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August 2010

Schöner Wohnen

Dieses „Sie wohnen ja schön“ verfolgt mich. Als Feststellung mit Blick auf meine Adresse. Als schnippische Bemerkung von beleidigten Maklern, denen du sagst, dass sie ihren Schrott bitteschön behalten können. Jetzt ist Schöner Wohnen ja glücklicherweise Geschmacksache.

Und mein Schöner Wohnen eine rein subjektive Geschichte. Ich kenne genügend Menschen, die meine Form von Wohnen ganz sicher nicht in diese Kategorie einordnen würden: In diesem Viertel? – Da bekommt man ja nie einen Parkplatz. Nordbalkon? – Nein danke. Boiler? Nachtspeicherheizung? – Was für eine Bruchbude. Ohne Aufzug?! Also Sie sehen schon, das Schöner Wohnen, das ist mein persönliches Schöner Wohnen. Allerdings wohne ich nun mal subjektiv schöner und das macht es für mich immer wieder schwierig, eine in meinen Augen adäquate Unterkunft zu finden, wenn man für eine gewisse Zeit, die angeblich die schönste im Jahr ist, die eigene Wohnung mit einer anderen Bleibe tauscht.

Eine Urlaubsunterkunft zu finden ist eine der großen Herausforderungen. Jetzt mach ich ja keine Abenteuerurlaube, bei denen es egal ist, Hauptsache ein Bett. Wenn ich also auf der Suche nach einem hübschen Domizil bin, schau ich natürlich auch mal in diese ganzen Hotel-Bewertungsportale rein. Und bin dann immer wieder erstaunt, was die Menschen so alles charming finden. Und was auf der anderen Seite so alles als negativ bewertet wird (kein Fernseher, keine Mini-Bar, keine Klimaanlage – macht alles Lärm, braucht kein Mensch). Und wieder wird mir klar, dass meine Ansprüche andere sind als die anderer Menschen. Und dass Schöner Wohnen, auch auf Zeit, Geschmackssache ist. Und bis jetzt hab ich noch immer ein hübsches kleines Gästehaus gefunden – ganz nach meinem Geschmack.


Jacke wie Hose

Es gibt so Tage. Da ändert auch nichts daran, dass Sommer ist und so wenig Sommer wie ist, sollte man diese Tage genießen. Aber es ist Sommer und der Tag fängt gut an, nämlich mit einem Erfolgserlebnis: die weiße Hose, in die man sich schon gar nicht mehr reingetraut hat, weil man davon ausgegangen war, dass sie einen die Sünden der vergangenen Zeit schonungslos vorhalten würde, diese Hose passt. Passt! Was man allerdings von der Strickjacke, die sich erst zwei Tage in meinem Besitz befindet, nicht behaupten kann. Also sie passt - aber sie hat ein Löchlein, das mir im Geschäft nicht aufgefallen war - und das passt nicht. Und ich frage mich, ob dieses Löchlein zwischen Geschäft und Wohnung, ein Weg, den die Jacke friedlich in einer Tüte verbracht hat, hineinkommen konnte. Unmöglich. Es muss dagewesen sein. Es ist klein, ich muss es übersehen haben. Es versteht sich von selbst, dass ich das gute Stück nicht in München erworben habe, wo ich mal schnell ins Geschäft könnte und reklamieren. Mein verhängnisvoller Hang, die Dinge immer irgendwo zu kaufen... Macht das Reklamieren schwierig. Ich war ja versucht, zu Nadel und Faden zu greifen. Aber entschuldigen Sie: das ist neu! das soll auch neu sein und nicht gestopft.

Also Tag war gerettet (Hose) - Tag war für die Katz (Jacke). Ist doch alles Jacke wie Hose. Die Jacke setzte sich durch, was das Thema des Resttags betraf...


Sag mir wo du wohnst

Ein Vorwurf an Google Streetview ist ja, dass (potentielle) Chefs, Arbeitskollegen, potentielle neue Vermieter und alle anderen Neugierigen mit Leichtigkeit das soziale Umfeld eines Menschen begutachten könnten. Ja. Dagegen kann man jetzt nichts sagen, außer dass es genug neugierige Menschen gibt, die das machen. Aber ganz ehrlich: das soziale Umfeld, das sich durch die Adresse ergibt, sagt doch dem Gegenüber heute schon einiges.

Manchmal reicht es die Stadt zu nennen, in der man lebt. Sagen Sie jemanden, dass Sie aus München kommen und Ihnen wird Respekt, Verachtung oder Neid entgegen schlagen. Es ist eine Stadt, die häufig eine Emotion auslöst - und Sie häufig in eine Schublade steckt. Bei Duisburg, Paderborn oder Weiden gehen andere Schubladen auf. Dem Ortsfremden kann man als Münchner in Zukunft nur nicht mehr vormachen, in Nymphenburg zu leben, wenn es de facto das Hasenbergl ist. Aber virtuelle Stadtpläne gibt es ja schon länger...

Auch der Ortsansässige braucht in der Regel kein Street View, um jemanden in eine soziale Schublade zu stecken. Die meisten Städte sind ja überschaubar. Auch München. Und so weiß man bei vielen Adressen schon mal auch, in welcher Ecke jemand wohnt. Ob in Nymphenburg oder im Hasenbergl.

Wobei mich meine Nymphenburger Adresse auch durchaus in die Kategorie "verwöhnte Göre" gesteckt hat - eine Studentin/Praktikantin, die in einem noblem Viertel wohnt, während man sich selbst in einem Wohnblock in Aubing wiederfindet, macht nicht nur Freunde. Da hab ich dann immer schnell die Geschichte von der viertelbekannten, weil einzigen Studenten-WG weit und breit hinterhergeschoben. Bei Chefs war das natürlich etwas anderes, da war der Stempel "aus einem guten Stall" und der ist hilfreich.

Meine Muster funktionieren ja ebenso: Berg am Laim? - hm. Solln? - wie schön. Dann denk ich mir vielleicht noch "Respekt". Vielleicht denk ich mir auch "wie hat der oder die das gemacht?" oder auch "schau an, mehr Schein als Sein"... Für all das brauch ich kein Google Street View. Das gäbe mir dann nur noch die Zusatzinformation, ob es die Villa ist oder der 70er Jahre Klotz.

Auch jetzt: Meine Straße scheint (außer einigen Taxifahrern) ganz München zu kennen - die Reaktion ist immer die gleiche: In einer schönen Ecke wohnen Sie....

Naturwunder

In Südtirol finden sich ja noch mehr Naturschauspiele, die man gar nicht vermutet. Auch muss man nicht über den großen Teich, um in einem Canyon zu wandern. Auch wenn er natürlich kleiner ist als sein großer Bruder, der Grand, beeindruckend ist die Bletterbach-Schlucht auf jeden Fall.

Bletterbach_3

Ich bin hip.

Jawoll. Ich bin ja sowas von Trendsetter, dass es schier unheimlich ist. Wie ich nämlich heute morgen der Süddeutschen Zeitung entnommen habe, ist eine rote Regenjacke das ultimative Glockenbach-Trendteil. Sie wissen schon, retro und so. Für's Protokoll: ich habe dieses Teil schon im vergangenen Juli als Must-Have ausgerufen. Nur echt, wenn man sie zusammenknödeln kann und am Gummizug über die Hüfte tragen. Das aber, das ist dann echt peinlich...

Nur mal schnell...

...oder - auf dem Weg - das sind nicht nur Phrasen sondern auch Pläne, die Sie momentan einfach mal streichen sollten. Jedenfalls dann wenn Ihr Weg von A nach B in irgendeiner Form durch die Innenstadt führt. Nur mal schnell gibt's nicht. Denn beim schnellen Ausweichen eines plötzlich den Stadtplan zückenden Touristen laufen Sie Gefahr, frontal gegen die nächste Leberkäs-Semmel zu laufen und dann Ketschup auf dem Sommerkleid zu haben. Auflaufunfälle sind zur Zeit geradezu vorprogrammiert. Beim Ausscheren auf die Überholspur meint eine rheinische Frohnatur nur: Wer langsam geht, hat mehr vom Leben. Wird in Münchner Reiseführern nicht mehr auf die bayerische Freundlichkeit hingewiesen? Ebenso wenig offensichtlich wie auf die Tatsache, dass die Innenstadt nicht durchgängig Fußgängerzone ist. Radler und Autofahrer werden dringend vor dieser Gefahrenquelle durch in die Luft (auf irgendeinen Kirchturm) starrende Fremde gewarnt - oder vor solchen, die schon Bekanntschaft mit denen ihnen bis dato unbekannten Münchner Maßeinheiten alkoholischer Getränke gemacht haben. München ist ein einziges Schlendern und Staunen. Dass es hier jemand auch mal eilig haben könnte, erstaunt.

Der Anfang vom Ende

Gentrifizierung wird ja in München gerne gleichgesetzt mit Centri-fizierung alternativ mit Gärtnerplatzifiezierung. Dass das völliger Blödsinn ist, merkt hier keiner. Weil, nur die darüber schreiben oder reden, die vermeintlich betroffen sind. Stimmt nicht, die echt betroffenen hatten keine Stimme und die Gentrifizierung des Viertels ist abgeschlossen – jetzt werden dann höchstens die vertrieben, die vertrieben haben. Und dann wird aus der Partymeile möglicherweise einfach mal wieder ein Wohnviertel werden. So wie Schwabing West oder Haidhausen.

Ich find das nicht weiter schlimm, aber ich weiß auch, dass ich mit dieser Meinung ziemlich alleine dastehe. Natürlich bedauere ich, dass dieser ganz eigene Flair des Viertels damit unwiderbringlich dahin ist – aber sind wir mal ehrlich, das ist er eh schon. Auf der anderen Seite ist es auch ein Zeichen, dass sich unsere Gesellschaft weiterentwickelt hat und zwei Männer auch in Neuhausen oder Obermenzing oder sonst wo in der Stadt zusammenleben können – und keiner schaut blöd.

Aber zurück zur Gentrifizierung. Die betrifft nämlich noch ganz andere Stadtteile, die lange nicht so angesagt sind, die sich aber nachhaltig verändern werden. Das Klientel der Kleinhäuslebauer-Siedlungen wandelt sich gerade. Wenn die Oma rausstirbt, die das, objektiv windige Häusl, nach dem Krieg mit ihren eigenen Händen aufgebaut hat, wird verkauft. Dann wird saniert und dann stehen in Vierteln wie Laim plötzlich Familienkutschen auf den Straßen, es bricht die Parkplatznot aus (weil die Kleinhäusle ja keine Garage haben, aber heutige Familien mindestens zwei Autos). Und am End siehst einen weißen Porsche auf der Straße stehen – dann weißt du auch, dass der Niedergang des Viertels eingeläutet ist...