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April 2011

Kunden müssen leiden

Stehe ich letztens vor einem Geschäft, wieder mal vor verschlossenen Türen. Daran keine Öffnungszeiten, also rufe ich mal die Nummer an jener Tür an. "Wir öffnen nur zu Terminen", heißt es. Was die Hemmschwelle zu "Ich möchte mich mal umschauen" deutlich erhöht. Potentielle Kunden hat man wohl nicht nötig. Überhaupt scheint man Kunden grad nicht so nötig zu haben. Die Besitzerin des kleinen Ladens macht ihre Mittagspausen grundsätzlich spontan und dann lang dauernd. Jetzt ist man bei kleinen Läden grundsätzlich auf flexibel geschaltet, denn irgendein Tag ist immer zu. Geöffnet wir gerne erst um 11 Uhr. Dafür um 17 Uhr zugesperrt. Selbstverwirklichung statt Kundenservice. Oder eben nur auf Termin. Doch auch Termine müssen nicht zwangsläufig zählen. Meine Kosmetikerin war ganz erstaunt, als sie mich sah. Der Termin war nicht eingetragen worden. Ihr muss man zugute halten, dass ihr das wenigstens peinlich war. Während die Schneiderin, die ich aufsuchen wollte, den einzigen Tag in den Osterferien, an dem sie dagewesen wäre, spontan nicht da war. Sie hat ihren Urlaub verlängert. Und ich stand im Regen.

Sommer-Frühling in Südtirol

Dass eine Fahrt in die Apfelblüte für eine Allergikerin vielleicht keine ganz so clevere Idee sein könnte, kam mir tatsächlich erst während der Fahrt. Aber Südtiroler Apfelblüte war schon lange ein Urlaubswunsch - und im Nachhinein kann ich vermelden, auf Apfelblüten nicht allergisch zu reagieren. Wir haben sie auch gerade noch erwischt...
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Weg mit diesem Wort

Es hat sich ausgeleckert. Wie dieses Wort überhaupt in meinen Sprachwortschatz gelangt ist, ist eh eine Frage. Wenn wir mal ehrlich sind, das ist Kindersprache. Das ist doch kein Wort. Lecker. Also natürlich gibt es das Wort, aber im Süddeutschen war es bis vor ein paar Jahren nicht verbreitet. Es kommt ja aus dem Mittelhochdeutschen und ist heute im Niederländischen ein Wort. Und kam wahrscheinlich mit Rudi Carell nach Deutschland. Aber die inflationäre Verbindung von lecker und essen ist erst einige Jahre alt. In Bayern wohlgemerkt. Inzwischen ist alles lecker oder noch schlimmer legga. Lecker Essen kommt mir nicht mehr auf den Tisch. Essen ist gut. Es schmeckt. Sehr gut. Fein. Sehr fein. Köstlich. Es mundet. Und seit es vom Tisch verbannt ist, das Wort, fällt auf, wie oft es benutzt wurde. Als ob es keine anderen Worte gäbe.


Aufbrezelt is

Über den klassischen München Schick wurde ja schon oft geschrieben. Den Münchner an sich nervt dabei am meisten, dass an dieser Stelle der Grünwalder Schick mit einem Münchner Schick gleichgesetzt wird. Ich weiß zwar jetzt nicht, wie es in Bogenhausen ist, aber im Münchner Westen ist die Kleiderordung selbst in den hochpreisigen Wohngebieten eine andere. Unauffälliger. Teuer ja, aber dezent. Während das, was alle Welt unter Münchner Schick versteht eher unter "teuer aber geschmacklos" fällt und nur noch von Düsseldorfer Moden übertroffen wird. Aufbrezelt.

Jetzt ist Grünwald aber nicht München. Es ist ein Dorf außerhalb, das halt so nah da ist, dass die Bewohner gerne auf der Maximilianstraße flanieren, weil sie selbst nichts haben, wo sie flanieren können. Außerdem muss der Porsche ja ausgefahren werden. Und so kommen wir zu einer Eigenheit von kleineren Gemeinden. Das sich ausstellen. Und dabei unterscheidet sich das Dorf im Süden von München nicht von Kleinstädten im Bayerischen Wald.

In letzterem trug man schon vor zwanzig Jahren beim Ausgehen als Jugendliche einen Hosenanzug. Also eigentlich eine typische Business-Klamotte, die ich auch heute nicht ins Wirtshaus anziehen würde. Aber man ging natürlich in DIE BAR am Ort. Man war ja wer. Ich hab mich damals schon über diese Petitessen lustig gemacht. Und hab dabei einfach übersehen, dass ich in meiner eigenen kleinen Stadt eher in abgefransten Kreisen unterwegs war. Inzwischen weiß ich, dass man auch dort so ausgeht. Aufbrezelt.

Und bei meinem letzten Durchstreifen der Geschäfte in der kleinen Stadt fand ich: alles was teuer ist. Also natürlich findet man auch alles, was billig ist. Aber gleichzeitig die Top-Preisklassen. Wobei ich nur sagte: Für was? Wann zieht man hier ein D&G-Top für 400 Euro an? - Aber Sie wissen ja auch, was D&G heißt...

Die erste, die den Unterschied zwischen Kleinstadt und Millionendorf realisiert hat vor 20 Jahren nach unserem Wegzug, war meine Freundin U. "Ich muss mir nicht für jeden Gang zum Mülleimer überlegen, was ich anziehe", sagte sie. Und sie hat recht. Keiner muss sich hier aufputzen wie ein Weihnachtsbaum. Wobei, wenn wir ehrlich sind, die Jeans eben nicht vom Wühltisch stammt. Ebensowenig wie der Rest. Und deswegen braucht auch keiner hier einen Hosenanzug, um sich abzusetzen. Und ist trotzdem entspannter. Selbst Münchens Bar-Guru, der für teure Mode wirbt, geht mit Schlappen zum Bäcker.

Aber in der Kleinstadt brezelt man halt gern. In Niederbayern genauso wie in Grünwald.


Mütterliche Metaebenen

Ein Satz ist ein Satz. Es sei denn er kommt von Mutter. In einer Mutter-Tochter-Beziehung bekommt das kommunikative Sender-Empfänger-Modell eine weitere Dimension. Die umso komplexer wird, je mehr Lebenszeit diese beiden Frauen miteinander verbracht haben. Das Problem beginnt schon in der Kindheit. Manchmal. Kann man aber beobachten. Mutter sagt: Möchtest du ...? Kind denkt: will ich nicht. Mutter meinte aber: Du sollst... Kind merk es dir, es wird dich dein Leben lang begleiten. Hier wird nämlich der Grundstein für ein immerwährendes Missverständnis gelegt. Dieser wird dann in der Pubertät einzemmentiert, wenn sich Mütter und Töchter eh nicht verstehen. Die Missverständnisse bleiben. Was danach neu ist, ist das Wissen um die Missverständnisse - jedenfalls aus töchterlicher Sicht. Das jahrzehntelange Brainwashing der Mütter zahlt sich irgendwann aus. Niemand versteht es mit nur einem Satz schlechtes Gewissen zu erzeugen wie Mütter. Denn mit jedem Satz schwingt jahrzehntelanges Wissen und Nicht-Wissen mit. Das ist die Metaebene, die man berücksichtigen sollte. Jedes "man" ist ein "DU". Und du bist du Tochter, logisch. Allein die Frage: hattet ihr ein schönes Wochenende? - kann eine Anklage sein. Muss nicht. Aber find das erst einmal raus. Nein, Mütter drücken Missbilligung selten offen aus. Aber sie haben eine ganze Reihe von Nuancen. Und wir Töchter versuchen zu ahnen. Ob ein Satz einfach nur ein Satz ist. "Wenn du wiederkommst, wird die Blutpflaume sicher schon verbüht sein." Sagte meine Mutter.

Unschöne Aussichten

Oh hereindämmernde Sommermode gnade uns. Das erste Mal aufgefallen sind sie mir letztes Wochenende. Eigen, dachte ich mir noch, die Schuhe, die diese Frau zum leichten Blümchenrock trägt. Sommerstiefel 2011. Knöchelbedeckend. Schnallen. So ein Zwischending zwischen Jesuslatschen und Kampfstiefeln. Eigen dachte ich. Falsch gedacht. Gar nicht eigen - super Mainstream. Denn offensichtlich trägt Frau dies diesen Sommer. Ich denk mir ja nur: das muss doch scheuern, wenn es warm wird. Wie unangenehm. Unbequeme Schuhe, wenn sie denn sexy sind, versteh ich ja. Blöderweise meine Damen, sind diese Schuhe das Gegenteil. Sie verkürzen selbst endlos Beine zu Krautstampfern. Und meine Herren, Sie werden sich zu Ballarinas zurücksehnen.
Aber damit noch nicht genug mit der most-unsexiest Sommermode. Röcke oder Kleider haben diesen Sommer gerne Falten. Und zwar an der Taille. Hatten wir schon, nennt sich Bundfalten. Bundfalten. Trugen wir in den 80ern mit den Sweatshirts drinnen - erinnern Sie sich? Ungern. Übrigens auch unvorteilhaft.
Bis jetzt sieht dieser Sommer kleidungstechnisch nicht gut aus.