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Dezember 2010

Adieu 2010!

Das Jahr verabschiedet sich leicht trüb. Nicht wirklich schlecht, aber sicherlich nicht sonnig. Das passt zu 2010. Bereit für die letzte Nacht des Jahres: der Champagner ist kalt gestellt, Weintrauben sind im Haus, Silvesterkrapfen ebenfalls, der italienische Silvesterbrauch kann zumindest auch nicht schaden - so bringen wir das alte Jahr nicht rauschend aber stilvoll hinter uns. Kommen Sie alle gut ins neue Jahr!


Liebes Christkind,

ich danke dir sehr für die schöne Wärmflasche, die ich bekommen habe. Ich habe sie gleich heute eingeweiht. Auf dem Sofa liegend und dazu habe ich die Kurzgeschichten von Fitzgerald gelesen, die du mir auch gebracht hast. Das ist sicherlich nicht die schlechteste Art einen Wintertag zu verbringen. Und ich will auch nicht undankbar sein, aber ich hätte heute lieber einen Wintertraum draußen verbracht und danach in den Winterträumen gelesen. Denn weißt du liebes Christkind unser Sofa hat schon Dellen, soviel wurde darauf in den letzten Wochen rumgelegen. Und eigentlich hat der Nikolaus ja noch ein Winterwanderbuch gebracht und eigentlich hätte ich kurz vor Weihnachten eine Pferdeschlittenfahrt geschenkt bekommen - aber da hat es geregnet und ich war erkältet und lag deshalb auf dem Sofa - und ich weiß ja, dass deine Geduld jetzt erschöpft ist, aber meine auch, und dass dein Job jetzt für das nächste Jahr getan ist, aber so ein paar Wintertage nicht auf dem Sofa sondern im Schnee wären schön. Und das nicht im März, da sind sie nicht mehr schön.

Zum vierten Advent

Dieser Advent ist anders. Gefühlsmäßig nämlich nach wie vor nicht existent. Was bei den Massen von Schnee eigentlich ein Wunder ist, aber wahrscheinlich bin ich so programmiert, dass ich dieses Wetter mit Januar in Verbindung bringe. Nur der Advent ist ausgefallen. Obwohl ich inzwischen Plätzchen gebacken habe. Wir sollten Weihnachten und Jahreswechsel trennen. Einfach irgendwann ein entspanntes fröhliches Weihnachtsfest feiern - so an Ostern zum Beispiel. Und sich zum Jahresende aufs Jahresende konzentrieren. Denn nicht nur, dass da noch Berge vorher erledigt werden sollen, es scheint auch, dass so ein Jahr am Ende immer gern noch was auftischt nach dem Motto "was ich dir noch mitgeben wollte". Und außerdem ist Winter und außerdem sind alle Menschen krank - und mir kratzt auch der Hals, nachdem ich eigentlich heute mit E. einen Weihnachtsmarktbummel machen wollte, doch den hat sie gestern abgesagt und so kann ich das Halskratzen nicht einmal auf ihre Kinder schieben. Und so fällt in diesem Jahr sogar der vorweihnachtliche Besuch in der kleinen Stadt aus, denn auch die Eltern wollen ihre Tochter bei dem Wetter nicht auf der Autobahn sehen. Wahrscheinlich wäre das Auto eh nicht angesprungen. Und aus der Parklücke muss ich es irgendwann freischaufeln. Aber ich habe schon gelesen, dass Schneeschippen ausverkauft sind.

Zum dritten Advent

Wann backen wir Plätzchen?, fragte der Mann schon vor drei Wochen. Das "wir" in dieser Frage fand ich entzückend. Wir backen meint: ich backe und er probiert. Eine Arbeitsteilung nach männlichen Geschmack. Vor drei Wochen war aber noch November und von Weihnachtsstimmung keine Spur. Dann kam der Dezember, es wurde Winter und Weihnachten naht mit erschreckender Eile. Blöderweise kam aber doch noch etwas dazwischen - und von Weihnachtsstimmung keine Spur. Außerdem war in diesem Haus, ausgerechnet in der Schlemmerzeit, vegane Diät angesagt - und bei der Frage ob vegane Plätzchen oder keine Plätzchen ist für mich die Antwort klar. Keine. Für uns musst du nicht, beeilten sich die Eltern zu versichern.

Wann backst du Plätzchen?, fragte der Mann sobald die strikte Ernährungsregel gelockert wurde. Und außerdem frage er nur, damit ich in Weihnachtsstimmung käme. Rührend.


Mit Speck fängt man Mäuse

Was haben wir nicht schon alles gemacht: Kohlenhydrate weggelassen, auf Zucker verzichtet, auf Alkohol eh. Alles machbar. Über Fleisch lass ich auch noch mit mir reden - eine begrenzte Zeit. Aber Fleisch, Käse und Eier? Da hört der Spaß auf. Für Menschen, die Fleisch lieben, von Eiweiß satt werden, wenig Kohlenhydrate zu sich nehmen und auf Soja allergisch reagieren, ist das nicht nur eine vorweihnachtliche Strafe, sondern auch schlicht unmachbar. Abgesehen davon hat man auch ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn man im Bioladen oder Reformhaus steht, die Lederhandschuhe in der einen und das vegane Zeugs in der anderen Hand. Da wartet man nur noch auf einen verbalen Angriff von Mitmenschen, die diese Lebensweise freiwillig auf sich nehmen. Mitgehangen, mitgefangen nennt man das. Und nach einer Woche leckerer Gemüsesüppchen ist das wahre Glück: mit einer Dinkel-Gemüsepizza auf dem Sofa zu sitzen, auf der zum ersten Mal wieder ein paar echte Käseflöckchen sind.