Previous month:
März 2010
Next month:
Mai 2010

April 2010

Anradeln gewesen

Wochenende. Sonne. Der Mann ist in Bewegungsdrang. Er schaltet schon einmal einen Gang hoch, während ich unter der Dusche erst einmal wach werde, ist er schon im Keller: Räder und Anhänger hochtragen. Ja, wir besitzen jetzt einen Fahrradanhänger. Das war eine dieser unvorhersehbaren Folgekosten, die ein Fahrradkauf mit sich brachte. Weil: die Rückbank umlegen, die Räder verkleinern, die Räder ins Auto - das ist anstrengend. Da ist so ein Fahrradanhänger doch was schickes. Den muss man nur aus dem Keller hochtragen und ans Auto hängen, um dann die Fahrräder... Stopp. Der Anhänger passt nicht. Er geht nicht über die Kupplung. Es ist der verkehrte Anhänger. "Hast du dir das im Geschäft zeigen lassen" - typische Frauenfrage. Nur Frauen lassen sich so etwas demonstrieren. Blick in die Bedienungsanleitung: "Schau da steht..." - wieder einmal keine Ahnung bewiesen die Frau. Natürlich hat er es so gemacht, sagt der Mann. Die Frau, die danebenstand, sagt "aber..." und schweigt. Denn der Mann ist schon auf dem Weg zum Geschäft: Legt die Rückbank um und nicht die Fahrräder hinein sondern den Fahrradständer....

...Bedienungsanleitungen lesen können ist hilfreich. Bedienungsanleitungen können nur Frauen lesen. Männer können alles allein. Darüber hätte man nun ein ganzes Wochenende philosophieren können. Wir sind dann doch lieber radeln gegangen. Mit leichter Verspätung.


Frau B. geht zur Schule

Ich bin ja der Ansicht, ein gutes Briefing ersetzt fünf Mal umschreiben – Zeitdruck – Zuckerschock durch zu viel Schokolade – Hass auf Redakteure respektive Autoren oder ganz allgemein gesprochen: Es ist immer gut zu wissen, was von einem erwartet wird.

Ganz allgemein wurde ich gebeten zu sprechen. Vor einer Schulklasse zum Thema Social Media – Blogs etc. Gymnasiale Oberstufe. G8 – da steht das anscheinend im Lehrplan. Das Briefing sah dann so aus: „Auf dem Schulgelände ist Rauchverbot.“ – Im Nachhinein ein guter Hinweis, weil ich hätte mich sicherlich auf die Bank in die Sonne gesetzt und eine Zigarette angezündet und hätte das Verbotsschild gar nicht gesehen...

Zurück zum Briefing. Auf direkte Nachfrage kam dann noch: „Die sind nett.“ – Was schon mal beruhigend ist...

Sind sie. Und sie sind sorglos. Sorglos, was ihre Daten im Netz betrifft. Und sorglos, was das Thema Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte im Netz betrifft. Alles, was frei zugänglich ist, wird als Allgemeingut begriffen. Fotos, Texte, Musik - sie meinen, das ist alles umsonst. Copy and Paste.

Ach ja, und Blogs. Blogs interessieren sie ebenso wenig wie Zeitungen. Was unserer Generation eines sagen müsste: es ist Zeit für ein neues Bündnis. Pro Text. Egal wo.


Ein Näschen für gute Geschichten

Ich bin begeistert. Es ist so ein Buch, das ich nicht mehr aus der Hand legen wollte. Die Geschichte ist skurril und wer Krimis nach Aktenzeichen xy Manier mag, legt die Bücher von Heinrich Steinfest schnell wieder weg. Mir dagegen gefällt das - ein Plot, der schon mal so absurd ist, dass Ähnlichkeiten ausgeschlossen sind. Wie bei "Die feine Nase der Lilli Steinbeck". Die elegante Kommissarin mit dem großen Haken im Gesicht und dem richtigen Näschen für jede Spur, die sie vom Ländle nach Athen und dann weiter führt - auf den Wegen der Götter, Batmans und ausgestorbener Vögel.

Und bei allen Absurditäten und Nebenhandlungen, zerfranst sich Steinfest nicht. Es gibt keine wilden Perspektivenwechsel, wie sie doch so modern sind, stattdessen einen ganz altmodischen Erzähler, der nach jeder Abschweifung wieder zurückführt zum Wesentlichen. Und wenn er das ganze gegen die Wand fährt, macht er einfach eine Wende und es geht weiter. Also wer schräge Geschichten mit Sprachwitz mag - lesen!


Münchens neuer Sommerdrink

Hugo Von Sommer keine Spur, aber Hugo ist von Bozen über Salzburg in München angekommen. Wäre ja auch ein Wunder gewesen, wenn nicht. Nachdem Bozen und Salzburg unter den spießigen unter Münchens Trendsettern beliebte und gepflegte Ausflugsziele sind (geh'ma wandern und festspielen). Und was da schon letzten Sommer in und chic war, wird es auch in München werden. Spießige Trendsetter sind sind im übrigen kein Widerspruch ins sich - es sind die, die München nehmen wie es ist und nicht ständig  darüber jammern, dass München nicht Berlin ist. Tatsache jedenfalls: die Aperol-Spritz-Mania wird abgelöst - erst einmal in so fürchterlichen Mainstream-München Lokalen, die sich in ganz fürchterlich uncoolen München links der Isar Vierteln befinden. Und irgendwann, so in fünf Jahren, wird's den Hugo dann auch in Giesing geben, dem neuen In-Viertel. Dann wenn die jungen und hippen Kneipen dort angekommen sind, die Nachschwärmer die Boazen vertrieben haben, wenn Giesing hip und szenig ist. Weitere fünf Jahre später: für die Löwen hat sich ein Investor gefunden, sie stehen auf dem ersten Platz der Tabelle, spielen aber aus Prinzip im neurenovierten Giesinger Stadion, während die Allianzarena verfällt....


Monsieur, kein Hummer, aber Herr Paul

Ich beginne mit einer doppelten Abbitte: Ich war noch nie in der Buchhandlung Moth - jetzt ist sie schon eine Institution in München und Buchhandlung des Jahres und ich hab durchaus einen gewissen Bezug zu Büchern und ich war noch nie da. Großer Fehler, den ich aber wieder gutzumachen gedenke - was für eine schöne Buchhandlung mit einem wundervoll ausgesuchten Sortiment. Ich war frühzeitig da und hatte entsprechend Zeit mich umzusehen.

Anscheinend kannte ich erst einmal niemanden. Nur den Autor (vom Lesen jedenfalls) - Stevan Paul. Und jetzt kommt gleich die zweite Abbitte: auch wenn ich seit langem seine Blogs lese, so hatte ich mir das Buch nich gekauft. Diesen Fehler habe ich auch schon gutgemacht. Stevan Pauls las also vom Monsieur, von Würstenpalmen, grillenden Griechen und balgenden Katzen auf spanischen Terassen. Und es machte eindeutig Lust auf mehr. Und es machte Hunger und Durst - um dies zu stillen gab es Wein und Tapas.

Und so war es weniger eine sterile Lesung sondern ein kleines Get Together mit alten Bekannten - denn es stellte sich heraus, dass es vor Bekannten nur so wimmelte. Frau Ilse saß gleich neben mir und brach ihren "abends keine Kohlehydrate"-Vorsatz. Frau Klugscheißer war da wie auch Frau Kaltmamsell. Frau Cucina lernte ich kennen und fand sie gleich ebenso sympathisch wie sie unbekannterweise schon gefunden hatte. Ich fand heraus, dass Frau Schnuppensuppe nicht unbeteiligt ist, dass die Schlange bei unser aller Lieblingsbäcker immer so lang ist, und outete mich bei Frau Einfachguad als BR-Zuschauerin.

Ein sehr netter Abend. Und eigentlich sollte wieder mehr gelesen werden. Und zugehört. Und gegessen, getrunken und geplaudert werden...


Noch kein Handlungsbedarf

Vergangene Woche in einem Anfall von Optimismus den Kleiderschrank auf Frühling getrimmt. Wintersachen gewaschen, in die Reinigung gegeben, weggeräumt - jedenfalls alle außer die Sommer-Notration an warmen Pullovern, die man immer braucht, weil man kann sich ja nicht darauf verlassen, dass es im Sommer tatsächlich sommerlich warm ist.

In einem Anfall von Optimismus, der natürlich wieder einmal völlig fehl am Platz war. Man könnte auch sagen, in einem Anfall von Übersprungshandlung, denn während Büroarbeiter bei kreativen Pausen höchstens ihren Schreibtisch aufräumen können, können Heimbüroarbeiter auf die absurde Idee kommen, ihren Kleiderschrank aufzuräumen. Das beste Mittel übrigens, um gegen Dunkelheit im Hirn anzukämpfen, ist zu bügeln. Vielleicht funktioniert das aber auch nur, wenn man bügeln etwa so sehr mag, wie ich es mag: gar nicht. Also widmen Sich sich einer stupiden ungeliebten Tätigkeit und nach kürzester Zeit (etwa bei der zweiten Bluse) beginnen die Denkströme wieder zu fließen. Ein weiterer Vorteil: man macht das Bügeleisen aus und geht zurück an Schreibtisch und Text.

Halbausgeräumte Kleiderschränke können übrigens nicht so leicht stehen gelassen werden - der Schock nach getaner Brotarbeit ist zu groß... Außerdem möchte ich vor verfrühten Optimismus warnen, nachdem ich schon wieder zähneklappernd den wärmeren Mantel hervorgeholt habe.


Ausflugstag

Willkommen im echten Leben, sagte ich nur, als wir da saßen, irgendwo im letzten Winkel der bayerischen Provinz und der Begleiter anfing zu jammern, er wolle wieder in die Münchner Innenstadt. Dorthin zu einem Menschenschlag, den er kennt. Unecht nenn ich das ja manchmal und scheuche ihn aus dem Büro in die Realität. Ich bin ja der festen Überzeugung, man muss als Münchner immer mal wieder sich mit der Realität konfrontieren ehe man dieses München als gesetzt als tatsächlich nimmt. Das hier ist ein eigener Kosmos und wer hier mal ist, neigt dazu, diesen Kosmos als gesetzt zu nehmen - und ihn auch nicht mehr zu verlassen. Weder lang- noch kurzfristig. Aber verschiebt es uns nicht dabei den Blick auf die Realität? So ein Blick nach draußen. Immer mal wieder.

Im Kaffeehaus

Ist der Platz noch frei?, sagt er. Und stellt mich vor ein Problem. Denn natürlich ist der Platz frei - ganz offensichtlich. Da kommt man nur mit einem "Ich warte noch auf jemanden" elegant raus. Das kam mir aber in diesem Fall nicht ganz elegant über die Lippen. Auf die Frage "Stört es Sie, wenn ich mich zu Ihnen setze", antworte ich ja durchaus mit: Ja. Frauen allein im Café müssen klare Grenzen ziehen. Ich selbst setze mich, wenn kein Tisch mehr frei ist, ja zu einer anderen Frau.

In diesem Fall waren Tische frei. Und an drei Tischen saßen Frauen. Allein. Und dann kam dieser aufgeblasene Gockel, der in ein Rasierwasserfass gefallen war und das Haar für das Alter definitiv zu lang trug und entschied offensichtlich, dass ich von den drei Frauen am ehesten in sein Beuteschema passen würde. Und auch aus meinem Hinweis, dass dies ja wohl der einzige freie Platz wäre, entnomm er zwar die Ironie - was ihn aber nicht davon abhieltl, sich zu setzen und ein Gespräch zu beginnen - gemäß allen Flirt-Ratgebern, diese meine Antwort aufzunehmen und zu thematisieren.

Die Flirt-Ratgeber sagen in diesem Fall wahrscheinlich: alles richtig gemacht - sie kommt nicht aus. Höchstens durch grobe Unhöflichkeit - zu der ich durchaus fähig bin - oder durch Flucht: Zahlen bitte!