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Juli 2010

Am Fuße der Zugspitze II

Ich habe das Werdenfelser Land ja eigentlich grad erst entdeckt. Früher bin ich entweder Richtung Oberammergau abgebogen oder schon vorher im Blauen Land geblieben. Da die Menschenmassen bei den Passionsspielen allerdings meine persönliche Leidensfähigkeit überschreiten, sind wir einfach mal geradeaus weitergefahren. Und was gibt es da alles zu entdecken.

Kühe
Kühe begrüßen einen am Wegesrand

See
Auf dem Weg zu grüne Bergseen

Zitronenfalter
Zitronenfalter hatte ich schon lange nicht mehr gesehen

Schlange
Sogar eine Schlange auf dem Weg


Tom Waits meets Büchner in Freimann

Gestern bei gefühlten 50 Grad Saunatemperatur im Metropoltheater gewesen. Hier wird im Juli noch Woyzeck in der Fassung von Tom Waits gespielt. Natürlich ist es hilfreich, die Musik von Tom Waits dabei grundsätzlich zu mögen, wer aber Black Rider geliebt hat (wie ich), wird auch von diese Inszenierung mögen. Die Verbindung von Musik mit dem unter die Haut gehenden Büchner-Drama funktioniert - sie macht das Stück noch eindringlicher. Die Welt ist ein Käfig, aus dem es kein Entrinnen gibt...

"Es war einmal ein arm Kind und hatt' kein Vater und keine Mutter, war alles tot, und war niemand mehr auf der Welt. Alles tot, und es is hingangen und hat gesucht Tag und Nacht. Und weil auf der Erde niemand mehr war, wollt's in Himmel gehn, und der Mond guckt es so freundlich an; und wie es endlich zum Mond kam, war's ein Stück faul Holz. Und da is es zur Sonn gangen, und wie es zur Sonn kam, war's ein verwelkt Sonneblum. Und wie's zu den Sternen kam, waren's kleine goldne Mücken, die waren angesteckt, wie der Neuntöter sie auf die Schlehen steckt. Und wie's wieder auf die Erde wollt, war die Erde ein umgestürzter Hafen. Und es war ganz allein. Und da hat sich's hingesetzt und geweint, und da sitzt es noch und is ganz allein." (Büchner, Woyzeck)

Anschauen!

Wieder abgeflaggt

Fast. Die letzten Überreste sind noch zu sehen - etwa ein schwarz-rot-gelbes Badehandtuch, das auf dem Balkon im Nachbarhaus zum Trocknen hängt. Die letzte Deutschland-Flagge sah ich allerdings in Form einer Handtasche am Arm einer älteren Abendkleidtragenden Opernbesucherin. Überhaupt hatten extrem viele Festspielbesucherinnen große Beutel bei sich, um die ganzen Frischmach-Utensilien zu verstauen und so glich das Damenzimmer vor der Vorstellung auch mehr einer Umkleidekabine einer Schulsporthalle. Andere kamen gleich in Schlappen. Festspiele hin oder her, man wollte sich wohl den Witterungsbedingungen anpassen... Und auf der Bühne sang der Teufel: Die Leute schwitzen, sobald ich mich ihnen nähere. Und stellte damit unter Beweis, dass die Tragödie des Teufels tatsächlich eine komische Oper ist. Dann im Abendkleid - die Gewitterfront im Blick heimgeradelt.

Der Sommer geht weiter

Das Märchen hatte kein Happy-End. Da hat es nichts gebracht gestern, dass der Begleiter das EM-Revange-Shirt anhatte, welches jetzt eigentlich symbolisch vernichtet werden muss, weil es zweimal Unglück brachte, und ich aus Solidarität mit Jogi den ganzen Tag schon demonstrativ in Strenesse rumlief. Hatte ich in der Niederlage wenigstens Stil gezeigt. Was man von unserer Elf, die ich noch am Wochenende als Weltmeister der Herzen bezeichnet hatte, nicht behaupten kann. Sag einmal - hauen die Engländer raus, die Argentinier und scheitern dann an Spanien?

Da war was in der Luft in den letzten Tagen, bei dem für mich klar war, dass die Erfolgsserie ein Ende hat. Denn ich hab ja nicht nur für das junge, multikulturelle Team geschwärmt - es war auch ein TEAM. Und zwar eines, das die persönlichen Eitelkeiten hinten anstellte. Für mich war das ein Schlüssel für ihren Erfolg. Und damit war es in den letzten Tagen vorbei... Schade.

Sie haben uns jubeln lassen. Gemeinsam und egal, wo man geboren wurde: ob im Hasenbergl oder in Starnberg, ob in Bayern oder der Türkei. Ich habe diese WM-Abende mit vielen unterschiedlichen Menschen verbracht. Ich hab ein gutes Gefühl bekommen, dass es möglich ist, Grenzen zu überschreiten. Dass wir gemeinsam stark sein können.

Das möchte ich mitnehmen aus dieser WM. Das wünsche ich mir, dass wir alle mitnehmen. Dass wir Herz und Leidenschaft haben – und das auch zeigen. Das wäre dann ein Happy-End.

Epilog: Heute gibt es gegrillten Oktopus. Und eine heftige Diskussion darüber, ob man am Sonntag im Finale Spanien oder Niederlande unterstützt. Das Ego des Begleiters erträgt es nur, gegen den zukünftigen Weltmeister verloren zu haben, während ich es schön fände, wenn zwei Münchner dann wenigstens Weltmeister würden.

Volksentscheid. Eine Meinung

Jetzt entscheidet also der Bürger. Und ich bin mir sicher, dass diejenigen, die nie in ein Festzelt gehen und erst recht nicht in die Boazn am Eck, am eifrigsten zur Wahl gehen werden. Weil, sollten sie durch Zufall mal dahin gehen, sie zwar rückwärts wieder rausfallen würden, aber aus Versehen einen Atemzug nikotingeschwängerter Luft eingeatmet hätten. Weil, die sind aus Prinzip dagegen. Die Umgebung hat rauchfrei zu sein und dafür kämpfen sie.

Komischerweise ist meine Umgebung durchaus rauchfrei - obwohl mir das ja egal wäre beziehungsweise ich an manchen Abenden nichts gegen blauen Dunst in der Luft hätte, denn dann müsste ich nicht vor die Tür gehen. Von den ach so vielen Raucherkneipen bekomme ich nichts mit.

Also: ich halte den Nichtraucherschutz für ausreichend. Und eigentlich wäre mir dieser Volksentscheid fast egal. Und doch gibt es zwei Gründe, weshalb er das nicht ist. Zum einen geht es darum, was passieren wird, wenn tatsächlich bei jeder Kneipe die Raucher vor die Türe müssen. Auch nach 23 Uhr - zu der Zeit, in der jeder Aussenschankbetrieb geschlossen haben muss. Da darf die Polizei schon mal verstärken, sie werden nämlich verstärkt zum Einsatz kommen. Nachbarschaftsbeschwerden werden Hochkonjunktur haben. Also Kneipen raus aus Wohnvierteln? Oder Anwohner raus?

Zum anderen glaube ich, dass es Nichtraucher geben wird, denen das Gesetz dann wieder nicht weit genug geht. Und dem Rauchverbot im Raum ein Rauchverbot auf bewirteten Freiflächen folgen wird. Und das geht dann definitiv zu weit.

Die Friedenspfeife ist in weiter Ferne...


Tollhaus im Olympiapark

Tollwood hat wieder angefangen. Und möchte neue Zielgruppen ansprechen...

Tollwood

Die Alternativszene ist weitgehend weitergezogen. Natürlich gibt es noch einen Henna-Stand und eine Handleserin, aber inzwischen auch Billig-Dirndl, die naturgemäß auf Tollwood nicht billig sind. Es gibt auch Mode-Plastikschmuck, der so gar nicht öko ist. Mehr Tand als Trödel. Mehr Lounge als lauschig. Dass der Schuhbeck noch nicht mit einem Gewürzstand draußen ist, ist überraschend, vielleicht hab ich ihn aber auch übersehen.