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Juni 2010

Lokaltermin: Das Tagesmenü

Er hätte ein WIRTS-Haus und kein GAST-Haus und des sei a Philosophie erzählte der Typ aus dem bayerischen Oberland, der am Nebentisch saß, neulich beim Cappuccino auf der Terrasse mit Dolomitenblick (Sommerfrische-Bericht folgt...). Ob er sich gewundert hat, dass wir ihn nicht um eine Karte gebeten haben? Aber das ist auch eine Philosophie.

Tatsache ist, er war wenigstens ehrlich. Und so unverbreitet scheint seine Philosophie auch nicht zu sein, wie der heutige Abend zeigt. Geht man relativ früh des Abends zum Nachtmahl muss man damit rechnen, dass es später des Abends eine Reservierung auf einen Tisch gibt. Doch das wird einem ja meistens mitgeteilt. Und wenn man den ersten Tisch in einem Lokal belegt, kann man möglicherweise ja auch auf einen nicht reservierten Tisch wechseln. Wenn man weiß, dass da noch jemand kommt...

Auch habe ich grundsätzlich Verständnis dafür, dass man versucht, Tische mehrfach zu besetzen. Doch während dies in anderen Ländern Usus ist, ist es in Deutschland doch weit verbreitet, sitzen zu bleiben – geh trink ma noch a Achterl... Mir bis jetzt unbekannt war dagegen die Philosophie: Wer das Tagesmenü ist, hat nur für eineinhalb Stunden Anspruch, in unserem Lokal Gast zu sein. Das machen ja mehrere Lokale, dass sie am früheren Abend Sonderaktionen anbieten – klar, irgendwie wollen sie ja die Tische füllen. Dass du dann aber das Etablissement rechtzeitig wieder zu verlassen hast, um Platz für „normal“ zahlende Gäste zu schaffen, mag zwar ein hehrer Wunsch des Wirtes sein, aber die Gäste rauszuschmeißen...?

Also ich für meinen Teil werde dieses österreichische Wirtshaus in Schwabing nicht mehr aufsuchen. Ich gehe lieber in Gasthäuser. Das ist meine Philosophie...

Weitere Lokaltermine: Das Seniorengericht


Der Freundeskaspar

Nein, meine Freunde teil ich nicht! - Der Freundeskaspar ist die moderne Version des Suppenkaspars. Oder die erwachsene. Erwachsen im Sinne - ein gewisses Alter erreicht habend. Erwachsen finde ich das nicht, aber den Typus Mensch, der auf Exklusivität besteht, ist gar nicht so selten. Das war schon in der Schule so: X war mit A befreundet und mit B. - dass zwischen A und B eine Freundschaft entstehen könnte, wurde unterbunden. Weil aber B. auch mit C befreundet war und X auch C nett fand, fand sie es völlig logisch, dass sie am Ende mit A, B und C befreundet war - und dafür C und B. nicht mehr so wirklich. Logisch oder?

Dieses Kindergarten-Spiel beherrschen manche Menschen bis zur Perfektion. Es sind diejenigen, die nie mehrere Menschen einladen - da würden sich Menschen ja kennenlernen. Es sind auch diejenigen, die, treffen sie zufällig einen Bekannten, wenn sie mit dir unterwegs sind, den Teufel tun, dich vorzustellen. Oder auch nur zu erzählen, mit wem sie sich treffen. Alles schön separieren. Das führt dann dazu, dass man auf Hochzeiten eingeladen ist und die Trauzeugin einer guten Freundin noch nie gesehen hat.

Es bleibt so ein schaler Beigeschmack bei sowas. So ein "was weiß ich eigentlich von dir, wenn ich nicht einmal weiß, wer in deinem Leben eine Rolle spielt?"... Aber dabei sind sie einfach vom Typus Freundeskaspar diese Menschen. Wobei ich allerdings fast glaube, dass sie mit ihrer Strategie wesentlich besser fahren als der Suppenkaspar.

Und dabei spreche ich nicht von Alleinstellungs-Freundinnnen, die es in jedem Frauenleben gibt. Aber bei diesen ist es so, dass man häufig zwar niemanden persönlich kennt, aber innerlich schon seit Jahren mit dem übrigen Bekanntenkreis höchst vertraut ist.


Mit dem Herz in der Hand...

...ist gestern abend die WM-Leidenschaft erwacht. Passend zum Australienspiel haben wir uns zum Grillen eingeladen. Man muss sich ja im Grunde immer selbst einladen, sonst funktioniert das nicht. Also auf jeden Fall dachten wir, dass mit dem Volkssport Nummer Eins der Aussies machen wir mal ganz stilecht: Barbecue.
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Es wurde dann doch eher deutsch - immerhin hat es geregnet... Doch, ganz ehrlich, hat das der Stimmung Abbruch getan? - Die war so gut, dass die wohlerzogendsten Kinder der Welt, die trotz WM-Begeisterung (und von der Begeisterung eines Fünfjährigen kann man sich anstecken lassen) sich ins Bett schicken ließen, noch zweimal zum Fahnenschwenken zurückkamen...

Heute abend: Pizza.


Vertrauensbrüche und Partnerschaftssuche

Vertrauen ist so eine Sache. Wem man nicht alles vertrauen muss... also abgesehen von seinem Partner, vetrraut man Freunden, aber auch seinem Arzt, weil man kann ja nicht anders. Ebenso wie seinem Frisör. Und das mit dem Vertrauen ist so eine Sache. Das macht man, man kann ja nicht anders - so lange bis es gestört ist..

Zu meinen Frisören pflegte ich bis jetzt eine sehr intensive und jeweils lange Beziehung - von gelegentlichen Fremdgehen abgesehen. S. hat mich verlassen, als er auswanderte. S2. hat mich auch verlassen, und als sie wieder zurückkam, war ich eine neue Beziehung eingegangen. Mit E. Die mich nach vielen Jahren auch verlassen hat. Man merkt schon, ich bin ein grundtreuer Mensch...

Aber, wie das so ist, im Laufe der Jahre steigen die Ansprüche - und mit so gewissen Eigenheiten, mit denen man sich so arrangiert hat, gibt man sich in einer neuerlichen Partnersuche nicht mehr zufrieden. Der Weggang von E. aus meinem Leben hat mich vor Probleme gestellt. Die ich nach diversen One-Cut-Stands behoben glaubte...

Ein gutes Jahr erfüllte Beziehung später - der ultimative Vertrauensbruch. Gute zehn Zentimeter. Einfach so. Das hätte ich ja noch verziehen - wenn das ganze gut ausgesehen hätte. Aber nein, der Schnitt war eine Katastrophe. Und doch, ich bin nochmals hingegangen - treue Seele, Sie wissen schon. Wieder nix. Und das war's. Aber wohin?

Jetzt bin ich für's erste doch allen Ernstes in der kleinen Stadt gelandet... Bei H., zu der U. seit 20 Jahren ist, wobei sie seit 19 Jahren nicht mehr in der kleinen Stadt wohnt und dort erheblich seltener ist als ich - das fand ich einen echten Vertrauensbeweis.In einem jedenfalls trug mich mein Gefühl nicht: In der kleinen Stadt geht man sehr souverän um, mit den Ansinnen, Haare sollten wachsen (logisch eigentlich) - was zu einem völlig andern handwerklichen Ansatz führt...

Also ich bin angetan - ob ich das noch in vier Wochen - vier Monaten bin, wird sich zeigen, Im Zweifelsfall muss ich Sie, liebe Leserin, um Hilfe bitten. Aber vielleicht fahre ich in Zukunft einfach in die kleine Stadt zum Frisör - gibt ja nicht genügend Frisöre in München...


Selber schuld

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Dachte offensichtlich der Fahrer des nicht ganz billigen Autos, der mit der Familie aus hm, ich würde sagen Obermenzing, nach Neuhausen gekommen war. Und versuchte, sich in die Parklücke vor dem Haus zu pressen. Das hätte ich ihm gleich sagen können, dass die zu klein ist. Da wäre ich ja grade mal mit dem Golf reingekommen. Da hätte ich auch die Ecke von dem alten Ford, der unschuldig da parkte, dazu nicht eindrücken müssen. Nachdem er also mehrmals dagegen gefahren war, nahm er den großen Parkplatz. Den auf dem Bürgersteig. Das machen ja Gäste des benachbarten Caféhauses gerne. Manche bleiben beim Kuchenholen auch gleich mitten auf der Kreuzung stehen mit ihren dicken Dingern. Andere fahren dir mal kurz den Seitenspiegel ab, hauen dir, wenn sie am Bürgersteig parken, in dein am Straßenrand stehendes Auto, beim Aufmachen die Fahrertür in die Seite - hey, hier komm ich. Kurz: ich fühlte sofort so etwas wie Solidarität mit dem alten Ford. Und fühlte mich also bemüßigt zu intervenieren. Worauf mir beschieden wurde, es ginge mich zwar nichts an, aber man klemmte dann doch einen Zettel unter die Scheibenwischer. Preisfrage: was wäre passiert, wäre ich nicht daneben gestanden? Und damit der Sohn auch was über Klassenunterschiede lernt, erklärte ihm der E-Klasse-Fahrer dann auch: also bei dem alten Auto, wär das ja egal, aber wenn der Besitzer meinen würde, er könnte da einen Schaden entdecken. könnte er sich ja melden... Wenn er den Zettel nach dem Gewitter, das am Abend über München herunterging, den Zettel noch lesen könnte. Merke: Wer ein altes Auto fährt, ist selber schuld. Oder wer keine Garage besitzt. Was ein Mercedes-Fahrer selbstverständlich hat. Das wurde uns allen ernstes so in der Niederlassung einmal erläutert... Was natürlich auch erklärt, weshalb der Fahrer nicht seitlich einparken konnte.

Es blitzt und donnert.

Das vertraute Geräusch von Donner und plätschernden Regen nach einem Sommertag. Die Blitze, die man durch die offene Balkontür sieht. Und das leichte Frösteln in der Abkühlung. Mir ist es vertraut aus vielen vielen Kindheitssommern. Und doch sagt jeder, das sei früher nie so gewesen. Die Sommergewitter hier hinter den Alpen gab es schon immer. Ich bin in der Nacht davon aufgewacht und manchmal zu Mama ins Bett gekrabbelt. Ganz häufig waren sie aber auch schon am frühen Abend - dann stand mein Vater an der Tür und schaute dem Gewitter zu. So wie ich es heute mache. Sie haben uns nicht so berüht die Gewitter früher. Sie waren nachts oder abends, wenn der Tag in der Sommerhitze für uns eh vorbei war. Wenn es hieß: Abend essen, waschen, Bett gehen. Wir waren unabhängig von Büro-Zeiten. Wir erlebten den Sommer. Da war so ein Gewitter am Abend, das abkühlte, wunderbar. Das erste Gewitter, das viele Gewitter ankündigte, war egal.

Blues

I hob den Herrschaftszeiten-jetzt-reg'nts-scho-wieder Blues.

Ja heart denn des nia auf`? Wo geht des no hi? Mia sauf ma no ab. I hob den Herrschaftszeiten-jetzt-reg'nts-scho-wieder Blues.

Da Köhler is weg. Der wollt mer Reschpekt. Derweil sauft d'Merkel ab. I hob den Herrschaftszeiten-jetzt-reg'nts-scho-wieder Blues.

I wui a mehr Respekt. Denn reiner Content is a Dreck. So sauf'n die ganzn Blattl ab. I hob den Herrschaftszeiten-jetzt-reg'nts-scho-wieder Blues.

Des Sommermärchen des foit aus. Und jeder bleibt zuhaus. I hob den Herrschaftszeiten-jetzt-reg'nts-scho-wieder Blues.