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Februar 2011

Erinnerung an kindliche Alpträume

Hab ich schon erwähnt, dass ich Fasching nicht mag? - Dieses Jahr noch nicht. Also ein verfrühter Hass-Content zu diesem Thema. Ich sage nur "Kinderfasching". Gibt's jetzt ernsthaft jemanden, der in Erinnerungen schwelgt und davon schwärmt, wie schön das war? Das muss eine verzerrte Erinnerung sein, denn nichts in der Kindheit ist mehr von Grausamkeit geprägt wie der Kinderfasching - elterliche Grausamkeit und kindliche Grausamkeit. Wir wurden in den 70er Jahren zu Schlümpfen und Pilzen dekoriert - und sahen entzückend aus und wollten aber lieber Indianer sein. Ganz frühkindlich tobten sich unsere Eltern einfach aus. Bis sie sich ein Stück weit dem Diktat beugten und die Jungs als Indianer gingen und die Mädchen... Jungs hatten es da einfach einfacher. Und während andere Mädchen einfach nur hübsch sein durften in ihren Kostümen, wurden meine alle von Mutter wintertauglich gemacht. Stiefel, Wollstrümpfe, Tütü, Anorak - was für ein Anblick. Ich weiß heute noch, wie ich mich gefühlt habe. Aber ich war nicht allein: die R. als Zigeunerin (das durfte man damals noch sagen) fiel viel zu sehr auf, als dass sie sich wohlgefühlt hätte - war ein tolles Kostüm. Oder das Jahr, in dem keiner dem C. sagte, dass Indianer nun out seien und er als einziger Häuptling bescheuert inmitten von Piraten saß. Er brauchte keine Schminke, sein Gesicht war den ganzen Tag rot.

Erkenntnis

Ich bin spießig. Nennen wir es doch einfach mal so wie es ist. Das mag Sie, lieber Leser, vielleicht wenig überraschen. Aber man selbst sieht sich doch gerne als weltoffenen toleranten Menschen. So als Idealtypus. Sagen wir einmal wie es ist, ich entspreche meinem Idealtypus nicht. Man kann seine Wurzeln nicht verleugnen. Ich bin Niederbayerin. Mit der dem Landstrich eigenen Engstirnigkeit. Zwar habe ich die niederbayerischen Grenzen überschritten, was mich innerhalb meiner Herkunftsgemeinde schon als Exotin kennzeichnet. Sie wissen scho - nach Minga auffi - das ist ein gesellschaftlicher Aufstieg, das ist eine Herausforderung. Das ist Oberbayern und damit Feindesland. Weil Ober sticht Unter und das ist der Minderwertigkeitskomplex des Niederbayern schlechthin. Jetzt komme ich ja aus der Stadt, die quasi der Eichel-Unter unter den Untern ist, also im Wenz der höchste Trumpf. Und die Karten für einen Wenz muss man erst einmal haben. A Sauspiel kann ja jeder. Also vielleicht ist ein Eichel-Unter als genetische Grundlage gar nicht mal so schlecht. Es soll Leute geben, die darauf setzen.

Piep

Es gibt diese Zeiten, in denen die Gedanken Karusell fahren. Jetzt bin ich persönlich kein Freund des Karusells, weil mir wird davon schlecht. Ich möchte gerne mit beiden Beinen auf der Erde stehen. Ich möchte auch nicht, dass sich etwas dreht. Ein dahinfließender Bach oder ziehende Wolken sind mir genug der Bewegung in meinem Blickfeld. Ähnlich kann man sich das mit den Gedanken vorstellen. Sie hüpfen und springen und drehen sich im Kreis bis es einem übel davon wird. Man sucht den Punkt, den man fixieren kann. Entscheidungen werden getroffen und hinterfragt. Und wieder drehen sich die Gedanken. Wünsche. Und die Erkenntnis, dass man nicht erkannt hat, dass diese sich ändern können. Oder man hat es nur nicht zugegeben. Am Ende froh sein, dass es einen Fixpunkt gab und gibt.