass diese ein Jahr dort wohnen. Doch irgendetwas stimmt mit dieser Wohnung direkt neben dem Friedhof nicht und die scheinbar traute Einigkeit der Zwillinge Julia und Valentina bekommt zusehends Risse...

Der Roman kann einem aus vielen Gründen nicht gefallen - er mag den einen zu morbide sein, anderen zu sehr in eine Fantasy-Ecke driften, für mich hatte er genau die richtige Mischung. Ich fand ihn auch nicht tragisch und es geht in ihm auch nicht um die Liebe über den Tod hinaus, jedenfalls nicht primär (jetzt habe ich doch alles abghackt, was in den Besprechungen so auftaucht). Eigentlich geht es in dem Roman um Emanzipation in ganz vielerlei Hinsicht.

Lesestoff für graue Tage.


Lokaltermin: Der Seniorenteller

Ich staune ja immer, was Menschen so alles essen können. Was natürlich im Rückblick auf die Feiertagszeit besonders auffällt. Weil feiern heißt für die meisten essen und das gemessen an den Mengen. Ich persönlich präferiere den Maßstab der Qualität und ich muss in dieser Hinsicht zugeben, ich habe wirklich geschlemmt. Und doch habe ich mich nie überfressen.

Dabei geht das mit dem Überfressen schnell los. Da reicht manchmal schon ein ganz normaler Gaststättenbesuch. Hauptsache viel auf dem Teller. Egal ob es danach weggeworfen wird, womit ich grundsätzlich ein Problem habe, besonders, wenn es gut war. Ich habe es auch schon geschafft mir in einer Landgaststätte Semmelknödel einpacken zu lassen - die in etwa die Größe von drei normal großen Knödel hatten und ich hab also wirklich nur ein Viertel geschafft. Den Rest gab es am nächsten Tag daheim geröstet. Ein bisserl peinlich war mir das allerdings schon.

Um Peinlichkeiten zu vermeiden und auch nicht alles eignet sich zur Zweitverwertung, frage ich manchmal nach einer kleinen Portion. Was durchaus als Affront verstanden werden kann: "Gibt's net. Kemma net bo(r)nieren." Oder auch: "Kinderteller gibt's nur für Kinder." Wennst nix essen willst, bleib doch daheim...

Wenigesser sind unverstanden. Umso größer das Entzücken Anfang des Jahres, also wenn man eh schon verhältnismäßig viel über die Tage gegessen hatte, eine Speisekarte aufzuschlagen, in der explizit auf kleine Portionen hingewiesen wird. Wenn man sich dann fast nicht entscheiden kann, weil vieles gut klingt und man am Ende wusste, dass man genau die richtige Wahl getroffen hatte - perfekt.

Dieses Glück lag am Wegesrand. Auf dem Weg zurück von einem Ausflug in die Stadt. Da sind wir beim Roiderer Toni in Straßlach eingekehrt. Der Gasthof zum Wildpark ist nun wirklich ein Begriff, aber ich war tatsächlich noch nie drin. Ein Fehler: Ich fand es ehrlich, bayerisch und geschmeckt hat's. Da hat's mir dann fast leid getan, dass ich nur die kleine Portion genommen hatte...


6. Januar

Es ist das Ende der Weihnachtszeit - der Heilig Drei König Tag. Es ist der Tag von La Befana. Das Ende der Raunächte und damit der große Perchttag. Für die meisten ist es heute nur noch der letzte freie Tag. Zeit für einen Winterspaziergang - noch einen Punsch - die letzten Plätzchen aufessen - die Kerzen am Weihnachtsbaum noch einmal entzünden.

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Die Ruhephase ist zu Ende.


Jahreswechsel

2009 hat sich zum Ende, an Silvester ja nochmal richtig scheußlich gezeigt und den obligatorischen Jahresendspaziergang gründlich verregnet. Und doch, was hat der völlig durchweichte Boden im Englischen Garten gezeigt...

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Ein Glücksbringer für's neue Jahr. Das sich ja dann auch am 1. Januar ganz verheißungsvoll angelassen hat...

2010