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Mai 2010

Urlaub daheim II

Ich muss ja zugeben: ich mag es. Inzwischen. Ich lasse mich gerne mal zur Gartenarbeit abkommandieren. An einem schönen Tag, wie der Dienstag einer war, ist es wie ein Tag Urlaub. Rasen mähen, die Mama übers Kabel hüpfen lassen, lachen. Vorsichtig um Blümchen, die aus der nahen Wiese in den Garten gewandert sind herummähen, damit sie ja stehen bleiben: Durch den Garten krabbeln, das Unkraut jähten. Es ist wie ein Spiel, das schon lange nicht mehr gespielt wurde. Dann auf der Terasse sitzen und sein Werk bewundern. Zufrieden sein.

Tante Emma lebe hoch

Sehen wir doch einfach mal der Tatsache ins Auge: es hat wahrscheinlich gar nichts kaum etwas damit zu tun, dass ich ein besserer Mensch wäre - mein Einkaufsverhalten. Natürlich rührt meine Gewohnheit, am Gemüsemarkt oder im Bioladen einzukaufen daher, dass ich mich gesund und wohlschmeckend ernähren möchte. Aber ich drehe auch bei Wind und Regen und bei Zeitnot meine Runde, denn ich bekomme meine Sachen ja nicht an einem Platz. Und das hat etwas damit zu tun, dass mir Wind und Regen und Zeitnot bedeutend weniger ausmachen als der Besuch eines Supermarktes. Ich gebe zu: Supermärkte überfordern mich. Meine Panik nimmt mit der Größe zu - exponential. Vorallem erschließt sich mir der Sinn dieser Märkte nicht: Ich habe reihenweise Lebens- und sonstige Mittel - und das, das ich möchte, ist nicht dabei. Die Sorte Schokolade, die ich mag (Vollmilch - nix chichi), obwohl es die Marke gibt. 150 Sorten Bier (Eigenwerbung), aber kein Tegernseer Hell. Im Milchregal alles in Viererpacks abgepackt. Mein Waschmittel ist garantiert grad aus (deswegen bin ich primär im Supermarkt gewesen). Und Putzmittel gibt es mehr als ich je geahnt habe. Und so weiter etc. Was dazu führt, dass ich entweder mit einem leeren Wagen an der Kasse stehe oder haufenweise Schrott kaufe - weil ich muss ja ausnützen, dass ich mal im Supermarkt bin...


Urlaub daheim

Der Trend 2010 ist definitiv ein Anti-Urlaubstrend. Das mögen Sie nun für ein diffuses Bauchgefühl meinerseits halten, doch ich kann es empirisch beweisen. Zum einen an meinen durchaus als reisefreudig geltenden Freundes- und Bekanntenkreis (inklusive meiner selbst), der in diesen ersten Monaten des Jahres einfach nicht rausgekommen ist: bei unzähligen Menschen hat sich der geplante Urlaub buchstäblich in Rauch aufgelöst, bei anderen kommen ständig Urlaubssperren, Messen, Termine dazwischen. Unser Südfrankreich-Urlaub war fertig geplant als es hieß "äh...", die Freundin, die wir auf dem Zwischenstopp am Genfer See treffen wollten, sagte dazu nur: "wir kommen hier auch nicht weg". A. wäre eigentlich dieses Jahr schon mal auf Mallorca gewesen, B. in Griechenland, S. - die einen Urlaub daheim als vertane Zeit betrachtet, hat es in den letzten freien Tagen nicht einmal an den Tegernsee geschafft. Während im vergangenen Jahr trotzig gegen die Wirtschaftskrise geurlaubt wurde, bleibt jetzt alles daheim - und ist dabei auch nicht glücklich. Weil, die wenigsten bleiben freiwillig daheim. Und ich behaupte, das sind nicht nur wir. Mein Maßstab sind die freien Parkplätze. Jahrelang löste sich an Feiertagen, Ferien und langen Wochenenden die Parkplatznot in unserem Viertel in Luft auf. Dieses Jahr keine Spur. Die Leut sind hier.

Ja, ich übrigens auch. Eigentlich wär ich ja jetzt am Bodensee. Radeln. Bin ich froh, dass das nicht geklappt hat. Bei dem Sauwetter.