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Mai 2011

Wir sind so II

Was uns offensichtlich auch in die Wiege gelegt wurde, ist unsere Begeisterung für schöne Dinge. Schon so ein Baby kann Modeschmuck von echtem unterscheiden. So zeigt das süßeste Baby der Welt eine große Faszination für Mamis Perlenkette. Auch Uhren sind großartig - aber nur die ab einer gewissen Preisklasse. Die billigen würdigt sie keines Blickes. Gleiches gilt für Armbänder oder Ringe. Wer wissen will, wie man bei Babygirls ankommt, muss sich nur die Schwabinger Mamis anschauen, die nach Schulschluss im Akademieviertel mit Finn, Paul und Annalena Eis essen gehen. Und in deren Richtung ist von meiner Seite jetzt schon eine Entschuldigung fällig: Sie schmücken sich nur für ihre Kinder. Und damit haben sowohl kleine wie auch große Mädchen eine Freude. Juweliere und Uhrenhersteller sollten vielleicht anfangen, in Mama- und Baby-Magazinen Werbeanzeigen zu schalten.

Wir sind so

Es ist und bleibt die Frage des angeborenen und anerzogenen Verhaltens. Nun bin ich keine Sozialpädagogin, aber das Anschauungsmaterial um mich wird ständig mehr. Und dann sieht man, dass auch bei Eltern, die ihr Kind versuchen, geschlechtsneutral zu erziehen, die Mädchen zu Puppen und die Jungs zum Auto greifen. Wahrscheinlich laut 70er Jahre Feminismus liegt das am bösen Kindergarten. Wie auch das Faible für Rosa bei kleinen Mädchen, deren Mütter ganz sicher kein rosa tragen. Gehen wir also in die Vor-Kindergarten-Zeit. Und bleiben wir bei Kleidung. Ab einem gewissen Zeitpunkt lieben kleine Mädchen einkaufen. Nämlich dann, wenn sie die Großen imitieren. Sich schön machen wollen. Wobei das Putzen im Sinne von Rausputzen ist nicht spezifisch weiblich. Auch kleine Jungs können Tobsuchtsanfälle bekommen, wenn sie ein bestimmtes Kleidungsstück anziehen wollen und nicht dürfen. Allerdings nennen wir das anders. Und wahrscheinlich würden kleine Jungs ebenfalls mit Nagellack experimentieren, wenn nicht andere kleine Jungs im Kindergarten sagen würden, dass das total uncool und weibisch sei. Aber ich schweife ab. Der eigentliche Punkt: die Lust des Einkaufens ist definitiv keine angeborene. Die Frage ist nur, ab wann sie einsetzt. Wie ja auch der Flirt mit der Kamera sehr früh einsetzt - also das posieren. So kann ja auch das Schmücken-Wollen, das Haben-Wollen irgendwann mal einsetzen. Ich werde das beobachten. In meinem Leben gibt es nämlich seit einem halben Jahr neues Beobachtungsmaterial. Wir nennen es mal das süßeste Baby der Welt (kurz: dsBW) - soviel Objektivität sollten Patentanten haben. Also das süßeste Baby der Welt durfte mit shoppen gehen. Was dem süßesten Baby der Welt herzlich egal war. Doch dabei bot es Raum für eine interessante Beobachtung. Man meint ja immer als Nicht-Baby-Besitzer so ein kleines Wesen hätte nur eine Möglichkeit sich auszudrücken, besonders wenn es um Misswillen geht. Weit gefehlt. Ich sage ihnen, die Körperhaltung, der Gesichtsausdruck - gelangweilt, genervt - wie eine Große. Meine Herren, das ist der Beweis, Zickigkeit ist angeboren. Wir müssen dafür weder schreien noch toben - nur schauen. Sie kennen alle diesen Gesichtsausdruck. Und, als Generalabsolution für alle Frauen: Dieser Gesichtsausdruck wurde uns in die Wiege gelegt. Wir können nicht anders.

Servus, Pfiad di und Pfia God

Uns Bayern wird ja nachgesagt, wir seien etwas schwerfällig in unserer Ausdrucksweise. Und wir seien grundsätzlich etwas einsilbrig. Das mag schon stimmen. Allerdings in einem Punkt braucht der Bayer etwas mehr Silben als zum Beispiel der Norddeutsche - und das ist in der Begrüßung oder Verabschiedung. Statt einem zackigen "Tag" braucht es hier ein "Grüß Gott". Und damit hat sich der Bayer eh schon verkürzt, früher hieß es auch gerne mal "Habe die Ehre", was zu meinem Bedauern völlig ausgestorben ist. Warum der Bayer mehr Silben zur Begrüßung braucht, ist nicht ganz klar. Vielleicht um sich auf das Gegenüber einzustimmen. Die nun folgende Unterhaltung kann nun wieder sehr einsilbrig sein: Ja. Passt. Pfiad di. Der eingeborene Niederbayer wie ich es bin, kann dem problemlos folgen. Wichtig ist, der kurzen Unterhalten folgt ein zweisilbriger Abschiedsgruß. So. und jetzt geht das Problem los. Wir Bayern haben uns nämlich assimiliert. Statt "Pfiad di" oder "Servus" folgt nun ein "Tschüss". Überall - unter Bekannten, im Geschäft, sogar im Wirtshaus. Tschüss. Kinder kennen gar keinen anderen Abschiedsgruß mehr. Es ist eine sprachliche Schande. Tschüss. Blöderweise hat der Bayer zwar ein Wort assimiliert, ist aber nach wie vor darauf indokriniert, dass ein Abschiedsgruß mehrsilbrig zu sein hat. Und dann klingt das so: Tschü-ü-ss. Na, das geht gar nicht. Hört man mal wohltuend einen Norddeutschen diese Abschiedsfloskel verwenden ist es eine Abschiedsfloskel wie viele andere auch. Kommt sie aus bayerischen Mund, klingt sie falsch. Es ist wie ein Fremdwort, das falsch ausgesprochen wird. Deswegen: Tschüss dem Tschü-ü-ss. Und schade eigentlich, dass keiner mehr Servus sagt. Außer mir. Ich sag Servus. Und wenn ich jemanden mag, sag ich auch: Pfiad di. Das hat nämlich schon fast etwas liebevolles an sich.

Die weiblichen Adabeis von München

In den Laden gehe ich nur, weil ich einmal, vor vielen Jahren, einen echten Fund gemacht habe. Später habe ich festgestellt, dass dieser Glückstreffer an Kleid mit dazugehöriger Jacke nur deshalb zu finden war, weil er nicht dem Stil der Kundschaft entspricht. Doch hin und wieder habe ich die Hoffnung, dass die Besitzerin im Einkauf doch nochmal so daneben liegt - und so etwas auf mich wartet. Aber die Besitzerin hat ein Händchen für ihre Kundinnen. Es sind die klassischen "Ich wär so gern"-Frauen, die in allem so einen Tick daneben liegen. Angefangen mit ihrer Haarfarbe, die eben nicht blond ist, aber blond sein soll. Dazu kommt die Figur, die eben nicht der klassischen 36/38 entspricht, aber in dieser hineingezwängt wird, weil eine sehr viel kleidsamere 40 (oder mehr) aus Prinzip nicht in Frage kommt. Ebenso nicht in Frage kommen gedeckte Farben. Und das ganze bitte in kurz. Denn ebenso wie die tatsächliche Figur wird das tatsächliche Alter verdrängt. Es sind Damen, die den Traum der Münchner (Grünwalder - hatten wir schon) Tussi träumen, aber neben allem anderen auch nicht über die finanzellen Mittel verfügen. Auch wenn sie durchaus ein gewisses Budget haben. Ich bin also entsprechend deplaziert in diesem Laden. Und entsprechend werde ich von der Besitzerin in der Regel ignoriert, wenn ich einmal im Jahr dort hineinschaue. Dann kann ich schnell mal das Angebot scannen und wieder verschwinden. Aber wehe, und das ist jetzt passiert, die Besitzerin wird aufmerksam. Ich wurde also beraten. Ein elegantes Sommerkleid für einen Anlass war meine Vorgabe. Nur die Vorstellungen von Eleganz gingen doch weit auseinander. Zu kurz, zu bunt, zu eng. "Aber wer wie Sie (also ich) keine Kleider trägt, hat eben keine Ahnung", war ihr Fazit. Doch immerhin die Ahnung, dass mein Glückstreffer vor vielen Jahren ein einmaliger Glückstreffer war. Die Dame kennt ihre Kundschaft gut - und ich gehöre nicht dazu.

Neu und extraordinär

Ich bin ja rein, weil alle Läden, in denen ich die letzten beiden Wochen war, meinten, so etwas extraordinäres wie Küchenputzmittel nicht im Sortiment haben zu müssen. Und deswegen dachte ich mir, schau ich mal, was denn dieser neue Drogeriemarkt so im Sortiment hat. Und anscheinend hat ganz Neuhausen auf diesen neuen Drogeriemarkt gewartet, weil, es gibt ja nicht an jeder Ecke schon einen. Aber anscheinend ist es das "kleine Mädchen-Phänomen". Als vorpubertierende Gören fanden wir es ganz toll, zu dem Drogeriemarkt mit dem orangen M zu gehen. Da gab es Kleinmädchenkosmetik und Nagellack und Haarspangen. Also der Traum von kleinen Kleinstadtmädchen. Und oben die Musikabteilung. Die hat dafür gesorgt, dass auch die Kleinstadtjungs kamen. Und deshalb war der Drogeriemarkt ein ebensolcher Treffpunkt wie die Eisdiele, das Schwimmbad oder im Winter die Eislaufbahn. Vor- und Frühpubertierendes Pflichtprogramm. Für mich heute ist es nur noch Pflicht und kein Programm mehr. Aber anscheinend haben viele Menschen die Erinnerung behalten. Kaum macht ein neuer Drogeriemarkt auf, strömen sie in Scharen. Jetzt gilt es mal zu beobachten, ob sich das als Treffpunkt der Stadtteiljungjugend etabliert. Eine Musikabteilung haben sie keine.