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März 2011

Verloren in der Zeit

Die Zeitumstellung und mein Zeitgefühl ist in diesem Frühjahr ein Widerspruch in sich. Ich reagiere auf alles - wie Hunger, Müdigkeit, Lust auf Tee, Aufwachen, Schlafen - als wäre es schon eine Stunde später. Als hätte man die Uhr nicht vor- sondern vielmehr zurückgestellt. Also irre ich ohne jedes Zeitgefühl durch die Zeit und lasse mich nicht von meinem Gefühl sondern von der Uhr leiten, die sagt: Aufstehen, Essen, Tee trinken, Schlafen gehen. Ferngesteuert oder auch fremdbestimmt, bestimmt von dem, was wir mal als Zeit definiert haben und über das wir die Interaktion mit anderen Menschen bestimmen. Ich könnte mich ja auch in eine Einsiedlerhütte begeben und es wäre interessant, zu welchem Zeitgefühl ich dabei fände. Aber ich hoffe stattdessen, dass sich alles auch so wieder regelt.

Nockherberg 2011

Gestern war ja der Nockherberg. Das wird jetzt eigentlich nur aus Chronistenpflicht erwähnt, weil wir (Autoren-Ich - Achtung: Intelektuell) jedes Jahr darüber berichtet haben. Was mir gefehlt hat, war als erstes die Geschichte: sowohl im Singspiel wie in der Rede. Sie wissen schon, Bogen, roter Faden etc. Aber ich hab auch schon an anderen Stellen gemerkt, dass mein Festhalten an dem, was man neudeutsch Story-Telling nennt, fürchterlich out ist. Also der rote Faden von Mama Bavaria war ein bisserl arg Mama-und-Horsti mäßig. Die Bavaria hätte ihre Betrachtung des Landes Bayern für meinen Geschmack mehr von oben herab machen können. Aber das ist Geschmackssache und eine Frage der Perspektive. Sagen wir mal: ausbaufähig. Den Singspielspielautoren dagegen sei ein Grundkurs Drama - Niveau Mittelstufe - empfohlen: Einstieg - Spannung - Höhepunkt - neue Spannung - Ende. Und bitte nicht so anfangen, dass man als Zuschauer schon zu Beginn am Ende ist. Und was machen die Autoren in Nockherbergs Namen, wenn sie im nächsten Jahr nicht mehr die Guttenberg-Söder-Double gegeneinander antreten lassen können? Für das Singspiel bleibt nur zu hoffen, dass uns der Söder erhalten bleibt. Was für Aussichten...

Süßer die Pollen nie blühen

Oder: woran merkt eine Allergikerin, dass Frühling ist. Wobei das eigentlich nicht das Thema der Geschichte ist.

Jedenfalls nicht an den überschäumenden Hormonen. Dieses Recht ist der Jugend vorbehalten oder vielleicht der Midlife-Crisis. Das eine habe ich hinter mir gelassen und das andere steht hoffentlich nicht vor mir. Jetzt ist es aber durchaus so, dass eine Frau mittleren Alters Frühlingsgefühle entwickelt. Interessanterweise in einer Form, also einem Bedürfnis, das im Rest des Jahres eher mittelprächtig ausgeprägt ist. Also unsere Mütter und Großmütter würden darüber wahrscheinlich lachen, für sie war der Frühjahrsputz noch eine große Angelegenheit. Da wurden die Schränke innen geputzt, das Geschirr gespült, die Vorhänge gewaschen, das Silber poliert etc pp.

Wir Frauen mittleren Alters von heute haben jetzt aber weder die Zeit, noch das Personal - das Haus von oben bis unten zu wienern. Und ganz ehrlich: dazu fehlt uns auch die Lust. So ernst kann man das Thema doch gar nicht mehr nehmen. Und trotzdem: die Fenster sollen mal wieder glänzen, der Balkon soll begrünt werden, die Winterklamotten eingemottet, die Sommerkleider raugeholt.

Hier jedenfalls ist grad Frühjahrsputz angesagt. Auch wenn meine Großmutter über diese Bezeichnung wahrscheinlich den Kopf schütteln würde.


Künstliche Verknappung

Ist etwas völlig normales. Begehrte Güter wie bestimmte Handtaschen werden knapp gehalten, denn sonst wären sie ja nicht mehr so etwas besonderes. Allgemein wird natürlich eine Menge klein gehalten, damit der Preis groß gehalten werden kann. Damit man sich diese Begehrlichkeiten erfüllen kann, muss eine Wartezeit in Kauf genommen werden. Das gilt dann nicht nur für Handtaschen, sondern auch für Arzttermine. Einige Wochen sind normal, damit man den Wert auch zu schätzen weiß. Wartezeit als Wertsteigerunsmaßnahme sozusagen. Das ist anscheinend auch die neue PR-Strategie der Post. Wenn dann an einem normalen Montag nachmittag mitten im Jahr eine Schlange bis weit auf die Straße steht ist das ein positives Unternehmenssignal: die Leute schreiben. Nicht nur zu Weihnachten. Vergiss Email und Social Media - der Brief lebt! Wenn man aber nach zwanzig Minuten Wartezeit nach vorne gestanden ist, sieht man auch den Grund. Ein armseliger Schalter ist geöffnet. Begehrlichkeit erwecken statt Service bieten. Auch eine Strategie.

Jeden morgen die bange Frage: Wie ist die Lage. Die Tage mit dem Blick auf den Newsticker. Die Abende mit Nachrichten und Brennpunkten. Die letzten Tage nichts schreiben wollen, weil es nichts zu sagen gab. Und doch geht das Leben seinen normalen Gang: die kleinen Ärgernisse sind noch da, ebenso die kleinen Freuden. Mit Kindern im Wildpark gewesen und Tiere geschaut. Eine Hochzeitseinladung bekommen. Verstanden, es ist ein Bekenntnis zum Leben.


Zum Weltfrauentag

Eigentlich wollte ich heute ein launiges kleines Stück zum Weltfrauentag schreiben. Aber zum einen schreibe ich ja häufig launige kleine Stücke über weibliche Eigenarten und zum anderen würde ich meinen Mitfrauen damit einen (guten?) Grund liefern, über mich herzufallen. Denn sind wir mal ehrlich: Ironie ist keine weibliche Stärke. Selbstironie schon gar nicht.

Dabei ist es doch eigentlich eine Ironie, dass Weltfrauentag mit Fasching zusammenfallen. Am Donnerstag haben Frauen den Männern die Krawatten abgeschnitten (Phallus-Sympbol!) und die Herrschaft übernommen. Kostümiert, betrunken und für sechs Tage. Räusper.

Fasching zeigt übrigens deutlich: die Rollen scheinen zugeschrieben. Schon im Kindergartenalter. B. geht selbstverständlich als Darth Vader, seine Schwester als Prinzessin. Emanzipierte Mutter hin oder her. Und doch kann aus Prinzessin M. eine selbstbewusste Frau werden. Denn dass eine zwanghafte Rollenumkehrung in der Kindheit nicht immer zum gewünschten Erziehungserfolg führt, haben wir inzwischen auch gesehen.

Aus Prinzessinnen können Kämpferinnen werden. Es können Herrscherinnen werden. Sie können aber auch Prinzessinnen bleiben. Sie haben aber, jedenfalls hier und heute, die Wahl. Wünschen wir uns zum Weltfrauentag Wahlfreiheit - so wie unsere Vorkämperinnen. Wahlfreiheit für ein selbstbestimmtes Leben. Und die Toleranz anderer, auch und besonders anderer Frauen, für diese Wahl. Kämpferinnen, Politikerinnen, Macherinnen, Bossinnen, Künstlerinnen, Mütter und Prinzessinnen vereinigt euch!

Weiberfasching

Es kann ja passieren, so zur Hochfaschingszeit, dass man jemanden trifft und nicht weiß, ob derjenige gerade den Fasching zelebriert oder tatsächlich so rumläuft. Dass man das dann thematisiert, das kann allerdings nur mir passieren. Und, raten Sie mal. ... Mein persönlicher Weiberfasching war ein Mittagessen mit einer Freundin (= Weiber) und ein Krapfen am Nachmittag (= Fasching).


Männer und Frauen gehen einkaufen.

Die Qualen der Frauen beim Einkaufen (vulgo shopping) sind hinlänglich bekannt. Denn Kleidung zu kaufen als weibliche Lust zu charakterisieren, muss einem Mann eingefallen sein. Das Triumpfgefühl stellt sich erst ein, wenn Frau endlich eine gut sitzende Jeans gefunden hat. Doch davor ist sie durch ein tiefes Tal der Qual gegangen.

Nachdem wir uns also einig sind, dass Frauen und Kleidung entgegen der Vermittlung von Frauenzeitschriften, die ja von Mode abhängig sind, keine uneingeschränkte Liebesbeziehung eingehen, wäre es an der Zeit, das gegenteilige Verhältnis, nämlich das von Männern und Kleidung betrachten. Ich selbst beneide ja Männer um ein Universalstück in ihrem Kleiderschrank: den Anzug. Die Bezeichnung sagt schon alles - anziehen. angezogen sein. Also wir sprechen von einem Anzug. Nix Kombination - so mit Jacke und Hose und das alles in verschiedenen Mustern und dazu ein buntes Hemd mit Bärchen-Krawatte. Allein die Tatsache, dass ich mir das nicht ausdenken kann und muss, sondern dass mein Auge derartig des öfteren beleidigt wird, zeigt, auch ein Universalstück hat Fallstricke. Vielleicht gehen Männer deswegen auch tendenziell in Begleitung zum einkaufen. Der Mann, der in der Mittagspause kommt, zielsicher nach einem bewährten Modell greift, es sicherheitshalber, es könnte sich ja im Schnitt etwas geändert haben - und kauft wie andere sich eine Butterbreze kaufen, ist ein seltenes Exemplar. Es ist der Typ, der seit über einem Jahrzehnt täglich einen Anzug trägt, aber noch nicht so viele Jahrzehnte, dass er entweder einen Hausschneider hätte oder so genervt von diesem Kleidungsstück ist, dass er auch schon nicht mehr bereit ist, einkaufen zu gehen.

Neben dem unkomplizierten gibt es eine Vielzahl von komplizierten Käufern: den Erstkäufer, den selten Käufer und den nicht-idealfigur habenden Käufer. Letzterer braucht zum Beispiel ganz besonderen Trost. Eine nebenbei surfende Begleitung ist da nicht hilfreich und kann eine Beziehungskrise heraufbeschwören. Ganz abgesehen, dass Begleitungen eh nicht immer hilfreich sind und ich doch all diesen Typen den Besuch eines Ladens mit geschultem Personal ans Herz legen möchte. Also eines, das einem Erstkäufer auch sagt: das ist zu eng, während die Freundin von "oh wie hübsch tailliert" schwärmt. Oder eines, das auch mal ein Hemd zur Anprobe empfiehlt. Eines, das taktvoll auf den Denkfehler aufmerksam macht, wenn der Kunde sagt: der Bauch (geschätze zehn Kilo) kommt eh dieses Frühjahr weg - und vielleicht stillschweigend die richtige Größe bringt. Weil die richtige Größe.

Ja, um die Größenauswahl kann Frau die Männer schon beneiden: ob lang oder kurz oder dünn oder dick. Es gibt für alles eine Größe. Bei uns Frauen gibt's ja nur eine Größe. Und haben wir die Grad nicht, ist der Einkauf eh gelaufen. Wie wir Frauen übrigens zu vollen Kleiderschränken kommen ist mir ein Rätsel.