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Januar 2011

Italienischer Kaffee amerikanischer Art

Normalerweise stay ich ja lieber als dass ich go. Jedenfalls für Kaffee. Ein Kaffee im Tagesablauf ist soviel wie Auszeit, hinsetzen. Man kann über die Dinge reflektieren, die noch zu tun sind oder einfach nur ein bisserl blöd schauen. Go-Kaffee hat so etwas hektisches, dann lieber Espresso - geht auch schnell. Das ist ebenso wie ein Essen "auf die Hand" - auf die Hand, in den Mund, in den Magen und derweil ist beim Gehirn gar nicht angekommen, dass man etwas gegessen hat. Viele Kalorien, null Wirkung, höchstens etwas Magendrücken, weil eben zu hektisch gegessen. Aber trotzdem wieder Hunger, weil inzwischen das Essen vergessen. Kurz: ich meide die Snacks und Kaffeebecher, wann immer es geht und setze mich damit höchstens mal auf die Parkbank in die Sonne. Letzte Woche allerdings war doch dann plötzlich Parkbank und Sonne Wetter und da da habe ich tatsächlich mal wieder diese internationale Kaffeekette unterstützt. Cappuccino sollte es sein, tatsächlich war es ein Kinderkaffee - also viel heiße Milch, viel zu heiß, mit einem Hauch Espresso. Unklar ist, ob der Kinderwagen, der bei der Bestellung neben mir stand, einen Einfluss auf die Zubereitung hatte. In Verbindung mit einem Kinderwagen gebracht zu werden, bedeutet ja auch, dass der Stempel "Latte macchiato-Mami" drohend über einen schwebt. Auch wenn keine der beiden Frauen Latte macchiato bestellt. Und definitiv nur eine davon die Mami sein kann. Für mich jedenfalls ist die heiße Milch mit einer homöopathischen Dosis Kaffee nichts. Davon bekommt man auch Magendrücken. Dann lieber Espresso: kurz, heiß, schwarz.

Es ist Januar.

Jetzt sind die Jahreszeiten wieder da, wo sie sein sollen - und prompt fängt das große Gemaule an. Ich schließ mich da ja nicht aus. Man vergisst so schnell. Ein paar Tage und man träumt von Frühling. Nix is, Januar is - und der Januar ist wieder so wie immer: kalt, grau, dunkel. Andererseits ist der Januar wohl der Monat, in dem am intensivsten gearbeitet wird in diesem Land. Gibt es dazu vielleicht eine Studie? Nichts lenkt ab, höchstens vielleicht eine Grippe-Welle. Aber das wünscht sich ja kein Mensch. Also arbeiten wir mal schön. Und tragen noch ein bisschen die warmen Sachen, mit denen wir uns im Herbst voll Panik vor einem kalten Winter eingedeckt haben. Und verfeuern das Holz, das sich auf Balkonen und Terassen stapelt, im Kamin. Und verschieben die Frühjahrsdiät noch ein bisschen, weil wenn es kalt ist, brauchen wir Kohlenhydrate und unter den weiten Wintersachen fällt das eh nicht auf. Und dann schwärmen wir von dem Sonnentag im Januar, an dem wir mittags draußen saßen - ganz wie im Frühling.

Die unentwegte Statusmeldung

Mei ist das schön, dass wir jetzt überall erreichbar sind. Inzwischen auch in der U-Bahn. Und deswegen piepst und ringt und melodiet es auch ununterbrochen. Ja, ich bin grad in der U-Bahn, schreit dann jemand neben dir ins Telefon. Weil wenn ein Mobiltelefon klingelt, muss man rangehen. Das ist eine Zwangshandlung. Und selbst wenn man nur rangeht und sagt, dass man zurück ruft. Aber ein Mobiltelefon darf man nicht klingeln lassen, geschweige denn es ausschalten oder daheim vergessen. Aber das passiert wahrscheinlich eh niemanden außer mir. Aber dass es klingelt zeigt auch wieder wie rückständig die Münchner sind. Währen sie jetzt wirklich hip, würden sie ja schon gar nicht mehr telefonieren, sondern natürlich nur noch schreiben. Tip, tip: bin grad in der U.Bahn. Odeonsplatz. Send an 2000 fb-Freunde. Das wäre dann wenigstens leiser. Und wahrscheinlich privater, denn haben sich all die Wächter unserer Privatssphäre schon einmal darüber Gedanken gemacht, was wir alles in der Öffentlichkeit preisgeben, wenn wir dort lautstark telefonieren?

Jahreszeitenverwirrung

Frühling ist es. Mitten im Januar. Mich macht das misstrauisch, das kann nämlich und eigentlich nur bedeuten, dass der Winter im April zurückkommt. Oder vielleicht haben sich auch die Jahreszeiten verschoben. Jetzt ist Frühling, im Mai dann Sommer und im August beginnt der Herbst. Das weiß man ja heutzutage nicht mehr so genau. Vielleicht ist aber auch nächste Woche schon wieder Winter.

Schöner Januar I

Winterlangeweile? Dem kann ich abhelfen und greife damit etwas auf, was ich ganz am Anfang dieses Blogs regelmäßig gemacht habe: die Freizeittipps von Frau B. - persönlich und subjektiv.

Januar ist Lesezeit. Ich selbst hab ja grad nicht die Zeit, hätte ich sie aber würde ich mich mit einem dicken Wälzer auf dem Sofa niederlassen. Auf mich wartet "Freiheit" von Franzen und ich freue mich schon sehr darauf. Wer es noch nicht kennt, dem sei an dieser Stelle auch die "Buddenbrooks" (Literaturnobelpreis mit Soap-Charakter) oder Feuchtwangers "Erfolg" empfohlen.

Wärme gegen Kälte. Wie wäre es mit jugend-stilvoll baden im Müllerschen Volksbad? Oder saunen im Dante-Bad? Mein ganz besonderer Tipp ist auch das Mathilden Hamam.

Kulturzeit. Am 31. Januar wird in den Kammerspielen das letzte Mal für diese Spielzeit "Susn" gegeben. Große Empfehlung! Im Volkstheater gibt's am 10. Januar Eros und im Metropoltheater kommt nochmals Woyzeck auf die Bühne. Oder mal ganz anders? Es gibt die ein oder andere Bühne in München, in die der kulturbeflissene Bildungsbürger eigentlich nicht reingeht. Wie wäre es mit einem quasi experimentellen Theaterabend der anderen Art?

Kulturzeit, Teil II. Grad ist die ideale Zeit, unbekannte Museen zu entdecken. Die Schack-Galerie geht neben den Pinakotheken immer etwas unter. Und was ist mit dem Verkehrsmuseum? Und waren Sie tatsächlich schon mal im Bayerischen Nationalmuseum?

Richtig Spaß macht so ein Museumsbesuch ja nur in Verbindung mit Kaffe und Kuchen. Neue Kaffeehäuser aufsuchen, kann man aber auch so machen. Oder mal ein neues altes. Das umgebaute Café Luitpold beispielsweise finde ich sehr ansprechend.

Farbe gegen Grau. Wenn die Wohnung entweihnachtet ist, kommt sie mir doch immer sehr reduziert vor. Zeit für einen Blumenstrauß.

Neue Länder entdecken. Weltkarte und Restaurantführer - und mal schauen, wie weit man kulinarisch in München kommt. Wäre auch ein schönes Blogprojekt für dieses Jahr.

Jetzt könnte ich noch so sinnstiftende Dinge, wie Ordnung schaffen, erwähnen. Das lass ich aber mal weg. Und meine Ausflugstipps kommen die nächsten Tage.


Immer mit der Ruhe in der staaden Zeit

Es ist ja immer noch Weihnachtszeit hier in Bayern. Auch wenn im Rest des Bundesgebietes keiner mehr Weihnachten sehen, riechen und schmecken kann, bis 6. Januar ist Weihnachten. Dass jeder sagt, es reicht schon, liegt eh nur daran, dass sie jedes Jahr früher beginnt und nicht erst am ersten Advent. Aber vom ersten Advent bis Dreikönig - das sind sechs Wochen, das hält man schon aus. Es hat sich etwas verschoben. Das ist wie mit den Erdbeeren, da isst jeder so viele Früherdbeeren, dass er die wirklich guten heimischen Früchte nicht mehr zu schätzen weiss. Also ich hab noch keine Probleme damit, Plätzchen zu essen. Der Christbaum steht auch noch und aufgeräumt wird erst am 7. Januar. Dann ist auch die dritte Phase der Weihnachtsgrußformeln vorbei. Die beginnt irgendwann im Dezember mit "Falls wir uns nicht mehr sehen..." steigert sich zu "Frohe Weihnachten!" flaut dann ab zu "Schöne Weihnachten gehabt? Und einen guten Rutsch" und ist jetzt bei "A guads neis jahr" angelangt. Das mag jetzt ironisch klingen, tatsächlich bin ich ein großer Anhänger dieser Formeln. Sie eröffnen einen Small-Talk, zeigen, dass man sich grad in einer ruhigeren Zeit befindet. Sie signalisieren Interesse - und überhaupt jemanden was gutes zu wünschen kann ja nichts schlechtes sein. Ich weiß schon, heute wird hektisch in der Neujahrsnacht ans ganze Adressbuch eine SMS geschickt und dann ist es gut. Ich bin da halt anders, ich wünsch lieber die ganze erste Woche den Menschen ein gutes neues Jahr.

Noch ein Rückblick

Was vom Jahre übrig blieb...

...ist wohl auch die Frage, wie mobil müssen oder wollen wir sein. In unserem schneller höher weiter hat uns das Jahr 2010 teilweise ausgebremst. Ob Vulkanasche oder Schnee - viele sind einfach mal irgendwo gestrandet oder nicht weiter gekommen. Ich habe mir mehrmals die Frage gestellt: müssen wir jetzt wirklich von a nach b? Als es im Dezember so richtig schneite beschloss ich für mich nirgends hin zu müssen. Ich wollte weder Auto noch Zug fahren. Aber sind wir mal ehrlich: wer hat für diesen persönlichen Spleen von mir tatsächlich Verständnis? Einen Termin abzusagen, weil es schneit, ist Luxus. Da war es mit der Asche fast noch einfacher. Da ist erst gar kein Flugzeug geflogen - die Stille am Himmel war herrlich. Geschäftstermine wurden abgesagt - und siehe da, es ging auch per Telefon. Statt Flugreisen buchten Menschen um und machten Wellness-Urlaub im Rottal - und waren erholt wie selten zuvor. Und eine US-Kollegin schwärmt noch heute von der Woche Urlaub in Bayern, die ihr der Flugausfall bescherte. Wir müssen gar nicht so mobil sein, wie wir manchmal glauben. Vielleicht müssen wir stattdessen manchmal unser Leben einfach entschleunigen.