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September 2010

Mal so mal so

Es gibt so Tage, da scheint sich die ganze Welt verschworen zu haben - mit einem Ziel, dir das Leben einfach mal ein bisserl schwerer oder ärgerlicher zu machen. Das neu erworbene Teil ist kaputt. Termine werden abgesagt, nicht eingehalten oder deine Terminwünsche können erst in sechs Monaten berücksichtigt werden. An allen Ecken schallt ein "so nicht" dir entgegen. Die Katze hat in den Hausflur gekackt und zu allem Überfluss wird jedes Gespräch zur Grundsatzdiskussion. Und die Schuhe, mit denen du dich trösten wolltest, sind in deiner Größe nicht mehr da. Ihr könnt mich doch alle gern haben.

Aber anscheinend muss man solche Tage einfach nur aussitzen. Denn irgendwann, nachdem du vor dich hingeschmollt hast, kippt die Stimmung... Der Bäcker, der dir gestern noch die Tür vor der Nase zu gemacht hat, sagt: das geb ich Ihnen noch dazu - zum probieren. Die Kosmetikerin meint: das geht aufs Haus. Alles bestens, sagt der Interviewpartner, der am Vortag noch alles furchtbar fand. Und wenn Sie wollen, es ist ein Termin frei geworden. Und der Abgabetermin nach hinten verschoben. Und die nicht mehr vorhandenen Schuhe, die lasse ich Ihnen besorgen. Plötzlich hat dich die Welt wieder gern.


Neues von Finn Paul und Annalena

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Finn Paul und Annalena werden ein Problem bekommen. Denn weder wissen sie wie man bitte und danke sagt, noch wissen sie, wie man grüßt. Und um himmels willen, der Satz "wie sagt man?" ist ja der Unsatz unter den Eltern von Finn Paul und Annalena. Man darf doch ein Kind nicht so unter Druck setzen! Ich als Nicht-Eltern fühle mich aber zunehmend verarscht. Mir fällt auf, dass ich Kinder (fast) grundsätzlich zuerst begrüße - und ob ich begrüßt werde ist Glückssache. Und das völlig unabhängig wie freundlich oder unfreundlich die Eltern sind - abgesehen davon, dass ich die Kinder von unfreundlichen Eltern wohl kaum begrüßen würde. Also ich sage: Hallo Finn/Paul/Annalena - lächle. Nichts. Natürlich gibt es scheue Kinder. Natürlich gibt es sehr wohlerzogene Kinder. Und es gibt die Eltern von Finn Paul und Annalena, die ihr Kind zu nichts zwingen, auch nicht zu Höflichkeit. Und schon gar nicht würden sie DEN Satz sagen: "Wie sagt man?"


Neue Töne in Berlin

Wie sich die Zeiten doch ändern: Ich weiß noch, dass ich in den 90ern beinahe mal aus einer Kneipe im Prenzlauerberg geworfen worden wäre, als ich mich als Münchnerin outete. Nur der Hinweis, dass mein Gegenüber gerader Erdinger Weißbier vor sich stehen hatte und Erding ein Vorort von München sei, überraschte zwar, ließ mich aber bleiben. Es entspannte sich daraufhin aber die unvermeidbare Diskussion, über München und Bayern an sich. Und die Berliner Meinung zu diesem Thema muss ich jetzt wohl nicht weiter erläutern. Das war im übrigen derselbe Aufenthalt, bei dem mir mein Ex-Münchner Gastgeber erläuterte, dass Barbour-Jacken ja sowas von München und sowas von uncool seien, dass man sich ja schämen müsste.

Dass hat sich inzwischen geändert. Also erstens ist die Jacke nach wie vor die selbe und ist damit schon fast vom Alter Vintage - also in Berlin per se cool. "Authentisch" fand in der Kastanienallee den Look eine Ostberlinerin. Weniger authentisch, aber weit verbreitet ist übrigens auch der Trench - auch das Orginal. Sagte der Begleiter noch im Vorfeld: du willst dich wohl gleich als Münchner Tussi outen. Nee, wa - fällste gar nich auf mit.

Aber zurück, ich wollte ja von der neuentdeckten Liebe der Berliner zu Bayern berichten. Man fühlt sich ja gleich willkommen in einer Stadt, in der einem der Taxifahrer schon vom Flughafen zum Hotel erzählt, dass Bayern doch das beste Bundesland überhaupt ist und Bayern die nettesten Menschen. Und dass Bayern-Wortverdreher Willy Astor nicht nur im selben Hotel absteigt - und wahnsinnig sympathisch sei - sondern in Berlin eine große Fangemeinde hätte. Das hat mich dann doch überrascht. Ich konnte nicht umhin, ich hab das nachrecherchiert und promt eine geradezu euphorische Kritik über Willy Astor und seine Auftritte bei den Berliner Wühlmäusen gefunden.

Bayern im Trend. Wahnsinnig angesagt sind nach wie vor Restaurants mit süddeutscher/alpenländischer Küche, wobei, räusper, hier gerne bayerisch, schwäbisch, österreichisch in einen Topf geworfen wird und der Schweinebraten im Gegensatz zum Tafelspitz noch nicht durchgesetzt hat. Aber das kann ja noch kommen.

Was aber schon da ist, ist das Münchner Orginal...

Augustiner

Danke schön

Ein Geschenk? Ein Geschenk! Ich habe ja schon gehört, dass es so etwas gibt, dass man von Unbekannten beschenkt wird. Und jetzt. Einfach so. Zuerst war ich erstaunt, als ich das Amazonpäckchen aus dem Briefkasten zog, dann hab ich mich gefreut. Und wie! Liebe Rosi, vielen herzlichen Dank!

Essen in Berlin

Mit irgendwo irgendeinen Schweinkram auf die Hand liegst du ja in Berlin immer richtig. Anscheinend auch nach wie vor. Dabei wollten wir doch einfach mal nett essen gehen. Aber dann war Sarah Wiener auf Sommerfrische und im Café Einstein wollten sie uns nicht: Wir würden doch sehen, dass hier kein Platz mehr frei wäre, sagte der Kellner und deutete auf einen Gast, der für seinen Espresso und seine Ledertasche fünf Stühle und drei Tische in Anspruch nahm. Dabei hatte ich den Tafelspitz in guter Erinnerung - aber es wird wohl eine bleiben und der Begleiter wird sich für Geschäftsessen eine andere Adresse suchen. So eine Arroganz habe ich in den letzten 18 Jahren München nicht erlebt. Sehr freundlich waren sie dagegen in der von Madame Modeste sehr gelobten Fleischerei - wobei ganz ehrlich das Preis-Leistungs-Verhältnis da auch nicht stimmt. Aber dafür gibt es ja die Kantine im Berliner Ensamble, wo wir mit Klaus Maria Brandauer das Nachtmahl zu uns nahmen. Und für den Hunger zwischendurch, gibt's ja auch immer noch den Berliner Klassiker...

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