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März 2010

Ernüchternd

Seit langem mal wieder Weinhändler meines Vertrauens 1 und kurz danach Weinhändler meines Vertrauens 2 besucht. Mit überraschenden Erkenntnissen. Katerstimmung in der Branche. Anscheinend wird weniger Wein getrunken. Was zu verschiedenen Fragen führt: Wird generell weniger Alkohol getrunken? Oder sind die Leute auf Bier umgestiegen? - Vielleicht sind die Menschen auch aus dem Fachhandel raus und in die Supermärkte hinein zum Kauf?

Zu Weinhändler meines Vertrauens 1 hätte ich ja beinahe gesagt: vielleicht solltest du auch den ein oder anderen Wein unter zehn Euro anbieten. Es gibt so magische Grenzen für Ausgaben, einfach mal so. Und ich glaube die Zeiten sind härter geworden für einfach mal so. Hab ich natürlich nicht gesagt,sondern was von Fastenzeit.

Weinhändlerin meines Vertrauens 2 erklärte mir, das ganze hätte nichts mit der Fastenzeit an sich zu tun. Dafür brachte sie von der Weinmesse entsetzliche Entwicklungen mit. Also die Tendenz, die ich schon seit Jahren mit Misstrauen verfolge, immer mehr Volumenprozent Alkohol im Wein - verbunden mit einer immer stärkeren Restsüße. Also nix kantiges mehr, sondern der verzweifelte Versuch, zu gefallen. Auf diesem Restsüße-Tripp sind vor allem grad die Österreicher...

...wobei ich mich frage, ob die nichts aus ihrer Weingeschichte gelernt haben. Sie hatten die Skandale überwunden, sich wieder als ernstzunehmendes Weinland etabiliert. Dann - werden sie immens teuer. Und weil ihnen die Käufer davonlaufen begeben sie sich auf einen "wir machen hier auf Übersee-Wein"-Tripp. Das kann nicht gutgehen...


Frühlingsanfang

Und schon spuckt das alte Münchner Mietshaus seine Bewohner wieder aus. Der Winterschlaf, der alle in ihren Wohnungen gehalten hat, ist beendet. Du selbst entrümpelst den Balkon und bestückst ihn mit den ersten Blümchen. Winkst nach oben, wo die Nachbarin dasselbe macht. Derweil darunter Mutter und Tochter die Balkontür mit österlichen Motiven schmücken und die Kleine den Hof mit den neuesten Kindergartenschlagern unterhält. Die andere Kleine des Hauses stimmt nicht mitein, sie ist zu sehr damit beschäftigt, das neue rosa Rad auszuprobieren, während der Vater einen leicht wehmütigen Blick auf sein eigenes wirfst. Das er wohl auch gerne an diesem Nachmittag herrichten würde, so wie der Nachbar von nebenan, der sich schon auf die Fahrt damit in seinen Schrebergarten freut. Die Fast-Haus-Katze beäugt das geschäftige Treiben und maunzt leicht vorwurfsvoll, weil alle mit sich selbst beschäftigt sind. Zufrieden ihr Werk betrachten - und prompt spielt der Himmel einen Streich und schickt einen Schauer vorbei. Und es regnet auf die geputzen Balkone, gewienerten Räder und gesäuberten Autos. Aber sogar der Regen riecht nach Frühling...


Weitere Farbtupfer

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Falls Sie sich über mein Schweigen gewundert haben, es handelt sich hierbei um ein Protestschweigen. Jetzt kann man natürlich gegen vieles protestieren, ich schweige aus Protest gegen den Winter, der nämlich meine Energie für den Protest gegen Dinge, die es wert wären, dagegen zu protestieren aufgebraucht hat. Wie er überhaupt Energie aufgebraucht hat. Zu vermelden ist ein erschreckender Rückgang von Sozialkontakten - irgendjemand ist seit Wochen immer krank oder befindet seine Laune nicht öffentlichkeitstauglich. Das Sofa hat nach diesen Monaten eine Kuhle, die vorher noch nicht da war.


Wieder Winter

Du siehst süß aus mit der Puschelmütze, sagte der Begleiter am Wochenende. Ich sähe auch im Kleidchen süß aus. Bin ich davon überzeugt. Ich hab schon lange keines mehr angehabt. Nur dicke Pullis, die jede Frühjahrsdiät torpedieren. Und bei Kälte muss man Schokolade essen, das wärmt von innen. Man sieht ja, was nach zwei Wochen Schokoladenentzug passiert ist: Krank bin ich geworden. Lassen Sie sich das eine Lehre sein.

Noch eine Lehre: Schöne Winterstiefel werden überschätzt. Sie müssen nur warm und wasserdicht sein. Und in München rutschfest, weil wenn Schnee und Eis auf den Gehwegen liegen, bleiben sie liegen. Räumen? Streuen? Was ist das?

Nicht zu unterschätzen dagegen ist ein warmer Mantel.

Aber schätzen würde ich es auch, wenn man diesen langsam nicht mehr bräuchte.


Frau Bavaria...

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...war grandios gestern im Nockherberg-Singspiel. Und Franz Josef der Brüller. Ansonsten gab es wenig zu lachen. Und das nicht, weil es zur Zeit politisch tatsächlich wenig zu lachen gab. Das Singspiel war einfach nur schlecht, die Ude-Neubesetzung eine Katastrophe und auch das Westerwelle-Double sehr naja. Schad eigentlich. Jüngeres Publikum wollte man ansprechen, hab ich gelesen. Liebe Organisatoren, das jüngere Publikum versteht die Auferstehung vom einst übermächtigen Landesvater nicht und das ältere Publikum habt's wahrscheinlich mit der Castingshow, bei der man vom Gesang übrigens kaum ein Wort verstanden hat, vergrault.

Und die Rede? Ist es nicht gerade schwierig, in der Figur eines Benediktinermönchs eine moralische Instanz darzustellen? Ansonsten: ja es gibt Vergleiche, die sollte man nicht bemühen. Fällt das im Vorfeld niemanden auf - oder lässt der Lerchenberg seine Rede niemanden gegenlesen (und das hat nichts mit Zensur zu tun)?


Hust und Schnief

Den ganzen Winter hatte ich es geschafft, auszuweichen. Bewaffnet mit einem Schutzschild von Mantel, dicken Pullis, Mütze, den scheußlichen aber nässeresistenten Stiefeln und Handschuhen. Das war meine Ausrüstung gegen Kälte, Schnee und Erkältungsviren. Und letztere ließen sich abschrecken. Nicht dass sie es nicht ein paar mal versucht hätten bei mir, aber Decke, Sofa und heißen Tee bei den ersten Anzeichen fanden sie dann doch zu langweilig. Aber dann tut es so als würde es Frühling werden und das Schutzschild bröckelt. Und die Erkältungsviren, die mal wieder auf Erkundungstour waren, ob net irgendwas geht, freuen sich.